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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1925-09-01 · 1-2 (9.1925) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
1-2 (9.1925)
Date
1925-09-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Sterne am Tag ycfehcn wurden: .Er Hai uns aemac.?: und auf ihn zu vollenden wir unsere Seelen." Vir vl.!!endcn unsere Seelen auf Gvlt zu. Ier.s ^ou-,Gleichen" ist also nicht etwas m t d csem unser»in irdischen Leben Unoervundenes, es ist dieses unsres Ledens Ziel, wenn eben unser Lckcn ein Vollenden innrer Seele aus Golk zu ist.' Und. so dürfen wir wohl hinzu, fügen, die Vollendung einer Seele wird ihre <^ottg!eiche genannt, die ja kein Gleichs'in bedeutet, sondern: daß diese Seele die ihr zugeteilte Ebenbildlichkeit verwirklicht hat. Wir vollenden unsre Deelen aus Holl zu, das heißt: jeder, der dies tut. vollendet seine Evcnbildlichkeit. seine Iechida. seine .Einzige", seine Einzigkeit als Gottes Ebenbild. .Denn im Bilde v olles ist der Mensch erschaffen." Darauf gründet sich die Nachahmung Gottes. Wir sind bestimmt, ihm zu .gleichen", das heißt: das Bild, in dem wir erschanen sind und das wir in uns tragen, aus uns zu vollenden, um — nicht mehr in diesem Leben — seine Vollendung zu erfahren. Das Judentum, das am stärksten den Wirklichkeit?- ernst der Erschaffung oes Menschen durch Gott erfaßt hat. hat auch die Bedeutung der Ebenbildlichktit für das Leben des Mensch-n am reinsten erkannt. Davon zeugt das von uns noch lange nicht in seiner ganzen Diese aufgenommene Wort Rabbi Akibas: .Ein Liebling ist der -Mensch: er ist im Bilde Gottes erschaffen worden; aber in einer besonder» Liebe wurde ihm kund gel an. dag er im Bilde Goucs erschaffen worden ist " Das; unsre Ebendildlichkeit uns offenbart ist. gibt uns den Antrieb, sie zu entfalten und so Gott nachzuahmen. Gott spricht: .Machen wir Menschen in unserem Bild nach unserem Gleichnis." ober von der schaffenden Handlung selber heißt es: .So schuf Gott den Menschen auch das .Gleichnis". Wie ist das zu verstehen? Daraus antwortet wieder eine agadische Deutung: „Im Bild allein und nicht auch nach dem Gleichnis, weil das Gleichnis in der Hand des Menschen ist." Das..'^icichnis" ist das Glcichwerden. Der Sündensall de? ersten Menschen bestand darin, daß er das ihm in seiner Erschaffung zugedachte Gleichnis anders erreichen wollte, als durch die Vollendung des .Bildes'. .Der Grundsinn der Erschaffung des Menschen", sagt ein chassidisches Buch. .ist. das; er sich, so sehr er irgend oermag. seinem Schöpfer angleiche." Das Buch führt sodann den schönen Spruch N.CHiskijas. des Sohnes Rabbi Chijas. an: .Heil den frommen Propheten, vre das Gedild seinem Bildner und die Pflanzung ihrem Pflanzer vergleichen", und erklärt ihn folgendermaßen: .Sie gleichen sich selber ihrem Schöpser an, indem sie auf seine Linheit zu alle ihre Glieder einen und allen Anteil des Übels aus sich vertreiben, damit sie vollkommen werden mit dem Herrn ihrem.'"Ott . . . Darum sprach Gott: Machen wir Menschen in unserem Bild nach unserem Gleichnis aus Liebe schuf er den Menschen in seinem Bilde, damit er sich seinem Schöpfer arnugleichen oermöge " Wieder erhebt sich vor uns die scheinbar überwundene Frage: Wie können wir Gott nachahmen? Wohl, sein Ebendrld ist in uns gelegt, in unz angelegt, und dadurch, daß es so ist. n-ird uns die Wirklichkeit des 55e!s und die Mözlichkei: d-s Wegs verbürgt. Aber welches ist der Weg? Haben wir unseren Blick auf unsere Seele allein, auf ihre verborgene Edenbiidlichkeil, die zu entfalten uns geboten ist. zu richten? Oder haben wir ein Vorbild, auf das zu wir sie entfalten, sie vollenden Kursen? Is: Gou unser Borbild? Und noch