Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 3 (1924-1925)
- Issue
- 8 (4.1925)
- Date
- 1925-04-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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lich wichtige Aufgabe der Gemeindeverwaltung, genaue Derzeichaifse über den «reis ihrer Mitglieder zu führen, itt um deswillen sehr erschwert, weil infolge der Bestimmungen der Äeichsoersassung der Zwang zur Angabe des Religionsbekenntnisses bei der polizeilichen Anmeldung aufgehört hat und weil ferner entgegen der früheren Uedung regelmäßige polizeiliche Meldeltsten nicht mehr an die Gemeindeverwaltung abgegeben werden. Es wurde beschlossen durch Beilage eines Frageblatts im Gemeindeblatt und durch andere geeignete Mittel zu oersuchri«. da» fehlende Material zu beschaffen Diese Maßnahme ist inzwischen ausgeführt, und wir können an dieser Stelle nur dringend unsere Gemeindemitglieder darum bitten, uns in jeder Weise in der Erfüllung dieser Aufgabe weitgehend zu untersillften. Die mitgeteilten Angaben werden lediglich zu statistische» Zwecke» benutzt Hm Anlchli-b hieran sind auch technische Verbesserungen in Bezug auskünstige Gemeindewahlen beschlossen mordrn Seit langem macht sich der Mangel von verfügbaren Snnagogiiiplui,?,, in der konservativen Gemeindesnnagoge fühlbar. In den leftten Jahren konnten durchschnitlich '»<« Platzanmeldungen nicht berücksichtigt werden Iiibbesondere die in den nördlichen Gegenden der Stadt wohnhasten konservativen Gemeindemitglieder haben keine Gelegenheit eine» ständigen Gottesdienst »u besuchen, hauptsächlich nicht an den hohen Feiertagen Der seit vielen Iihren in de? Frankfurt—Lvge eingerichtete Ftlialaoltesdienst genügt gleichfalls bei weitem nicht mehr dein immer stärker werdenden Platldroilrsnis. Die Gemeindebehörden haben deshalb den Neubau einer zweiten konservativen Sniiagoge ins Auge gefaßt und zunächst eine Kommission mit den ersten Vorbereitungen betraut. Die Sitzungvom 26. Februar war zum größten Tri? nichtöffentlich, es wurden hauptsächlich Personalangelegen- Helten behandelt. Sitzung vom 4. Züar, l>»25. Bor Eintritt in die Tagesordnung gab der Vorsineiide der Trauer der Gemeindevertretung über da; Ableben des Reichspräsidenten Ausdruck .Die Trauer des deutschen Volkes/ so sprach er. .ist auch unsere Trauer. Der Verlust, den Deutschland erlitten, ist gros;, denn in Friedrich Ebert ist ein bedeutender Mann dahingegangen, der in der ganzen Well durch sein Wirken unter schwierigsten Verhältnissen an verantwortungsvollster Stelle sich Liebe und Anerkennung erworben hat. Aus kleinen Verhältnissen hervorgegangen und au» den niedersten Kreisen des Volkes entstammend ist an ihm das Wort des Psaimisicn wahr geworden: ^'12!2V 'IZ'."^'' ^1 Eine Stelle, die einst von Fürsten bekleidet wurde, hat er voll ausgefüllt. Seine aroke «eifrige Kraft, sein fester Charakter, seine politische .Klugheit. Stärke des Willens gepaart mit Mäßigung und die Adgcmessenheit seines Wesens waren vorbildlich und haben es Ihm ermöglicht, den Erfordernissen des Reiches gerecht zu werden und nach innen und ausjen ausgleichend zu wirken. Die Persönlichkeit Eberls wird, wie dem gesamten deutschen Volke, so auch uns unvergeßlich bleiben. Wie jedes Zeitalter nach den Männern genannt wird, welche ihm die Spuren ihres Geistes und ihres Tuns aufgedrückt haben, so wird unser Zeitalter das de» ersten deutschen Reichspräsidenten sein, welcher den Etil cincs republikanischen Führer» und den Geist eine» demokratischen Staate» geschnks-n hn». Sein Bild wird rein und fleckenlos fortleben, auch wenn Haß und Verblendung versuchen, dieses Bild eines deinen und geistig hochstehenden Menschen zu trüben." Der Vorsitzende teilte mit. daß an der von der Stadt Frankfurt ür den Heimgegangenen Reichspräsidenten veranstalteten Trauereier dir