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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1925-12-01 · 4 (12.1925) · page 5

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
4 (12.1925)
Date
1925-12-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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»ie jene zehn Gebote, die einst, Felsblocken gleich, vom Sinai tzeruvterrolltea ia die RteSerunqen der Menschheit. Vergib nicht! Wieder sag' ich«: seien wir ehrlich! Wieviel »oa un» denken heule noch daran, was unser stolzes, tapfere« deutsche« Heer in jenen Jahren des Weltkrieges gelitten und geleistet hat: Ojfiziere und Soidaten.' Wer es auch nur irgendwie »riterlebt Hot. kann e» nimmer vergessen Ich will nicht ausrühren alle die Schrecknisse diese« grausamsten aller Kriege, die bisher gewesen. Ich will nicht reden vom rarch! baren Toben de« Trommelfeuers, vom Rasen der Sturmvögel »roden, der Fliegerscharen in den Lüften. Wer auch nur einmal eine Stunde tn jenen Erdhöhlen geweilt hat. die Unterstände hießen, »er auch nur einmal einen Schützengraben durchwandert hat, aus »en da drüben der Frind lauerte, wer nur einmal beobachtet hat. «ie schwer die Unbill der Witterung auf unseren Soldaten lastete, »er sie getroffen hat bei ihrer in dieser Kriegsnot oft so kärglichen Nahrung, wer ihnen begegnet ist auf den Truppenverbandsp!ät?en, tu den Feld« und Zleservelazaretten. wer sie gesehen hat, wie sie starrten vor Schmutz, wie das Blut an ihnen klebte, wie sie geschüttelt wurden durch ihre Schmerzen, wie die Wieder in ihnen rosten, wer ihr Auge im Tode hat brechen sehen — der kann nicht «ergefsen. Aber die vielen, die solches nicht geschaut, denen gilt das Wort: Lau tischkoch — vergiß nicht, was der deutsche Soldat gelitten und geleistet hat. Eine? ganzen Welt von Feinden hat er Jahr um Jahr Widerstand geleistet, die Heimat, die liebe Heimat hat er geschützt, daß sie die brandenden Wogen des Krieges nicht erreichten und sie nicht in Trümmer legten. Der deutsche Soldat »ad seine Führer haben ihr beste« Können, die gewaltigsten menschlichen Leistungen eingesetzt für die deutsche Erde, für das Deutsche Land, für da» deutsche Volk Das sei ihnen nie und »immer vergessen. Draußen stand ich gar manches ms! nach feierlichem Gottesdienst, die Kameraden um mich geschart, trnen ich aus drn tausend Kraftquellen unserer alten Bibel ihr jüdisches Erbgut vermittelte. Sie traten zu mir. und im Gespräch offenbarien se mir dos Innerste ichrer Seele. Wie liebten sie ihr deutsches Volk und Vaterland, »ie fühlten sie die Verpflichtung, ihr alles einzusttjen und. wenn e« denn sein mußte, Blut und Leben hinzugeben für diese ihre Heimat. Aber gleich stark war tn ihnen der Pflichtgedanke, daß Pe als Juden die Ehre ihrer Geireinfchaft zu wahren hatten. Wie »tele von ihnen haben sich mutig und tapfer anderen vorangesekt, »enn e« galt eine schwierige, gefahrvolle Patrouille zu gehen- »Ich bin Jude', — so fühlte es ihr Bcwußlsrin, ich will meinem Namen Ehre machen. Wie mancher Hot mii's gesagt: sie haben »ich in die Schreibstube befehlen wollen, ich habe mich geweigert: ich bin Jude und stelle meinen Mann. Diesen deutschen Soldaten jüdischen Glaubens und jüdischen Stammes ist das gleiche, ja das härtere Schicksal geworden, daß man dessen vergessen hat oder vergessen wollte, was sie litten, weil sie Juden waren, und was sie leisteten, da sie Juden waren Lau tischkoch .Veraiß nicht" — das ist die Mahnung, die aa das deutsche Volk in diesen Tagen, in diesen Jahren innerer Zerrissenheit geht, daß alle der Wahrheit