Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 13 (1.9.1893)
- Date
- 1893-09-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 j SeWst-Hmancipation.Nr. 13 war er einer der Thätigsten, cils es galt, ein Coiiiitc zur Wiederhcrausgabc der „S.-E." zu gründen, und er trat daun auch au die Spitze dieses Comites, welches ihn auch zum Herausgeber designirtc. Er. hat die Geschäfte des Comites mit Gewissenhaftigkeit, Eifer und Erfolg geleitet. Sich schriftstellerisch an dem Blatte zu betheiligeii, erlaubte ihm sein ärztlicher Beruf nicht. Nur einmal schrieb er, durch einen Artikel des Dr G ii d e m ä n n veranlaßt, einen Leitartikel u. zw. in der Nr. 4 des 4. Jahrganges, welcher wegen seiner offenen und freimüthigxn Sprache allgemein gefiel. Im Herbste des. Jahres 1891 trat er ans privaten Gründen von der Herausgeberschass zurück, blieb aber weiter für die Sache thätig. eine Zeit läng gls Schriftführer des Vereines „Admath Jeschiirun" Dr. Ella» vertrat ein r a.dical es zionistisches Programm mit der liebenswürdigen Mäßigung, welche seiner Natur eigen war. Als Arzt Halte Dr. Elk an Beweise vog Tüchtigkeit gegeben. Er war drei Jahre (1889—1891) Sccundararzt im-Wiener „Allgemeuicil Krankeiihause" uich l Jahr (1892) Operateur an der 1. geburtshilflich-gynäkologischen Universitätsklinik des Prof. S ch a u t a. Seit 1. Jänner d.J. wirkte, er in Egcr unter allgemeiner Anerkennung, und namentlich die Armen dieser Stadt haben viel Gutes von ihm erfahren.—Die ursprüngliche Vermuthung, wonach Dr. El kan in Folge einer Jnfcctioii gestorben sei, hat sich nicht bestätigt. . Vielmehr war es eine .schwere Magen- und Darmentzündung, welche seinem jungen, Hoffnungsreichen Leben ein Ende machte. Cr wurde ans Egcr in seine Vaterstadt Strakonitz überführt,, und hier in würdigster Weise zu Grabe getragen. An dem Leichenbegängnisse nahmen nebst den schwergeprüften Eltern' und. sonstigen Anverwandten boir Gesinnungsgenossen Herr M. Fried man», Cantor ans Horazdiowitz und in Vertretung der „Kadimah" Herr Stud. ined. Gach Th eil. — Ehre dem Andenken des edlen Mannes! - - - Ans Ungar». In Großivardcin spielte sich jüngst nach der „Allgemeinen Jüdischen .Zeitung" folgender Vorfall ab. Der Ncdactcur eines dortigen Lokalblattes ein Jude namens Anton Oilokh, hätte über eine Schauspielerin eine ungünstige Kritik gebracht. Das regte ihren Galan, den Stuhlrichtcr Bcla B.akatsch dermaßen auf, datz er und der Houorär-Obernotär F. Beö t hy den Ncdactenr, welcher Rcconvalesccnt nach einer schweren Krankheit ist, überfielen .und sofort nach den einleitenden Worten: „Bist Du der Jude, der die Kritik geschrieben" dermaßen und so lange prügelten, daß der Bedauernswcrthc besinnungslos und aus vielen Wunden blutend vom Platze getragen, werden müßte.-Die „Allg. Jüdische Zeitung" knüpft an diesen Bericht einige Bemerkungen im jüdischnationalen Sinne, wie sich auch sonst das Blatt conseqncnt bemüht, dem Zionismus zu dienen. . Der Redacteur des Blattes. Herr D o r n b u s ch,: hat für seine Stellungnahme zum Zionismus viel Zustimmung, aber auch leider viel Verluste erfahren,, spielt ja der magyarische Chauvinismus der Juden in Ungarn die erste Geige. Pflicht der Zionisten jener Länder; in tvelchen ebenfalls deutsch in hebräischen Lettern gelesen wird, wäre cs. Herrn Dornbusch durch Verbreitung, seines Blattes, diesen Vclust zu ersetzen. . Auf de» Bergen wohnt die. Freiheit — sagt Schiller. Darum ist auchdie . Schweiz eine demokratische Republik und darum hat am 20. August das Volk der - Schweiz mit 188.844 gegen 115,931 Stimmen das Verbot des' Schachlens votirt, ' während 352,000 stimmberechtigte Bürger — offenbar auch keine.. warmen Freunde der Gewissensfreiheit — der. Volksabstimmung ferne blieben. Schon, längst versuchten einzelne Kantonalregierungen ein Schächtverbot auf eigene Faust durchzuführen, aber stets scheiterten ihre -Bemühungen an den entgegengesetzten Entschlüssen des Bundesrathes und der Bundesversammlung.