Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 18 (15.11.1893)
- Date
- 1893-11-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 18 KeWst-GmancipaLion. Seite 5 a) Volksversammlungen abzuhalten und Resolutionen für das Project zu fassen, b *) Eine erläuternde Volksbrochüre über die Wahlreform im Jargon zu veröffentlichen, v) Eine Massenpetition für die Anerkennung derjenigen, welche hebräisch lesen und schreiben, als Alphabeten, am geeigneten Orte zu überreichen. 4. Das Executivcomitü hat die Juitativc zur Gründung eines Verbandes aller österreichisch-jüdischen Crcditvereine zu ergreifen. III. Geldmittel. 1. In den Parteizeitungen Spenden für den Parteifond zu sammeln. 2. Aus diversen Verkäufen, so z. B. von Parteiabzeichen Gewinn zu ziehen, n. s. w. IV. Wahlbetheiligttttg. A) Es wird im Principe beschlössen, sich a n d e n Wa h l en z u betheiligcn . Die speci eilen Beschlüsse über die B e i h e ili g n n g an den R e i ch s r a ths wählen und die Wahlagitation s m i t t e l werden vorläufig g e h e i m g e h a lt en. V. Competenzabgrenznng des centralen und der Landesexecutivcomitös.**) Die Wahlangelegenheiten, leitet das centrale Executivcomits im Einvernehmen mit den Landesrxecntivcomitos der betreffenden Provinzen. In den speciellen Landesangelegen- *) Für Galizien und Bukowina. , **) Bisher gibt cS nur ein Landesexecutiveoinilv u. zw. in Galizien; dieses ist nämlich das von der im Frühling d. I. in Leniberg stattgehabten Del?gmenveriaminlnng der gal«. Zlv»i,ten gcivahlte Exccutivconiiiü der jüdisch-nationalen Partei Galizien-. jeder mit ihren Eigcnthümlichkeiten, mit ihrem Genius. Es gilt vom Volke, was der edle Dichter von seinem Liede sang: Schießt ihr ein Vöglein, leicht zu missen, Nur eines aus dem Schwarme nieder, Des Frühlings Lied habt ihr gerissen, Der ganze Vollklang ist's nicht wieder. So ist jedes Volk nur ein Volk von tausenden, und — .... fehlt es, bleibt genug dein Lenze, Doch ist der ganze-Lenz es nimmer. So wirkt nach ehernen Weltgesetzen, unser Selbsterhaltungstrieb für die. Erhaltung und Entwicklung der ganzen Gattung, der gesammteu Menschheit. Daher soll das neu zu beginnende Leben" Israels in Palästina — die Weitcrentivicklnng der europäischen Cultur im Sinne altjüdischen Geistes bedeuten. Ein Culturvolk par exeellence wollen und sollen wir in Palästina werden. Daher — um zu unserem Thema zurückzukehren — mäßen wir mit besonderer Sorgfalt Alles von uns thun. was culturwidrig ist und Alles uns aneignen, was für die Entwicklung einer neuen Cultur förderlich sein kann. Und was kann in dieser Hinsicht wichtiger sein, was der Cultur und dein Geiste Alt-Israels näher, als die erste elementare Bedingung. jeder Cultur — Reinlichkeit und Ordnung. A bon entendeur salut. Wir hatten gute Gründe, diese scheinbar kleine Frage ein wenig .zu apstrofondiren. Unsere Leser haben aber noch bessere Gründe, uns zur Sache, zu rufen. Wir folgen diesem Rufe desto williger, da wir nun zur angenehmsten Erinnerung unseres Jaffaer Aufenthaltes zu übergehe» haben, zum einzigen Orte, wohin wir aus dem Toliu-'Wabohu des Jaffaer Straßenlebens flüchteten, um in Ruhe und Freiheit, Licht, Luit und wahre, erhabene Naturschönheit zn genießen. heitcu behalten die Landesexccntivcomitös volle Autonomie: jn allen übrigen entscheidet das Centralcomitö. Die Gesiuuungsgeuossen in Oesterreich werden mit Freuden die endlich zustande gekommene