Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 4 (1925-1926)
- Issue
- 1-2 (9.1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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^' -.--»?--s-?z-^ - ^Si!^ Landesverband ihr in williger Mitarbeit dasjenige Interesse entyezendringen werden, das die Größe. Notwendigkeit und Bedeutung ihres Arbeilsdereickes in weitestem Matze verdient und erfordert. Bemerkung der Scdriitleitung: Wie wir ersaorcn. werden z. Z. auch in Frankfurt a. M. Maßnahmen getroffen, um die Wandcrfürsorgc in unserer Siudi dri» Ziahinen dcr Fürsorge in ganz Deutschland einzufügen. Insbesondere wird eine Tagung' der jüdischen Gemeinden in Hessen und Hessen-Nassau und der benachbarten Prooinzkassen vorbereitet, die im Laufe des Herbstes in Frankfurt a. M. stattfinden wird. Dann dürste SieHettc der Prooinzkassen. die zur lüdischen Wandcriürsorge in Deutschland gehören, geschlossen sein. niemals isoliert: überall werden die Fäden aufgezeigt, die zur Ge« schichte der anderen deutschen Iudrngrmcinden und zur allgemeinen Geschichte und Kultur hinüberführen. Wenige jüdische Gemeinden dürsten sich eines mlssenstl»aftlichcn Werkes rühmen können, das wie dieses einen Grund» und Eckstein im Bau der gesamten «^esttttchte der Juden bedrutrt. <5» isi keine Frage, das; sein Erscheinen in dcr Welt der Gelehrten freudigst begrüßt werden ivird. Aber noch wichtiger ist. daH es in die >>>ände vieler jüdischer Leser kommt; im Hause eines frankfurter )uden zun, wenigsten sollte es nicht fehlen. Raddine? Dr. G. Salzderg-r. Geschichte der Zuden in ZrankfurL a. M. Von I. Kracauer. l. Bd. X. 453 Seiten. Kommissionsverlag von I. Kauffmann. Frankfurt a. M. Mit der Herausgabc dieses Werkes erfüllt die Frankfurter israelitische Gemeinde eine Ehrenpflicht gegen einen jüdischen Historiker, der seine Lebensarbeit sast ausschließlich dcr Ersorschunq'ihrcr Geschichte gewidmet, wie auch gegen seine Gattin, die mit liebevollem Verständnis dieses sein kostbarstes Vermächtnis gefördert und zum Abschluß gebracht hat. Mehr als zwei Jahre nach Kracauers aUzusrühein Heimgang ist nun endlich der erste Band seiner mit Spannung erwarteten Geschichte erschienen. Sie wissenschaftlich zu würdigen muß den Fachgelehrten vorbehalten bleiben. .Pionierarbeitnennt sie bescheiden der Verfasser, da er das Material aus den oerhältnisniäfiig wenigen gedruckten Vorarbeiten und zumeist aus allen Handschriften mühselig zusammentragen mußte. Und selbst die Vorarbeiten sind zun« guten Teil von ihm geleistet worden; es sei nur an die bekanntesten', die politische Geschichte der Frankfurter Juden bis l.14i». und an die Geschichte dcr Iudengasse erinnert. Zum ersten Male wird nun hier eine lückenlose Gcschichte der Juden in Frankfurt dargestellt, die von den frühesten Ansängen bis zum Jahre lk<!4 reicht. Der vorliegende erste Band-umsaßt den Zeitraum von ll50, wa zuerst Juden in dieser «ladt erwähnt werden, v's zum .