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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1925-11-01 · 3 (11.1925) · page 4

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
3 (11.1925)
Date
1925-11-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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vom Wort und von der Tat.! Von RabbinerlDr.'.Sali.Levl-Mainz.! Mose nimmt Abschied, muh Abschied nehmen von seinem Werk und seinem Volk, ohne daß die Verheißung ihm zur Erfüllung geworden. Mose war wohl nicht der erste und war nicht der leftte Fuhrer, dem das Betreten seine» gelobten Landes versagt blieb und bleiben wird . -4 Von eigener Art — so weit wir die Geschichte der Menschheit kennen, sogar von einziger Art — ist aber die Begründung siir diese Tragik im Leben Moses In der Wüste Zin, bei dem Orte Kadesch, wo eben Mirjam gestorben war, fand das Volk wieder einmal kein Wasser Es hadert mit seinem Führer, wie bei Rephidim, das darum Massa umeriva gcnannt^wurde <>l Buch Mose, Kap 17, Vers l-7» Bei Aephidtm hatte Mose auf des Einzigen Geheiß mi» seinem Siade einen vchlag auf den Felsen getan, da war Wasser > gekommen Jetzt bei.Nadesch sollten Mose und Aron vor oerj jamineltem Bolke zum Felsen reden, um Wasser aus ihm zu i holen. Das Wort des Führers sollte das Wunder vollbringen. Mose aber schlug mit dem Stabe wiederum an den Felsen, er tat sogar zwei Schläge, und Aron stand dabei und warnte und wehrte nicht Da kam zwar viel Wasser aus dem Stein i der Herr aber sprach zu Mose und Aron UV. Buch Mose. Nap A). - Vers lL> „Weil Ihr nicht auf mich trautet, mich vor den Augen i der Kinder.Jsrael zu heiligen, drum sollt ihr diese Gemeinde nicht! in das Land bringen, welches ich ihr gegeben habe."! Wo immer Mose in seinen Abschicdsivortcn an das Volk j auf diese Stunde und sein Vergehen zu sprechen kommt, unterj laßt er zwar nicht, daraus hinjuiveisen. das; ihm der Herr wegen i des Volkes geziirnt habe, das; also sein Vergehen durch das auslehnende Verhalten derBinder Israel hervorgerufen sei. und es mag sein, das; dir Buhe und die sichere Urafl des Führers vom Murren und Drohen des Volkes zermürbt ward- Die Schuld des Führers, des Berufenen zum Dienst des Herrn, war groß genug,! um ihm vor dem ersehnten Ziele die anvertraute Aufgabe aus der Hand zu nehmen. Und diese Schuld lag darin, daß er der! .ttrasl des Wortes mißtraute. Jene sichtbare, greisbare erste! Tat. jener Schlag a» den Felsen von Rephidim, war wirksam gewesen, so mag er. der verantwortliche Führer, sich gesagt haben, jetzt in der neuen Not wira.rine neue Tut, eine stärkere Tat. an Vlafte sein: und er schlug zweimal. Die doppelte Tat war ihm Vit größere Tat. Sie half, diese größere Tal; die Wirkung war wirklich, aber sie war nicht - wahr! Denn nach des Ewigen Plan liegt Steigerung der Tat in der Wirkung des wahren Wortes. Daß de? Schlag mit dem Stabe Wasser aus dem Felsen HM. das halte das Volk schon einmal gesehen, und war's ihm damals auch verwunderlich, vor seinen Augen war es ja geschehen? Daß dieses selbe Mittel ein zweites Mal das selbe Atel erreichen werde, wer konnte dar.,» zweifeln? Da; war Kein Wunder mehr, nicht einmal mehr verwunderlich, das war gemahntes Erlebnis! So nahm da> V->!k stumpf hin, was Mose als