einmal: wie kann er. der Unvorstellbare, es sein? Und wieder antwortet uns einer der Meister des Talmuds, der Mischna diesmal, einer aus der Zeit nach Hadrians Tod. noch wundersamer a!s N Acha: Ädba Scharrl, ein Riciie an Wuchs, seinem bewerbe nach Bäcker im Haus des Patriachen. dcr Miziva nach, deren Elfiillrmg v?r -2llen andere:: er sich ergab, mit der Bestattung r-v» Toten besaßt, aus welchem Bezirk er die seltsamsten Bevbachlungen zu erzählen wußte, ein Mann des Gebets. dcrdasPsalmmvrt(it).!7) .Das Verlangen der Gebeugten oernimmst du. Herr, du befestigst ihr Her.,, du lassest dein j?hr merken" offenbar aus persönlichster Erfahrung dahin erklärte, in der Befestigung des Herzens bekunde sich die Erhörung. Er nun pflegte zum Gvltesworl .Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich. der Herr, euer r^ott" zu bemerken: ..Dem königlichen G?so!ge (eigentlich Familie, x geziemt es. den Körrig .räch,uat>men Aber tiefer in seine Anschauung der immni.i l>ei sühn uns ein anderer feiner Sprüche ein. Er geht orn einem Vers des Liedes aus. das Mose uno ganz Israel nach dkm Gang durch das Meer sang (II M 15.-'): durch: .Dieser ist meiu Golt. ihn will ich preisen" wiederzugeben ist. Ader Avba Schar:! saßt das umstrittene ^'.'ort " anders: Ich will ihm gleich werde,!, oder: ich will mich ihm angleichen. Woraus diese Deutung beruht, erklär. Nuschi: Avba Sckaul zerlegte das ^.'vrt :x' in die Elemente x"" "x. er deutete es also als: „Ich und er" und sprach: Ich will wie er werden, oder, wie Mrschi es ausdrückt: ..Ich will mich nach ihm gestalten: seinen Wegen an,»hangen." Und in der Tat fährt A!-l-a Schnu! so sott: .Wie er barmherzig und gnädig ist, so sei auch du barmherzig und gnädig." Gott nachahmen also bedeutet: seinen Wegen anhangen, in seinen Wegen gehen Das sind nicht die von ihm dem Mensehen als solchem aedutencn Wege, es sind wirklich!'oltes Wege. Aber noch einmal steht in neuer Gestalt die alte Frage aus: Wie können wir in seinen Wegen gehen? Sind sie doch uncrsarschlich und ist uns doch bedeute?, sie seien nicht wie die unserni Abba Scharrl deutet die Anuvort schon in seinen letzten Worten an. ^ie ivird in zwei erklärenden Aussprüchen, zu Worten des V. Buch Mose, das ein geistvoller l>',elehrter Israels Buch der imit.»,,. IX i genannt hat. ausgebaut. Es heißt (V.M. l!,'-^): „den Herrn, unser» Gott. ,;u lieben, in allen >einen Wegen zu gehen." Welches sind die Wege «Rottes? Die er selbst vor Mose ausrief: .Ein barmherziger und gnädiger <^ott. langmütig, reich an Güte und Treue." Weit deutlicher noch ist der andkre Ausspruch. Es heißt (V. M U!,5): .Hinter dem Herrn, eurem ^'ott. sollt ihr hergehen": wie vermöchte der Mensch in die Fußstapfen der Herrlichkeil zu treten? Steh! doch geschrieben l V. M. 4.1! l): .Der Herr, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer"? Aber so ist es gemeint: Folge den Midolh nach, den .Attributen." richtiger: den dem Menschen dundgetancn Wirkungsweisen «Rottes, ^.'ie er die nackten ersten Menschen kleidet, wie er den Kran- Ken Abraham im Hain von Mamre besucht (nach der Tradition war Abraham damals von der Veschneidunc, her leidend', wie er Isaak nach Abrahame Tode mit seinem Segen tröstet, bis zur letzten Gotiestar des Pentateuch-. wie er selber Mose bestatte! — da-? sind vxr.. sinnlichte Midvrh. dem Menschen schaubares Vorbild, und die Mizwoth sind nermenschlich-te Midoih. .Mein Handwerk." so läßt der Midrasch >^otl zu Abraham sprechen. ,nt das Wohltun du Haft mein Handwerk Das l^eheinuris Gottes, das über Hiobs Hell stand Mi. 29.4«. ehe es ihm furchtbar zu Leid und Frage gedieh, ist nur ducchleidbar, es ist nicht befragbar. und

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