Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 14 (15.9.1893)
- Date
- 1893-09-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 14 Zewst-GmancipaLion. Seite 3 eine Zweitheilung des galizischcn , Propagaudabezirkes in einen ostgalizischen mit Lemberg und einen westgalizischeii mit Tarnow als Centrum; in dein erstcrcn müsse mehr ans die orthodoxe, in dem zweiten mehr ans die neologe Bevölkerung Bedacht genommen werden. Redner empfiehlt auch die von Herrn Löbl beantragte Institution von Vertrauensmännern. Herr Ehrenpreis betont, daß, zumindest im ersten Jahre, 50% der Einkünfte für Propagandazwecke, Agitationsreisen und Presse, verwendet werden müssen. Herr Dr. Landau hält 20% der Einkünfte als für die Agitation genügend und Reisen für nnnöthig. Er ist der Meinung, die Delegirtenversammlung müsse ein zionistisches Programm anfstellen, das namentlich zur Religion Stellung iichmcn solle. Herr Moses tritt gerade dem letzteren Wunsche cnt- .schicden entgegen, man möge nicht die religiöse Frage in unsere Angelegenheiten mischen. Auch spricht sich der Redner für eine starke Propaganda aus, welche die Vorbedingung der Blüthc eines Vereines sei. Sohin wird die erste Sitzung um 4 Uhr Nachmittags geschlossen und eine zweite Sitzung für sieben Uhr Abends anberaumt. In der Abendsitzung wird zunächst der Punkt „Propaganda" weiter verhandelt. Herr Ehrenpreis beantragt: 1.) jetzt schon 50 fl. für eine Agitatationsreise in Galizien und Bukowina zu bewilligen, 2.) im Laufe des ganzen Jahres Agitationsreisen in Böhmen, Mähren' und Galizien im Auge zu behalten, 3.) der „Przyszlosir eine jährliche Subvention von 60 sl. zu gewähren, wofür sie eine neue Rubrik für Palästina und Palästinavereine eröffnen solle, 4.) der in nächster Zeit herauszugebendcn Jargonzeitung in den ersten drei Monaten eine monatliche Subvention von 10 fl. zu bewilligen, 5.) den Kalender „Jordan" zum ossieielleu jährlichen Organ des Verbandes zu machen. Die Anträge 1, 2, 3, 4 werden nach lebhafter Debatte angenommen; der Antrag 5, gegen welchen namentlich Herr Moses spricht, wird über Antrag des Herrn Brainin dem Executivcomite zugewiesen. Herr Moses verlangt, das Exccutiveomite möge besonders auf die Zuziehung der Rabbiner bedacht sein. Herr Ehrenpreis beantragt, es sei, wo cs die localen Verhältnisse gerathen erscheinen lassen, der Zweck der Einzel- Vereine auch auf Pflege der Literatur und Errichtung von ■ Lesehallen auszudehnen. Diese Einrichtung -habe sich in Rzeszow bewährt. Dieser Antrag wird angenommen. "■ Beim Punkte 6 der Tagesordnung, praktische Eolouisationsthätigkeit, beantragt Herr Moses die Annahme des Principes, daß die Ilnterstützungeu der Regel nach nicht in Religion, die europäischen Regierungsformen, die europäische Philosophie und Literatur. Ueberall findet er Schäden und Gebrechen. Nord au ist ein Fremder in der europäischen Gesellschaft, ein Gegner ihrer Entwicklung. Die erste Assimilantengeneration, welche vom jüdischen Stamme sich noch nicht so weit entfernt hatte, gab noch Europa neben zersetzenden auch ansbaneude Elemente, neben vollkommenen Zweiflern an. allen Menschheitsidealen innig dgran Glaubende. Die dritte Assimilantengeneration jedoch gibt uns Skeptiker wie N o r d a n. Er ist unter denselben der hervorragendste; auch seine Kraft besteht nur im Zerstören und Negiren, und um die Lücken und Schattenseiten der europäischen Cultur zu verstehen, ist. gerade nicht eine besonders große Befähigung nothuw.ndig? Die assimilatorischen jüdischen Professoren der Philologie oder der Medizin können sich noch auf ihrem Platze auszcichnen, aber die Assimilanten, welche sich mit der Gesellichastswissenschast und Politik, mit der Kritik oder Philosophie beschäftigen, finden schwer ein Plätzchen in der europäischen Gesellschaft, die gründlich ihren