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Selbst-Emancipation · 1893-12-15 · Heft 20 (15.12.1893) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 20 (15.12.1893)
Date
1893-12-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Sewst-Gmancipakion. Nr. 20 Der Weinhandel irr Jerusalem. Dieser Tage wurde die diesjährige Weinerzeugung in Jerusalem beendigt. Im Allgemeinen war dieses Jahr ein gutes. Die Trauben brachten reichlichen uiid zwar meistens starken Wein. Die Weinlese findet hier in den Monaten Ellnl und Tischri (September und Octobcr) statt. Die Trauben für die Weinbereitung werden in zwei Sorten gctheilt. Die eine, Bcledi (Stadtwein) genannt, stammt aus den Weinbergen in der Umgebung Jerusalems. Der größte Theil des hier sabrizirten Weines — bis 6»'*/o — wird ans dieser Traubengattung gewonnen und zwar ist es überwiegend stärker weißer Wein. Die zweite Sorte wird „Murawi" genannt und stainmt aus Weinbergen, welche fern von Jerusalem sind. Sie macht 40% des in Jerusalem erzeugten Weines aus und ist sehr süß, oft mit einem Zuckergehalt non 33% und mehr. Wenn dieser Wein alt wird, so übertrifft er an Vorzüglichkeit die besten europäischen Weine. Manchmal wird er daun so dickflüssig, daß er . sich mit einem Messer zertheilen läßt. Die Mehrzahl der jerusalemitischen Weinerzenger sind Juden. An hundert Familien, welche der Erzeugung und dem Handel von Wein und Branntwein obliegen, befinden sich in Jerusalem, so daß ca. 500 Personen Non diesem Geschäfte leben. Unter diesen befinden sich sehr große Weinfabrikanten, von .welchen jeder Einzelne bis 40.000 Kilo Trauben zur Weinerzeugung verwendet. Der Wein wird nach, allen Weltgcgenden exportirt. An Abgaben bezahlen jüdische Weinhändler beiläufig 20.000 Francs. Für je 100 Kilo Trauben werden 21% Piaster d. s. circa 5 Francs entrichtet. Dabei werden die Juden , gegen das Staatsgesctz von den localen Behörden in der Richtung chikanirt, daß sie die Steuer im Voraus, d. h. vor der Fertigstellung des Weines entrichten müssen. Für einen Kantar, d. s. 290 Kilo Trauben, werden hier 20—30 Francs bezahlt, in diesem Jahre bis 40 Francs. Der .Traubenkauf bei den Bauern vollzieht sich täglich am Jaffathore. Dort ist der Weinmarkt, was für den Wein sehr schädlich, ist, weil die Bauern die Trauben ein. oder zwei Tage früher lesen. Sie schütten nun Wasser darauf, um ihr Gewicht zu vergrößern und, bis sie mit dem Käufer Handeleins werden, dringt das Wasser zwischen die Trauben durch. . Im Ganzen ist die Umgebung von Jerusalem für den Weinbau sehr geeignet. Hätten wir eine jüdische Weinbanerncolonie im der Umgebung Jerusalems, dann würden dieselben sich in den besten Verhältnissen befinden. Im Jahre 5653 wurden von Juden gegen 13000Liter Wein, und 1500 Liter Peßach-Vranutwcin verschickt. Der Branntwein wird meistens nach Amerika versendet und vom Wein nimmt Deutschland das größte Quantum ab. Wie gut wäre es, wenn aufrichtige Zionsfreunde im Auslande ein Geschäftshaus gründen würden, um den Produkten Palästinas Absatz zu verschaffen. L ei b L i p s ch i tz. Jerusalem, im Kislew 5683. - Orlgirurl-Correspsttdemeu. Inland. Wie», den 11. Dezember 1893. Der „Oesterreich isch-Isr a e litisch en Union" ist es nun auch einmal ähnlichwie einem socialdemokratischcn, deutschnationalen oder jungczechischen Vereine ergangen. Seine Versammlung vom 9. d. M. wurde vom Negierungsvertreter aufgelöst. Der dcutschliberale Abgeordnete Mrabetz (Nichtjude) war gekommen, um für die neue Negierung und die liberale Partei Stimnumg zu machen. Die anwesenden Demokraten aber ließen das nicht so einfach hingehen. Einer der ihrigen, Herr. New st ad tl (Jude), hielt eine oppositionelle Rede und vertheidigte den Abgeordneten Krona W etter gegen die Anwürfe der