und der Gerechtigkeit die Ehre geben möchten, nicht zu vergessen, was deutsche Soldaten, ob Jud oder Ehrtsr, wes Glaubens und wes Stammes sie auch sein mochten, gelitten und geleistet haben. Oft traf ich da draußen den einen oder den anderen, der einmal hier in dieser Stadt oder in meinem Geburtsort als Schüler z» meinen Füßen gesessen, dem ich die Quellen unserer heiligen Aeligion nahegebracht. Er sah mir dankbaren Blicks ins Auge. Aber al« ich wieder kam und wiederum bei jeinem Truppenteil und mit seinen Kameraden feierlichen Dienst unserem Gotte HI,i». da ward er nimmermehr erschaut: ri Hai» fein Leben drangegeben. Wie >ft ist» geschehen, daß einer, dem ich hier im Gotteshaus segnend die Hand auf« Haupt gelegt, da er unserer Gemeinde als selbst- »erantwortliche» Glied zugeführt wurde, von mir nimmermehr ersehen ward 4V7 treue Juden allein dieser Stadt, dieser unserer Gemeinde, habe« unter den >2c»X> deutschen Juden, die ihr Leben dem Vaterland geopfert, auch da» ihrige hingegeben. Lau tischkoch — vergiß nicht, das ist die Mahnung dieser Stande, die binllberkltngen soll in kommende Zeiten, die hinausalingea soll ia die weiten Straßen dieser Stadt, hinau» tn« ganze deutsche Land. Mehr denn 6S0 Jahre ist es, daß der erste Grabstein für einen Juden in dieser Stadt auf dem Boden de» alten Frankfurt» aufgestellt wurde. Mehr den» «SN Jahre ist es. daß dieses Wahrzeichen der engen und innigen Zugehörigkeit unserer Gemeinde zu dieser Stadl auf unserem altes Friedhofe sich findet. Heute und erfüllen wir ei« neue« Wahrzeichen. Ts wird und soll gletchfall» Kunde geben uns und den kommenden Geschlechtern von all dem. was wir Juden dieser Stadt, wir deutschen Juden in deutschem Land erlebten, daß wir Schicksals- und Kulturgemeinschast hatten S2H gleich uns Deutsche find, die gleich un» Daß aber da» alte Gebot unserer Bibel lau tischkoch — -Bergtß sich»- hier in unserer Mitte lebendig ist. davon legt diese Feie? Ze-zst» -d Gedankt sei all dcr-rs. dir zu ihr z-ksmm-n s«d. gedankt all denen, die zu ihrer würdigen Ausgestaltung bets! getragen haben und noch beisteuern werden Gedankt sei vor allem > dem Haupte unserer Sladl. dem Herrn Oberbürgermeister, daß er I im Rainen der Söhne und Töchter dieser Stadt hier erschienen ist.! Gedankt sei allen Behörden, allen Köiperschaften und Vereinen,! die hier vertreten find. Gedankt sei auch im Sinne jenes alle» I Gebotes Lau tischkoch den Mannen des Manne--, der dtcsen Ehren« > friedhof in seiner Anlage entworfen und zum wcsentlichften?eit j fertiggestellt hat Meister Seckbach ist vom Tode abberufen worden, ehe denn sein Werk zu Ende geführt war In seinem Sinne i hat es Meister Leo Horooift getan. Auch ihm Dank in dieser! Stunde. Und im Gesicht des innigen Dankes für Alle, denen diese! Feier gilt, im Gefühl des heißen Dankes für die grsaUcnen Löhne! dieser Stadt, sllr Älle. die ihr Leben geopfert haben, wollen wir zur Enthüllung dieses Denkzeichens schreiten. Wenn es offen stehen wird, dann mögen sie herkommen, all die traue-nden Väter und > Mütter, Brüder und Schwestern, Galtinnen und Kinder, und hier! niögen ihre Gedanken sich richten auf die, die ihnen genommen! wurden, die ihrem Vate» lande aber alle» gegeben haben. Im Auftragt der Verwaltung unserer alten israelitischen! Muttrrgrmeinde Frankfurt a. M. sei denn dieses Denkzeichcn i unseres Ehrenfrledhofs enthüllt: den Toten zum Gedächtnis, i den Lebenden zum Tröste, den kommenden Geschlechtern zum Frieden — — — Amenl > Im Augenblicke, da Herr Rabbiner Lazarus mit diesen Wcihewortcn schlaft, ertönte das Kommando „Achtung — Stillgestanden!", die Hülle vor dem als Ruhe-! dank ausgestalteten Ehrendenkmal wich zur Seite, die! Fahnen der Deputationen senkten sich, die Kapelle des! Verkehrsoereins spielte .Ich halt eilten Kameraden" und i tiefe Ergriffenheit lag über der Versammlung. Aller Blicke , waren auf die breit und wuchtig ausladende Steinbank gerichtet. Sie trägt die Inschrift: """2.' i't< n^n^.