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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1925-02-01 · 6 (2.1925) · page 2

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
3 (1924-1925)
Issue
6 (2.1925)
Date
1925-02-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Gelehrten nicht nliZlich: Tälizkeit. sandern sittliche Lebensaufgabe.) f.. Eine solche Beurteilung der Wissenschaft ist im Überlieferlen Judentum nicht einhalten. Sein ErKennlniHidral ist religiöser Natur. Das Forschen in der Lehre ist PjUcht. etne Verpflichtung zu wissenichajltichcr Weüerkenntt'.'.s kennt die Überlieferung nicht. Alles profane Wissen gewinnt vielmehr erst seinen Wert aus seiner Verwendbarkeit kür den G!a <b?n. Das moderne Auiiurbeivugljein. das der selvstandlgen Forschung einen idealen Weil zuerkennt, steht also un Äeuettsalj zuin überlicfcrlen Iuoentum. Wenn dieser GegensaF heule kaum noch empfunden wird, so oerrät sich hier die stlUich-veigende Anpassung des Judentums an die moderne Liutlur. Die jüdische Freude am Denken, die aus dem Studium der religiösen Schriften geboren ist. hat das Bekennmisideal über das Gebiet religiöser Probleme hinaus erivei ert. Aus der Pflicht religiöser Erkenntnis ist die Pflicht denkrnder Weltbctrachlung geworden. Damit ist die Fremdheit zwischen dem Judentum und der Wissenschaft überwunden. Solange die Forschung ungetrübt durch Hercschuflsgelüite unbestechlich die Wahrheit sucht, wird iqr idealer Wert vom Judentum anerkannt, ist sie nnt ihm durch das gemeinsame Izeal sittlicher Lebensaufgabe verbunden. ALS der G-schichle der GZlNZlnde. Slinnerunzen an die ZubenMe. Michael ZV. Zllainz. - ^Wir freuen uns. unseren Leiern einige Iugcnoerinnerungen des ehrlvü:d:gcn Perfasser-, «n der anspruchslosen Form, wie sie von ihm niedergeschrieben find, dielen zu können Schnfll. . . Gehen wir der Bornheimerstrasze. t'A! Vörnestraije, «nt'ang, so treffen wir am Eingang der alten ^udengajse auf zwei Kaffeehäuser, die zugleich die Wirtshäuser der Gasse b ldcn. Her entwickelte sich der Trödelhandel im g-osien Masze. Es war der richtige Trödelmarkt, wo sich Käufer und Verkäufer trafen Der Geschäftsgeist der Juden wurde ja durch die Intoleranz in so enge schranken getrieben, das; der ganze Handel, soweit er sich nach auszen ausbreite» konnte, nur nn Tro?eln bestand. An die Pfosten des Ghettos pochte ja nur derjenige, der sür den Rest seiner Habe del dem Juden m.ch den hochiien P.-is zu erhal!?-: glaubte oder der kleine Handwerker, der für seine wenigen erübrigten 5r.reu«er seine nötigsten Kleiduug-stiiche billig zu erwerben glaubte. D^sj im Gedränge des Handlls gar manche betrübte Seele stand, weiche von zu Hause soitgeg nigen, um das Gluck auf dem Marktplätze zu suchen, ist felbsloe stä»diich. und so fanden sich unter denselben Leute, die als Gel,hrte der Nachwelt mehr Stuften brachten, als sie vl-rnn>ch!tn sich die wenigen P ennige zum Leoeusunlerhalt ihrer Zu»lie zu verichasscn. Wir sehen täglich an dein Ease Hecht de» nun so berühmten sel. Wolf HeidenhetlN sorgenvoll sirhrn, jenen Mann, der es verstanden, die schönste Druckerschwarze zu dcre::e», den Lächern etne angenehme zierliche »Form zu geben und die. jüdischen Gebetbücher mit einem Kommentar zu versehen, dcji.cn Geiil heute noch alle Andätztizen enzitckl Die «riie» H.loe»het>n'ichcn Gebetbücher werden zu den höchsten Preise» immer »och gemaust, und die fetzige Buchdrucderkunst bemüht sich erfolglos, »reg ihr zur Persägung stehender .'Nafllnea dem nach ur,».»