Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 19 (1.12.1893)
- Date
- 1893-12-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Kewst-Gmancipation. Nr. 19 Corporationen und Versammlungen. Das österreichische zionistische P artei.-Execniiv- Coinitc wird deiimächst Mitglieder i» Prag Mid in der Bukowina evoplircu.. Die Herren Dr. Hcschclcs in Lemberg und Professor D. Madcr in Czeriiowitz haben, letzterer mit Rücksicht ans seine amtliche Stellung, die ihnen von dem Krakauer Bcrtrancnoniännerlage iibcrtragciicn Mandate als Mitglieder desExceutiv-Coiiiites abgelchnt. Dagegen hat der cbcnsalls in Abwesenheit geivählie He.r Dr. Jacob K o h n in Wien das Mandat aiigciwiiimc». Das Execiitiv-Eomite des Verbandes „Zion" setzt seine Bemühungen, den Export von Palästina-Artikeln, namentlich Wein und Cognac, nach Europa, spccicll Oester-reich zu heben,-fort. — Herr Dr. Nathan Birnbaum hat sein Mandat als Schrisiführcr im Excciiliv-Eouiite nicdcrgclcgt. Der Einzelver ein Wi en des Verbandes „Z io 11", rcspcctive dessen ülnsschnß, hat den Lecretär des Odessaer CokonisationsvcrcineS, den rühmlichst bekannten Zionisten M. L. Lilie n bl um anlastlich seines Zösährigc» Schriststcllcr-Jiibiläuiiis in An.rkcnnnng seiner besonderen Verdienste um die Colvnisation Palästinas und Propagirung der Colonisationsidec zum corrcspondirendcn Mitgliedc ernannt. — Herr Dr. S. R. L a n d a n hat sein Mandat als Schriftführer des Wiener Einzclvereincs »icdergclegt. Der akademische Verein „Kadi in ah" in Wien veranstaltet Samstag de» 2. Dccembcr, Abends 9 Uhr in Khuiier's Restauration, I., Schottenring 18, eine M a k k a b ä e r - F e i c r (Hcrrcn- Abciid). — Gäste herzlich willkommen Der jüdische Verein „Morgenrothe" in Wien veranstaltet nächste Woche — genaue Ort- und Zeitangabe folgt in den zur Versammlung kommenden Einladungen — einen Vortrag Habend. — Herr Rüben Arainin hat seine Fnuctioncn in den Vereinen „Morgenröthe" und „Sasali berurah“ nicdcrgclcgt. Der Sind entc»-Verein „Maccabaea" in Prag veranstaltet am 9. Decembcr eine solenne Matkabäer-Jcicr.— Zinn Präses dieses Vereines wurde Herr Dr. med. Julius Münz gewählt. Gingesendet. Sehr geehrter Hcrr.Redacteur! Das unter dcr Ncdaclivn des verewigten verdienstvollen Zionisten David E'ordvn rühmlichst bekannte, älteste hcbiöischc Organ, der ..Ilamaxid", welches nunmehr in Krakau unter Leitung d:s Herrn Samuel Fuchs erscheint, überschüttet die russischen Zionisten mit Lob, mit den Zionisten Ocstcrrc-chs jedes Verständnis; für den Palästina- Gedanken abzusprechen. Der Uiinrscrtigtc, welcher in Krakau für die Zionssache thätig ist und auch im ,.8amagid".mitarbcitcte, richtete nun an die Rcdaction desselben ein offenes Schreiben, in ivclchcm er Hemi Fuchs zurcchtwicS, seine Behanptnngen als unrichtig erklärte und ihn ersuchte, sich bezüglich seiner Beschuldigungen verständlicher ausznsprcchcn. Herr Fuchs hielt cs nun für gut, dieses Schreiben nicht zu veröffentlichen, dagegen in den Briefkasten des von ihm occnpirtcn Blattes eine den Einsender beschimpfende Antwort cinzurückcn. Die Bcurthcilnng solchen Vorgehens überläßt der Gefertigte ruhig den Gesinnungsgenossen. B. N. Spira. Nachbemerkung der Rcdaction. Der „Hamagid“ bringt auch eine Mittheilung, daß das Exerutiv-Comilö des Verbandes „Zion" blos aus Stndcnlcu bestehe, wählend in dasselbe tharsächlich ein praktischer Arzt und mcdicinijcher Schriftsteller sHcrr Dr. Schnirer), zwei Känslcutc (Herren Löbl und Bringer) und zwei Schriststellcr (Herren Brainin und Dr. Birnbaum) — sämmtlichc im reisen Manncsaltcr stehend —: gewählt wurden. Corresponden; der Redactio». Wegen Krankheit des Chefredacteurs ersthien die vorige Nummer verspätet, wofür um gütige Entschuldiguiig gebeten' wird. Welretristisches. Dir