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Selbst-Emancipation · 1893-11-01 · Heft 17 (1.11.1893) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 17 (1.11.1893)
Date
1893-11-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 Sekbfl-GmancipaLiorr. Seite 5. des-Gartens in günstigen Verhältnissen. Außerdem gibt cs noch zwei, welche vielleicht ihren Lebensunterhalt in genügenden Maße finden würden, wenn sie hinreichendes Kapital zur Bewirthschaftüng ihrer Felder und Weinberge hätten. Die Uebrigen leben in sehr gedrückten Verhältnissen als Lohnarbeiter in Rischon. Einige beziehen auch vom Traubcnverkaufe an die dortigen Kelter ein Fünftel ihres Einkommens. Die meisten Weinberge der letzt qngeführten Gruppe sind noch nicht über die 3 Jahre der „Axclah“ (Nichtbcnützung der Frucht infolge biblischen Verbotes) hinaus. In Ekron*) bringen die Felder den Colonisten ein gutes Erträgniß. Diese Colonie liefert den Beweis, daß man in' Palästina vom Feldbau allein leben kann. Leider befinden sich die. Colonisten auf Grund früher geschlossener Verträge, ebenfalls in Abhängigkeit von der Verwaltung. In Gadrah wurde dieses Jahr nicht gcsäet; man säet dort jedes zweite Jahr und so sind die Colonisten Heuer mit ihren Einnahmen bloß aus die . Weinberge angewiesen, von denen noch nicht alle die Ardah-Jahre überschritten haben: Die Weinernte ist Heuer in dieser Colonie sehr mager ausgefallen. Die Colonisten**) von P e t h a ch-T h i k w a h bedürfen bis auf vier noch der Unterstützung der „Zionssreunde". Sichron Jacob'***) hat Heuer viel Trauben geliefert. Die Colonisten beziehen reichliche Unterstützungen, von welchen sie sehr gut leben, so daß sic gar nicht daran denken zu wollen scheinen, sich unabhängig zu machen. Die Colonisten der anstößenden Dörfer sind ebenfalls noch von der Administration abhängig, aber bezüglich dieser tröstet . uns der Umstand, daß sie ungleich ihren Nachbarn in Sichron ganz und voll die bäuerliche Lebensweise angenommen haben. Die 40 Colonisten von Rosch.Pinah werden noch zwei oder drei Jahre auf Subvention''angewiesen sein. Nur einw derselben, welcher einen Ethrogim-Garten besitzt, der ihm jährlich 1400 Francs abwirst, ist schon jetzt unabhängig. Auch die Leute von Rösch Pinah haben vollkommen die bäuerliche Lebensweise angenommen. I; ss u d H ama aleh wird »och vom Baron unterstützt. M ischmar Hajarden, diese jüngste Colonie, bedarf Unterstützung. In i-'.i neificn Kolonien gibt es Handwerker, welche sich nicht chlecht stehen; ■ Beth balcvy Sehr geehrter Herr Redacteur! ****) Gestatten Sie mir, Sie ans eine seltsame Erscheinung aufmerksam zu machen. Die Zionssreunde aller Länder sind mit geradezu bcwnndernswerthcr Opferwilligkeit und rastlosem Eifer für'die Colonisation Palästinas bestrebt. Da muß es nun Wunder nehmen, daß sich unter den jüdischen Colonisten Palästinas nur eine verschwindend geringe Anzahl Einheimischer befindet. Warum wird ein Untcrschicd zwischen dem jüdischen Inländer und dem jüdischen Ausländer zu Gunsten des Letzteren gemacht? Es ist unrichtig, daß die palästinensischen Juden, speziell die Jerusalemer, keine Arbeitslust haben und sich nichts besseres als das Gnadenbrod der Chalukah wünschen; vielmehr sind sie alle zum größten Theile von Sehnsucht nach Selbstständigkeit und Arbeit erfüllt. Eine Anzahl hiesiger junger Männer hat. sich zusammengethan, um sich zu bemühen, Ackerbauer zu werden. Es, ist Pflicht aller Zionsfrenndc, diesem bis jetzt aus mehr als 15 Personen bestehenden Vereine thatkräftigst Hilfe zu leisten. . Jerusalem, 25.Tischri 5651. Samuel Tiktin. *) mit circa 150 Eiumohnern. Die Redaction. **) circa 250. Die Redaktion. ***) mit circa 2000 Einwohnern. Die Redaction. ****) Ars dem Hebräischen übersetzt. Oriyinal-Corvespsndenren. Inland. Wien, den 29. Oktober 1893. Der sattsam bekannte Abgeordnete Schneider' mußte selbst die Debatte über den Ausnahmszustand in Böhmen dazu benützen, um seinen Antisemitismus der allerdüminsten Art anszukrainen. Er sprach viel vom Blntritnale. das natürlich für ihn eine jeststehende Thatsache ist und stellte schließlich den famosen Antrag, der Ausnahmsznstand werde in Böhmen bezüglich der deutschen und tschechischen Christen ausgehoben, dagegen