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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1925-09-01 · 1-2 (9.1925) · page 8

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
1-2 (9.1925)
Date
1925-09-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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8 nächster Zeit infolge Stimmwechsel? au» dem Chor ausscheiden. Ersatz ist schwer zu beschaffen. Denn die Schüler des Philantropins oerteilen sich auf alle Gemeindes-inagogen, und außer diese? Anstalt hat die Gemeinde keine Schule, aus welcher die Knaben etwa für den Chor gewonnen werden könnten." So ist man hauptsächlich auf zufällige Werbung angcwicsrn. Die.Umstellung desZCHares aber jn.'ein-n Mannerchor, die bei der Lage der Dinge wahrsche.nliche.Holge sein wird, wäre tief zu bedauern. Abgesehen von den Schwierigkeiten einer solchen Umwandlung ivird auch niemand, dein je das Ergreifende, zu Herzen gehende des Änabenorganes aufgegangen ist, den hellen frischen .klang der Knabenstimmen gerne durch den auf die Dauer einförmig wirkenden reinen Männrrgcsang ersetzt wisse» wollen. Wenn man bedenkt - der Hinweis möge ohne geringste Absicht des Vergleiches gestattet sein - welche starken künstlerischen und kulturellen Werte sich andere Glaubensgemeinschaften gerade in ihren Änabenchören Jahrhunderte durch erhalt?» habe» «ich denke an den Sirtinischen Chor, den Berliner Dvmchor. den Thomaschor in Leipzig), wenn man weist, das; da .Knaben in Mengen herbeiströmen, deren Eltern sich dir Teilnahme ihrer Kinder zur Ehre anrechnen, so wirkt demgegenüber die Tatsache geradezu beschämend, das; in der grosse jüdischen Gemeinde Frankfurt knapp .i<> .Knaben den Weg zu einer Institution sinden, die im jüdischen Sinne eine ähnliche Bedeutung erlangen könnte wie jene genannte» Verein!« gungcn im Gahmen ihres Glaubens. Auf die Gründe dieses betrüblichen Zujtandcs kann nicht näher eingegangen werden es wäre da vielleicht manch bittere Wahrheit zu sagen. Aber bei gutem Willen der .Kreise, die hieran vor allem interessiert sein müstten. und bei der richtigen Erkenntnis von dem ideellen Wert, den es zu erhalten gilt, müsite auch hier Wandel geschaffen werden können. Vor allem sollten es sich die Eltern stimmbcgabter .Knaben zur Pflicht machen, dieselbe» zur Mitwirkung im Ehvre anzuhaltcn. Die gcringsügiac Mehrbelastung der Jungen mit Arbeit zwei cinslüiidigc Proben in der Woche wird reichlich wettgemacht dnrch das erzichlichc Moment, das in der AnHaltung zum rcgelinäs'.gcn Sgnagogciibcsuch. zur intensiven Teilnahme am Gottesdienst, zum Verständnis der Gebete und Gcsänge und in der Hingabe an eine gemeinsame religiöse und künstlerische Aufgabe gegeben ist. Und dann: die.Knabe» erhalten doch tatsächlich im Ehorc sozusagen nncutgeltliUicii Mksikuntcrrülit. Was sie da an Notcnlcscn und allgemeiner Musiklchrc. an Gehör- und Stimmbildung, an musikalischer Phrasicrung und Deklamation lernen, ist grundlegend und fördernd für jede sonstige musikalische Betätigung, mindestens für das Interesse an Musik, und bleibt ihnen als dauernder Gewinn fürs ganze Lebe». Wir hoffen,-das; durch diese Heilen manch einer zum Nachdenke» über dies? Aligrlcgciihcit lingcregt luerden "'ird. .^^..