Liberalen. Darauf folgte die Replik eines liberalen Redners. Endlich kam ein großer Skandal heraus; die deutschliberalen und die demokratischen Juden tobten wegen Kronawetter und allgemeinen Wahlrechts so' gegen cinaiidcr, daß sich das behördliche Organ nur durch Auslösung der Versammlung helfen konnte. Dazu, ist also ein jüdisch-politischer Verein gegründet worden, damit die Juden hier die Zwietracht pflegen? Wenn die Unionisten nur endlich einsehen wollten, daß ein jüdisch-politischer Verein nur einen Sinn hat, wenn er die jüdische Solidarität - als oberstes, undurchbrcchbares Prinzip aufstellt! Wien, den 3. Dezember 1893. Gestern Abends veranstaltete der akademische Verein „Kadimali“ jeme 11. M a kk a b a e rf e i e r (Herrenabend). Der große Khuncr'sche Saal war dicht gefüllt. Außer den Mitgliedern des . Vereines waren an 200 jüdische Studenten und eine große Anzahl nichtstndentischer Gäste, darunter Universitätsprofessor Dr. Pollitzer und Docent Dr Grünfeld, erschienen. Der Präses, Herr Drd. med. Karl Polka k, begrüßte die Anwesenden und eröffnete die Feier. Hierauf hielt Herr Drd. med. Arnold Reich die Festrede. Er skizzirtein markigen Worten die Geschichte der Makkabäerkämpfe, indem er gleichzeitig eine Parallele mit den heutigen Zuständen zog. Den trefflichen Ausführungen, welche reichlichen Beifall fanden, folgte die Absingung des „Bundesliedes" („Wißt Ihr, woher die Einheit stammt?") Sodann hielt Herr Drd. med. Isidor Schalit eine glänzende Rede, welche stellenweise geradezu Sensation hervorrief. Die Vergleiche packten unwiderstehlich Dabei hörte man ein entschieden zionistisches Glaubensbekenntniß und freute sich an der zaglosen und geistreichen Polemik gegen die Angreifer des Zionismus, den einseitigen Anti-Antisemiten. „Es ist ein kindliches Unterfangen," sagte der Redner, „und verräth die höchste politische Schwachsichtigkeit, mit Reden, in jüdischen Versammlungen gehalten, und Artikeln, in jüdischcn Zeitungen gedruckt, den Judenhaß vernichten zu wollen. Freilich haben wir uns gewöhnt) wie die tägliche Nahrung auch täglich einen Artikel irgend eines berühmten. Mannes, der in seinem Specialfache tüchtig sein mag, gegen den Antisemiüsmns in uns aufzunehmen. Es liegt allerdings etwas Berauschendes und) Narcotisirendes darin, Hymnen auf sich und vernichten sollende Urtheile über seine Gegner zu hören." Redner charakterisirt nun die jetzt herrschende Assimilationstyeorie, „als ein sich vor dem Ertrinken retten wollen, indem man in's Waffer springt." Die psychologische Begründung der Assimilation sei dieselbe, wie beim Mädchen, das von Auslage zu Auslage laust, um neue Modethorheiten ansehen und anrühmen zu können — es will gefallen. „Taube Nüsse von Rauschgold umzogen", so begann nun Redner die „Weihnachtsbescherungen" aufzuzähle», welche uns zutheil werden: „Irgend ein kleiner Orden für einen jüdischen Großindustriellen; Achsel mit Flittergold umklebt: eineDocentur für einen Juden, der kraft seines Talentes Professor zu sein verdiente; eine ganze Schachtel hellblinkender Zinksoldaten: irgend ein paar jüdische Hauptlcute u. s. w. Natürlich jauchzt die Judenheit darob hell auf und bläst mit voller Lungenkraft in die historische Posaune, die aber keine Mauer mehr zum Wanken bringt. Alles Leid, alle Roth, alle Pein hat ihr Ende. Alles ist vergessen, weil 3-5) in seinem Frakloch.etwa ein färbiges Bändchen befestigen kann". „Die Assimilation," rief Redner aus, „ist ein Betäubungsmittel, die jüdischen Massen in ewigem Rauschzustand zu erhalten," und verwahrte sich hierauf sofort gegen die Unterstellung, als kämpften die Nationaljnden gegen Cultur und Vaterland. Hierauf kam Redner auf die sociale Seite der national-

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