^ und darunter die Worte: .Dem Andenken der! 467 Söhne unserer Gemeinde, die im Weltkrieg I» ihr Leben für das Vaterland hingegeben haben". Die Musik brach nach zwei Strophen ab. ein .Rührt Euch"! durchschnitt das Schweigen und Herr Rabbiner Dr. Georg 5 Salzberger stieg auf die Kanzel. Im Namen des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten sprach er folgendes: .Ich hart' einen Kameraden, einen bessren sindst du »it" — - wie oft, Ihr teuren Toten, mögt selber ihr's gesungen haben. ' wenn es galt, gefallnen Kameraden die letzte Ehre zu erweisen? Nun stehn wir. Eure Kameraden oun drr Front, an Euren Gräbern und lauschen stumm bewegt dem Lied, das eine beinah traunige- Euren kleinen Fiiedhos weit hinaus schaut unser Au>ik ein unabsehbar Gräbersrld, Hügel an Hügel, Kreu, bei Kreuz, schiedslo», denn s'ist ein eisern Kreuz, das jede? Krieger«,! schmückt Dort sucht Euch unser Geist, wo Regimenter. 1>ulatllol.< und Armeen in Reih und Glied wie zum Appell wohl ausgerichtet liegen. Denn Ihr wart unser, wart unsres deutschen Heers und! Volks und Landes Die» Land war Eure Heimat von langer Kette! der Geschlechter her. und seine Sprache Eure Sprache, die Ihr als ' Kind gelallt, tn der als Jüngling Ihr gejauchzt, geklagt, als Mann! vielleicht gedichtet und gedacht. Dies deutsche Volk war Euer Volk, > zu dem Ihr stolz Euch zähltet, da es noch frei und machtvoll dastand, und das zu schllken aar Vi-!- unter Euch dluljuiig. freiwillig und begeistert tn» Feld hinaus gezogen sind. Als deutsche Söhne habt alle Ihr gekämpft, entbehrt, geblutet und Euer junges Leben hingexeden. Ihr habt die Liebe zu Eurem Vaterland? mit dem! Opsertod besiegelt. Wir suchen Euch nicht hier aus engem Raum. i getrennt von denen, die mit Euch gefallen dem ganzen deutschen i Volk gehören Eure Gräber Und dennoch. Ihr wart unser auch alt Juden, als Söhne > unseres Stamm» und unsres Glauben». Was trieb von Euch so 5 manchen, sich immer wieder kühn voran zu wagen in äußerste Gefahr, tn sichren Tod? Es war, wir Wissens, der edle Ehrgeiz Ehre zu machen diesem Namen: Jude, war da» Gebot, vor aller Welt den Namen Gott zu heiligen. Der hohen Pflichten höchste habt Ihr getreu erfüllt. Und solche Treue reiht Euch würdig Euren Ahnen, die bald in Makkabäerheldenkampf und bald auch tn ge- , duldig tapferem Tragen, tn tausend grausen Martertodtn urd einem Leben unsäglicher Qual, sich gegen eine ganze Well von Feinde» fest behauptet, einzig aus Treue gegen ihren Gott, uns, Judas Bund gehören Eure Gräber. Und wenn so mancher deutsche Kamerad, an dessen Seite Ihr einst gingt in gleichem Schritt und Tritt, zu de»en Füßen Ihr getroffen sänket, al» wär's ein Stück von ihm. für den Ihr starbt, damit er weiterlebe. Euch beute schmäht zum Dank für Eure Treue, dann halten wir. Eure Kumeradrn von der »5ront. von gleichem Vv!» mir «euch uno vtamm und Glauben, an Eurem Grad die Ehr-nwachtj daß keiner Euren blanken Schild befleck-. Wir halten Wacht bis einer besseren Zukunft Morgen graut. Ein Jahressüddat ist dahingegangen, seitdem der irrsten ^anen vlurm verhallt. Die ehmal« Feinde waren, reiches sich die Hände zum Frieden.

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