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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1925-12-01 · 4 (12.1925) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
4 (12.1925)
Date
1925-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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2 dafür in einem Brie»« zu danken: dieser Briefs — er ist wie der sdige bisher unveröffentlicht — gibt uns manch wertvolle Auf» Schlüsse über Diesterweas Verhältnis zu Hrß und Stern, aber auch übe? keine eigene politifch-pädazszische Denkiveisc. so dasz es sick i »ohl empfiehlt, ihn die? in vollem Wonlaut zum Abdruck zu dringen: Berlin,!». l. 6l. Hochgeehrter Herr und Freund'. In der Stille habe ich auf Ihre Entschuldigung, daß ich auf Ihr freundliches und liebes Schreiben vorn vorigen Jahre 27. Oer. nicht beantwortet habe, gerechnet. Ich hoffte aus eine Gelegenheit, Ihnen meinen warmen Dank darbringen zu können. Jetzt soll derselbe in einer — Litte bestehe,«. Ihre ..Gcdenkblätter" veranlassen dieselbe. Den edlen Dr. Heft habe ich gekannt, habe ihn l8U! litt» besucht, ihn unter seinen Schülern gesehen und mich seiner Achtung erfreut. Alles das und vieles Andere haben mir die „Gedenkblätter." würdig des trefft. Mannes, wieder ledendig vor die Seele geführt. Und so ist der Gedanke mir nahe getreten, ob ich nicht den Lesern meines „Jahrbuchs" das Bild des unvergeßlichen Menschen und Lehrers zur Anschauung vorführen könnte. Aber wie und durch wen? Ich selbst bin dazu nicht im Stande. Da Hove ich an Sie oder Dr. Auerdach denken müssen. Das ijt meine Bitte, ein bescheidener Antrag, von dem ich natürlich Abstand nehme, wenn die lieben Herren ihre Gewährung nicht iür zweckmäßig erachten u. f. w. Im bejahenden i?alle aber würde ich i 4 Druckbogen gern zur Disposition stellen und es in Betreff meiner Leser und der in Preufzcn fortbestehenden rea tionärcn Schulmafzregeln für besonders wichtig erachten, wenn der Darsteller die auf allgemeine freie Menschenbildung abzielenden Grundfiizc des Dr. Heft und die ihnen entsprechenden didak!ifch-n.ethodi'chcn Be:sahrungswciscn in Helles Licht stellen wollte — zur Besoicgelung für unsrc Bersinstrrcr in .Kirche und Schule und zur Ermuntcruna jiir Heller denkende Köpfe unter den Lehrern. Der Druck drnächsten Jahrbuchs beginnt vom llen Sept. dieses Iovr.und das Bild des Dr. Hei; muffte de!?.übrige»_ Zl^i'^ en oor^iioehen. Ihre ..-^edcllkdlärtcr" liefern.dazu j schon oortsei'! i,e Materialien, , ^>-r kommen mit unser»! Untc-?. Ministcr", nicht vor- ) -van-i. Zwar sagen wir < Harkorr. dieser antike Charakter. nnt ich» ihm unsre Meinung ins Gesicht, aber er schweigt. ' . Die Wissenschaft wird ihn ,'ällen. oder eine Krisis. ' uch'^ngsvollstem Grufze an H. Dr. Auerbach, nicin hochverehrter freund. -Lh" Diestenveg, Hafenplai» D.'. Stern hat den Wunsch Diesterweas gern enüllt. hat in iei'rr sr,n geschliffenen, hochkultivierten Sprache für das ..Päba zgisre Jahrbuch 1k^»2" ein Lebensbild von Dr. Michael Heft »e-.-ben, das gleichbedeutend ist mit der Geschichte der von ihm , gt.'!tetk-l Anstalt wahrend eines halben Jahrhunderts; zugleich »d - qidt der Bersaiser einen klaren Abrifder qeistesgeschichtlichen un' kulturellen Entwicklung der deutschen, im besonderen der >it mir von dem Besitzer. Herrn Unio.-Prosesior Williaui »erv- Hamburg, einem Enkel Dr. Sigismund Sterns, freundlichst »» Verfügung gestellt. —. E§ jst Bethmann-Hollweg genreint. Frankfurter Juden von der Mitte des 1t< bis zur Mitte »es!S. Jahrhunderts, um die großen Iusammcnhänge deutlich m machen, aus denen Wesen und Bedeutung des Philanthropins zu erklären ist, und um ..dem Leser einen tieferen Blick au.. den Kanpfplay für Geistessreiheit und Humanität, gegen finstere Erstarrung auf der einen und harte Unduldsamkeit auf der and-ru Seite zu eröffnen." Daß aber Dicsterweg in sein ..Jahrbuch" das Levcnsbilb eine» Mannes aufnimmt, der Leiter einer jüdischen Schule n-ar. ei? Lebensbild, das z^udem noch von dem Nachfolger desselben Manne»' gezeichnet war. ist doch nicht nur ein erstaunliches Beispiel von Toleranz und Vorurteilslosigkeit, es tiat doch noch eine andere Bedeutung. Gewift. er kannte seinen freund Stern zu gut. als daß er mrchtrn brauchte, das ..Lebensbild" könnte etwas enthalte», was den Tendenzen des Jahrbuchs widerspräche. Das Jahr» buch führte wie sri» Herausgeber vor allem den leidenschaftlichste» slamps gegen die .