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Selbst-Emancipation · 1893-11-15 · Heft 18 (15.11.1893) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 18 (15.11.1893)
Date
1893-11-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 Sewst-Gmancipakion. Seite 7. Keiner von ihnen hat weniger als 500 Gulden, einzelne sogar 1000 bis 2000 fl. und mehr im Vermögen. Nach meiner Ansicht nun dürfen diese Famlien nur Ackerboden im heiligen Lande erwerben, denn der Weinbau .erfordert gleich anfangs große und späterhin noch größere Summen, ohne auch bald ein Ertrügniß zu liefern. Dagegen ist der Feldbau nur mit mittelmäßigen Ausgaben verbunden und bietet schon nach einigen Monaten einen Ertrag. Wie mir Herr Rabbiner Lubetzky in Paris in einem Schreiben von 1. d. M. im Namen des über Jntiativc des bekannten Barons dort gegründeten Palästina- C o m i t c's mittheilt, sind jetzt folgende Grundstücke zu verkaufen, wobei der angegebene Preis sich gleich bleibt, ob ein ganzes Gut oder der Theil eines solchen gekauft wird: „10.000 Dunam**) in Galiläa, 31/, Stunden von der Colonie Jessud hammaaloh entfernt; das Gut heißt Mitle und kostet 15 Francs per Dunam. Dort befinden sich bereits Anpflanzungen und Gebäude, welche in den Kaufpreis miteingerechnct sind. 40.000 Dunam im Ostjordanland, 4 Stunden von Damaskus entfernt. Das Gut heißt Chanzik und kostet 10 Francs per Dunam. 30.000 Dunam, ebenfalls in der Nähe von Damaskus gelegen, Namens Batilmai, um 6'j., Francs pro Dunam. Weitere 40.000 Dunain sind bereits verkauft". Wir müssen nun zunächst bei den besten Zivnsfreundcn im heiligen Lande selbst Erkundigung über die Qualitäten des zruu Kaufe stehenden Bodens einziehen. Sohin werde» wir Delegirte senden, um den uns empfohlenen Grnndcomplex genau in Augenschein zu nehmen und die Gründung einer neuen Colonie vorzubcreiten. Dann werden wir mit dem Palästina- Comite in Paris ivegen Ankaufs des Bodens und des Bezahlungsmodus in Verhandlung treten. Die Herren Rabbiner M o h i l i v c r in Bialystock, Hildesheimer in Berlin und S a l v e n d i in Dürkheim haben uns versprochen, uns günstige Bedingungen auszuwirken. Viele dem Mittelstände Angehörige und Reiche in Radautz und Umgebung warten nur auf den Erfolg dieser ersten Ansiedlung aus Oesterreich, um selbst in das Colonisationsunternehmen praktisch einzutreten. Gelingt unser Vorhaben, dann ist die Colonisationssache in Oesterreich um einen gewaltigen Schritt'vorwärts gekommen. Darum sollten aber auch alle Zionisten Oesterreichs bedacht sein, unsere Sache zu fördern. Simon Schapira, Rabbiner. Deutsches R c i ch. Berlin, 2. November 1893. Das „Berliner Tageblatt" veröffentlicht folgende Liste der jetzt und der vor 5 Jahren gewählten preußischen Landtagsabgeordueten: 1893 1888 Conservative.149 Centrum (Katholiken) Nationalliberale.90 Freiconservative.59 Polen. Freisinnige Volkspartei . . Freisiiimige Vereinigung . . Dänen.. . Bund der Landwirthe . . . Welfen. (Deutschhannoveraner) Unbestimmt 149 135 91 97 90 87 59 64 18 15 14j 6f 29 2 2 1 - 1 Summa 433 1 3 433 Die extremen Antisemiten sind also nicht in den Landtag gelangt. Das liegt aber nur an dem plutokratischen Dreiclaffenwahlcnsystem, um desscntwillen sich auch die Socialdemokraten überhaupt nicht an diesen Wahlen be¬ **) 1 Hektar hat circa. 