«. n^a^ de? ds:::a!i «i.deachtele Mann mit seinen geringe» Mitieln sertiazusleUen vermochte. Treten wir einige Schriite weller in d e Iudengajse, so finden wir an den Häusern entlang Peikaus-läden mir Auslage« auf Tischen oder herunlergri »ssenen Lad n, ähnlich wie die Melzduden un, solche zeigen v.teisien» Fr»»ur» l>e,0tg»n ds da» Ladeaaeschäst, die en mit Kennerdli k alle» vermutlichen Käufern ihre Waren an. während sin die Männer de n H indlverk hingeben. Wir sehen gleich am Eingang eine dekannte Ardeiterflaue, den allen Wolf Hahn, einen Onze oer Gründer der Firmen L A Hahn und Z Z Weiller söhne. Troßdem er sein Handwerk nicht in ter ersten Schuh-nacher-Akademie erlerat Harle, wußte er es doch seh? Produkt,» zu gestallen. und man schwor in der Gasse nicht dözer als auf Wolf Hahnen» Stiesel. Gegenüber mundete das so genaniue Iudcnbruckchcn. jetzt Einhorngajsc. ein. und da h er der Perkehr vergrößert war. so boren dorr aus kleinen Tischchen mehrere Perkäu'crlui-en ihre gesottenen Erer, O->e»da t>er Wärsle. andere idre gcdra:ene Sül»e. Salzgurke» oder Hartekuche, p'äk;chen feil. D,n lc5 en Artikel roußt? man variüg.ich in lradlll. nellrr Weise zuzubcre len. und Familienmitglieder des Hauses Äolhscht.o eriiulrneu sich be.m Besuch de» alten Stammhauses gerne der köstlichen L-ch-rdissen. 2 welche ihnen die gute Großmutter Gutle (Gudula) bei ihrem Besuche aus dem kleinen Wandschrank im Zimmer herausholte. H er sehen wir auch tätlich, wie der große Finanzmann Aase Im von Rothschild beim Ein steigen in seinen Wazen. auf welchem neben de n Kutscher ein stattlicher Jäger mit wallendem Feder» i dusch als Diener safz. sich seldil die den Wagen umringenZen armen Leute ansah, ignen die S^chsdätjnee zuwarf und mit seinen! treuen?iu^?-i K-u!i-?!--!°c> t?>s nrf tn s-e H^^»,-!'. scha'ate. I Während er die E-nonnglinge zur Ruhe mahn.e, yrü'.e er oenau. od er nicht wirklich rrir einigen Ge.dsiüchen ocm «inen cder dem scine» KsmrrierSien:? in die Häüfer d-r Äru'-r?. um sich^z-: ü^-r-! zeugen, ob er den Leuien nicht zu w-nig gegeben h.de. Eines! Ta^es wurde dem Baron derichtet, dasz eine FamiUe. die bessere j Tage gesehen, in Not geraten: es war kurz var ern-m Flicrlaze, j svsur! jchi.»te er sr.-irn Ä2m:::erdi?n?r zu ter Familie, um idr i einen Prad2Nter zu uocrgeheri. Aergertich kam der D-ener we.en der unnon^en Aufregung des Laruns zurück und sagte: ,?> I Leute sind nicht so arm. die haben sch^n ri-ie gebr.-.t^ne G ins für die Feiertage bereit" »Eile Dich, dringe den L 'ule» »och! einen Lradauker. den» Leure, die gewoznt wa?en so <u leben, j komnen mit einem Pcabanter nicht aus,^ war die Antwort öe» edlen Mannes! An der Einnorn,asie t^udendrückchen) b?l.'»ete die Gasse eine Ecke', liier hatte sich ein Trödler und Antiquar liiedrr.;el.ijsea und bot in t lauter Zi: nüie seine Ware seil. Der M "in Kon,,-- nicht > ahnen, das; "U?> u rhalllli^mafi!.! nitit ,u langer Ze.t d-'r ^iun ki sinn seiner Enkcl i^nen einr so einflußreiche, fast doimn --.e»de! Siellu-iq fä? .