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Selbst-Emancipation · 1893-09-15 · Heft 14 (15.9.1893) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 14 (15.9.1893)
Date
1893-09-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 KelVst-Gmancipation. Nr. 14 tragen, dasselbe habe die Dlirchführbarkeit und Rentabilität eines Lottirie-Unternehnients zn prüfen, und soferne das Comitc zu einem Positivem Resultate kommt, dasselbe^ zu ermächtigen, dieses Unternehmen ins Werk zn setzen." Der Antrag wird dein Execntivcomitc zugewiesen. — Hierauf wird das Exccutivcomite beauftragt, unverweilt die Versendung von Spendenzctteln für .ioin Kippur i» Angriff zu nehmen und dahin zu wirken, daß diese Zettel in den Synagoggen aufgelegt werden. Die Kosten der Delegirtenversaunnlung werden bewilligt — Herr Löbl stellt den Antrag: „Die Delegirtenversaminlnng empfiehlt dem Executivcomite. den in Palästina zu gründenden und schon bestehenden jüdischen Waisenhäusern Aufmerksamkeit zuzuwenden," Dieser Antrag wird angenommen. — Herr Ehrenpreis beantragt: „Die „Selbst-Emancipation" in Wien und die „Przyszlosc" in Lemberg haben als Verbandsorgane zn gelten." Herr Dr. Salz stellt den Zusatzantrag, auch die von Herrn B r a i u i n demnächst herauszugebeude hebräische Monatsschrift als Verbandsorgan zu erklären. Einen analogen Zusatzantrag stellt Herr Moses bezüglich des in nächster Zeit von der galizischcn Zionistenpartei heranszugebendcn JargmzMttes. Alle diese Anträge werden angenommen, — Auch der Antrag L ö b l - Ehrenpr eis, „ einen Exportvcrein in Jaffa zn gründe», welcher seine Vertreter in verschiedenen Ländern hat", wird angenommen. — Ein Antrag de Herrn Moses,,, es seien in der Weise Gelder für den Kauf von Ländereien zu schaffen, daß sich die einzelnen Verbände zusammeuthuu und Autheilscheine ausgeben, deren Besitzer anfein Stück Land oder ein gewisses Quantum von Landesproductcn Anrecht haben", wird dem Executiv-Comitc zugcwiesen. — Dem Executiv-Comitc wird die Befugnis; gegeben, Mitglieder mit berathendcr Stimme zu cooptiren. — Die Frage der Vertrauensmänner wird dem Exccutivcomite zugewiesen. Als Cassa-Revisoren wurden die Herren Dr. O. Koke s ch in Wien und Dr. A. Salz, Tarnow gewählt.. Der Vorsitzende Herr Dr. A. Salz schloß um 3Uhr Nachmittags die Delegirtenversaminlnng mit einer kurzen Ansprache, worin erden Erschienenen dankte und die Hoffnung ausdrückte, daß bei der nächsten ordentlichen Deligirtenversammlung die Zahl der Delegirten eine bedeutend größere sein werde. Er brachte ein Hoch ans die jüdische Nation aus, in welches die anwesenden Delegirten und Gäste begeistert einstimmten. Während die erste ordentliche Delegirtenversammlung des Verbandes „Zion" eine -Organisation auf dem wichtigen Gebiete der practischen Colonisation bedeutet, ist von anderen Besprechungen, welche am 4. und 5. zu anderen Tagesstunden, ferner tagsüber aut 0. stattfanden. Vieles für die Erstarkung der zionistischen Partei als solcher zu erwarten. Eine Conserenz bestehend aus den Herren Dr. Birnbau m und Brainin ans Wien, Ehrenpreis aus Lemberg, Dr. Salz aus Tarnow, Dornbusch aus Budapest, Moses ans Kattowitz, berieth eine änßerst wichtige Angelegenheit, welche mit der Frage der Einigung der Zionisten aller Länder zusauunenhängt. Ferner wurden in einer Besprechung, an welcher nebst den Herren Moses, Löbl, Ehrenpreis, und Dr. Birnbaum auch der am 5. spät Abends zu diesem Zwecke aus Berlin angelangte Herr Willy Bambus theiluahm. wichtige und crfräuliche Beschlüssebezüglich der „Selbst-Emanzipation" gefaßt. Ueberall sind Ansätze zur Entfaltung unserer Sache vorhanden, mir wollen hoffen, daß wir dem Ziele immer näher kommen werden. > Judäa» Eine Reiseschildcrnng von W. V ermann. I. Diese Nacht war mir kein Gedanke ferner, als der Gedanke an Schlaf, und kein Wunsch fremder, als der Wunsch nach Ruhe. Die gemüthliche Cabine der „Medusa" schien mir ein Kerker; mit unwiderstehlicher Gewalt zog es mich hinauf auf's Deck. Wonnig frisch und erquickend war die Frühlingslnst. Alles schlief auf dem Schiffe und rings auf dem Meere lag tiefe, schweigende Nacht. Dunkel der bewölkte Himmel, bleichgran die luftige Ferne und geheimnißvoll schwarz das grcnzlose Meer ewig beweglicher Wellen. Selbst das Zischen der aufschäumenden Wogen, ihr monotones Plätschern gegen die eisernen Wände des Schiffes, und das. eintönige, gedämpfte, schwere Athemhvlen der mächtigen Schifssmaschine störten nicht die nächtliche Stille; alle diese Geräusche schienen nur ein nothwendiger Bcstandtheil dieser Stille zu sein, keine lebenden Laute, sondern uächtl che Schatten von Lauten. Wie Gespenster mit sehnsuchtsvoll ausgestreckten Armen ragten zürn Himmel die hohen Mastbänme der Medusa empor; Medusa flog >vie eine zürnende Nachegöttin über das Meer dahin. Ich stand da, an das Geländer gelehnt, den spähenden Blick gegen Osten gerichtet. Dort, hinter dieser schwarzen Nacht, iuo der Morgen beginnt, liegt das Land meiner Sehnsucht und Liebe,. das Land meiner Träume und Hoffnungen. . Nur diese einigen Stunden der Nacht liegen noch zwischen mir und der Erfüllung des stärksten, des heiligsten Wunsches meines Herzens. Morgen, — wenn es tagt, — bin ich in Palästina, >veile im heiligen Lande, athme seine belebende Lust. /-■■■■ Es war die längste Nacht meines Lebens. Unwillig, kämpfend und zögernd mich die Dunkelheit. Lauge, qualvolle Stunden dauerte der Kampf. Immer blauer wurde der Himmel und das Meer, immer heller und ' durchsichtiger die Luft, immer weiter der Horizont, immer geräuschvoller, lebendiger das Spiel der aufwachenden Wellen. Die Nacht entfloh und hinter ihr her erschien im Osten, mit hochauflodernder Fackel, die siegcsfrohe Morgenröthe, die Vvrbotin der Sonne. Und als alles zum Empfang des Tages bereit ivar, erschien sie selbst, die Sonne, und mit ihr zugleich, von ihren - ersten Strahlen vergoldet, tauchte Palästina, das heilige Land ans den Wellen empor. Dunkel, wie Israels Leben im Exil, war die Nacht ans dem Meere gewesen, und hell und leuchtend, wie die Hoffnung aus Israels Zukunft, war der erste Grus; Palästinas an seinen jüngsten Pilger. Ter helle Streifen am Horizont wurde immer breiter. Die sandigen Düncnhügel dcr-judäischen Küste waren schon mit bloßem Auge deutlich sichtbar. Es verging keine Viertelstunde, als der schwarze Punkt, den man schon seit längerer Zeit in der Mitte dieses Hellen Streifens sehe» konnte, lebendige Umriffe gewann,.und zu einer imposanlen, sestnngsartigen, auf hohem Hügel gelegenen, von Gürten umkränzten Stadt sich auswuchs. Es war Jaffa, „die Schöne", die trügerisch schöne Seestadt. Wir warfen Anker auf hoher.Seeetwa ein Kilometer vor Jaffa. Das Meer war verhältnißmäßig ruhig, was hier ziemlich selten vorkomm:. Das Ansschiffen in Jaffa gehört ancrkannterweise mit zn den unangenehmsten Momenteu einer mittelländischen Seereise. Daß Jaffa keinen Hafen hat, lväre das kleinste der Uebel, und im Orient kaum etwas außergewöhnliches. Daß aber, statt eines Hafens, speciell vor der fast einzigen Seestadt Palästinas,

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