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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1925-09-01 · 1-2 (9.1925) · page 4

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
1-2 (9.1925)
Date
1925-09-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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diese Wege sind wie der F..^c. so c.uch d.c Nac^lge des Menschen entrückt und verboten. Aber Gottes .Handwerk." seine offenbarte Wirkungsweise, ist uns ansgetan und vorgebildet. So bekommt Mose Gottes „Angesicht" nicht zu schauen, aber er erfährt seine. Wege" («I. M. 3.!.I3 . die r>ioll seiocr, an ch-n vvlüürt.,i<chrnd. oc:? ihn^ aufruft; und dieses Ausrufen nennt Gott das Ausrufen seines .?!amens". Wo aber wird Gottes offenbarte Wirkungsweise offenbart? Eben beim Antritt der Wanderschaft durch die Firste; eben auf der Höhe der Prüfung Hivbs; eben mitten im Schrecken des anderen. des uncrsas;lichen und unbegreiflichen Wirkens: eben vom «Geheimnis aus. Gott übt an uns nicht Barmherzigkeit und l^.nade allein, es ist furchtbar, wenn scine Hand auf uns fällt, und was uns da geschieht, das steht nicht etwa neben Barucherziakeit und Gnade, es ist ihnen nicht gleichgeordnet, auch gehört das Letzte hier nicht zum Attribut der Gerechtigkeit, - cs ist jenseits aller Aurioute: cs ist eben das Geheimnis, und ihm ist nicht nachzufragen. Aber eben darin, eben davon aus. eben von diesem getragen, erzeigt sich Gottes .Handwerk" an uns. erzeigt und offenbart sich; jetzt erst, wenn das (Geheimnis nicht mehr über unserem Zell steht, sondern es zersprangt, lernen wir. vor der Welt verborgen aber uns offenbar, Gottes Umgang mit uns kennen. Und wir lernen «''.ott nachahmen. Moses Mendelssohns Eintreten für Gewissensfreiheit und Bildung. V»n Zos. Zeiner-Hamburg. Nicht minder bedeutsam als Lessing für die (Aeschichtc der deuifchen AusKlärung bleibt Moses Mendelssohn. Mit Anmut, mit tAtiitc-;klart,eit, mit tiefem religiösem und »iensch.ichcnt Empfinden hat er die Probleme der Philosophie im Jnterejsder kulturellen Entnilckliliig seiner ^laiidcn^geiiielnschaft. nicht minder und e.'önen. Der Kultnrsreiind musz es diesem Juden, der mit einer beispiellosen Energie das aeijt'ge und politische Ghetio niederreiten musjte. um der Wissenschasl nur um ihrer selbst willen dienen zu können, zum höchsten Htlihiiic anrechnen, dos; er da>> Deutsche, obwohl er es spät und niiüiiam Halle erlernen müssen, mit einer Meillerschast bei der Erörterun., philosophischer Fragen handhabte, das; man in Wahrheit sagen kann, so schon sei in Deutschland bisher noch niemals über Püilosvphie gesprochen und geschrieben worden Und wenn Mendelssohn in seiner Bedeutung al, Philosoph hinter Kant zurückilcht. obwohl er ^ei der Lösung einer philosophischen Preisfrage von der Berliner Akademie den erit-n und der »onia.5deracr Philosoph nur den zweiten Preis erhalten Kalle, so rührt d-.es daher, das; er nur Anreger sein wollir, ,?!e seii.r üsihrlischrn .Hpaurrgängr' d^:tu», nicht aber w'.e Kant »n tieigründiger Wiiienschasi .snslemc^ zu «ia?dci:en f:chle. Größeres erstrebte und erreich'.? Mendel-sohn erst, als er sich metophnsische» Fragen, .die seinen: Herzen immer die nächsten war,»", zuwandte. Im .Phädon". in den .Morgenstunden' und vor allem in der herrlich. » Schi ist .Jerusalem" tcoi M-ndets>ohn im Angedenken der Nachwell. Welch gewaltigen Einslusz diese Schriften aber aus die Zeitgenossen gewonnen hatten, bekundet die Tatsache, das; man sich von allen seilen an den Verfasser, an den Juden, als .,atcnden «Seelsorger' wandte, selbst im Vager der französischen Materialisten erregle der .Pbabv».' ungewöhnliches Ausseden. Und wenn die Gebildeten Deutschland, gegenüber dem materialistischen Gehabe» der meiiten französischen Aufit!