>-eil» milch'scheri Aufstand und den Vcrfassun^sdämpfcn der Gemeinde im 17. Jahrhundert. Mit welch peinlicher Gewissenhaftigkeit der Verfasser verfährt, davon bekommt auch der Laie eine Vorstellung, wenn er die Anlagen am Ende des Bandes durchgeht. Aber bei aller wissenschaftlichen Gründlichkeit ist das Buch auch für den gebildeten Laien eine höchst genußreiche Lektüre. In der klaren Gliederung des Stoffes, in der schlichten allgemein verständlichen spräche, in dem anziehenden Stil, dcn'ährt sich der stets anregende und fesselnde Lehrer der Geschichte, hinter dem feinen Humor lächelt das Antlitz des klugen und liebenswürdigen Menschen. Dank diesem Menschlichen wird das Vergangene lebendig, und wir begreifen uns Gegenwärtige mit unfern Fehlern und unfern Vorzügen aus der historischen Kontinuität. Wir gewinnen einen Einblick in das Wachsen und Werden. Leiden und Kämpfen einer der größten und bedeutendsten jüdischen Gemeinden Deutsch» der Geschichte lernen können, die Begeisterung ist. die sie in uns weckt, dann scheint die Geschichte der Juden des Besten entbehren zu müssen; sie scheint — denn in Wirklichkeit muß der edle Stolz, mit der die jüdische Gemeinschaft ihr schweres Schicksal getragen, der manndaftc Mut. mir dem sie sich gegen unmenschliche Bedrückung ausgelehnt, die heroische Treue, n it der sie an ihrem Glauben festgehalten hat, bis allmählich lichtere Zeiten anbrachen, noch ihre späten Enkri »ü! inniger Dankbarkeit und tiefer Bewunderung (vielleicht auch mit Beschämung!» erfüllen. Es ist ein erschütterndes und am Ende doch erhebendes Drama, das sich da vor unseren Augen abspielt: eine kleine Gemeinschaft, die keines» zunächst volle bürgerliche Freiheit genießt und die dann immer mehr in die Rolle des tragischen Helden sich hineinwächst, „zur eisernen Säule und zur ehernen Mauer wird wider eine ganze Welt, wider Könige und Fürsten, wider Priester und Bauer.' die ihr kümmerliches Dasein für schweres Geld erkaufen muß und auch den Sckuti, den sie etwa erfährt, nur der Habgier der Herren verdankt, ein Held »gegen den sie alle ankämpfen und den sie doch nickt oernickten können, weil Gott mit ihm ist, ihn zu erdalten". Zugleich spiegelt sich in der Geschichte dieser Gemeinde bei aller ihrer Besonderheit die Geschichte der deutschen Juden üderdaupt, ja der Juden Europas. Ist auch nicht zu verkennen, daß über der alles beherrschenden politischen, sozialen und Wirtschaft, liehen Geschichte die geistige, in» engeren Linne, insbesondere die religiöse zu lmrz kommt, so erscheinen die Frankfurter Juden doch Si« ung vom ^.». Mai l i»'^. Die Siflunq. die sich bis nach Mitternacht hinzog, war ausgefüllt von der Beratung des Haushaltsplanes sür l'.r^.',. Einer parlamentarischen Gepflogenheit entsprechend ging dcr Beratung eine allgemeine Aussprache voraus, in der die Vertreter dcr einzelnen Fraktionen Wünsche. Beschwerden und Erfahrungen mm Ausdruck brachten. Als crstcr Redner erhielt das Wort Herr Dr. Geiger, dcr in Bezug aus die Gemeindeverwaltung weitgellendste Sparsamkeil in allen Bctricvcn fordert?, speziell auf dem Gebiete dcr Bcamlcnbcsolduilg. die mit ihren rund M. 45^u»»> Ausgaben ca. 4Q" » des gcsamtcn Etats in Anspruch nehme. Dabci vertrat auch er den Standpunk!, daß die Gcmeindc nicht vcrpflichtct sei. die sähe dcr Rcichsbcsoldungsordnung, die sie bisher für ihre Beamten in Anivcndung gebracht habc. auch weiterhin zu bcwiUiqcn. Dcr Ordner verlangt in Verbindung damit genaue Prüfung, ob dcr Beamlcnapparat den Erfordernissen dcr Gemeinde entspreche, ob die