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Selbst-Emancipation · 1893-10-01 · Heft 15 (1.10.1893) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 15 (1.10.1893)
Date
1893-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 15 Sekbsk-Gmancipation. Seite 5. Grand Ikaddin,bezeichnen. Er fordert die Publikation der jüdischen Gesetze und Gebräuche, damit nicht dumme Anklagen erhoben werden können. Er wünscht die Abschaffung vieler religiös-polizeilicher Verbote z. B. daß die orthodoxen Juden mit den Christen nicht ans einem Teller essen dürfen. Er hält es, wie in der Schweiz für nothw endi g, daß das ritn ellc Sch äch te n verboten wird. Er will nur die magyarischen Inden recipircn. da in manchen Gegenden des Landes die Juden antimagyarischc Tendenzen verbreiten. Der König m ü ß t e nicht unbedingt ein Katholik sein, doch ein Jude dürfe er keineswegs sein, da der ch r i st l i ch e C h a r a k t e r des Landes b ewahrt bleiben muß. Es fällt uns nun gar nicht ein, mit Herrn P o lü ny i zu polemisiren, dies überlassen wir den „magyarischen Juden". Diese werden nun eiligst von Herrn Polünyi das Necept zur „richtigen" Magyarisirung verlangen, bis Herr Graf Appünyi ihnen sagt, daß dies „noch immer nicht das richtige ist" und ihnen schließlich von „berufener Seite" erklärt wird, daß alles nichts genützt hat, daß die Juden nun ärgere Juden seien, als sie früher gewesen sind. Es gibt keinen gesellschaftlichen Antisemitismus in Ungarn. \ Auch diese Prämisse wollen wir uns näher besehen. Vor dem Autor dieses Artikels liegt eine jüngst in Ungarn erschienene Broschüre, die den Titel „Die Civilehe und die Jndensrage" führt! „Der Antisemitismus" — meint der Verfasser derselben — „sei eben so dumm, als verächtlich. Das könne aber den nüchternen, objectiven Beobachter nicht hindern, zu erzählen, was er sieht, und was er weiß, denn in einer solchen heiklen, überaus wichtigen Sache darf der gewissenhafte Staatsmann keinen Eiertanz tanzen." Und er läßt sich nun über den Gegenstand unter Anderin folgendermaßen hören: Esvcrdieut darauf hingelviescii zu werde», das; die Jude» die einzige Rage der Welt sind, die sich bisher mit den übrigen Nationen nicht verschmolzen hat, weil ihre Nagen-Eigenthiimlichkeiten imensiv und ins Auge fallend sind. Nur den Juden erkennt man alich äußerlich mit geringen Ausnahmen, neben dem Mohren, dem Jnsiancr, dem Mongolen und dem Chinesen, unter allen Böllern der Welt. Der Franzose, der Türke, Maghare, der Deutsche, u. s. w. treten keiner so anfsallcnd hervor, ivic der Jude. Das ist wohl den vielen Entbchrungcu, Verfolgungen und religiösen Motive» znzuschreibe». Bcrhöhiimig und, Unterdrückung haben bei den Juden eine gewisse Zähigkeit, aber auch andere, den Nicht-Juden - unangenehm berührende Rasseii-Eigciithiimlichkeitcu entwickelt, über deren Entstehung »tan Bände vollschreiben köiime. Hier sollen dieselben nur constatlrt sei»." . „In Ungarn haben sich viele Judeir niedergelassen nnd deren weitere Ausiedlung nimmt einen ununterbrochenen Verlauf. Obgleich der vierte Theil der Bevölkerung Budapests heute bereits aus Inden besteht, was umso bemcrkenswcriher ist, als sie alle intelligent und größtenthnls reich sind und hier die. größte und reichste jüdische Religions-Gemeinde besteht; obgleich seruer der Handel hier fast ausschließlich in jüdischen Händen liegt, gicbt es bei uns doch heute keinen ofscnen AntisemitismuS. Es hat eine Zeit gegeben, da in nilserem Parlament einige antisemitische Abgeordnete zu finden waren, aber gibt cS jetzt keinen Einzigen. -Von sonstigen Motiven abgesehen, ist der Grund hicfür auch darin zu suchen, daß das Jndenthum sich schlecht und recht magqarisirt und die kleine von Nati iialitäten umschlossene magyarische Nation Ursache hat, die Vermehrung des Magyarthnms zu respectiren." „Es gibt also bei unS, wie qqngt, keinen ostcnen Antlienutisinns, wohl aber einen gcscllschastlicheii. Von Tag zu Tag wandert ein uiaghrischer Notablenbesib nach dem ander» in die Hände des strebsame,,, zusammenhaltcnden, fleißigen und geschäftstüchtigen Judenthnms. Hinsichtlich der Macht und des Einfluffes ist die jüdische Plntokratie ein gefährlicher Concurrent für den hohen Gcburtsadel. Auch die christliche Confession erblickt einen Gegner in dem ansstrebenden Judenthum, was AlleS, nochmals sei es betont, hauptsächlich nur in Ungarn der Fall ist, Dazu kommen noch die- Erfahrungei, Einzelner. Ost geling kann man die Worte hören: „Die.Juden haben ihn hinausgedrängl", „Die Juden habe» ihn zu Grunde gerichtet" rc, Allerdings sind diese Anschuldigungen oft ungerecht, sie dienen aber iinnlerhill dazu, den Anti'smitismus intensiver