^onscsnons-Schule." Was er aber darunter oerstand, sagte er in demselben Bande «S. ^l^): . Die crkludie rende Confcssionsschule. wie sie bestanden bat und noch besteht, ist gemeint, die Schule, welche den Schulkindern ausdrücklich oder stillschweigend die Meinung cin-ioszt. daft sie vorzugsweise oder ausschliesilich in den Besitz der .allein scliqmachenden Wahrheit" gesetzt würden, dajz alle AnoersglauhcNden Irrende oder Bosewichtcr seien." Daraus, das; Dicsterweg einer derartigen Abhandlung über Heg in seinem Blatt gerne -Raum gab. ja, das; er sie oerattlajjte. mag man ohne weiteres schlieszen. das: er Grund grnug hatte, das Philanthropin nicht als ciue uvnsefsionsschulc in dem eben gekennzeichneten Sinne aufzufassen. Sie war ihm an erster Stelle die Stätte .allgemeiner irei.r Menschenbildung". und die Persönlichkeit der beiden ihm wohlbekannten Leiter bot ihm hinreichende Bürgschaft für seine Überzeugung. Nach den beiden Männern Hrs; und Stern bildete er sich nwhl auch seine hohe Meinung vom .jüdistiien Lehrer', überhaupt, eine Meinung, der sein kühnes Cintrcten für die Anstellung jü discher Lehrer auch an christlichen Schulen zu danken in. Als an, 4. März l.^«»^ die definitive Anstellung eines jüdische» Lehrers Dr. Iutrosinski an der Pvscner Ncalschule im Preußischen Abgc ordnetenhaus zur Diskussion stand, trat Diestcrwcg mit Vergangen Wucht seiner Persönlichkeit in wirksamer Neoe für ihn ein: .Ich sage, meine Herren, wenn Sic die Leiden, die Schiliierigkei«--,,. die ein Jude, der sich zum Lchra ut ausbildet, zu überwinden hat. erkennen könnten, so musjtcn Sie voraussetzen: Das m u f-, ein Mann von vorzüglicher pädagogischer Beaabuna sein, sonst -->«?.''.- er rie ungchruren Schwierigkeiten nicht überwinden. Ich sage, um der Toleranz unk Humanität willen nius: man in das Lehrcr .Kollegium einen mit allen anderen »stcichbcrtchli'Uci: , idifchen Lehrer hineinseljen.' Diese .'vorle fi:ia nur ein kur^r Äusmg dessen, was er an.stthrlütic^ hatte in >>n wo^n. do.'.i hat er seine eplante Aede im Ans-Hlnsan den stenographis^ien Beri»l,t »erv?entlicht. Die bedcutsamsle Stelle daran-, n-r-».,,». ics!g?haltc«! ^u^n^u,^!??u57^^>^>" >Ä^"?>IV ^'"^rtN!'!^a»0er.l für ihn v<rt'i:ndctt ist. da> isi >nul, iiniit >,csün!r'^N n>v de:?. dtNii n'ürdc die Darslcllui.g^kuiin -.iii,-^ Wiciuiid ,,.!l»^en. .-tufiangcln .Ulüste. unul-erkriichbare Barri!<adei!. un,i!>er 'kti.lbare . Zurn.i.seüntti-en. lli«iere.l kigl.ciieu .lü^ r >lrt. i.-tthre Uüiiil'glilli.ieiten. mic Jedermann, also au.i, dcr bci.'enV-ide Iudieldil il>elf: fiirinahr. wenn er sich dennoch entschliefst, die tu raliueii Pfade seiner Slanimcsgt »offen ,» verlassen nun sich auf diesen Dornenweg zu belieben, in solch-m Iuttnünt. »üo Mann mimen Anlagen m.i, Lchrerderuie. «nun eine Liebe u« drinselben vorhanden fein. »>rlch«-;u drr T>i.-r»>einnng. einen un >gezei.Iinclen. »tiaraktcrfesten nlenschcn vor sich zu h-bcn. berechtigen einen Mann, welcher als Lehrer Tüchtiges leinet, kei.i. » ^..'llegeü A-.'-tung abnötigt u:w nc dadurch von dem Borurteile gegen Juden radikal defreit. Toleranz und Humanität treten an ihre Stelle. Das wird den Schülern zu t^urc kommen. Noch incbr der Umstand, das! nr selbst nun einen tüchtw.en indischen Manne zum Lehrer haben." Diesteriveg fano dir Zustimmung der Mehrheit des Äbqeord n.tenhaufes. Der Unterrichts-Minister Bethmann-Hollweg aber er. klarte sich nicht für befugt, einen jüdischen Lehrer an dieser Schule deniiitio anizustellen. und seine Stellung war ohnedies erschüttert er nahm seinen Abfchied. So war die Prophezeiung »n. Diestcrwegs Brief an Sier» ungefähr ein Jahr später eingetroffen. Das mannhafte, vorurteilslose Eintreten für die Stellung des jüdischen Lehrers im deutschen Schulleben soll dem nmckeren Schulmanne ebensosehr unvergessen bleiben wie seine »„arme Teilnahme an der Entwicklung des frankfurter Philanthropins.

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