Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 4 (1925-1926)
- Issue
- 4 (12.1925)
- Date
- 1925-12-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Wir wären Juden nicht und wären Deutsche nicht, wenn wir darauf nicht baulen. daß ein Veisöhnungstag der deutschen Mutter Binder olle «lnt. Ihr, die au» Llede für ihr Volk und Treue gegen ihren Glauben fich selbst geopfert, gebt uns Lebenden den Mut, zu harren der verh'tßnen Zeit, da aus der blutgetränkten Erde die Wahrheit wächit, da Lied' und Treu' fich überall begegnen und sich Gerechtigkeit und frieden küssen- Amen!? Nach diesen beiden offiziellen Ansprachen unserer hiesigen ehemaligen Feldrabbiner des Deutschen Heeres nahmen bei den nun folgenden Kranzniederlegungen noch das Wort: Herr Geis silr den Volksbund deutscher Kriegsgräbersürsorge. Herr Studienrat Hatzfeld für den Kreiskriegeroerband. Herr Hauptmann a. D. Reber für den deutschen Oifiziersbund und die vereinigten Frankfurter Offiziers oerbände. Herr Sauer für den Reichsbund der Kriegsbeschädigten. Herr Uhrig für den Centraloerband demscher Kriegerwitwen und -waisen, Herr Söller für das Reichsbanner Schivarz-Rot Gold. Frau Röhl für die Ortsgruppe des Republikanischen Neichsbundes. Herr Bartling für den Aibeitersamaritervirein und Herr Pfarrer Schwarzlose für den Gesangverein Ehrcnftld. Die Mitglieder des Gesangvereins spendeten jetzt wiederum eines ihrer tief empfundenen Lieder. Und dann schritten die beiden Herren Rabbiner ovr das Ehrendenkmal und oerrichteten gemeinsam das Kaddischqebct zum (Gedächtnis für die Kriegsopfer unserer Gemeinde. Das Deutschlandlied, zum Gehör gebracht von der anwesenden Musikkapelle, schlos; die eia/ntliche Feier. Nun löste sich die Veisammlung auf. Viele traten noch vor das Ehrendenkmal, um es in Erinnerung an die Toten mit stiller Wehmut zu betrachten. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und nach ihm die Mannschuslcn der Sanitäls- Kolonne vom Roten Kreuz und des Arbeiter-Samaritcrverein? zogen in geschlossenem Vorbeimarsch an dem Denkmal vorüber, so ihren dahingeschiedenen Kameraden »in Zeichen treuer Gesinnung in ehrender Anhänglichkeit gebend Die Erinnerung an unsere Toten aus dem Weltkriege sei unserer Gemeinde, unserer Vaterstadt, unserem deutschen Volk zum Segen I Nr. Siegfried Sommer. Am!U. Septembr»".vrrsiarb dahier der Ooerlandesgerichtsrat a. D. Geh. Iustizrat Dr. Siegfried Sommer. In Rotenburges. Fulda gcboren.'hat Sommer seine Ausbildung auf dem Gnmnasium in Cassel empfangen, und zwar gleichzeitig mit dem damaligen Prinzen Wilhelm von Preus.en, dem späteren Kaiser. Die.Beziehungen, die sich daraus zwischen beiden ent» wickelten, waren herzlicher als man sie zwischen einem Mitglied de»'hohenzollernschen Hause» und einem jüdischen jungen Manne voraussetzen konnte. Sie haben lange Jahre hindurch bestanden und sie sind auch nach aussen in Auszeichnungen persönlicher Art hervorgetreten. Bor mehr als 40 Iahren kam Sommer nach Frankfurt, das ihm zur zweiten Heimat wurde. Er war hier zunächst als Gerichtsassessor. dann als Amtsrichter in Bockenheim »nd .schließlich al» Mitglied des Landgerichts tätig. Ausgezeichnete Rechtske»»tniss«. eine rasche Auffassungsgabe, eine besondere Fähigkeit in der formalen Handhabung der Geschäfte und eine unbestechliche, unbeirrbare Objektivität, dazu ein warme» menschliche» Empfinden lieben ihn in hervorragende,» Maße zum Richter geeignet erscheinen, und sie befähigten ihn geradezu zum Aufrücken in höhere richterliche Stellen. Bon tiKU ab aber verwaltete in Preußen Herr Schönstedt da» Justiz ninisterium. Von Hause aus kein Antisemit, war er vor allem bestrebt, sich da» Wohlwollen der konservativen Mehrheit de» Landtag» zu erhalten, und um dies Ziel zu erreichen, schreckte er vor keiner rückschrittlichen Maßnahme zurück. Beförderungen von Juden in gehobene richterliche Stellen gab es unter seinem Regime nicht, nur gelegentlich gewähne er sie denen, die sich taufen ließen. Mit Ingrimm mußten dlluotjchea R chter zusehen, wie ihnen immer wieder Kollegen ssr» gezogen wurden, die itznea an Fähigkeiten weitaus unterlegen «ans. Maa «ag fich »«rKellea. wie schwer da» auf einem S! Mann von Sommers Gerechtigkeitssinn gelastet haden'mag. Er erbat und erhielt Ende 190t eine Audienz bei dem Kaiser. Was i er in ihr vorgetragen hat, ist nicht bekannt geworden. Aber ixt j Sommers Dendungzact kann man sich vorstellen, dag er seinen» j Könige da» gesagt hzt^.was'der'Minister nie geäußert habe» s wird,"dag es,nämlich die!Pflicht des Landesherrn sei, die Verfassung Aushalten, nach der alle Staatsbürger.vor dem GeseU gleich jsind, undZdaß es auf eine Schädigung!