eine Steigerung des Erlebens und Glaubens erschien. Fern rwn alle»» Wunderbaren war's den: WüitcnvolK fast mir unseren Zeiten, die in dem Mizscsstade ovn Nade ich die Wasjerwünschelrntc sehen. Wenn aber Mose bei Äadesch zum Felsen gesprochen Kälte! Wa? er hätte sprechen sollen, erzähil die Bibel niHt Wenn aber Msse etwa so gesprochen hätte: „Fels in der Wüsle, glühend nnter der sengenden Sonne? i?ah'.er Stein, aus dem kein Saatkorn reift: vor dir steht das erwählte Volk uud schmachtet, ist in Gefahr, sein Leben und sich selber zu verlieren — Männer. Frauen. Kinder. Der Plan des Herrn, dem auch du dein Dasein dankst, will nicht, daß sein Bote solchen Tod erleide Durch meine» Mund läßt unser Herr dir sagen, daß du uns geben mußt, wessen du nicht bedarsst. was uns aber da« Leben ist in dieser Stunde. Der He?? Sidi?!?!, d?r cii?tg< vHüpsrc oenrqir: Fcis, tu Sich aus.' Kid Wasser!" Wenn dann der Fels sich gespalten hätte und Wasser hervorgesprudelt wäre, dann hätte das Volk ein neues, übermannende« Erlebnis erfahren; Mose und Aron hätten einen Ntddusch I haschen» vollzogen, während sie so den Namen des Herr» in seiner Geltung schmälerten. Die Bidet wollt« die Macht des lebendigen Wortes über die Gewalt de? Ts! sc;:-!!: sehr». Wenn auch viele große Denker immer wieder den Versuch gewagt Häven: wer jemals in der bloßen Tat den Führer aus der Wirrnis sehen wollte, fand schließlich seinen Weg versperrt. «o sehen wir auch Faust, den großen Sucher, seinen langen Irrweg betreten in dem Augenblick, als er am Wort zu zweifeln deginnt: «G.'schrieben steht: .Im Anfang war das^Worl."^ . in seine Seele und er meint: .Ich »unn das Wort so do-v unmöglich fchä-ien' und wie er am Ende seines Suchens sich entschließt: .Mir kil't der Geist! auf einmal w-iß ich Rat .Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tai'.' da regt sich der mephistophelische Pudel und heul: und bellt und wächst zu gespenstischer Größe: Faust ist so weit, daß er allein sein Werk nicht sorlführen kann. Mephisto, de? Geist, der stet» verneint, wird sein Führer. Aber aeraoe »essen rreche Verdrehung des wahren Sinns läßt sein Wissen vom Wert des wahre» Wsrtes deutlich erkennen: . .Im ganzen — haltet Ench an Worte? .Dann geht Ihr durch die sichre Vfone .Zum Tempel der Gewißheit ein ' .Mit Worten läßt sich trekflich streiten, .Mit Worten ein System dereilcn. .An Worte läßt sich trefflich glauben. .Von einem Wort läßt sich kein Jota rauben." Mit Worten spielen. Worte machen ist eine Lösung nach Mephisto« Etnn, weil Worte Veriucbuna und Se'hi??'-"'?«^^?:? n'??:. sie menschlich, schwächlich beschönigen, verdecken und verbergen, wenn sie oerwirren, aufreizen und oergewaltiaen. Vergewaltigen! da ist der Pferdefuß: denn Wort soll weist sein von des Ewigen Geist, der innerlich übermannt, beruhigt, bindet, überzeugt. Wort - soll die Macht sein, die das Beste im Menschen meckc, ihre zum Großen in seelischem Frieden sübr': dort aber ist das Wort aus dem Wege über Worte jur Gewalt, zur rohen Tat geworden. Was schadet s? wird ein Moderner fragen. Tal ist doch Ärasl! Wohl wahr; wo aber ist da? guie Ende der Tat, welche die Kraft ist? Der kräftigen ersten Tal fol^t die kralligere »weite: dem einen ersten schlag folgt der zweite dopvelle schlag: dann werden