Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 16 (15.10.1893)
- Date
- 1893-10-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Sewst-Hmancipatron. Nr. 15 in Rußland . und noch mehr in unserem alten Heimatlande Palästina imincrmehr cinbürgert; jenes .Hebräisch, in welchem heute eine große Anzahl von Monats- und Wochenblättern und zwei politische Tageszeitungen,- wissenschaftliche und belletristische Werke erscheinen, welches in den Schulen der palästinensischen Städte Jaffa und den palastinensischjüdischenColonien Unterrichtssprache ist und das auch Unterrichtssprache des Gymnasiums sein wird, welches demnächst in Jaffa mit Hilfe der „Alliance Ismelite Universelle“ errichtet werden wird; jenes Hebräisch, dessen Pflege sich gegenwärtig zahlreiche Sprach- und Sprcchvcrc'mc in allen Ländern widmen. Jenes Hebräisch ist gemeint, bezüglich dessen Baron Edmund Rothschild ans Paris bei seinem letzthin stattgehabtcn Besuch der von ihm protegirtcn palästinensisch-jüdischen Ackerbaueolonie Sichren Jacob gesagt hat: „Daß Ihr nicht französisch versteht, macht weiter nichts; daß Ihr aber auch das Hebräische nicht sprechet, ist schlimm. Der Jargon ist keine. Sprache. Ich hoffe. E»ck> bei meinem nächsten Hiersein hebräisch sprechend zu finden^. ' ' Diese neubelebte hebräische Sprache, die Kenntnis; der üdischen Literatur überhaupt und der jüdischen Geschichte sind wichtige Voraussetzungen zur Weckung des jüdischen Volksbewußtscins. Dieses selbst aber ist die Vorbedingung für die cndgiltige Beseitigung des Golus und seiner wirthschastlichc» Leiden. Nicht früher wird der jüdische Stamm zur Ruhe kommen, als bis er eine Asyl- und Zufluchtsstätte, einen Mittelpunkt, ein Heim hat. Heute stürzt jede Judenverfolgung nicht bloß die unmittelbar Betroffenen ins Unglück, sondern sie schadet auch den Juden anderer Länder; sie rninict dieselben geschäftlich und macht durch die Hinzulvanderuug der fremden, die einheimischen Juden bei der Bevölkerung unbeliebt. Die nichtjüdischen Völker vertragen. nämlich bloß eine gewisse Portion Judenthnm, Einen Bissen mehr und sic sind satt, jüdcnsatt, ihr Liselrue wird stärker. Das Alles wäre anders, wenn es einen Ort geben würde, wohin die jüdischen Opfer der Völkerwuth ziehen konnten, um sich daselbst eine ehrliche Existenz zu gründen. Das Rischus würde dann geringer, die wirthschaftlichc Lage aller Juden besser. Das ist der Zweck der . Palästina-Colonisation, des größtcnjüdijchen Hilfswerkes seit Jahrhunderten. Niemand denkt an die Auswanderung aller Inden nach Palästina, wie von Feinden der Colonisation behauptet wird.. Im heiligen Lande soll ein echt jüdisches, körperlich, sittlich und ökonomisch gesnndes. Geschlecht heranivachscn; dafür wird uns nicht bloß dieses, sondern unsere Kinder . und Kindes linder werden uns dankbar sein. Wer gvlusmüde sein wird, wird hinziehen; das Gelns wird weniger spürbar werde», .nach dem Erfahrungssatze: Je. weniger Inden in einem Golnslande, desto besser ist ihre wirthschaftlichc Lage und desto geringere Verfolgungen haben sie. zu ertragen. An dem Werke der Colonisation Palästinas arbeiten seit mehr als einem Jahrzehnt Männer in allen Theilcn der Welt und haben schon schöne Erfolge erzielt. Bereits bestehen 18 jüdische Ackerbaunnd^Wcinbaucolouien im Lande Israels. Dieselben sind begründet und gefördert, Iheils durch die großen Colonisationsvercinc in Rußland und Deutschland. England und Amerika, theils durch den bereits genannten Baron Edmund Rothschild in Paris, welcher eine Ausnahme unter den jüdischen Großcapitalistcn darstellt. Die Palästinabewegung nimmt immer größere Dimensionen an. Auch die „Morgenrvthe" soll dieser edlen, großen Sache dienen. Wir lesen in §. 