bezüglich der Inden verhängt. Als ihn der Vorsitzende etwas despectirlich behandelte, nahm sich Dr. Lueger seines College» warm au. Lueger hat übrigens einen Triumph gefeiert. Der liberale Bürgermeister Dr. Prix, selbst als nicht zu großer Jndenfreuud bekannt, mußte de» fortwährenden Angüssen der antisemitischen und einer in der liberalen Partei selbst entstandenen Opposition weichen. Dr. Lueger sicht sich dadurch, seinem Ziele näher und es scheint auch, daß ihm dies nach einiger Zeit gelingen wird, da die Deroute in der gemeinderäthlichen Fortschrittspartei in Folge der vielen Gefärbten weitgediehen ist. Wien, den 2-1. Sctober 1891. Wenn ich nicht irre, haben Sie sich einmal vorgeuommen, künftighin den Eingriffen im „Freien Blatte" nicht mehr cutgegciizntreten. Gestalten Sie mir jedoch, einige Worte über den Leitartikel dieser Zeitschrift in der Nummer vom 22._ b. M. 5« sagen, nicht weil er im „Freien Blatte" steht, sondern iveil sich als Autor derjenige unterschrieb, den Eingeweihte schon als Verfasser des ersten nitomjm erschienenen Artikels gegen die Zionisten im selben Blatte üermutheten— Herr Tr. Friedrich S. N r a n st, Secretär der Israelitischen Allianz in Wien. Qb das von dem Herrn doch nicht etwas unvorsichtig war! „Die grosten jüdischen Eultnrvcreine haben", wie er sagt, „schon Erhebliches geleistet, so gar in Palästina". Das ist wahr, a-er eS wird gilt sein, ihn daran zu erinnern, das; die Alliance Israelite universelle einer nationalen, direct panjudaistischen Regung ihre Entstchung verdankt, lind dass sie jetzt sogar in Palästina Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache errichten Hilst, sreilich erst, nachdem sie nach langem . Slränbin cinsehe» gelernt hat, das; dem Zionismus die Zukunft des Jndenthums gehört. Sie gehr mit den ruistichcn nnd panzosiichen Nationaljndeii Hand in Hand, welche ganz und gar nicht gewillt sind, die Auswanderung nach Palästina, wie der geehrte Artikelschreibcr. als „eine rein private Angelegenheit answandcrnngslustiger oder a»swandcrungsbcdllrstiger Leute" aiiznseh.n Dieser Satz allein zeigt, wie wenig Herr Dr. K ra u s die Lage unseres Volkes begreift, und es ist daher weiter nicht nothwcndig, mit ihm zu polemisiren. Am allere wenigsten fallt cs mir i-in, ihn per;onlich aiizugrei;eu, wie er dies gegenüber den Leitern der zionistischen Bewegung in recht wenig sympathischer Weise lhnt. Nur des Einen möchte ich ihn versichern, dascs ihm nicht gelingen wird, die Zionisten gegen diejenigen, welche sich mit bewunderiiswerther Hintansetzung ihrer eigenen Interessen, mit unglaublicher Hingebung der Sache widmen, einplnehmeii. Auch Herr Dr. Jacob Nohn, den er diplomatisch gegen die Herren, bei welchen dieser tüchtige nnd eifrige junge Zionist so vieles gel.rnt hat, ausspielt, wird diese eigenthümlichc llaptatio Kenevvlentiae kühl belächeln, lind ein Zweites möchte ich noch kur; hinzufüge», das; meiner Ueberpugnng nach — ich bin wohl mir ein einfacher Student — bessere Gründe hervorgeslicht werden müstten, in» den Zionismus zu widerlegen, als sic Herr Dr.' Kraus im sachliche» Theile seines Artikels findet, und welche dorr am besten sind, wo sic unsere Ansichten nur bestätigen. Namentlich an den „Acouio": Unterstützung des Äntisemisuius — haben wir uns schon völlig azcwöhnr. Dagegen verwahren mir uns nicht einmal mehr; aber gegen den unerhörten Vorwurf, das; die „Zionisten ihre Siimm- und Schreibmittel in der leichtsinnigen Verlockung einfältiger, bedrückter Inden;nr Ansiedlung in Palästina" verwende», müssen wir entschiedenst protestireu. Und in den „Winkelvereincn" bleiben wir! M S Wie», 27. Oktober 1893. Das Executiv-Comite des Verbandes „Zion" gibt sich alle Mühe, um den Verband selbst zu vergrößern nnd durch ihn die Colonisationssache zu fördern. In letzterer Beziehung ist es vorläufig eine der Hauptsorgen des Execntiv-ComiteS. den Export geeigneter Artikel aus Palästina nach Oesterreich zn arrangiren. Speciell hoffen die österreichischen Zionisten daß sich in Cognac-und Wein viel wird machen lassen. Wir haben den Cognac und den Wein von Rischen le Zion selbst versucht und können constatiren, daß sie ausgezeichnet schmecken. , ' ' '

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