ä:e? in dem tAIquben an tAotl u>>5 Unsterblichkeit deharrten, so ist einer der hauptsächlichsten Ursachen diese» ivichiigrn geschichllicheu Talfache in der stillen, aber rveitgreisenden Wirdsamkcir Mendelssohn, zu suchen, dem Glauben und Wissen zu oerein??, und diese Ptreinigung wissenschaftlich zu begründen, tiefite Hernenskache war. .^um Beweise d.ssc» »:sg eine S-rlle an^ den ^ZNülgcnsiund"." dienen: ..Odne lttmt. Porseduna und Unstervllchkeit haben alte Hüter des Lebens in meinen Augen einen verächtlichen Wert, scheint mir das Leben hienieden. um mich eines dekannltn und oft gemißbrauchte» Gleichnisses zu bedienen, wie eine Wanderschaft in Wind und Welter. ohne Trost, abends in einer He:5e?g? Schirl und Obdach zu sindkn. oder wie Voltaire fazte, ohne diese tröstliche Aussicht schwimmen wir alle in den F.'üien, haben unaufhörlich mit Wellen zu kämpfen und keine Hoffnung, das Ufer je zu erreichen." Ein anderes Mal aber hören wir: ..Ohne Gott und Vorsehung und künftiges Lebe» i-'t Menschenliebe eine angeborene Schwachheit und Wohlwollen wenig mehr als Sickeret, die wir uns einander einzufchwahen suchen, damit der Tsr sich v'.a^c und der Kluge sich züttich tun und auf jenes Unkosten sich lustig machen könne." Kloo stock erzähl:, die Bewunderung für den Verkünder wunderung gewesen. Man Konnte es nicht fassen, dag ein Jude, ein Glied des verachteten, von aller deutschen Bildung abgesperrten fremden Bolksstammes plöklich einer der geistvollsten und formvollendetsten diu schen schrlslsieller geworden war. und man war umsomehr überrascht, einen Bekenner des Judentums als degeisterten Deisten zii, sehen, als man seither gewohnt war. die VeriiunftreliLion dem Urchristentum gleichzustellen. So w^r es kein Wunder, öaf; Übereifrige es wagten. -Mendelssohn zu bewegen, auch äuszerlich den schritt zu tu», den er, wie man wähnte, im Denken und Empfinden schon iänasi vollzogen hatte. Die Antwort, die Mendelssohn in seinem „schreiben an Lauster" allen Bekehrungswüligen gab, ist ein Zeugnis hohen Mutes, treuen Bekennertums, das um so höher zu bewerten ist. als in Preuszen, das doch die duldsamste Äegicrung in ganz Deutschland halte, noch immer der blindesie Judenhas; herrichte, unter dem. wie wir sehen werden, auch Mendelssohn und die seinen zu leiden hatten. Unser Philosoph sagti „Ware nach vie.jäyriqcin »lorschen die Entscheidung nicht völlig zum Vorteil meiner Religion ausgefallen, so hätte diese Entscheidung notwendig durch eine öffentliche Handlung bekiiiilt werden müssen Ich begreife nicht, was mich an eine dem Ansehen nach so üderftrenge, so allgemein oer» achtete Äeliqion fesseln könnte, wenn ich nicht im Herzen von ihrer Wahrheit überzeugt wäre. Das Resultat meiner Untersuchung mochte sein, welches es wollte, sobald ich die Religion meiner Väter nicht sür die wahre erkannte, so muhte ich sie verlassen. Wäre ich im Herzen von einer anderen überführt, ss wäre > es die