Organisation der österreichischen Zionisten als Politische Partei begrüßen. Bei uns läßt sich nicht nach der Schablone andwer Länder arbeiten; hier hat der bloße Wohlthätigkeits-Zionismus keinen großen Spielraum, ebensowenig als die Palästinnfreuutzschaft ohne nationales Bewußtseiu. Die politischen Modethorhciten der Mehrzahl der Inden Oesterreichs läßt denselben keine Zeit für Beschäftigung mit jüdischen Noltsaiigelegenheiten, darum müssen ihre politischen Ansichten geändert werden. Das jüdische Erlösungswerk, welches die Zionisten begonnen haben, ist an sich ein national-und socialpolitisches, und es wäre das Verkehrteste, es gerade gegenüber einer Bevölkerung, welcher der politische Applomb imponirt, als ein rein humanes anszugcbeu. Die politische Zionistenpartei in Oesterreich war ein Bedürfnis. Sie wird der Sache der Colonisation selbst, sowie der Belebung des Hebräischen mit der Zeit die größten Dienste leisten, während ohne sie in Oesterreich an ein beträchtlicheres Fortschreiten auf den angeführten Gebieten nicht zn rechnen ist. Wir hoffen, daß di: Gesinnungsgenossen die Parteileitung unterstützen und namentlich des P a r t e i f o n d S gedenken wert) ». Wir erwarten dies nicht blos von allen österreichischen Zionisten, sondern auch in Anbetracht der Solidarität aller Zionisten. von den Gesinnungsgenossen im Auslände, namentlich denjenigen Deutschlands, deren Fortschritte bedeiltcnd von den unsrigen bedingt sind.*) *) In nächster '.Uuiumcr beginnt der Ans weis ser Beiträge zui» Parteifond. - Im Ceiitrnm der deutschen Colonie steht ein großes tveißes zweistöckiges Haus, das sich durch nichts — als seine Große — von den übrigen unterscheidet. Das Hans gehört einer Familie Ustinow, von der es auch bewohnt wird. Der Name klingt russisch, aber die Frage über > die Nationalität der Familie ist zn interessant, um dadurch für abgethan zn gelten. Das Familienhanpt — Ustinow — ist ein Russe, der vor Jahren ans Rußland emigrirt ist, die deutsche Staatsangehörigkeit und die evangelische Religion angenommen und den deutschen Adel mit dem Baronstitel erworben hat. Mit ihm wohnen seine Frau, Kinder und die Eltern der Frau: Der Vater der Frau ist etir südrussischer Jude, der vor viele» Decennieu Rußland verlassen hat, nach abenteuerlichen Reisen sich in - - Abyssinicn niederließ, dort zu hoher Macht und einflußreicher Stellung gelangt sein soll und eine abyssiuische -Prinzessin geheiratet hat. Nachdem er seinen abyssinischen Ministerposten — ebensoschnell wie er ihn erwarb — verloren hatte, verließ er das Land und übersicdclle nach Palästina. Hier verheiratete er feine Tochter an den Baron Ustinow und bewog denselben,, sich ihn Pülüstina niederzulassen. Nml lebten sie hier, auf jüdischem Boden, diese europäisch-asiatisch-afrikanische Familie mit russisch-dentsch-jüdisch-abhssinischem Blute, dieses seltene Exempel von Rassenkreuzung. Das abhssiuische Blut scheint das stärkste zu sein; nicht nur die Frau Ustinow. dieser Sprößling der jüdisch-abyssinischen Mischehe, zeigt in ihrem schöne» Gesichte ausschließlich abyssinische Züge, sondern auch die kleinen Kinder des Ustinow'scheu Ehepaares scheinen die väterliche und großväterliche Linie vollständig ignoriren zu wollen und nur das ferne schwarze Großinntterlaud auzuerkeuneii. Es ist aber nicht die Nationalität der Eigenthümer, die das Ustinow'schc Haus zu dem interessantesten Jaffa's macht.