11 Dunam. Die Redaction. theiligen. Die „Kreuzzeitung" führt die Erfolge ihrer, der conservativen Partei wohl mit Recht auf deren Antisemitismus zurück, mit dem sich die großen und mittleren Grundbesitzer begnügten d. h. mit anderen Worten die reichen Leute auf dem Lande in Preußen lieben den Antisemitismus, fürchten aber das socialistische Element desselben. Doch ist auch für hinlängliche Brutalität des conservativen Antisemitismus durch Abgeordnete wie Stöcker und Freiherr v. Hämmerst c i n gebürgt. Die anderen großen Gruppen im Abgcordnetenhanse bilden die stark antisemitisch gefärlen Freiconscrvativen, die antisemititisch schillernden Nationalliberalen und die auch nicht gerade sehr judenfreundliche Centrumspartci. Völlig einflußlos sind die beiden kleinen freisinnigen Gruppen, deren Verluste von Wahl zu Wahl nicht zum geringsten Theile auf ihre Parteinahme für die Inden zurückzuführou sind. Das „Berliner Tageblatt" sagt, daß es noch am Grabe die Hoffnung aufpflanze. Da das Grab der Assimilation dem Grabe des Dentschfrcisinns nicht mehr so fern liegen dürfte, so sind wir Zionisten wohl berechtigt, etwas größere Hoffnung an letzterem aufzupflanzcn. T ü r k e i. Jerusalem, den 20 October 1893. Die Frage der Versorgung Jerusalems mit Quellwasser ist wieder lebendig geworden. Die Regierung hat der hiesigen Behörde ein Gutachten über das Protect des Ingenieurs F r a n k i Effcndi abvcrlangt. Die Behörde ließ den Stadtingenieur von Beirut kommen, welcher nach vorgenomiuencr Untersuchung das Projcct guthieß. Daß wir nur schon seine Verwirklichung erlebten. Durch eine Wasserleitung, würde der Gesundheitszustand der Stadt bedeutend gehoben. Der Einigkeits-Ausschuß der Scphardim und Aschke- »asim scheint doch Wahrheit zu werden. Bereits besteht ein sechsgliedriges provisorisches Comite, welches die Statuten für den Ausschuß ansarbcitet. Amithi Notizen. Socinldcmokratic mtb Antisemitismus. Ans dem Kölner Pmteilage der dentschcn Socinldemvkralie hat der bekannte socialdemokratische Abgeordnete Bebel ein Re>eral über „Antiscinitlsmus nnd Socialdemokratie" gelesen. Die!Nedc bot wenig Neues. Der Antisemitismus in der Rolle der „Borsrucht" des SocialiSinuS, — da» Lied hat mau schon ost gehört. Ob aber eine solche Argumentirung zu der von dem Redner ausgesprochenen Meinung page, „der Atttlsemitlsmns sei nicht das Product von Schlagwörtern der Agitatoren, sondern beftimiillcr Verhältnisse. Der Antisemitismus im Sinne des Judenhasses sei eine sehr alle Erscheinung, die mit der Zerstörung Jerusalems beginne", — ist mehr als fraglich. Ebenso ist es ein Widerspruch, wenn Bebel bedauert, daß die Amalgamirung mit der übrigen Bevölkerung durch eme gezwungene Jiolrrnng gehindert worden sei und gleichzeitig erklärt, er siir seine Person könne eine gewisse Bewunderung nicht unterdrückcn siir ein Bolk,üaS trotz so gewaltiger und gran,amcr Verfolgungen sein Volksthum bewahrt habe." Aus Rußland. Zweiundzwanzigtansend russische Inden wurden am 3. October d. I. durch cuien eigenhändig vom Kaiser Unterzeichneten Ukas (irnennojukas) aus bc»i_ russischen Reiche verbannt. Einige Tausend von ihnen haben beschlagen, nach Amerika anszuivandern nnd die Küste des Pacisic-Ozeans, besonders aber die Küstenstriche Kaliforniens zu kolonisircn. Ter neueste kaiserliche Ukas trifft nicht so sehr die Inden der ärmeren Klassen, sondern gerade die wohlhabenden »nd die reichen. Baron Hirsch und Palästina. Während Baron Edmund R o t hschild in Paris so Vieles siir die Colonisatiou Palästina thnt, hat Baron Hirsch eine Büre des Grand-Rabbin Zadoc Cahn, siir 130 ausgewiesene rumänische Inden-Familien eine Eolonie in Palästina mit der Motivirung, daß es momentan unmöglich sei, abgelehnt. In „Miihvay Plaisancc“, wie der eigenthilmliche Curiositätenplatz der Chicagoer Ausstellung hieß, wurde letzten Jom kippur in einer großen Halle von orientalischen Juden ein Gottesdienst veranstaltet. An demselben »ahmen türkische, arabische, persische, indische, japancsifche nnd chinesische Inden, welche natürlich in der Ausstellung ebensoviele Türken, Araber, Perser, Inder, Japanesen und Chinese» vorstcllen, theil. Die in Chicago wohnhaften nnd dort weilenden Israeliten strömten zu Hunderten nach dem Betsaal, um das iureressante Schauspiel — ein amüsantes Spiegelbild des Golns niitanzusehen.

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