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Selbst-Emancipation · 1893-11-15 · Heft 18 (15.11.1893) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 18 (15.11.1893)
Date
1893-11-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Sewst-GmancipaLion. Nr. 18 Original Correspsndenzen. Inland. Prag, den 9. Oclober 1893. Ich habe Ihnen die erfreuliche Mittheilung'zu machen, das; die Statuten des Slndcntenvercincs „Maccabäa" endlich bewilligt sind. Die Gründer werden nun sobald als möglich an die Eonstituirung gehen und gedenken am Ataccabäerfest zum ersten Malle Lsfcntlich anszutreten. Der hier crscheinccnde Schönererianische „Deutsche Volksboic" hat neulich die „Sclbst-Emancipation" citirt und zwar recht geschmacklos, indem er den Rationaljuden einen Haß gegen das Deuischthum zuschrieb, den diese nie gehegt haben. Wenn man sich, da man kein Deutscher ist, nicht als solcher gerirt, so ist man ja damit offenbar noch kein Deutichenscind. Die von Jude» geschriebe c „deutsch-liberale" „Bohcmia" hält sich über den „Deutschen Volksboten" auf und bezeichnet bei dieser Gelegenheit unser Blalt, ohne es zu nennen, als „jüdijch-oithodox". Hoffentlich wird die „Bohcmia" wie manche andere ihrer Collcginncn noch untirscheiden lernen. Lemberg, den 6. November 1893. Unsere Gesinnungsgenossen haben das neue Parteiorgan, das Jargonblatt „der Karmel" mit Freuden begrüßt. Mit Genugthunng erfüllt uns der Umstand, daß, seitdem Plakate hierorts das Erscheinen der Jargo»zeitung verkündeten, im Redactionsibid in dem ad hoc gcmiethetcn Ädmiuistratiouslocale fortwährend Leute aus den ärmsten Volksschichten erscheinen und mit Begierde nach dem „Karmel" fragen. Hoffen wir, daß wir durch das Blatt Einfluß auf die entfrcmdrlen VolkSmaffen gewinnen werden, Welchen Eindruck die neue Zeitung in der Provinz hervorgcruscn hat ist uns bisher noch nicht bekannt. Um nicht monolou zu werden, muß ich leider auch eine zu verstimmen sehr geeignete Nachricht bringen. In einer Krakauer Volksschule hat der Laudesschnlrath den "hebräischen Unterricht nbgeschasst und die Krakauer Cultusgeniciude hat diese» Beschluß mit Gleichgiltigkeit ausgenommen. Die Lcmbergcr Zionisten haben ans diesem Anlasse an,die genannte Gemeinde einen Protest abgesandt, welcher folgendermaßen lautet: 1. „Die Zionisten erklären, daß die hebräische Sprache, i» welcher die ganze jüdische Culinr enthalten und die eines der tvichiigstcn Bindcinittel ganz Israels ist, die Sprache, welche mit der jüdischen Nationalität so innig verbunden ist, daß das jüdische Volk ohne dieselbe nicht gedacht werden kann, ohne den nationalen Rechten der Juden Gewalt anzuthun, — aus dem Lehrpläne der Volksschulen für jüdische Kinder nicht geschieden werden könne. 2. Die Zionisten cr- Auch nicht die reichhaltige Vogclcollection des Barons ist es, die seine Veranda und seinen Hos füllt, mit den seltensten Exemplaren von tiefsinnigen, aus einem Fuße stehenden Flamingos, bösen Pelikans und wunderschönen rcthen, grauen, schwarzen, lveißen und vielfarbigen Papageien, die ganze Tage mit den das Hans neugierig umstehenden Arabern plaudern. Die great attraction des Hauses ist der große wundervolle Garten, den der Baron bei seinem Hanse angelegt und der nicht nur der schönste Schmuck Jaffas, sondern auch die größte Wohlthat für seine Einwohner ist. Der grvßmüthige Wirth hält den Garten jederzeit für alle Besucher offen;, mit wahrer Selbstaufopferung hat er seinen Privatgarten zum Volksgarten gemacht, und allen Annehmlichkeiten eines gunüthlichcn Hausgartens entsagt; der Garten ist immer mit Spazierenden gefüllt; Freitags, Sonnabends und Sonntags bildet er den Hanptspazierpunkt des feiernden Volkes, Freitags der Muselmänner, Samstags der Juden und Sonntags der Christen. Die volle Bedeutung dieses Volksgartens für das garten lose Jaffa wird nur derjenige zu schätzen wissen, der auf den staubvollen Straßen Jnffa's in den schwülen Mittagsstunden die erlösende Kraft eines Nuhcplätzchen in einem schönen wohlgeschmnckten und wohlriechenden Garten zu begreifen cnlernt hat. Der Ustinow'sche Garten -hat aber keinesivegs nur diese relative Bedeutung, auch an und für sich ist er ein Wunderwerk der palästinensischen Flora. Mit außerordentlichem Verständlich, Liebe und Sorgfalt sind in dem Garten tausende der besten und seltensten Exemplare der dortigen Pflanzenwelt gesammelt; im Boden und in ordentlich nummerirtcn Töpfen stehen die verschiedensten, interessanten Sorten von Palmen, die seltensten Arten von Caktusbäumcn, Lorbeerbäume, Cypressen,Mprthen, Orleander