zu gestalten. Und so läßt man es dann die Juden thatfächtich fühlen, daß man ste nicht als zur selben Gesellschaft gehörig betrachtet. Sie werden ans den Casinos uird aus deit Bällen ausgeschlossen, man geht nicht auf solche Unterhaltungsortc, >vo es Juden gibt :c. Im Fainilieiilcben aber ist das Judenthuin auch heute noch gänzlich isolirt. In Ungarn kennt die Frau auch heule den Juden nicht, und das ist das charakteristischeste. Der Pater oder der Bruder eines Mädchens ails Hesse er christlicher Familie würde jeden sofort provociren, der seiner Tochter oder seiner Schwester einen jüdischen jungen Mann vorznstetlen ivagen würde. Ich will das nicht weiter sortseben, da« Thema fände kein Ende nnd ich ivollte es nur als Beweis dafür anfiihrcn, daß es in Ungarn allerdings einen Ailliscmitismus gibt, auch wenn er keinen össentlichen Vertreter hat. Und das hat die Regierung nicht gesehen, nicht bemerkt, oder ivollte es nicht bemerken, und so ist sie unter Hiiianjchmig über die Verhältnisse lcichlsinnig in die Proklamirnng der Zivilehe hineingesprungen." „Wir sagen es nicht als Vorwurf, aber das Jndenthum H,U unbewußt eine große Rolle dabei, daß in Ungarn das sittliche und politische Gefühl so sehr entartet und geschwächt worden ist; daß heute eine gewisse Verzagtheit beobachtet werden kann an den Menschen; daß die Aiiswanderuiigslnst gefährliche Dimeiisione» aiinimmi und der begriff des Vaterlandes, die Anhänglichkeit an den geheiligten Boden im Schwinden begriffen ist: daß heute schon mit geringen Aiisiiahmeil Jeder jagt: ivarum soll ich dieses i!and lieben, wo der Jude der Herr ist, dem der Boden stets gut genug ist, der uns in die Tasche steckt, der sich imscr Geld aneignet, imsercii Besitz und nun jo gar auch schon unsere Töchter nnd Söhne? Sv spricht heute nicht blos der schlichte Mann, sondern auch der Gebildete. Das ist, ivie ich gerne zngcbe, eine lächerliche, besangenc vielleicht sogar auch nnbeginndece Anpcht. aber «S ist so. In der großen Masse begegnet mau oft genug solchen salschcn Ärgnmenten. Aber die Staatsmlnincr dürsen dies nicht in ihren tiöpsen corrigireii und darnach nrtheilen, denn davon nimmt die Allgemeinheit nicht Notiz. Der Slaatsmaiiil muß die Dinge io luhine», wie sie im V'efieit gegeben erscheinen, besonders wenn von Reforinen und zumal von solchen tieseinschncidenden Reformen die Rede ist, wie die Zivilehe 1 Man kann die Juden nicht beschuldige,,, es ist nicht ihr Fehler — aber der Magyare glandt, daß seine Verzagtheit und »och vieles andere, »lir den Juden znzuschreibe» sei. Er hat Unrecht mit dieser Ansicht, aber es ist seine Ileberzengnng". Ohne beyaupteu zu wollen, daß der Verfasser dieser Broschüre in allen Stücken Recht hat, müssen wir doch der Brochüre in symptomatischer Beziehung eine weitgehende Bedeutung beimcssen. Die Geschichte unseres Volkes zeigt recht drastisch, welchen Keimen der jeweilig mehr oder weniger heftig zmn Ausbruche gekommene Judenhaß stets entsprungen ist. Am tiefsten schmerzt uns der Vorwurf, der den Juden in Ungarn gemacht ivird, daß sie demoralisircnd wirken. Dieser Borwurs schmerzt umsomehr, da ein wenn auch nicht überwiegender Procentsatz der Inden in sittlicher Beziehung Vieles zlt wünschen übrig läßt. Die Schuld liegt an der Assiinilationstreiberei der Juden. Die Juden inodernisiren sich a tont pri und da eignen sie sich die Laster unserer Zeit, hauptsächlich einen öden Materialismus an. Es überstiege den uns zur Verfügung gestellten Raum, wollten wir dieses traurige Thema heute weiter venolgen. Für die ungarischen Verhältnisse speeiell bezeichnend sind die täglich zu verzeichenden Naiiieiisänderungen der Juden. Es kann uns ganz gleichgiltig sein, ob Herr Popper sich in Zukunft Pöor nennt u. s. w., aber die Thatsache, daß man so leicht, um nichtiger Gründe willen, deil Familiennamen, etwas, was jedem anständigen Menschen heilig ist. wechselt, wie man Kleider wechselt, diese Thatsache stimmt traurig. Ferner: Der jüngst veröffentlichte staatliche Ausweis über die Ehescheidungen in Ungarn muß jeden anständigen Juden aufs Tiefste berühren. Die Inden stellenden größten Proeentsatz zu deil Ehescheidungen und überiviegen darin mehrfach die anderen Consessivnen. Pietät und Familienleben, zwei Fundamentalsäulen des Judenthums, die bisher von Freund und Feind ob ihrer Mächtigkeit und Unantastbarkeit bewundert wurden, zwei Säulen, die uns. Juden die Macht geben, die größten Stürme siegreich zu überwinden — diese Säulen werden in der leichtsinnigsten Weise — eines imaginären Vortheiles willen, von den eigenen Kindern angegriffen. Wohin soll das führen?

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