3, alinea .r) Durch Förderung von Unter nchmnngc», welche armen, aber tüchtigen Juden in Palästina nnd Tylicn eine gesicherte wirthschaftlichc Existenz bieten sollen. Der Verein „Mvrgcnröthe" hat jedrch auch auf diesem Gebiete, mehr eine anregende, bcicbehrcndc. sruchtende Aufgabe und will dem für die practische Seite der Frage bestehenden „Zion', „Verband der österreichischen Vereine für Colonisation Palästinas unv Syriens" sammt Einzelvereine keine Concurrenz machen. Wie sich der Verein seine diesbezügliche Ausgabe denkt, besagt 8 <i. Die Section für Palästina-Angelegenheiten (8 18) hat die Mitglieder stets von dem Stande der Palästina-Eolonisation unterrichtet zu halten, sie über die wirthschastlichen Vortheile , derselben anfznklärcn und stellt sich jedem Unternehmen von der in 8 3, alinca f erwähnten Art behufs thatkräftigstcr Mithilfe zur Verfügung. Inwieweit letztere auch pccnniär zu leiste» ist, entscheidet über Antrag der Section für Palästina-Angelegenheiten der Vorstand Es gibt keine jüdisch-wirthschaftliche Bestrebung, welche mehr Bedeutung für das Schicksal, niiscrcs Volkes, für das ' Wohl unserer Nachkommen und zum kleinen Theilc auch fite die Rettung jetzt lebender Stammesgeuossen Hütte, als die Colonisation Palästinas. Nur gründliche Hilfe ist wahre Hilfe. Nichtsdestoweniger ist es Natürlich, daß wir auch Alles thuu müssen, was specicll hier und in der jetzigen -Zeit unsere wirthschaftliche Lage wenigstens eilt wenig zu bessern geeignet ist. Das richtige Losungswort ist auch ans diesem - Gebiete Einigkeit, — solidarisches Vorgehen im politischen und Erwerbsleben, nicht end-und fruchtloser Kanipf gegen das L-iselins. Was djc politische Einigkeit belrifft, so gehört das nicht weiter hierher, weil die „Morgenröthe" kein Politischer Verein ist. Dagegen will sie in Bezug ans das Erwerbs¬ und Berufsleben das .Mögliche und Erforderliche leisten. Sie statuirt in alinea g) des 8 3: Durch Förderung der Mitglieder in ihren Bernsen. Wie diese Förderung gedacht ist, ist in folgenden Paragraphen des Statuts.enthalten. 8 V. Die gewerbliche (Section 8 18.) führt eine genaue Liste der gewerbetreibenden Mitglieder des Vereine» imd sorgt durch möglichste Publikmachnng dieser Liste für - eine Erweiterung des Kundenkreises der Mitglieder. 8 8. Die gewerbliche Sectio» besorgt die kostenfreie Stellenvermittlung für ordentliche Mitglieder. 8 9. Die gewerbliche Sectio» steht den Mitgliedern in allen geschäftlichen nnd gewerblichen Angelegenheiten rathcnd und schützend zur Seite. Jeder der angeführten Punkte eröffnet einen weiten Wirkungskreis. Der erste ist gegen das leider unter deu Juden selbst so eingebürgerte Vornrtheil gerichtet, daß jüdische Handwerker nichts taugen. Wenn e'mmal ein jüdischer Handwerker etwas' verdirbt, so heißt es gleicht. „Da soll man einem Inden etwas zn arbeiten geben." Als ob ein Nichtjude noch nie eine Arbeit verpfuscht hätte. Lieber läßt man sich von einem ehrlichen Antisemiten grob ansahren oder von einem tükischen Antisemiten süßlich anschmeicheln, als. einem jüdischen Gewcrbsmann etwas zu verdienen zu geben. Dagegen muß. angekämpft werden! Der zweite Punkt ist durch die ganz besonderen Schwierigkeiten veranlaßt, welche der jüdische Stellnngsnchende hat. Nichtjüdische Principale nehmen in den mcisten Fällen keine Inden aus, oder die Schikanen tu nichtjüdischen Geschäftshäusern und Werkstätten seitens der Chefs und der College,! sind unerträglich. Von . ganz besonderer Wichtigkeit ist der dritte Punkt — gerade wieder gegenüber den Versuchen des praktischen Antisemitismus, die Juden geschäftlich zu ruiniren. Manchem wird vielleicht das eben geschilderte gewerb-. liche Programiil zn enge Vorkommen. Namentlich wird sicher bie internationale Socialdemokratie es nicht ausreichend finden. Aber auch sic weis; für den Augenblick, nur Flickwerk anzurathcn; die große Hilfe soll erst durch die Umgestaltung der Gesellschaft, kommen.. Für uns Inden sicher nicht. -Das Risclrns werden auch die L>oc'ialdemokraten nicht