verwsrsenste Niederträchtigkeit, der innerlichen Überzeugung zu trotzen, nicht die Wahrheit dekennen zu wollen. Und was könnte mich zu dieser Niederträchtigkeit verführen? Wäre ich gegen beide Religionen gleichgültig und verlachte oder verachtete in meinem sinn all? Offenbarung, so wiisjte ich gar wohl was die Klugheit rät. wenn das Gciviisen schweigt- Was könnte mich abhalten? Furcht vor meinen Glaubensgenossen? Ihre wettlicht Macht ist all»u gering, als daß sie mir fürchterlich sein könnte. Eigensinn, Träghctt. Anhänglichkeit an gewohnte Begriffe? Da ich den größten De:! meines Lebens de? Unterfuchusg gewidmet h^de so wird man mir Überlegung genug zutrauen, solchen Schwachheiten nicht die Fruchte meiner Untersuchung aufzuopfern, sie sehen also, dasz ohne aufrichtige Uberzeugung von meiner 'Religion der E>fol^ meiner Untersuchung sich in einer öffentlichen Talhanolung näne zeigen müssen- Da sie >>Uch ader in dem bestärkte, was meiner Vä:cr ist, sa kannte ich meinen Weg im stillen fortwaiioelii . . . von dem Wesentlichen meiner Äclig:;::: bin ich so feil, so unwiderleglich versichert, als Sie nur immer von der Ihrigen seil« können. Und ich bezeuge diermit vor dem <öotl der Wahrheit. Jhlem und meinem Schöpfer und Erhalter, das; ich bei »e-nen Grunvsäken bleiben werde, solange mc'ne ganze seele nicht eine andere Natur annimmt.' Mit dein gleichen Mut. mit dem Mendelssohn für seine eigene Überzeugung eintritt, vei sich! erd»c'Rechte sei ne r G laud e n s- , genossen, fordert er o:e Machthaber in slaat und Kirche auf, die Uiilerdrtt>5ten von dem ,x!ucl.e ihrer AusnadmesleUung zu de« > sreien. „Allhier in diesem du Ssamen Lande", ruft Mendelssohn! ^>>,^ ,.?ede icy oleickivodl »0 ei:.geeii»it. durch wahre JntoleraiiH! sa v.".: allen Seiten beschränkt, dasz ich meinen.srinder-, zuliebe mich den ganzen Tag in eine Seioenfabrik > einsperren muk Ich ergehe mich zuweilen des Abends mit j meiner Familie Pater, ruil die l «de Unschuld, was ruft un» i lener Buiiche dort nach? Warunl werken sie mit «reinen Hinlee , aus her? Was b^de.-. wir :h:ic-: getan? Ja. liebe? La:-?. f?rich:! ein anderes Xi»d. »ie verfolgen uns immer in den «tragen und j fchi.nxse»?l.;.de! Jude? Jit denn das so ein schimpf bei den Leuten, «in Jude zu sii:.? Jct>, ich schlage die Augen nieder und i seufze mit mir selber: Menschen. Menschen. a,vt,ii» hadl. ihr e» > endlich kommen lassen? Doch weg mit diesen Betrachtungen, sie . machen mich zu untüchtig! O :?r. Nieinc Nrde^uienschen. die ihr Kinder eins» anderen! «Stauden» s-iö. dedenkt, dasz das Leben einen ietjr ge» ringen Werl hat, «;»n nick:: n>.i! -üen Rechten I und Borzugen des geselttgen Menschen oeebuadea ist Schmach und Verachtung sind demjenigen, de? sie nicht verdient, zuweilen härter als der Tod. und diese folgen einem Bekenner des JudtniLins auf allen Tritten nach. Pan aller bür»! gcrlichen <5hrc enisrrni, zur «uedrigürn oc» ^tusrit hiiiüdjcstiill»^« die die stände de, ^rsittctcn Lebens unterscheide», können wir die Talente und Fähigkeiten, die uns die milde Zlalur in so reichem Maße als ihren übrigen Kindern gegeben, weder ausbilden, noch anwenden, noch zu unserer Nedenmeaschen Besten» recht gebrauchen- Wo die liebreichste Toleranz herrscht, da wird sie in Ansehung unserer am wenigsten geübt- Wo Kunst un»

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