Geschäfte in den einzelnen Verwaltungen sachgemäß geführt werden und ob den einzelnen Beamten durch die Besoldungsordnung eine ihrer Tätigkeit entsprechende ausreichende Bezahlung gewährleistet ist. Er isi der Absicht, daß die Vesoldungsordnung sich im Lause der Jahre in ihrer Einteilung als mangelhaft erwiesen habe, und daß Umgruppierungen schon mit Rücksicht auf die Finanzlage der Gemeinde erforderlich seien. Erforderlich sei serner die Aufstellung einer Disziplinar- und Dienstordnung. Was die ehrenamtliche Tätigkeit in dcr Genicindcoerivaltung anlangt, s» sei mit Bedauern festzustellen, daß die Zahl der Mitcrkeiter klein sei. Auch cermissc man die rechte Freude an der Gemeindetätigkcit. .».rvp.dem die Gcmcindcvcrsassuiig die Möglichkeit geschaffen habe, weitere Kreise zu dieser Mitarbeit heranzuziehen, sei der Versuch hierzu wenig geglückt. Redner geht dann auf die einzelnen Kapitel des Haushaltsplanes ein und bchandrlt ausführlich die Frage des Unterrichtes, wobei er sich gegen die Schaffung jüdischer Volksschulen wendet. Auch lehnt er für seine Person in den höheren Schulen die Trennung zivischcn den Konfessionen ab. weil t adurch die jüdische Jugend von der Mitwelt auvg<sch!izfi.n: und völlig unberührt von Dingen bleibe, mit denen sie sich doch einmal auseinandejeyen niüssr. je srührr desto besser. Der Kampf gegen den Antlseinitismus werde am besten von den Juden grsührt. die schon in srüher Jugend durch den persönlichen Eindruck der Gefahr für diesen Kampf gekräftigt seien, also von denen, die simultane Schulen besucht hätte». Was die Volksschule des Philanthropins betreffe, bezüglich deren Führung augenblicklich ein Streit zwischen den Parteien bestehe, so desurwortct er Vertiaiidlungen über ihre Verwaltung, dagegen müsse die Leitung der Schule unabhängig bleibe». Es müsse die Sorge aller Richtungen in der Gemeinde sein, die Jugend der Gemeinde zu erhallen und die Erwachsenen sür die Gemrindcardeit heranzuziehen, ihnen das Gemeinoebewußlsein beizubringen, damit sie die Verpflichtung fühlen, als deutsche Staatsbürger an dem Wohle der j/dischen Gemeinschait mitzuarbeiten. Hieraus spricht Herr Hromm namens der konservarioenFraklion. Er geht von dein tzinheitsaedanke» in der Gemeinde aus. welcher in sich die Gleichberechtigung der beiden Richtungen innerhalb de? großen Eintzcit fasse und erfordere, daß diese sich bestreben, den immerhin stark von einander abweichenden Ansichteil gegenseitig Verständnis entgegenzubringen. In der Frage de» Schulwerks der Gemeinde sei aber das Verständnis der Liberalen iür die konservativen Forderungen r<cht gering, und man versuche hier die Alleinherrschaft zu erlangen. DesHaid müßten die Konservarioen für sich die Errichtung eines konservativen Schulwerks fordern und er erwarte, daß dies von den Liberalen untersti.ht werde. Redner kritisiert scharf das unduldsame Verhalten des Schulrals des Philantropins in dieser Frage und widerspricht auch der Ansicht des Herrn Dr. Geiger in Bezug auf die gemeinschaftliche Erziehung jüdischer und nichtjüdischer Kinder. Diese? Siandpunkl «ei Keule geschüyt werden, und das könne nur in einer jüdischen Schule ge. ichehen. Eine zweite konservative Lnnagoge im Norden oder Nord. >SIAW?S? MUZM M^^^M^^ ' L""^