^ Oefscntlichkeit diesen fragen ihre Aufmerksamkeit schenkt, »'erden in der Praris ans diesem Gebiete gedeihlichere Acsultatc erzielt werden können als bisher.?ast dies geschehen möge, mus: jeder wünschen, dem die Erhaltung und Entwicht»».' geütiacr jüdischer Güter am Herfen liegt. Jüdische Wandersürssrge. Bon l)r. Mar .Kreuzberger Berlin. Bor dem ^ahre UN t breitete sich über Deutschland ein enges Net» von Provlnzialkaffen der Zentrale für Wanderfursorge aus. Zwar fehlten an einzelnen Stellen wesentliche Glieder, so waren Südbanern. Baden und wenige andere Lande^teile zum Anschluß nicht zu bewege», aber im groszen Ganzen funktionierte doch ein einkeitliches Snstci» von incinanderardeiteiiden «ui,»» Die sinanziellen Leistungen mancher .Kassen waren recht gros;, so hat B. die Zentralarmenkasse für die Abeinprovinz mit dein Sii» in «öl» im Geschäftsjahr l'.'w l'.N! den Betrag von "-"„o M. vcr ausgabt. Der Sinn der Zentralstelle für Wanderfursorge war in erster Linie der. die Wandernden aus inöa.ichft weite Strecken m befördern, um zu vermeiden, das; sie durch den systematischen Besuch aller der Gemeinden, die auf ihrem Wege lagen, zu Schnorrern wurden. Dir örtliche Vrovinzialkajsc wiederum sollte es dem Wanderer ersparen, von Haus zu Haus zu gehen, um sich seine Äkiscmitik! zusammen zu betteln. Er wurde üicr von einer verantwortlichen Stelle erfas-t. die ihn saUigeinäs: abzufertigen hatte. Diese Zentralisierung hatte glcich«.citig die Möglichkeit, unwürdige Elemente auszuschalten, das derufsmäs.igc Schnorrer- »nd Wandcrtum zu Kontrollieren und darniederzuhallcn. Das; durch diese Maßnahmen sich die kosten der diesbezüglichen Wohlfahrtspflege erhcblü.i verminderten, soll nur nebenbei erwähnt w.rden. Die Hr.riegsjad.re muszten naturgemas; aus vielfachen Gründen die Lage der Zentralstelle und der ihr. angeschlossenen Vrovinzialkassen vollständig verändern. Einmal ging dcr Wandcrstrvni zu Beginn des .Krieges stark zurück. Als er wieder i» grösserem Mäste cinsckile. war das Objekt dcr Wandcriürsorgc ein völlig anderes geworden. Die .Krieg^niafmahnien draäilen zwangsweise Dausendr von Ostjudcn nach Deutschland, die von der Militärverwaltung Kriegswichtigen Arbeitsstellen zugeführt wurden. > Sie waren zum allergrößten Teil produktive, arbeitende Elemente.! Dieser Riesenausgabe war die alte Organisation der Zentrale sur Wanderfursorge nicht gewachsen. Es fehlten die außerordentlich I grofzen Geldmittel, die zur Hilfeleistung notwendig waren. Es fehlte das geschulte, aus diesen Zweck hin eingestellte Beamtentum. Es fehlte schließlich die Selbständigkeit dcr Zcntralorganisarion. > die ja über keinen direkten Apparat verfügt«-. Hier sehte das! Arbeiters» rsoraeam r der jüdischen Organisationen > Deutschlands <Äsa> ein. Es übernahm den Arbeitsbereich der früheren Provinzialkassen, dehnte ihn aber in weitestem Mas-e aus. , Die Zentrale für Wanderfürsorge hatte damit zu bestehen aufgehört. Dies war nur deshalb möglich, weil dem Arvriterfürsorqeamt alle I nischen Wohltätigkcitsinftitutionen zur Verfügung standen. Nachdem! aber nunmehr der Wanderstrom wieder geregelte formen ange-! nommen hat. sein zahlenmäßiger Umfang sich stark verminderte, i sein Charakter wieder die frühere Gestalt gewann, war es nl-Nvendig. den Kreis dcr mit dieser .'-rage defafzten Organisationen zu erweitern. Deshalb traten im Januar U>25, die wichtigsten jüdischen Zentralvcrbände zusammen und gründeten die Hauptslelle sür jüdische Wanderfursorge und Arbeitsnachweise. An dieser Hauptslelle sind beteiligt: die frühere Zentrale für jüdische Wandersürsorge <D. I. G. B.