Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 17 (1.11.1893)
- Date
- 1893-11-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 . § ewst-Gmcmcipaiion, Nr. 17 jüdischen StaNdpnnkte. Die Vorlage sichere den Städten das llcbergcwicht und gerade in den Städten Galiziens sei die jüdische Bevölkerung sehr zablrcich, oft sogar in der Akchrhcit. So gebe es Juden in Brody 76 Pcrccnt der Gesummtbcvölkcrung, Brzezan 43 Percent, in Buczacz 63 Percent, in Drohobycz 50 Percent, in Gorlice 49. Perccnt, in Kolomea 51 Percent, in Nen-Sandcc 46 Percent, in Przemysl 34 Perccnt, in Rzeszolv 52 Percent, in Sanok 41 Pcrcent, in Stanislan 53 Percent, in Stryj 41 Porcent, in Tarnopol 52 Perccnt, in Tarnow 46 Perccnt, in Zloczow 48 Percent, in Zolkiew 55 Perc. Auch der Umstand, daß in Galizien die Zahl der jüdischen Analphabeten geringer sei. als bei den anderen Stämmen, gestalte die jüdischen Wahlchancen günstiger. Andererseits hebt die „PrzyszJosc“,- ebenso wie wir in voriger Nummer, die Ungerechtigkeit herdor, welche darin liegt, daß soviele des Hebräischen Kundige, welche einen weit höheren Jntelligenzgrad ausiveisen und viel mehr politische Reife besitzen als polnische oder ruthcnische Buchstabirer, im Gegensätze zu diesen letzteren vom Wahlrecht ausgeschlossen . sein sollen. Das Blatt verhehlt sich auch nicht, daß der große Moment ein kleines Geschlecht finden wird, daß die Juden nicht so bald verlernen werden, in der sinnlosesten Weise zu wählen — theils von sklavischem Gehorsam nach oben getrieben, theils von ehrgeizigen, eigennützigen Gemeindevorstehern geleitet. Nichtsdestoweniger dürfe schon ans dem Grunde eine Besserung erwartet werden, weil ein neues Element— die jüdischen Handwerker und Arbeiter—in Berechnung komme. --' Ans Palästina. Jaffa. (Elul Bericht). Ein Colonist von Cliedera, welcher in dieser Colonie bei 2000 Dulam Boden besitzt, will diesen den Lohnarbeitern unter der Bedingung verkaufen, daß sie den Kausschilling binnen vier Jahren abzahlcn. Doch verlangt er, daß. das Jasfaer Executiv-Comite des Odessaer Vereines die Bürgschaft . übernehme. Der Vertreter desselben, Herr B i c nst o cf, wird wohl nach seiner welcher in Rußland die Palästina-Cvlonisationsbcwcgnng anrcgtc, daß er seit dreizehn Jahren unerschütterlich mit endloser Geduld, mit großer Klugheit und starkem Glauben an seine Sache für die Wiederbelebung Israels kämpft. Lilienblnm ist Sccretär des Odessaer „Vereines zur Untcrstützimg jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina". Er ist also ofsiciell nur ein kleines Rad, aber dieses kleine Rad treibt rastlos die ganze Maschine. Er führt eine große, ausgebreitetc Correspondenz und auch seine bescheiden und freundlich geschriebenenPrivatbriefc fördern die zionistische Sache. Jeder Zionist in Rußland weiß, daß Lilienblnm die Ehrung flieht und seine großen Leistungen gerne verbirgt. Er thnt Alles der Sache zu Liebe und ist zu jedem Opfer bereit, ltnbemittelt, hascht er nicht nach Vermögen, sondern hat bloß die Entwicklung der Cvlonisation im Auge. Er kennt diesbezüglich keine Ermüdung, seiner Arbeit wird täglich mehr. Aber sein Wert wird allgemein nach Gebühr erkannt, auch von den westeuropäischen und spcciell österreichischen Zionisten. Im Namen der letzteren beglückwünsche ich den Jubilar: Möge er noch lange, recht lange der Zionsarbeit .erhalten bleiben und die Rettung Zions, die Tröstung Jerusalems erleben! N. M.' B r ai n i n. Rückkehr aus dem Auslande diesen Antrag in Erwägung, zu ziehen haben und werden wir uns näher darüber aussprechen. Mit Erlaubniß der Regierung wurde der Häüserbau in Rechowoth begonnen. Gegenwärtig baut man . 