Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 19 (1.12.1893)
- Date
- 1893-12-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 19 SeWst-Gmcrncipakion. Seite 5 Das für Juden bestehende L a n d u n g s v e r b o t wird wieder s:hr strenge gehaudhabt, indem das Erforderniß der Bi a s s e n c i n iv a n d e r n n g zu steuern nach der Aicinung des Paschah von Jcrnsalein schon besteht, so bald mehr als zwei Inden gleichzeitig ankommen. Ein Versuch der 'onsnlen der europäischen Mächte, eine Erleichterung der jüdischen Einwanderung herbeizuführen, wurde von der Behörde damit beantwortet, daß jüdischen Pilg 'rn das Landen nicht verwehrt sei, daß hingegen die Einmandernng jüdischer Familien mit dem augenscheinlichen Zwecke, sich im Landeniederzulassen, nicht geduldet werden könne. Am 17. und 18. d. Ai. fanoen im Locale des Execntivcomitcs zwei Versammlungen statt, welche sich mit der Lage der palästinensischen Lobnarbeiter beschäftigten. Den Vorsitz führte der Leiter des Execntiv-Conutes. Herr Bien stock. Eingesunden hatten sich viele von deir hervorragendsten Zionsfrenndesi und Colonisten, sowie beiläufig 53 Arbeiter sainint den Ansschnßmitgliedern des Arbeiterbnndes. Die verschiedensten Meinungen wurden bei der Versammlung laut, worunter namentlich sechs Beachtung fanden. Die eine geht dahin, man möge Fabriken errichten, deren Gewinnst auch den Arbeiicrn zugute kommen solle. Die zweite verlangt für die Arbeiter kleine Grundstücke von 10 Dunam für Gemüsebau nahe einer Colonie, wo beständige Arbeitsgelegenheit zu cnvarten ist, sainint Hänschen und Stall, sowie 2 Kühe und 100 Francs, nin Geflügel und Möbel anschasien zu können. Die dritte Ansicht spricht sich für die Anlegung einer Mustereolonie aus, in welcher 25 Arbeiter die ersten Jahre als Lohnarbeiter gegen mäßigen Lohn beschäftigt sein solle», während sie dann die Colonie sammt allem Inventar erwerben sollen. Eine vierte Meinung begnügt sich mit der Errichtung von Küchen und Herbergen für die Arbeiter in den Colonien. Ein fünfter Antrag will den Plan ei 'er Arbeitergenossenschaft „Haare/, wehaablioda* ansgeführt wissen. Endlich wurde beantragt, vor Allem mit dein verfügbaren Geld Boden zu laufen und, sobald davon genügend vorhanden sein werde, um einen beträchtlichen Theil der Arbeiten aufznnehincn, an die Beschaffung der für die Jnstallirung nöthigcn Geldsummen zu denken. Die Berathungen endigten mit folgenden Beschlüssen: 1.) Ein Zehntel der Gelder, welche für die palästinensischen Arbeiter gesammelt werden, zu einem Fonds für Errichtung von Fabriken zu verwenden. 2.) Zwei Percent der gesammelten Gelder für Küchen, Herbergen und llntcrstützungseassen zu bestimmen. 3.) Zehn Arbeiterfamilien Grundstücke u. s w. nach Antrag II zu gewähren. 4.) Den Nest des Geldes zur Anlage euer Mnstcrcolonie nach Antrag IV zu verwenden. Die Temperatur des Monates beivcgte sich von 32° bis 36" Nöaumur in der Sonne um 12 llhr Mittags an ivindstillen Orten, und von 19" bis 22" im Schatten. In der letzten Woche fand Temperatur-Abnahme statt. Beth-halevy. Jerusalem, 13. November 1893. Die hebräische Knaben- und Mädchenschule in Jaffa leidet an Geldmangel. Es ist Pflicht aller Zionssrennde, diese sllc die nationale Sache so wichtige Schule zu unterstützen. Herr Groß ans Wien, Vertreter des österreichischen Exportvereines, hat sich bereits bedeutende Verdienste um den palästinensischen Handel erworben; ec ist siir den Import aus Oesterreich besonders thälig. Amilhi. W o t i z e n. Gleichberechtigung. An die Präsidiell der Obergerichtc Mährens soll ein vertraulicher Erlaß gegangen sein, jüdische Ncchtsprakticanten zur richterlichen Praxis nicht zuzulassen. Ob etwas Wahres an der Sache ist, kann natürlich nicht festgestellt werden. Thatsache jedoch ist, daß seit Jahren die Gesuche jüdischer Juristen um Ausnahme in die richterliche Praxis einfach nicht erledigt werden. Beim Kreisgericht Olmütz liegt seit Jahren ein Gesuch eines jüdischen Doctor juris und Reservelieutenants um Anstellung als Auscultant noch immer unerledigt. Auswanderung. Der ungarische Minister des Innern hat an sämmtliche Bürgermeister und Bicegespä,e des Landes einen Erlaß gerichtet, worin er berichtet, das; die türkische Regierung die Masseneinwanderitng