drei Schläge nötta sein und wer die meisten Schlage führen kann, der dehält Aecht Ader es gibt eine Mldrascherklärung zu dem biblischen Berichte von dem .vielen Wasser", das »ach Moses Dovoelschlag aus dem Felsen kam. die «agt: Das Volk Israel täuschte sich : z-var trank es. doch, was au» dem Felsen kam. es war nicht Wasier. es war Blut. Wo da» Wort, da; wahre Wort nictit mehr ausreicht, um eine Wahrheit zu erweisen, wo über das Wort Hinausgeschrillen wird zur Tat, bahnt sich der Weg zur Gewalt an. stießt schließlich und am Ende Blut. Vielleicht weiß der Moderne, der Kenner unserer Zeit ooa dieser Wahrheit ,u erzählen? Nun wollen wir nicht mißverständlich sein, wenn wir vom minderen Wert der Tat sprechen: wir wollen nicht oerkennen und nicht schmälern, was für die Bewährung religiöser Gebote und Gebräuche, für die Bewährung sozialer Hilfe und der Nächstenliebe, sür die Bewährung technischen und künstlerischen Können» die Tat bedeutet: aber in jedem Menschenleben und in jedem Amte gibt's Stunden der Versuchung, wo uns das Wort al» schwaches Mittel erscheint, das wir verwerfen und durch da» stärkere Mittel einer Tat. eines Schlages ersetzen wollen Ade? das Wort ist größtes Mittel : Vertrauen auf das Wzrt ist Glaube an den Geist, die Wahrheit und d.n sieg des G-:en aus innerster Ergedunai?d man al^> Führer oor en-m VoN:r, als Leilee vor einer Gemeinde, als Lehrer vor der Jugend, als Vaie? oder Mutler vor dem Xinde steht das Wor: ist Glaube, wemr den Glauben, steigert ihn: das Wort dringt Größe de?» Sprecher und dem Hörer. __ Wenn Muse an: Ende des Fünibuches seine Adschiedsrede geschlossen hat und von der Gemeinde gesch.edea ,st. beginnen wir von neuem: .Am Ainana schuf Gott den Himmel und die Erde . . . und Er sprach, e^ we??e . Er sprach! sein Wort war Mittel sür die Schöpfung. Der Mensch sei Ebenbild des schop'ers, er w.rke durch da» Wort! Sin Leumundszeugnis sür einen 5rün!5ur»er )nden. Mitgeleilt von Herrn Sr. Zudarvlisch. Da es außerordentli.t» siti-vc? ist. sich ein wirkliches Bild unserer Vorjahren im Ghetto zu malen, bietet au.5 das bescheidenste Dokument, das uns etwa über die Wesensart der Jude» dieser Arit sagt, einen nickt geringen B.eiz. Besonders wichtig scheint es uns. zu wincn. od unsere Vorführen hohen Mcnscheit» wert besessen haben. Wir zweifeln daran nil.t. Und selbst unfere Feinde geben den veralteten S»bact>erjuSen in diese? Hinncht nicht wenig zu. Aber eine übergroße Anzahl von Zcuanincn beweist, daß es nieist bei dieser Art der Hochfcväkuna geblieben ist. und wir müssen uns mir dem Gedanken abfinden. Saß Sie stolzen und tapferen Männer nach außen kaum anders als verelendetes Gesindel den üirisllrlcn Bürgern erschienen. Das iahende Blatt zeigt, dag dem nitbr durlbiveg so gewesen ist. sondern San es au.Ä hier Ausnahmen gegeben dal. Und mein: solle?5^n:;-e a^.1> ::il.r häung scin mogru. so zciacii sie So^> immer, dan die Legende die grund» s.i^lilde V??a.1?;«!>.i;. ^!'.:e? de? die J^2cn lcüie:». vi? iit eine:» gewissen Grade übertrieben haben mag.?cr Held der kleinen Episode, uo^ dem u::!cr e?zähtt. ist ei»er de? bekanntesten M.:n-c? dc? F?^nkf^::c: I^c-n-l-^i: des. acktzchnlen Jahrhunderts gewesen. De? ^iser!:.^? H^^Z^o?

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