Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 14 (15.9.1893)
- Date
- 1893-09-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 §ewst-Gmcmcipation. Nr. 14 Die erste ordentUche DelegirtenversammLuug desUerbündes „Zion". Solange „Z i o u", „V c r b n u h b e r ö ft errei ch i s ch en Vereine für Co l on i sa t i o „ Palästinas und Syriens" keine Centralstelle halte, lebte er eigentlich noch nicht, umsoweniger konnte an ein Wachsen nnd Aufblühen gedacht werden. Vornehmlich, um dem Perbande das unumgänglich nothwendige Execntivcviüite zu geben, sowie auch sonst die Grundzüge seiner Thäligkcit für die nächste ■ N Zeit festziistellen, beeilte man sich mit der Einberufung der ersten ordentlichen Del'egirienversammlnng. Dieselbe fand am, 4. und 5. d. M. im Locale des Wiener . Einzelvereines statt. In den Persönlichkeiten der Delegirten waren im letzten Angenblicke mehrere Blenderungen eingetreten. Herr Tr. M. Sch stirer, der zum Delegirten des Wiener Einzelvereines gewählt worden war, hatte einige. Tage vor der Versammlung in dringenden Familien - nngelegenheiten verreisen müssen; an seine Stelle trat der Präsident des Einzelvereines Herr Löbl. Der Einzelverein Horazdowitz ernannte, da Herr Dr. Birnbaum wegen Zeitmangels ablchneu mußte, Herrn M. Moses aus Katowitz, Mitglied des Krakauer Einzelvercius, zum Delegirten. Der Einzclverci» Lemberg hatte sein Mitglied, HerrnA. Korkis cntsendet. Derselbe mußte aber über telegraphische Rückberufung in Privatangelegenheiten vom Wege nach i Lemberg zurückkehren, worauf Herr M. Ehrenpreis, ebenfalls Mitglied , des Lemberger Einz'clvereins, delegirt würde. 'Hiedurch war wieder das.Mandat des Rzeszower Einzelvereins, welches Herrn Ehrenpreis übertragen worden war, freigeworden, und fiel Herrn Dr. S. R. Land a li, Mitglied des Wiener Einzelvereines, zu. Der Tanrower Einzelverein hatte Herrn Brvmberg delegirt, doch erkrankte derselbe; für ihn wurde Herr Rüben B r a i n i n, Mitglied des Wiener Einzelvereines, mit der Vertretung des Tarnower Vereins betraut. Endlich erschien das Mitglied des letzteren, Herr Dr. Ä. Salz, als Delcgirter des Einzelvereines Krakau. Den Verhandlungen wohnte als Gast Herr M.Dornbusch aus Budapest sowie eine Reihe Wiener Zionisten als Zuhörer an. Um 11 Uhr Vormittags des ersten Verhandlungstages eröffnete der Alterspräsident, Herr Leopold Löbl die Versammlung und begrüßte die erschienenen Delegirten Wae itovbmt.*) Man hat das Experiment gemacht, Hasen unter einem Fasse zu züchten, und erfahren, das; die dritte Generation, nicht . mehr nach Häsena'rt in dem Erdboden wühlt und gräbt. Eist' ähnliches Experiment wollten unsere jüdischen und christlichen Wohlthäter mit uns im Westen Europas machen. Ihre Hoffnung war, daß wenn sie unsere Brüder in ein ucncs Leben versetzen, in eine neue Gesellschaft verpflanzen, in ihren Schulen und Clubs erziehen würden, die dritte Generation vollkommen dem anderen Völkern sich angepaßt haben werde. Sie hofften, daß .die assimilirten Juden ihre Eigenart verlieren würden, und mau nicht mehr im Stande sein werde, einen Inden von einem. Arier zn. unterscheiden. Aber die,vergleichende Anatomie nnd Physiologie mag »ns über vieles aufgeklärt, haben; eine vergleichende Psychologie gibt uns. gar keine verwerthbaren Resultate, denn die menschliche Gesellschaft'beruht auf anderen Gesetzen als die derThicrc., Alles dies siel mir ei», als ich N o r d au's neuestes Buch *) Dieses Feuilleton ,ifi ans dein hebräischen' Lriginal-Mauu- 'script. übersetzt-.