Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 19 (1.12.1893)
- Date
- 1893-12-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 §ewst-Gmancipation. Nr. 19 Allein diese Fertigkeit im Schreiben und Sprechen will erlernt und von den Kennern gepflegt und geübt sein und nirgend wird man so sehr zum Studium einer Sprache angeregt, als im Kreise gleichgesinnter Männer. Es ist daher die Aufgabe der Jüdischnationalcn in allen Städten, die Freunde der hebräischen Sprache zu Sprech- und Lcscvercincii zu verbinden und die systematische Ausbildung des Hebräischen zu einer edlen Umgangssprache zu fördern. Das läßt sich mit wenig Opfern an Zeit und Mühe erreichen und es ist ctivas, was auch den Nichtnationalen viel Nespect einflößen wird. Es ist eine That, w»durch wir die Aufmerksamkeit der jüdischen Intelligenz ans uns lenke», und das kann uns von großem Vortheil sein. Da, wo die nvthigen Kräfte und Mittel dafür vorhauden sind, wird cs sich empfehlen, unentgeltliche hebräische Lehrcurse für Erwachsene zu errichten. Wenn wir erst den Leuten beweisen, daß die hebräische Sprache keine tobte Sprache und daß ihre Erlernung, wenn sie rationell betrieben wird, sehr leicht ist, dann werden sich Viele, namentlich die akademische Jugend, entschließen, sich dieser Aufgabe zu unterziehen. Ein weiterer Schritt wäre dann die Gründung von hebräischen Schulen für Kinder, wo der hebräische Unterricht selbstständig und gründlich betrieben wird, wo wirkliche Kenner der hebräischen Sprache den Untcricht rein Pädagogisch leite». Denn solange das Hebräische als bloßes Hilfsmittel zum verständnißloscn Beten in schlechten Religionsschulen von unwissenden Lehrern nnterichtct wird —wie cs leider heute meistens geschieht — solange ist an eine allgemeine Kenntinß der hebräischen Sprache nicht zu denken. (Schlug svlgl). Original-Correspsudemen. Inland. Wien, den 28. November 1893. Nun, nachdem bereits alle jüdischen Blätter das neue Ministcrinin Windischgrätz cnthusiatisch begrüßt haben, sollen doch auch wir ctivas zu dein Regierungswechsel sagen. Wir bemerken nur soviel, daß uns' für die Juden kein Grund zu bestehen scheint, aus der erfolgten Wendung der Dinge eine Abnahme des Antisemitismus zu erhoffen. Gerade die liberalen Blätter haben cs ja so oft betont, daß sich Volksbewegungen — eine solche ist aber unstreitig der Antisemitismus— nicht durch Negierungsmaßregcln unterdrücken lassen. Und dann sollten die Juden doch endlich schon wissen, daß an sie stets ganz zuletzt gedacht wird. Vis sic an die Reihe koninicn könnten - - wenn daran überhaupt gedacht werden wird, sic etwas kräftiger zu beschützen — wird wahrscheinlich das Cvalitiviisministerium schon längst dem Versöhnungsininisteriuin gefolgt sein. Krakau, 21. November 1893. Die hiesige Handwerkerschulc der B aron-Hir sch-St iftuu g wurde auf Anordnung des Curatoriums in Wien aufgehoben. — Das W o h l t h a t i g k c i t s-C o in i t c des Baron Hirsch, das seit fünf Jahren hier jährlich 60.000 fl. an hilflose bedürftige Gewerbetreibende und Kanflcnte vcrthcilte, wurde ans telegraphische Anweisung des Stifters geschlossen. Diese beiden, die hiesige Bevölkerung dcprimircndcn Ereignisse sind die Folge ebenso peinlicher als lächerlicher „nationaler" Streitigkeiten, und iviedcr einmal ein Beweis dafür, daß es nicht gut ist wie der Psalm sagt, libhtoacli bin’dibliim. Kraka», IG. Nvaewber 1893. Am 12. d. M. fand die erste Generalversammlung des hiesigen Einzclvercincs des „Zion". Verbandes der österreichischen Vereine für Colomsation Palästinas und. Syriens statt.