Gemeindeverwaltung teilgenommen Hai. Die Versamlung hat die Rede de» Vorsitzenden zur Ehrung des Verstorbenen stehend angehört. Einen breiten Rahmen in den Verhandlungen nahm die Vorlage de» Vorstands über den im Philanthrop in beabsichtigten Ausbau ein. Es handtlt sich um dit Ausgestaltung der Scvule zu einem Reformrealgnmnssium. uuchoem deröchulratim Hinblick auf oen bereits erfolgter. Ausbau aller übrigen Frankfurter höheren Schulen diese )ieuschöpfung als dringend erforderlich bezeichnet hat. Gemeindevertreter Werner hat zwar die ideellen Gesichtspunkte der Vorlage durchaus gewürdigt, glaubt aber au» finanziellen Gründen seine Zustimmung nicht geben zu können, während die Finanzkommission der Gemeindevertretung die Annahme des Vorstandsdrschlußes befürwortet Die Gemeindeoertretuna bat infot-zedessen den Aufbau de? Schul? genehmigt und Kenntnis davon, genommen, daß der Schulral bereit ist. bezüglich eires stärkeren Einflußes der Gcmetndekörvcrschastcn auf die Schuloerwaltung mit dem Vorstand -u verhandeln. Diese Verhandlungen sollen auch die seit Jahren gewünscht Umgestaltung der Schulordnung zum Gegenstand haben. Amtliche Anzeigen deS GemeivdevorfisudS Statistisches Merkblatt. Eine große Anzahl von Gemeindemitgliedern hat bisher das mit de? letzten Nummer des Semeindeblans oersandte statistische Formular nicht an uns zurücki geschickt. Wir bitten nochmals dringend darum, dies umgehend nachzuholen und diirfrn wohl erwarten, oag oij? wem?:ndem::g!:eLer sich dieser «leinen Mühe unter- , ziehen. Srciberpflege. Wir bringen wiederholt zur Kenntnis, dag wir ab l. April d. I die Pflege der Gräber, soweit sie mit Efeu oder Immergrün bepflanzt sind, übernehmen Bestellungen können bei dem Friedhossverwalter oder uu Gemeindebüro. Fahrgajse 146. in den üblichen Geschäftsstunden erfolgen. Röntgeninstitut. Durch das großzügige Entgegenkommen der chemisch-pharmazeutischen Fabrik Dr R- und Dr. O Weil ist es gelungen. , dem Röntgeninstitut im Krankenhaus unserer Gemeinde. Gaqerni ftraße A'>, eine moderne Apparatur zur Prüfung des Sauerstoffwechsels zur Verfügung zu stellen. Wir nehmen Veranlassung, die in Betracht kommenden ärztlichen Kreise aus diese Neueinrichtung hinzuweisen, nachdem Forschungen der letzten Jahre einwandfrei gezeigt haben, daß für zahlreiche Fragen der Röntgentherapie iu a bei aemiiien Störunge.': de; Fciisissf- Wechsels) eine genaue Beobachtung des sogenannten Resvirations» Quotienten von ausschlaggebender Bedeutung sein kann. Sinzelergebnisse der Wahl zum Landesverband. Wahlbezirk Zahl der gültigen Stimmzettel Kreisroahloorschlag l »l ll! I IV72 22! 797 ' 44 2 1331 400 951 w 343 ^73 5itt! 4 1102 «Vv 41»! 2Ä 5,!«2:t 7-6 2Z1 i 7 V UM« l^»4 2«» 12 25t Itt9 34 — IIA! lUl». ll4 3 ^5 S I» ^öl 2lK> 42 3 W t.i:j» r»b!j? 3424! IS» Philipp Schiff. Die Gemeinde hat eines ihrer ältesten und angesehensten Mitglieder verloren. Philipp Schiff, der in seinem 84. Lebensjahr nach kurzem Leiden in der Nacht zum 21. März verschieden ist. war der direkte Abkömmling einer nachweislich seit dem Jahr 1505 in Frankfurt ansässigen Familie, die mit der Geschichte der Gemeinde aufs engste verknüpft ist. Line arone Anzahl hervorragender Gelehrter entstammte ihr, von denen der berühmteste der Maharam Schiff (l603 lk4l) gewesen ist. Gelreu den UederUeserungen seiner Ahnen und dem Vor- . bild seines Elternhauses hat Philipp Schiff, ebenso wie! seine Brüder Jacob und Ludwig von Jugend an in der! Beschäftigung mit den Aufgaden der jüdischen Gemein- > schafr ein Lebensziel gefunden. So gehörte er von 1864 bis!867 dem Ausschuß dcr Gemeinde und, mit einer kurzen Unterbrechung, von 1687 bis 19i)3 dem Gemeindevorstand an. Während dieser siebzehn Jahre hat er au» , einein feslgegrünoeten jüdischen Wissen heraus, mit Klug- , heit und Energie stärksten Einfluß auf die Verwaltung