semitischen Neigungen und Tendenzen widerspricht. Männer wie z. B. Dr. Adolf Fr sch Hof treibt die europäische Gesellschaft in die Verbannung, Männer, wie Dr. Theodor Forin von Schenkungen, sondern in Form von rückzahlbaren Darlehen oder in Verpachtungen oder in Verkäufen gegen Ratenzahlungen bestehen sollen. Dieser Antrag wird angenommen. Herr Ehrenpreis beantragt die Hälfte der für die praktische Colonisationsthätigkeit verfügbaren 50 Perccnt zur Errichtung einer Kelter in der Colvnie Katra, die andere zur Anschasfung von Ländereien für die jüdischen Lohnarbeiter in Palästina zu bestimmen. Nach längerer Debatte folgt Annahme dieses Antrages. Um 9 Uhr- Abends wird die Sitzung geschlossen. Am zweiten Verhandlungstage begannen die Berathungen um 10 Uhr Vormittags, Au der Tagesordnung sind „Eventuelle Anträge". Die Herren Moses und Ehrenpreis stellen folgende Anträge: Die Delegirtenversammlung drückt dem akademiichen Vereine „Kadimah" und den übrigen akademischen jüdisch-nationalen Vereinen ihre Sympathie ans" und „Das Executionscomite wird beauftragt, mit dem akademischen Vereine „Kadimah" und den übrigen akademische» jüdisch-nationalen Vereinen in Fühlung zu treten und periodische Berichte über die Thätigkeit dieser Vereine in den- Verbandsorganen zu bringen". Diese Anträge werden einstimmig angenommen. Punkt 7 wird vorläufig unterbrochen und zunächst Punkt 9 der Tagesordnung, Wahl des Exeentiveomites, vorgenommen. Nach einer kurzen abermaligen Wahlbesprechung werden gewählt.-Herr Dr. Moriz Schnirer als Obmann; ferner die Herren: Leopold Paul L ö b l, Tr. Nathan B i r n b a u »i, Rüben B r a i n i n und Carl Bringer. Bei Punkt 8 der Tagesordnung „ Ort der nächsten ordentlichen Delegirtenversammlnng" entspinnt sich eine kurze Debatte. Schließlich entscheidet man sich für Galizien, und zwar für Lemberg oder Krakau, je nachdem, wo der nächstjährige Delcgirtcntag der galizischcn zionistischen Partei stattfinden Nunmehr wird zu Punkt 7 („Eventuelle Anträge") der Tagesordnung znrückgekehrt. Herr Dr. Landau beantragt: „Die Delegirtenversammlung beschließt, es habe das Executivcomite mit Rücksicht darauf, als es der Delegirtenversammlung an Zeit mangelt, ein nach jeder Richtung hin fest abgrenztes Parteiprogramm festzustellen, ein solches anszuarbeitcn und. im schriftlichen Wege den Einzelvereinen zur Aeußerung mitzutheilcu. Ueber diesen Antrag wird ans 'Antrag des Herrn Dr. S a l z zur Tagesordnung übergegangeit. — Der Einzelverein Wien beantragt: „Die Delegirtenversaiilmlung beschließt, das Execntivcomite zn beauf- Hcrtzka sind gezwungen, sich eine Stätte für ihre Pläne am Ende der Welt zu suchen, und Männer wie Max Nord au schreiben Werke wie „Paradoxe" „Conventionelle Lügen" und „Entartung". Seine Zornausbrüche finden keinen Widerhall und sein Zähneknirschen ruft nur ein trauriges Lächeln hervor. Diese Semiten und ihre Genossen, welche sich von ihrem Volke entfernt haben, sind nicht geeignet, anchnureinenHomunculuszu schassen. Wennsichdie Cultur des Judenthums mit der europäischen Cultur nnd Civilisativn verbindet, so etttstammeii dieser Ehe lebensfähige Kinder. Der Jude aber, dessen Eltern schon sich assimilirr haben, der ferne von Inden und Judenthum in arischer Bildung erzogen wird, , ist in seinen Bestrebungen und Zielen den Juden und Ariern fremd; er steht höchstens einigen von ihnen, welche sich von der Gesellschaft abgesondert haben, näher. Auch die Zionisten verstehen, erkenneli und empfinden die Lüge der europäischen Gesellschaft und Cultur. aber sie käiitpseu nicht mit Worten, nicht mit vielem Spott gegen dieselben, — das überlassen sie Anderen — sondern durch die That, oder wenigstens streben sie darnach, eine Gesellschaft auf festen Grundlagen zli schaffen, tuelche allen Völkern ein Muster sein soll. _ R. M. Brainin.