Tobten von Keth-Choron. (Eine Sage:) Trcmrige Zeiten waren es! wild traurig. Noch heute krampst sich mein altes Herz bitter zusammen, wenn ich an jene Moudscheinnacht denke, als ich aus uieincr schweren Betäubung erwachte, und durch den brennenden Schmerz, den mir meine Kopfwunde verursachte, allmälig zum Bewußtsein meiner Lage kam; allmälig erkannte ich die Straßen Bethar's wieder. . . verwüstet, verbrannt... um mich herum die fahlen Leichen meiner Waffenbrüder, noch einmal so fahl durch den bleichen Mondschein. . . darunter der Riesenleib nnses Führers Bar-Cvchba; ich erkannte ihn an dem löwenmäßigen Glicdcrban — seine Rüstung fehlte, sein Kopf war abgcschnittcn. . . ein gellender Berzweiflnngsschrci dnrchhallte die gespenstige Stille der Nacht, daß ich selbst davon erbebte. . . und ich hatte ihn ausgcstoßen. Dann sank ich wieder in die Bctänbung zurück. Tausende und Miriadcn geschlachtet — um nichts. Das Joch war schwerer ans unseren Nacken gesnnlen. Und nicht einmal einen Dank hatten diese Märtyrer der Freiheit von ihrem Vaterlande, das sie so glühend geliebt, für das sie ihr rothes Herzblut verspritzt. Keinen Dank, keine Anerkennung; diese zollt man blos dein Erfolge und sie ivaren geschlagen. Traurige Zeiten, aber großartig; so großartig, daß sich noch heute, bei der Erinnerung, meine müden Augen mit. Thräncn füllen, daß sich meine dürre Hand zur Faust ballt, als sollte sch nochmals den Schwcrtknanf unifassen. . Tollkühne Hitzkopfe! Was waren denn die Makkabäer anders? War denn Hadrian's Druck leichter zu ertragen als der des Antiochus? Das; sie ihr Vaterland in's Verderben rissen? Ist der vermoderte Banin besser daran als der zerschmetterte? Die, vom Veinfraß zermorschten Knochen besser als die zermalmten? Schmerzt dich der Hieb weniger, wenn du die Hand zur Bitte gefaltet, als wenn du sie zur Faust geballt hast? Kennst du die Schlucht im Gebirge von Beth-Choron? Wo Joschua die kanaanitischcn Könige, wo Jehuda Maccabi den Nicanor gejagt, wo Ouictns isiid Cestius vor den Klingen unserer Väter geflohen, die sic zur Wicdcrerkämpfung unserer Freiheit erhöben. Eine Höhle ist dort, eine mächtig weite Höhle. Zeige sie keinenr Lateiner, Enkelkind,: möge sie keines Unbeschnittencn Fuß betreten, keines Nömertvolfes Auge sie erspähen! Ja. fühlet euch nur sicher in eurer Unterwürfigkeit gegen den Cäsar: ihr werdet die Höhle einmal noch gebrauchen können. . . Sechzig Jahre waren seit dem letzten Freiheitskriege vergangen, in welchem unsere nationale Selbstständigkeit zertrümmert, unser Stolz, unsere Feste in Brand gesteckt wurde. Im Gedächtnisse unserer Alten lebte noch das Andenken an die zerstörte Herrlichkeit,, und wir Jungen hörten zu, ballten die Fäuste und knirschten mit den Zähnen . . , Stille war es, drückend still! der Römer meinte, es wäre ein schöner Tag: ivir wußten, daß es die verhänguiß- Vvlle Stille vor dem Sturme sei; und wir warteten sein. Wir waren vorbereitet. Rabbi Akiba, ein Greis an Jahren, an Feuer ein Jüngling, hatte alle römischen Provinzen diesseits des großen Meeres bereist,, überall den unterdrückten Völkern Feuer von seinem Feuer, Haß von seinem Haß mittheilend. Der riesige Held Bar-Cochba ließ insgeheim an. allen wichtigeren Plätzen Judäas beherzte Jünglinge anfstellen, hieß sie Waffenübungen machen, hieß sie die Bevölkerung vorbereiten auf den großen Kampf, den heiligen Kampf für Glauben, Vaterland und Freiheit. Ich war damals erst siebzehn Jahre alt, doch fühlte ich mich stark genug, im Frciheitskampf das Eisen zu schwingen.. Ich reihte mich in.den Haufen ein, der meine Vaterstadt Betb-Chöron besetz! halten sollte. . Die Höhle von Beth-Choron war unser Versammlungs- I ort; dort hatten wir unsere Eisen geschmiedet, dort uns im