von Inden nach Palästina llnd Shrien nicht gestatte, und ersucht, daß dieser tlmstand zur allgemeinen Kcnmniß gebracht werde. Erst jungst sei B. eine ans Triest komiiiende jüdische, nach Ungarn zuständige P>lgerschaar nur unter großen Schwierigkeiten gelandet. Eine lehrreiche Episode. Zion selbst ist wohl der Kern und das Wesen, das Ziel und der Zweck der zionistischen Bewegung. Darum verdienen alle jene, welche siir die Colonisation Palästinas thätig find, den wärmsten Dank aller nationaljüdisch Gesinnten; aber sie sind deshalb nicht Alle Parkeigenoffeil und werden sich wohl auch dagegen verwahren, als so che zu gelten. Am deutlichsten hat sich dieses anläßlich der letzten Nusscnseste in Paris'gezeigt: — Den Festgottesdienst, welch.» der Rabbiner Zadoc Kahn siir die rnssiche Regierung abgehalten hat, ries in der jüdischen Presse eineit Sturm hervor. Nur wenige Blätter haben dieses Vorgehen als sranzösisch-parriotisch gebilligt; ziemlich allgemein ward cs vcrurtheilt. Zadoc Kahn ist einer der verdienstvollsten Förderer der Colonisation Palästinas und hat als solcher Anspruch aus unseren nnanslöschlichen Dank. Nun müssen wir es erleb, n, daß assimilatorische Zeilnngen vicsem hervorragenden Manne, welchen man so halb und halb zu den Nationaljnden rechnete, Lectionen über jüdisches Gefühl und Takt ertheilen; wir müssen erleben, daß der Herausgeber der „Alliance National«'* in Paris, ein vollendeter Assimilationsjudc, sich in einem offenen Schreiben von ie.neu jüdischen Glaubensgenossen lossagt, weil „es eines sranzüsischen Juden, wenn er auch an Patriotismus den anderen Bürgern nicht nahsteht, höchst unwürdig sei", sich an den Ruffenhuldiguiigeii zn bethciligen. Das kann uns nicht angenehm und soll uns eine Lehre sein, die Thaten von Nichtnationalen jür Palästina zwar mit Dank hiuzunehinen, jedoch selbst vor einer allzuengcn Aufsassnng des Begriffes Zionismus auf der Hut zu sein und uns das Recht der Kritik nicht verkümmern zu lasse». Wir verehren Zadoc Kahn, der gewiß auch hier in bester Absicht gehandelt hat, aber wir müssen erklären, daß wir die von ihm geübte Selbstverleugnung als unnölhig und vom schädlichen Einflüsse aus das jüdische Solidaritätsgcsiihl der französischen Juden halten. Aus Rmnänie». Im Bezirke B u z e n werden seit 25. Ortober die Judenaustreibungen mit der unerhörtesten Rücksichtslosigkeit und Grausamkeit betrieben. Zweitausend Familien sind obdachlos. Nicht nur werden auch Militärpflichtige und Reservisten, welche vom Ausweisungsgesetze ausgeschlossen sein sollen, nicht verschont, sonder» auch gegen Witwen verstorbener Soldaten werden Ausweisungsdecrete erlassen. Zwei Beispiele mögen illnstriren, wie das saubere Austreibllligshandiverk betrieben wird. Eiik Greis, Leib Leibovici, wurde mit Ohrfeigen ans dem Schlafe geweckt, da er nicht gehen konnte, acis einen Wagen gelegt, aus welchen mau das Bischen Habe des Unglücklichen geladen hatte, und so ans dem Dorfe geschasst. Einem Salomon Grünberg band man die Hände aus den Rücken, das; die Stricke blutige Zeichen in das Fleisch drückten. Als er die Sbirren für die gewaltsame Fortführung seiner Sachen nicht bezahlen wollte, schlugen diese ihn und seine Familie und eigneten sich seine Habseligkciten als „Honorar" an. Das sind nur zwei Fälle von hunderten. So sieht es im Versasslingsstaate Rumänien alis! In Norwegen bot sich in Christiania jüngst die erste jüdische Gemeinde des Landes gebildet. Dieselbe mnsaßt ungesähr 100 Mitglieder und ist bereits im B,'sitze eines eigenen Friedhofes. Personalnachricht. Ai» 25. Oktober fand in Altona bei Hainburg die Hochzeit des Herrn S. Feinberg ans Memel mit Fräulein Helene Lö w, Tochter des verewigten Rabbiners von Altona statt. Diese Hochzeit wurde auch in der palästinensischen Colonie Rechowoth durch ein Gastmahl im Hause der Frau Judith Lewin-Epstein, der Schwester des Bräutigams nnd Gattin desHerrnA. S. Lewin-Epstein, Berwalters der Genossenschaft „LIenueba wenachala“, gefeiert. Bei dem Festmahl in der Colonie wilrdei! nationale Lieder gesungen, anregende Gespräche gesührt und eine größere Spende für Palästinensische Zwecke gesammelt. Todesfall. Am 14. v. M. starb in Wien Herr Baron Moriz Königswarter, Herrenhansmitglied, im 56. Lebensjahre.