-Ans der Tagesordnnng stand: 1. Eröpimng durch den provisorischen Bercius-Prästdcnten Herrn Mendel Frankel; 2. Wahl des definitive» Ansschn»es; 3. Bericht dc§ Herrn Dr. A. Salz über die erste Delegirten-Versaininluiig des Verbandes „Zion" in Wien, bei welcher derselbe als Krakauer Delegirler sunzirie; 1. Eventuelle Anträge und Interpellationen. Die Versammlung die von hervorragenden Mitgliedern beider religiösen Parteien unserer Gemeinde besucht war, siel sehr lebhaft ans. .Besonders war e« Herr Aron Mären», welcher durch seine geistreiche Rede, in welcher er die Vorzüge der Eolonisation in Palästina gegenüber derjenigen in Argentinien hcrvorhob und ein schönes Bild der schon im heiligen Lande bestehenden Calvinen nnfrollle, vollends den Beifall des Pnblicnms entfesselte. — Gewählt wurden die Herren: Mendel Frankel (Präses), Julius Schönwetter (zweiter Präses), Moses Horowitz (Schristsührer für die hebr. Sprache), Aron Marcus (Schriftführer für die deutsche Sprache), Anton Schudmak (Schriftführer für die polnische Sprache), Beujamin Spira (Cassicr), Auerbach, Joachim Birnbanm, Jacob Lehrfreund, Sina Pelz, David Sternberg. ' 8. Deutsches Re i ch. .Berlin, den 24. November 1893. In einem Aufsehen erregenden Leitartitel bespricht die hiesige „Jüdische Presse" die UeberhandliahmederJndentanfen in den letzten Monaten. - Die cvnseroatiw antisemitische Partei dcbutirte mit einem eminent judcnfeindlicheii Anträge. Die Abgeordneten Freiherr von H a in in erste in, Freiherr von Manteuffel und v. Poleuz stellten den Antrag: Der Reichstag wolle beschießen, die verbündeten Negierungen zu ersuche», dein Reichstage einen Geestzantrag vorzulegen, nach welchem Israeliten, die nicht N e i ch s ange h ö r i g e sind, die Einwanderung über die Grenzen des Reiches untersagt wird. Diesen Antrag haben 25 Conservative unterschrieben. Deutschland steht jetzt unter dem Zeichen der „Ethik", einem abstrakten Gedusel, welches der Socialdcmokratie Concurrenz machen will, aber nur ihre Schattenseiten copirt, ohne ihre Lichtseiten zu besitzen. Die „ethische Cultur" und das „Einige Christenthniu" theilcn sich in die Anhängerschaft der sonderbaren Schwärmer. Wie aber die „einigen Christen" über die Jndenfrage denken, verräth wohl am besten ein Artikel von Wilhelm. H"a r d t im 5. Heft der Bolksschrist „Einiges Christenthnin", worin die Inden aufgcfordert werden, ihre „orientalischen Gebräuche" aufzugebcn und in's germanische Christenthum durch Ausgabe des Mosaisinus aufzugehen, sonst müßten sie sich gefallen lassen, weggewicsen zu werden. — Also nur eine Spielart des Antisemitismus! — Die Juden aber, welchen die Ausgebung der jüdischen Nationalität unter Wahrung der Religion wirklich Ernst ist, mögen sehen, wohin sie dabei steuern. ' Türkei. Jaffa. (Tischri-Bericht). Es fehlt hier an Zolltarifen der verschiedenen exportfähigen Waarc» sowie an Adressen verläßlicher Cvininissionärc, — zwei Umstände welche oft die Versuche, Handelsbeziehiiiigen mit anderen Ländern herzustellen, im Keime ersticken. Es wäre nun Pflicht der Zionsfrcuude an allen Orten, Tarife in mehreren Exemplaren und die Adressen einzusendcn. Erstcre würden dann in den Bibliotheken aufgelegt und letztere hat Herr Ben-Jehnda in seinem „Haz’wi" zu veröffentliche» sich bereit erklärt. ( In der Colonic S i ch rou-Ja c o b, deren Stadtcharakter wie bereits in der „S. E." erwähnt wurde, Wirkungen hervorbriugt, welche in den anderen Cvlonien nicht zu Tage treten, ordnete die Administration an, daß für Arbeiten, welche mit den Familienmitgliedern geleistet werden können, nicht Arbeiter ausgenommen werden dürfen; daß, um Streitigkeiten mit den Scheiks anszuwcichcn. keine arabische Die nstboten'in's Haus genommen werden sollen, und daß die Colonisten eine einfache Klei ung und orientalische Kopfbedeckung (Tarbnsche) tragen sollen. Die heurige Lese in Sichron-Jacob hat als Ergebniß: 500 Hektoliter Trauben, und daraus 400 Hektoliter Wein.