5 Häuser. Unter den 7 Colonisten, welche die Erlaubnis zum Häuserbaue erhalten haben, befinden sich drei, deren Lage, keine, günstige ist und denen es an Geld fehlt, ihre Arbeit zu beendigen. In der erstcnWoche desMonates. kamen 16österreichische Juden an, welche man anfangs nicht landen lassen wollte, weil die Einwanderung von mehr als 10 Personen als; Masscn-Einwanderung zu betrachten und den Juden die Massen-Einwandcrung nicht gestattet sei. Der österreichische. Consul setzte durch, daß dis Landung für diesmal gestattet wurde. Dagegen wurde vielen jüdischen Einwanderern aus England und Oesterreich, welche an späteren Tagen des Monates kamen, die Landung nicht gestattet. Gegen Schluß, des Monates bewirkte jedoch der österreichische Consul, daß der Eintrittsverbot als für die österreichischen Juden nicht bestehend erklärt wurde. Am 27. landeten allein 26 öfter-., reichische Juden. *) Auch aus Argentinien kamen 2 Familien, welche in der dortigen Colonie „Clara" sich äufgehalteu hatten, und erzählten, daß es dort aus verschiedenen Gründen namentlich aber wegen der Heuschrecken unmöglich sei, zu existiren. ßeth halevy. Indische Nationalbibliothek. Der Plan, eine große jüdische Nationalbibliothek auf p a l ä st i n e n s i s ch em Boden, und zwar in Jerusalem, zu gründen, sieht . .seiner Verwirklichung entgegen. Unser Gesinnungsgenosse, Herr Gregor Josna Syrkin hat zu.diesem. Zwecke die Gesammtbibliothek des berühmten im vorigen Jahre dahingeschiedenen hebräischen Dichters Gordon. sowie die Bibliotheken seines verstorbenen Bruders und des bekannten Zionisten Dr. CHasan owitsch. in Bialystock erworben. Ebenso gedenktHerr Syrkin die Bibliothek des verblichenen Herrn Ä. Kaufmann an sich zu bringen; auch aus dem Nachlasse des im vorigen Monate verstorbenen Redacteurs Z e d e r b a u tu ist noch zn seinen Lebzeiten eine Menge . Bücher, zu diesem Zwecke bestimmt worden. In Odessa/ beschäftigen sich die Herren M. L. Lilicnblum, I. Ch. Rabnitzky und M. Nab in o Witz (Len-ammi) mit der Gründung der Bibliothek. Die bekannten Bücherfreunde und Gelehrten Salonion Bub er in Lemberg und Abraham Epstein in Wien haben ihre Mitwirkung zugesagt. Aus de» Colonien. Die Ackerbauschule „M i kw ehIissrael" ber„Alliance . Israelite Universelle“ bei Jaffa Macht stetige Fortschritte. :Sn Nischon l' Zio u**) haben nur drei von den unterstützten und fünf von den selbstständigen Colonisten von. den Trauben geringere Einnahmen, als sie zum Lebensunterhalt brauchen; während bei den übrigen. Colonisten Einnahmen und Ausgaben sich . das Gleichgewicht halten. Aber man kann noch immer nicht , sagen, daß die Colonisten auf eigenen Füßen stehen, weil sie mit dem Absatz der Trauben, . und daher auch bezüglich des Preises ganz von der Colonien- Verwaltung des Barons abhangen. Denn außer dieser haben ' sie für das große Traubengnantnm, welches Nischon liefert, noch keinen Käufer gefunden. Nnn gibt es in der Colonie auch mehrere Reiche, welche vielleicht auch ans eigene,Rechnung eine Kelter bauen könnten; aber sie werden dies wohl nicht früher thun, bis der wahre Werth des palästinensischen Weines bekannt ist, und dann ist es auch zweifelhaft,. ob die Administration einen solchen Bau gestatten würde. In Wadi C Han in***) befindet sich bloß der Besitzer — *) Nichtsdestoweniger warnen wir unsere StanuneSgenosicii vor lcichtscrtigcr, imjystematischer Üluswanderung. Es müflen zuerst die Borbediligüilgen geschaffen sei», um auch ärmcreu Elementen die Emigration »äthlich zu machen und dieselbe für sie zu orgamsire». Dies ist leider nock nicht der Fall. Hossentlich wird es bald möglich werden. Die Red. **) mit circa 400 Einwohner». Die Redaktion. ***) mit 30 Colonisten. Die Redaction..