- Da bot die „Jnitative", ein seit Jahresfrist datirendeS Bundesgesetz, den Gegnern des Schächtens eine willkommene Handhabe. Die ,.Jnitative" bedeutet, daß 50,000 Bürger die Aufnahme eines Artikels in die Verfassung in Anregung bringen dürfen. Die 50,000 Unterschriften.'waren bald beisammen; das Weitere besorgte eine lebhafte Agitation und der alte ewige Judenhaß. Denn daß der Bewegung gegen das Schächten nur der Judenhaß zu Grunde liegt, und nicht Mitleid mit den armen Schlachtthieren, ist für jeden Vernünftigen klar. Die Juden der Schweiz haben sich der Angelegenheit gegenüber in lobenswürdiger Weise benommen. Ob. rituell lebend oder nicht, haben sie alles angewendet, um diese schnöde Verletzung, der Gewissensfreiheit,, diese nnqualificirbare Menschenquülerei abzuwenden. Es ist ihnen nicht gelungen. Die edlen Thicrsreunde, in deren Mitte man die Thiere durch Wettrennen,' Distanzritt,- Jagd, u. s. >v. betreut, haben gesiegt. Das Schächten' ist verboten worden, wiewohl es noch obendrein e ne hunianere Art der . Thiertödtung ist. Ans dem traurigen Ereignisse , könnten unsere Juden folgende Lehren ziehen: Erstens, daß auch die Demokratie, mag sie um ihrer'selbst willen noch so erstrebenswerth sein, kein ausreichender Schutz gegen eine Volksabneigung ist, zweitens spcciell. was die Frommen angeht, daß es im Golus denn doch nicht so bequem ist, nach ihren Begriffen Jude zu sein, wie sic es sich manchmal aus Denkfaulheit und Eigennutz einrede». Die Juden von Genf haben beschlossen, ein? Schächterei in einer« benachbarten französischen Städtchen zu errichten. Sie konnten in-ihrer Lagenichts Besseres sind Klügeres vorkehren, und doch ist es nur Flickarbeit des Golus. — Auch in verschiedenen Gegenden Deutschlands wird stark gegen, das Schächten agitirt. Wege» acht Gulden. Unter dieser Spitzmarke veröffentlichten wir in voriger Niinsmcr die Leidensgeschichte des iir Brindisi'weilendenk Gesinnnngsgenossen W.Entin. Es sind für ihn weiter eingelangt: Von H- Gustav Beck. Pilsen,. 1 st. 40 kr.. H. M. M. 1 fl. — Beeilet Euch, Gesinnngsg'enossen und sendet Spenden, das Leben des jungen Mannes ist in Gefahr.. Ein jüdischer Künstler. Der ans der Wilna-r ZeichenschE vorgebildcte Bildhauer Bernstein, welcher-seit vier Jahren als Schüler Antokvlsktzs (berühmter russischer Bildhauer) und Dallons in Paris stndirt, hat im „Pariser Salon" einen „Esra" ausgestellt, welcher aus d m Leben Esrä's den Moment wiedergibt, der in Esra 9, 3 geschildert ist : „Und als ich dies härte, zerritz ich mein Kleid nnd meinen Mantel, nnd rauste mir die Haare von Kopf und Bart und war betäubt". Die Coniposition, welche von der Jury mit einer „mention honorable“ ausgezeichnet wurde, zeigt uns Esra mit jammervollen Zügen wehklagend aus einem Felsen sitzen. Ebenso ergreisend wie der „Esra" ist ein gleichfalls mit der „mention Iwnorndle" ausgezeichneter Jeremias, der mit halb gebeugtem Rücken nnd ansgcbreiteten Händen über Jerusalem wehklagt. Aus dem Sockel befindet sich in hebräischer Sprache und Schrift der erste Vers der Klagelieder des Jeremias. In Argentinien ist es offenbar nach der Abreise G o l d s m i d s nicht besser, sondern noch schlechter geworden. Im. „Argentlschen Tagblatt" vom 29. Juli d.J. lesen wir unter Anderem folgendes: . In den letzten Tagen wurde die Ausmerksamkcit des Publikums, aus Zusammenrottnngen von Kolonisten des Baron Hirsch, die vor dem Bureau der Jewiih Colonisation Association in. der Calle «an Martin stattfande», gelenkt, unisomehr, als dabei Verhaftungen vorgenonnnen wurden Der Unparteeische nmß sich fragen': Welches ist der Grund dieser Unruhen? - Die Hanptnrsache der Bewegungen in den verschiedenen Kolonien mag durch den häufige» Wechsel' der Directiou und durch die Bevorzugung der verschiedenen Herren Direktoren, ihren Landsleuten .gegenüber, bei Vergebung der Beamienstellen zu suchen sein, denn so halte Herr Löwenthal seine Rumänen, Herr Roth seine Ungarn, Herr Goldsmith seine Engländer und Irländer und der.jetzige C oga» seine Russen. Spanisch önnen die nicht nnd vom Ackerbau »erste hen sie'nichts. Wie können die ackerbautreibenden jüdischen Kolonisten von solchen - „Pionnieren" des Ackerbaus als Ackerbauer herangebildet werde»?