- ...... <- - - , und Gäste. Hierauf wurde das Bureau gewählt. Diese Wahl ergab Herrn Dr. S a l z als Vorsitzenden, die Herren M. Bkoses -und L. Löbl als V'orsitzenden-Stellvertreter, die Herren M. E h rc u P re i s und R. B rain i n als Schriftführer. Herr Dr. Salz übernahm den Vorsitz, dankte für die Wahl und gedachte in warmen Worten des dahingcschiedenen Dr. E l kan, welcher Mitglied des Wiener Einzelvereines gewesen war. Die Anwesenden-erhoben sich zur Ehrung des Verstorbenen von den Sitzen. Es folgt zunächst die Verlesung der Delegirtenvoll - -machten und Verisicirung der Mandate. Nach Erledigung dieses. Punktes erstatteten die Delegirten Bericht über ihre respectiven Einzelvereine. Da vier der bisher bestehenden sechs Einzelvereine erst seit allcrjüngster Zeit bestehen, so war von denselben zumeist nur soviel zu berichten, daß , sie zii guten Hoffnungen berechtigen. Namentlich war dies bezüglich Lembergs und Horazdowitz' der Fall, welche die letztgcgründeten und noch gar nicht in Thütigkeit übcrgctretenen Vereine sind. Von Rzeszow wußte dessen Dclegirter .schon einen Mitgliederstand von 200 zu melden, von Krakau - dessen Vertreter das Zusammenwirken der verschiedenen religiösen Parteien im Vereine. Die übrigen zwei Einzel- , vereine, Wien und Tarnow, Haben schon eine längere ununterbrochene Existenz. Wien hat 136 Mitglieder, und nach-, dem cs knapp vor Gründung des Verbandes eine größere Summe sür die palästinensischen Lohnarbeiter gespendet und seit Jahr und Tag viele Auswanderer unterstützt, hat, gegenwärtig 'nur ein geringfügiges Vermögen. Tarnow hat 150 Mitglieder, und nachdem der Verein auch seit längerer Zeit, Unterstützungen an Auswanderer gewährt hat, einen Cassästand von 200 fl. , , Den vierten Punkt der. Tagesordnung bildet die Vorbesprechung zur Wahl des . Exeentivcstmites. Es werden verschiedene Candidaten nominirt. Herr Ehrenpreis weist darauf hin, -daß nur dann vom ' Executivcomite eine gedeihliche Leitung der Geschäfte zu erwarten-ist, wenn ein eigener Verbandssekretür bestellt wird. Als solchen beantragt Redner Herrn Dr. Birnbaum, welcher auch wegen seiner vielen Verdienste, reichen Erfahrungen und seines Organisationstalentes ins Executivcomite gewählt werden solle, woselbst er das Schriftführeramt übernehmen könne. Der Antrag des Herrn Ehrenpreis, Herrn Dr. Birnbaum als Verba nds- , secrctär anznstellen, wurde angenommen. Der fünfte Punkt der Tagesordnung, Propaganda, ruft eine längere Debatte, hervor. Herr Dr. Salz verlangt „En t a r t u n g e n" las. Der Jude Max N o r d au ist stolz auf sein Deutschthum. Nord an ist in Deutschland geboren und stammt von asiimilirten Eltern und Großeltern-— wenigstens läßt er uns dies glauben. Nord an hat das deutsche Wissen in sich aufgenommen und hat bei deutschen Philosophen und Gelehrten seine Lehrjahre durchgemacht. Nord au weiß, wie aus allen seinen Büchern und Schriften hervorgeht, nichts von: Judenthum nnd seiner Literatur. Nord au verschweigt absichtlich seine Abkunft. Und doch — erkennt ihn der aufmerksame Leser seiner Werke als Juden, und zwar als einen solchen, der europäische Bildung genossen, ohne seine'.semitische Eigenart einznbüßcii. N ord a n ist eine fremde Pflanze im Garten der dentschen Literatur. Unsere Propheten gossen die Lauge ihres Spottes über die fremden Thorheiten. die Ausgeburten des alten Orients. . Unsere Talmudweisen ironisirten die römischgriechische Welt und hatten die Empfindung der Mängel und Lücken derselben. H eine nnd B ör n e lehnten sich mit aller Macht gegen die Richtung der deutschen Literatur ihrer Zeit auf. Las falle und Marx'wandten sich gegen die bis zu ihren Tagen herrschenden Anschauungen in der Socialökonoinie. Max N ö r d a u empört' sich' gegen die europäische