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Selbst-Emancipation · 1893-09-01 · Heft 13 (1.9.1893) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 13 (1.9.1893)
Date
1893-09-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 §ewst-Gmancipation. Nr. 13 Wirthschaft ausgesetzt, im schmutzigen Pfuhle des Nowdythums und der Zuhälterei versinken. Und die übrigen? Die bankerotten Kauflentc, vazirenden Arbeiter, stellungslose» Studenten, die ganze Masse der Entrechteten, haben zweifelsohne ein absolutes Recht auf Existenz; wenn dieselbe untergraben wird, werden sic dem Verbrechen in die Arme getrieben. Der Strafanstaltsdirector Krohiie, gewiß eine competente Persönlichkeit, erklärte in einem Vortrag: „Die Verbrechen haben ihre weitesten Ursachen in einer momentanen oder dauernden materiellen Noth".*) Nicht nur unsere wirthschaftliche Stellung, sondern unsere sittliche Verfassung ist in Gefahr. Israeliten! Sowohl Ihr, die Ihr gläubigin den Synagogen zum Gotte Israels betet, wie auch Ihr, die Ihr jede Fessel einer positiven Religion längst abgestreift habt, gehet in Euch und antwortet mir ehrlich: „Schaudert's Euch nicht ob Eurer Zukunft, ob der Zukunft Eurer Kinder? Glaubt Ihr denn noch immer an die alten abgenützten Fortschrittsphrasen? Ihr sehet keinen Ausweg aus der Noty? Oh, so leiht mir doch Euer lauschendes Ohr, damit ich Euch das Z au ber wort „Zi o n" zu rau uc. Wenn „Zion" in Euren Herzen Wiederhall findet, dann seid Ihr gerettet! Lemberg. David' M ä 1 z. Original CorrespondenM. Inland. Wien, den 29. August 1893. Die Statuten des jüdischen Vereines „ Morg en röthe" sind von der Behörde genehmigt worden. Der Verein wird noch im Laufe dieses Monats seine Thätigkeit beginnen. Wir iverdc» in nächster Nummer Genaueres über sein Programm berichten. Wien, den 30. August 1893. Die Vorbereitungen zu dem am 4. u. 5., eventuell auch am 6. September stattfindendcn Delegirtentrage des „Zion", . „Verbandes der österreichischen Vereine für Colonisation Palästinas und Syriens" sind getroffen. Die Verhandlungen werden im Locale des Wiener Einzelvereines. IX., Müllncrgaffc 13. stattfindcn und am 4. um 11 Uhr Vormittags beginnen. Der Einzclvcrein Wien hat bekanntlich schon längst Herrn Dr. M. Schuircr delegirt. Der Einzclvcrein Rzeszow dclegirte Herrn Marcus Ehrenpreis ans Lemberg. Der Einzclverein Horazdowitz dclegirte Herrn Dr. Nathan Birnbaum; da dieser jedoch die Annahme des Mandates wohl aus Zeitmangel wird ablehcn müssen, wird der geiiannteEinzclvcrcm neuerlich cii'en Delegirten »ominircn müsse». Ebenso werde» die Eiiizelvcreiiic Lemberg. Tarnow, Krakau .ihre. Nomination erst knapp vor der Delegirtcnvcrsammlung vornehmen; spcciell in letzterer Stadt wird die Nomination morgen in der ersten ordentlichen Generalversammlung stattfinden. Zur Dclcgirtcuvcrsammlung sind auch einige hervorragende Gesinnungsgenossen aus Deutschland als Gäste eingcladen. welche wahrscheinlich kommen werden. Es sei auch noch darauf aufmerksam gemacht, daß es nach dem Verbandsstatutc den Mitgliedern aller Eiuzelvercinc freistcht, den Verhandlungen als Zuhörer bcizuwohncn. Lemberg, 24. August 189:-!. Au ciuciu mcuier letzten Berichte erwähnte ich, das; bei uiis in Galizien die Satz frage trotz der „Regulirnng" bald v'cl Staub aafwirbetn werde. Diese Loraussetzniig hat sich nun erfüllt. Bekanntlich wurde der Satzvcrschleiß von dem Landcsausschnsse gepachtet und unter die Notabeln Galiziens — cs erhielten nämlich neben den Herm Grasen auch andere Schlachzizen den Verschleiß — vertheilt. Die Folgen dieser w-iscn „Refvriit" lassen sich *) Fr. Baer, Die Trunksucht. — Wien und Leipzig ,1890. bereits sühlcn. Fast bei allen hiesigen Blättern laufen Provinzberichte thcils über Mißwitthschaft bcinr Berkansc, thcils über plötzliche Vcr thcucrung des L-alzes ein. Ferner wird gemeldet, daß auch jetzt noch die Juden das Salz in besserer Qualität und billiger verkaufen Das erklärt sich daher, daß die Inden den nicht verpachteten Nest direct aus den Salinen beziehen, und a l l c i n, d. h. ohne vcrnlittctnde Factoren und Factvta den Konsumenten zustellcn. Die Berichterstatter können aber nicht genug über die Juden zeitcrn, als wenn diese an der Thcnernng Schuld trugen, und nicht der Landcsausjchnß, in welchem cs nicht einmal einen jüdischen Diener gibt. Einen weiteren Beweis, wie sehr Galizien „vom Antisemitismus frei" ist, liefert die Arbcitsvcrth'eilung beiden Vorarbeiten der im künsligcn Jahre stattfindcndcil Landesausstellung. Gegenüber den wiederholten Bemühnngcn des hiesige» Advocatcu und.Geincindcrachcs Dr. W. Holzer, daß z» den Borarbeitcn auch jüdische Arbeiter verwendet