>. die Zcntralwohlfahrtsstclle der deutschen Juden, das Ardeiterfürforgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands, die Grosstoge U. O. B. B. u. a. mehr. Die Haupttätiqkcit dcr neuqeqründcten Stelle wird darin bestehen müssen, das Ncti der srühcren Provinzialkassen wieder lebendig zu machen, dort wo solche früher »übt bestanden und die Notwendigkeit vorliegt, neue zu gründen. Dieser Ausbau der Prooiiizialkasfeu mus: von dem Gedanken geleitet sei», den Wandernden möglichst schnell an sein Ziel zu bringe», d. h. die Prooinziulkanen müssen auf weite Strecken hin befördern. Das Mcldcwescn mus» vereinheitlicht werden und schneller arbeiten.?ie .Kauen müssen mit namhaften Mitteln ausgestaltet sein: die dcr Provinzialkajse angeschlossenen Ortschaften haben an fic eine Ablösung, der Grösse dcr Zrnsitc» entsprechend, zu zahle», kurzum, es mu>; alles getan wcrocu. um den Wandcrstrvi» i» geregelte und für den Wandernden sinnvolle Bahnen zu lenken. Daneben besteht sür die HaupineUe eine andere größere Aufgabe. Wanderinrsor.ie iii nur oaiin sinnvoll, wenn sie darauf ausgeht, sich selbst überflüssig zu machen. Tas kann sie aber nicht, jvlainie sie reine Wanderfursorge bleibt. 5ic mus: vielmehr darauf bedacht sci». möglichst viele Menf.l'cn dem Wander'irom zu entziehen und ses.haft zu mmtien. d.h. sie in produktive Berufe überzuleiten. Die Provinzialkassen sollten also die wesentliche! Lösung ihres Auigabenkrcises nicht in oer .^ahrkartc sehen, sondern sie sollten vielmehr v.'rsuchen. dem Wandernden Ardeil zu geben. Aber nicht nur aus diesem Gemlirsouiiktc heraus, sondern ganz allgemein drängt die jüdiniie Not zur Gründung von Arbeitsnachweisen, als des beste» und wnrdü-'ien Mittels, dem in Bedrängnis geratenen Menschen zu h.!«en.?ie jüdische Arbeitslosigkeit weift erstaunlich hohe Ziffern au».?cr Zentrale Berliner jüdische Arbcitsna liweis ivird allein taglnb im?un!istiniitl von ^.'->> Peri sonrn auigesu^'t. Die Vermitllui-,lszincr". bewegen sich v.'.".>>.t!cn! li^-l'»'». Wenn erst eine einheitliche Regelung dcr Berliner! jüdistlien Arbeitsnachweise durchgeführt sein ivird. d. h. wenn erst die vielen, teilweise nur dem Namen nach bestehenden Zwcigarbci»?- naliiioeiie ihre für die Sleüu.'ia'miienc'cii n>cnig hcilvoUe Arbeit ,'itt.,.-!-eNt »>.,kx.. ---erden, dür-tc der Besuch des Zenlralarbeitsnachweiscs noch erheblich steigen. Ein Zciilralarbcitsnachweis in Berlin kann aber er,« seine volle Tätigkeit entialtcn. wenn ihm ein Ncr; von Provi» zialarbcitsna.iiwcisen zur Verfügung lieht. Es sind viele Bewerber aus der Provinz vorhanden und keine stellen iür sie. oder aber manche geeignete Provin-.stellen nnd keine Beioerbcr. Tic Eriahrunaen. die Berlin disder in feiner Zuiammcnardeil mit dem Ziveigarbcitsna^tnveis in Frankfurt a. .'.'l. gesammelt dat. deitätigen d>e "nn^t. nne segensreich ein solches Zusammenarbeiten aui Angcdot und Nachfrage, auf Austauich von stelle» nürkcn kann. Na..> dreimonariger Arbeit der HauplilcUc ist das Nen dcr Vr^vin.iaika'i'cn wcicntlich ausgebaut und erweitert worden. Es vcncdcn nunmehr folgende Proviinialkajieni Breslau. Berlin, köni isberg. Stettin. Hamburg. Bremen. Hannover. .Köln. Duisburg. B^iium. kafsei. Würzburg. Erfurt. Nürnberg M»»chen. Einer Sc? wichtigsten z>jiotr»vu»kle unserer Ardeil i l «xrankiurl a. M. Leider liesten sich dorr traft dauernder Bemühungen die Dinge nicht so regeln, dan sich -V^?^' reiht. Es ist deute an der Tagesordnung, dast .^rankiurt a. M. > mangels geeigneter Zentralisation und deshalb auch aus Mangel an Mitteln die -Z!5andrrarmen mir Fahrkarten nur bis zur nächsten Gemeinde udirrtigl. Damit wird den WanSerarmen nicht geholfen Eine der wichlig^cn Ausgaben^»er Hauptitelle dürilc iür die nächste Schon diese ober.üä.l'lfche Skizzieruug zeig!, ein wie reiches und wichtiges Ardcilcfeld di? neugcgründelc Ha^plftclle zu bewältigen dat. Sie ivird aber dieser Arbeit nur dann gerecht werden können, wenn die Vertreter des deutschen Judentums, d. h. Sie einzelne". Gemcindcv.'rstände und 5er nrugegründete preußische

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