-der Gesamtheit! hinauslaafenLmüise. w:nn man oersuche, durch'die Praris der Verwaltung die klaren Bestimmungen der Verfassung umzudeutet» und dabei diejenigen zu cheoorzagcn, die um^ äußerer Vorteile willen, von orm^angestammten Glauben abfallen. Wenige Woche» nach dieser fAuoienz mußle^Mini lcr SchZnstcdt das Patent gegen- 5 zeichnen, das die Ernennung'Sommers zum Oberlandesgerichtsrat in Cassel aussprach. Damit war ein lange Jahre hindurch festgehaltener Grundsatz ungcsefflicher Verwaltung;pcaris durchbräche». Unter Schönstedts ^Nachfolgern wurden dann hervorragend qualifizierte jüdische Bewerber bei drrKBefSrderung zu .Oberlande»- gcrichtsräten nicht^mehr hinter anderen ^zurückgesetzt.! Dr. Sommer verblieb eine R?ihe jvon Iahren in Cassel unZ wurdet dann später aus seinen '.Wunsch jnach Frankfurt versezt. Hier hat er 'am Oberlandesgcricht noch tIahre hindurch Ausgezeichnetes ^geleistet und ßer hat unter Aufopferung seiner Kräfte! gearbeitet, bis I. schweres Heiden ihn vorzeitig zwang, der richterlichen Tätigkeit zu entsagen. Er ist nach äugen hin weniM , hervorgetreten, wenn er auch in früheren Iahren hier und in Cassel in jüdischen Wohlsahrtsdinaen getreulich mitgearbeitet hat. Wer ihn aber kannte, der weisi.slmit welch innerlicher Liebe und Überzeugung er am Judentum gehangen hat. In der Geschichte der FranksurterLGemcinde wird sein Andenken als.das des erste» I Juden, der in unserer Stadt Richter am Oderlandesgericht g«- s worden ist und der dieses Amt 'durch musterhafte Leistungen und! durch inännliches.Betoncn seiner Zugehörigkeit zu unserer Glauben»» I geineinschast^erlangt hat, in Ehren festgehalten werden. I Mus Sehman. Geb. 17. 12 tL. zu Diez. gest. t«. w. 25. zu Frankfurt a. M. Nachdem die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler erst vor kurzem den Tod ihres Vorstandsmitgliedes, de» Herrn Philipp Schiff zu beklagen halte, ist diesem Herr Iuliu» Heq-nan. de? eifrige Kuns:samm!re vuin erlesenen Geschmack und weitreichenden Kenntnissen, leider allzufrüh gefolgt. Der Entschlafene hat! dem Vorstand der Gesellschaft lange Zeit als Kassiere? angehZrt unk sein Amt auch wcitervcrwaltct, als er sich aus idealen Gründen zur Wiederaufnahme seines Berufes genötigt sah Trogdem ihn sür wissenschaftliche und hamaiitärc Bestrebungen wcnig Muze blieb, segte er alles daran, um selbst.in sch veren Zeiten seinen Obliegen» Helten mit der ihm eigenen Genauigkeit und Pünktlichkeit nach- > zukommen. D?r Name dieses gewissenhatten Mitarbeiter« wir» immer im Vorstand der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kuns>! denkmälcr unvergessen bleiben. > Desgleichen waren die Verdienste de» Verewigten um vi« I Achawa ^Lehrerunlerstü!?ung:kassc) und um die Israelitische Fraue«-! Krankenkasse. Ueberall. wo Ialius Heaman sich Humanität' b«»! teil.gt hat. hinterläßt er e;n gesegnete« Andenken. Zeuerverbansea der Gemeiadebidllothet. Anlhologia Hedraica. Adramowilsch. Scholem-Iankew: Gesammelte Werke, 1, <^ Asch. Schalom: Geschichten au» der Bibel. Bamderger. Isaac Dod: Secher Simcha Bamderger. «eligmann Baer: Amtra le»Bet Iako». > Bernfeld. Simon: Geschichte der jüdische» Literatur, i Biaiii», >5izaii» Nachmai«: Essai». Brod, Mar: Reuden», Fürst der Juden.! Buder, Martin: Das verborgene Licht, i Clemen.eau. Georges: Jüdische Gestalten. Donath. A.:?t.udenli,k»-? I Dudnow. Simon: Weltgeschichte de» jüdische» Volkes» 1. 2.! Festschriit des Raddinersesisar« Berlin. yischer. P^lipp: Beiträge zur geschichtliche» Wurbi>»», «. U. ' Hirsch'».!