werden, halten der Stadt-Präsident-und dessen Stellvertreter immer nur die Antwort, sie könnten nicht mit den technischen Leitern der Vorarbeiten, welche durchaus keine Inden, haben wollen, zanken. , Die hiesigen TageSblälter bcschäjtigcn sich säst ausschließlich an . leitender Stelle mit den Zionisten. T. Merunowiez hat in der „Gazcta narodowa" bis jetzt 4 Artikel geschrieben, in welchen er. unsere Bewegung ausführlich schildert. Selbstverständlich sind viele seiner Daten falsch, und vieles, >vaS er als zionistischen Grundsatz ausgibt, nichts weniger als das. Ob diese. Unrichtigkeiten bewußte oder unbewußte sind, lassen wir dahingestellt. Ilm kleine Proben seiner diesbezüglichen Leistungen zu geben, crivähnen >vir zunächst, daß er für cincn der Schöpfer unserer Bewegung den gewesenen Mitrcdacteur der „Neuen Freien Presse" und Verfasser der Sch-.iftcn „Presse und Judenthum" und „Sollen die Inden Ehr,stcn werden?", Hei-rn Dr.. Singer in Paris, also eine den Zionisten höchst unsympathische Persönlichkeit ansicht. Anderseits sicht er in uns nur Vertreter der internationalen Socialdcmokratie, weshalb er uns auch „jüdische Nadicalc" nennt. Diese hicmit genügend gckeiinzcichncten Artikel druckte der hiesige „Przcglad" säst vollständig ab. Ebenso beschäftigen sich >ctzt die rnthenischcn Tagesblätlcr mit uns.' „Halhczanin" verhöhnt die Polen und gibt den Inden Recht, daß sic sich als dritte Nation im Lande proclamircn. „Dilo" bespricht die Reise unserer Dclcgicrlcn, der Hcl-rcn M a l z und E h r e n preis nach Boryslaiv, wo ein zionistischer Verein gegründet wurde, saßt aber anch unsere Sache ganz falsch auf. llntcr den' 6c' den lctzlcn Slnsschnßsitzungen des hiesigen Vereines „Zion" gefaßten Beschlüssen sind besonders drei hervorzuhrbcn: I. Der Beschluß, dem Chefredakteurder Budapcstcr „Allgemeinen jüdischen Zeitung", HerrnM. Dornbusch den Dank auszüjprcchen »tid ihn zum Ausharrcil ans dein betretenen Pfade, naincntlich Griindiing eines zionistischen Vereines in Ungar», zu ermuntern; 2. der Beschluß,,am Jom ilippnr in allen Synagogen Büchsen sür die Colonisation Palästinas anszilstctlcn; 3. der Beschluß, alle' österreichischen Zionsvereine anszusordern, daß jeder derselben sein Schcrslcin für das demnächst zu gründende hebräische Gymnasinm in Jaffa beitrage. Samstag, den 26. d. M. sindct im Locale des „Zion" eine Besprechung ivegcn Herausgabe einer Jargonzcitnng statt. Diese Zeitung ivird wahrscheinlich mit Beginn des nächsten Monates erscheinen, also ein Jahr nach dem ersten Erscheinen des polnischen Parteiorganes. - . . - ' I. K. Tarnow, 21. August 1893 Es ist mir angenehme Pslichtersüllung, Ihnen über eine Reihe von Manifestationen berichten zu können, die, hervorgeruscn durch unsere hiesigen'Gesinnungsgenossen aus Anlaß zweier Vorträge, welche linier bewährter Kämpfer, Herr M. Ehrenpreis aus Lemberg für hier sowohl als für das benachbarte Rzeszow angckündigt hat, in -diesen beiden Städten letzthin stattgesnnden haben, und für die intensioc Verbreitung,' die der Zionisinns bei uns gewonnen, beredtes Zeugnis; abgäben. Der erste dieser Borträge, veranstaltet vom hiesigen Einzelnerem des Verbandes „Zion", hat Samstag den 19. d. M. in der großen sog. Debora Meiikes-Syuagogestattgcfundcii. Eine Versammlung, so zahlreich, wie sie vielleicht in Tarn.w noch niemals einem jüdischen Vortrag lauschte, hatte sich zu derselben eingefunden; das geräumige Bethaus ward von einem tausendköpsigen, aus Fortschrittlern und Chaßidim, Männern und Frauen, IlniversitätShörern und Bachurim bunt zusammengesetzten Auditorium bis ans das letzte Plätzchen dicht gefüllt, und noch immec. gab cs Hunderte, die da draußen die Eingangsthüren belagernd vergebens Einlaß begehrten. Lautlos, gespannt folgte die Versammlung dem geistreichen Vorträge des Redners, der ra vor - ihr ein Bild des geiammten Zionismus eiltrollte, dessen Geschichte, wie auch Wesen und Bedeutung, von seiner geschichtlichen, religiösen, nationalen und ökonomischen Seite schilderte und in begeisternden Worten die Anwesenden auss orderte, sich unter dem Motto: Lol Israel chaverim ohne Unterschied der religiösen Schatiii ungcn der zionistische» Bewegung anzuschlicßcn. Die Begeisterung, die diese in deutscher Sprache gehaltene Rede hcrvon'icf, erreichte ihren Höhepunkt, als der Vortragende dieselbe mit einer feurigen hebräischen Ansprache schloß und in den classischen Lauten unserer Propheten nochmals die Anwesenden axo-. strophirte. Dies rief einen ungeheueren Eindruck hervor und Jung und Alt drängte sich dann an den Redner heran, um ihn zu seinem Ersolge

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