^nnstgegeniiände und A.lenümcr an den rrsie» Museen und groxten vosen der Well verschaffen wurde, w e es in Wlrklichre:! geworden ist Liegen wir um den?l<i,l!iel. den hier die Judengaise machre. so sehen wir täg.'ich im E.kersensler des ersten s ockes eine alle Matrane mit qrogrr garnierter H^ube entweder das «pinnraZ drehen oder in frommer Andacht ein Gebet- oder ein Psalmcnduch studieren). Es war di>s die aus alter Zeit übriggebliebene »Edel Post". Der Name P il war ihr im Polksmuud noch beigegeben von der Zeit her. wo das LesteUaeld jedes Briefes einen Kseuzer kostete, denn der Familie dieser Matrone war ozm Funken Tburn und Taiis das R?cht zugesprochen, die Bricsc zur d-e Judcnaemeinde en bloc bei der Post zu erheben und an die Emp?a »ger auszmiescrn. Ich erwähne de, Spinnrads, welches unsere Edel sie szig sch vang, denn in der ganzen Judengasse war es Brauch, dag die Frauen, welcve keinem Geschä't oblagen, ihre ireie Zeit mit Spinnen verbrachten, jede brave Frau wollte nachgerühmt haben, daß sie gl.ich der M»>lersrau im Hoden Lirde sich Wolle unb Flachs besorgte, um sie zu verarbeiten und ihre Binder vor Kälte zu schützen. Geizen wir nun weiter die .Gasse tnnab" wie der v^'l-rslu nliche Aufbruch j laute», so fin?en wir So?zerei-, Garn-, E>sei>'. Topser:ä?cn in j genügender Auswadl Auch ein Konditor Harle sich dar: n.cdcrge- > ltissei». se-ne ^un>» ernrechre sich iedo>t» nur aus Zubereitung vi?» i Brenel. sog .Bolus', jenes von den Juden aus P^rt >gal und j Spanien importierte Gebäck, sowie auf dania^s sehr dcuevte > Zwiebel- und Hclde!becrklicr>en. Dicht neben dein Konditor ha:te! sich ein Schuhpuner niedergelassen. Während jefll dieses G?»! schä't höchstens an den freien Pläxen von verelnz^lien Dienst- > männern gehandhadl wird, gab es f.üdcr eine ga"ze Ge»^ ss^n- > scha't, die das edle und damals gar nicht einlache Hand rrrk detr ed. Die Pun vichse war noch nicht rrsu> den. uno die Huden j Schaftensliesel. die ein jeder Mann trug, mutzten mit K enru^t angestrichen und mit Geld vom E: lackiert werden Es war eine Kunst, einen Stiehl kunstgerecht schön blank zu drin en und i nicht mrl w.-nia St 'lz ,ah un er Herr Schuhsuner au» die grosze»! Stiesel, die er sor^fä.tig a-if einem döUernrn S:»hl als Reklame aufgestellt halte An dieser Stelle hatte d e Gasse wieder eine Einbiegung Während die lint-- Seile wegen des dahin:er gelegenen Piehmari-ls keine Hinlerhäuier haite. ko nmen wir auf der i --ckt-n Serie auf vi l grönere Tiefe, die sich di» zur Daminüianer» i gasie dinzoa: die B'egung sing an dem Sas sau, jenem s^ae»^»,»- teu .ChainrlHoch;ei:Z,>aus' an. das ziemlich licf ging und I wo noch Gewa.ve und ZlleSertagea verschiedener Waren waren, i Auch ein Brunnen war in der Prrtie«!>na Es gad in dc? Gasse nur zn?-; Pr?:r:r:-?- den ek>-n belaaten nnd einen fast am Ende der Gasse.?.e Wasierversorgung geschab durch die Zu> st de? Wasserträger, d.e lagiäglich'.n gr. szcn B uten, die die Wasserj träger auf dem Rüchen trugen, die W.'h >u^en bis in die oberile»? Stockwerke versorgten Froh ich übten sie ihr Hani>?e!k aus nn» übernahmen auch, renitente Kinder, die nicht <ur Schule w.-v/err» . in ihre Bällen zu iexen und de« Lez:cr ,u,u»ährrn Gerade am! .Chasnohaus' hatlen sie auch ihren Ztanvyia» Da das Edle i überall in der Ga?i.e aesflegt wurde, so Harle vre Wasserträger»! kippe ihr- Kaffe. ro^ sie ersparte Pfennige Li-ein^egte, u.. solche! an ihrem S:isr»n.?s'eil den Armen zu oerrei en. Ko-.rnen w.r wieder z^ dem E'iafnohaus znrüch. we chea >Ä eine k e:ne S.i >a»! goae ha.:e. so wurden darin die Hoch;e:t-s.i:e sieden Tgge ge» seicrr und B aal urd Bräa::gam erireur. I-der war a s <Zast! wiäii.' n r-en und dadurch der B-iveis ge icse. :, daß es ein »rei^:d- I ucher ^lacvdar war. aur den das Bräutpaar in Zcucn de??!st ' blichen durfte. Ern Jeder brachte ein kleines Geschenk mir, und > >- -

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