und Citronen und Orangenbäume, alles sorgsam gepflanzt und schön gepflegt. Man merkt, daß es selbst den klären/ des; die hebräische Sprache einen integrirenden Bestandtheil der jüdischen Religion, mit welcher sic durch eine glorreiche Geschichre verbuiiden'ist, bildet, und daß sie keine „shnagogale" Sprache ist, welche man leicht durch eine andere, etwa die polnische, ersetzen könnte, das; vielmehr der Unterricht der jüdischen Religion ohne den. Unterricht der hebräischen Sprache ein ganz versehlier sei. 3. Die Zionisten erklären, daß man durch das Abschaffen der hebräisch.'» Sp.ache aus dem Lehrpläne für Volksschulen die conservativcn Inden abschreckt, ihre Kinder in solche Volksschulen zu schicken; daß man also ans diese Art einem großen Theilc des jüdischen Volkes die Pforte der Bildung vcrschließl. — Diese Umstände veranlassen also die LembergcrZionisten, gegen das Gebabren der Krakauer Cultnsgcmeindc mit Entr stungzn prowstiren und die gcsanimte Jndenhcit aufzuford.rn, sich diesem Proteste anzuschlicß n und an competcntem Orte Beschwerde zu führen. Vor nicht langer Zeit gründete, sich in Lemberg ein neuer ColvnisationSvcrciu,der,unabhängig voin „Zion",nur sür conservativ-jüdischc Kreise berechnet ist. Die Gründer beüefcn bis jetzt drei Volksversammlungen in Synagogen, und mehrere talentirte Redner, übrigens bcwährteZivnistcn,— so .;. B. Herr D. H. T i c g e r, setzten dem Volke in jüdisch-dcnlscher Mundart und ans verständliche Weise das Wesen des Zionismus auseinander. Eine Veicinigung mit den anderen Lembcrger Zionisten kann vorläufig nicht zustande komme», denn einerseits wolle» sich die Couscrvativcn noch nicht offen den „Zionisten" beigescllc», andererseits wäre» die Fortgeschrittenen durch zu starke Berücksichtigung der neuen conservativen Elemente allzusehr in ihrer Thätigkeit gehemmt. Aber wir hoffen, daß diese leicht zu überwindendeir Hindernisse bald beseitigt sein werden und bald eine Fusion beider Parteien zustande kommen wird. *) I. K. Rad nutz**) den 20. Marcheschwan 5654. In und neben Nadantz bcffnden sich circa 60 Famikicn, welche sich gerne im heiligen Lande ansiedcln möchten. Es sind znm Theilc solche Leute, welche eine systematische Kenntniß der Feldarbeit besitzen; alle sind arbeitsam, anständig und fromm und die Mehrzahl ist auch in jüdischem Wissen bewandert.. Unter den Lenten befindet sich ein. Schachet von der chassi- . dischen Partei, ein Schneider, ein Tischler und ein Müller. *) Warum sollte es aber nicht zu ermöglichen sein, daß sich dieser neue conservativc Verein, als solcher als Ortsgruppe dem ja jedenfalls ganz neutralen Wiener Verbände „Zion" anschlicßc? **) Original-Eorrespondenz hebräisch. 'Die Rcdaclion. Sonnenstrahlen Freude macht, diese schöne, von liebender Hand angelegte Pflanzensammlnng, zu liebkosen und daß sie daher besonders lange und besonders freundlich in diesem Garten weilen. Einen eigenthümlichen Reiz gewinnt der Garten noch dadurch, daß dem Eigenthumer offenbar daran gelegen war, seine Liebe znnr Boden Palästinas demonstrativ zu äußern. In einer besonderen Laube, von Bäumen umgeben, steht ein kräftiger gespaltener Baumstamm, etwa einen Meter hoch und nicht weniger als einen Meter im Durchmesser; der Baumstamm ist hierhergcstcllt, damit demjenigen, der über seine. Bedeutung frügt, geantwortet werde, daß dieser unlängst vom Blitz gespaltene Baum aus dem Garten, erst 12 Jahre^alt war, und daß es der Boden Palästinas war, der mit seinen wundcrwirkenden Säften diesen Koloß zu dieser immensen Größe ivährcnd 12 Jahren auffüttcrte. Herr Ustinow ist ein leidenschaftlicher palästinensischer Archäologe und auf Schritt und Tritt findet man in seinenl Garten ansgestellt, hochinteressante Ausgrabungsfunde aus den verschiedensten Gegenden Palästinas und ans den verschiedensten Epochen seiner Geschichte; cs sollen auch einige sein, die zu der jüdischen Epoche gehören. Kein Wunder, daß die schönen weißen Bänke des Ustinvw'schen Gartens unser Lieblingsanfcnthaltsort in. Jaffa wurden. Es saß sich auf ihnen so wonnig, unter dem Schatten der mächtigen Palmen, vom Geiste der jüdischen Vorzeit umweht, vom Dufte der reichen den Garten umgebenden Citronen- und Orangcnpflanznngen in süße Betäubung ciugelullt, mit dem von der Ferne schönen Ausblicke ans die kleine Stadt und hinter ihr das große, wogende-und lobende Meer. Es. war ein Gcgeustück des Landschaftsbildcs, daß von der Hotelterrasse zu sehen gewesen war, eines — schöner als das andere. (Weitere. Artikel folgen.)

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