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Selbst-Emancipation · 1893-08-15 · Heft 12 (15.8.1893) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 12 (15.8.1893)
Date
1893-08-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 12 Sewst-Emancipatiorr. Dringende Kitte! Einer, plötzlich eiiigeirctenen Nothlage wegen müssen wir unsere mitfühlenden, edlen Brüder um schleunige Hilfe bitten! Seit Juni grassirt hier die Influenza, fordert leider viele Opfer und ist der Andrang in unser Hospital „Schaar Zion“ ein erschreckend großer. Wir sind nicht im Stande, uns selbst den Credit zu verschaffen, um nur den vierten Thcil der Ausgaben zu bestreiten. Wir müßten, ohne unsere Schuld, kranke Greise, Mütter, Familienernährer und kranke Waisen fortschicken, so wehe uns auch der Anblick dieser kummervollen Menschen, dieser ringenden Hände, und dieser thränenden Augen thäte! Unser Hospital ist bei ruhig gesunder Zeit kaum im Staude, den regulären Ansprüchen zu genügen, nun ist leider Außergewöhnliches eingetreten und wir müssen um Ncttuiig von vielen Menschenleben bitten; einerseits sind diese von der Epidemie zu retten, andererseits aus dein ihnen winkenden Missionskraukcnhaus. Brüder! Schwestern! Jeder Zeitverlust birgt Gefahr. Helfet uns im Namen Gottes! Wir bitten tun gütige Spenden an Adresse: Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner N . H . H a l e v h (für Hospital) in Jaffa, Palästina. DcrVorstand desSchaarZionHospitals inJaffa,Palästi>ta: CH. Schmerling. B. Lopin. N. Cohen. S. Nocach. M. Pines. I. Asseskowitsch. Aus anderen Ländern. Original-Correfpondenzen. Wien, den 10. August 1893. Georg Schönerer soll sich bereits vorbereiten, wieder in das öffentliche Leben, tvelches ihm ab Dccember d. I. wieder offen stehen tvird, einzutreten. Es heißt, daß der Schönerianer H a u ck sein Reichsrathsmandat vom vierten Wiener Gemeindebezirk zu Gunsten Schönerers niederlegen und nur sein Landtagsmandat behalten wird. Die Wiederwahl Schönerer's ist natürlich für diesen Fall gesichert und würde bei der persönlichen Bedeutung dieses Mannes ganz bestimntt eine Verdrängung des christlich-socialen durch den deutsch-nationalen Antisemitismus bedeuten. Rzeszow den 8. August 1893. Der in unserer Stadt nach zweijährigem Winterschlafc wieder erwachte Verein „Choveve Zion" hat seine Statuten in dem Sinne geändert, daß er sich dem Verbände „Zion" in Wien, als dessen Einzelverein anschloß und die geänderten Statuten der Behörde bereits borgelegt hat. Behufs Erreichung der weiteren von diesem Vereine augestrebten Zwecke, nämlich: „Hebung des jüdischen Nationalbewusstseins, Pflege der hebräischen Sprache und Literatur, sowie der nationalen Geschichte", wurde eine Lesehalle für die Vereinsmitglieder errichtet, welche am 5. d. M. in Antvesenheit zahlreicher Bcreinsmitglieder eröffnet wurde. Die Eröffilnngsrede hielt der Vereins-Präses Herr S. Ka mmcrling, in welcher er der abgelaufcnen Zeit der Afsimilationsbcstrebungen die gegenwärtige Zeit der sich immer weiter bahnbrechenden zionistischen Strömungen entgegenstelltc und die für das Judenthnm nachtheiligcn Folgen der elfteren, dagegen die heilbringenden und berechtigten Erwartungen der letzteren in begeisterten von allen Anivcsendcn mit größtem Beifall aufgcnommcnen Worten beleuchtete. Nach ihm sprach Herr M. D. Geschwind, Sccretär der hiesigen israelitischen Cultusgcmeinde, der mit warmen Worten für die zionistische Idee eintrat. Hierauf hielt Herr A. B l a s e r, stncl. für. eine Vorlesung über „die gegen die Inden gemachten Vorwürfe auf dem Gebiete der Ethik und Religion", welche sehr beifällig ausgenommen wurde. Sodann wandte sich Herr Drei.- jur. Edmund Holzer, Viceprüscs des Vereines in sehr begeisterten Worten an die zahlreich versammelte Jugend, dankte derselben für ihr zahlreiches Erscheinen zur heutigen Eröffnungsfeier und ersuchte, der Fahne des Zionismus immer treu zu bleiben. Znm Schluffe sprach Herr stncl. zur. Philipp N en f e l d den älteren Vereinsmitgliedern den Dank für deren eifriges Bemühen im Interesse des Vereines ans, und ersuchte dieselben, der Jugend mit ihrem Rath bcizustchcn, damit diese ün Stande sei, einen größeren Theil der mit der Vereinslcitung verbundenen Arbeiten auf sich zu nehmen, um den Aeltercn die Mühe zu erleichtern. Hiemit schloß die Eröffnungsfeier, worauf die Anwesenden zum Lesen der im Vcreinslocalc in hebräischer, polnischer und deutscher Sprache anfliegenden Zeitungen sich auschicklcu. S. Schaufel. Notizen. In Nugaru bcrsncht cs neuestens die Budapester „Allgemeine Indische Zeitung", deren Chcfredactcnr Herr Al. Dornbusch ist, dem Zionismus Eingang zu verschaffen Herr Dornbusch verdient wegen seines unerschrockenen Ausretens den Dank aller Gesinnungsgenossen. Wegen acht Gulden. Vor circa 6 Wochen weilte ein den Wiener Zionisten bestens empfohlener junger Manu ans dem Kaukasus in Wien. Derselbe, namens W, Ent in ist Goldschmied, arbeitete einige Jahre in Deutschland und hat sich entschlossen, da sich nun Verwandte von ihm in Palästina befinden, die daselbst dem Ackerbkine obliegen und seine aus dem Kaukasus vertriebeneti Eltern dahin zu gehen beabsichtigen, ebenfalls das heilige Land aufznsuchen und Bauer zu tvcrden. Seine Reise gestaltete sich folgendermaßen: In Berlin, ivo er den Entschluß faßte, verschafften die dortigen Gesinnuiigsgenoiicii die Mittel für die Reise nach Wien. Hier brachten die Zionisten mit Hilfe derjenigen in Tarnow bis auf 8 fl. Alles' auf, was nöthig war, um von Wien nach Triest und vvn dort nach Jaffa zu kommen. Diese acht Gulden konnte sich Herr E n t i n in der Hafenstadt Triest nicht verschaffen und war es namentlich der dortige Obcrrabbiner, Herr Dr. Mell i, welcher ihm jede Hilfeleistung abschlug. *) So mußte Herr Eutiu wegen mangelnder acht Gulden das Schiff nach Jaffa abgehcn sehen. Er selbst tvandte sich nach Italien, um daselbst eventuell Arbeit in seiner Profession zu bekommen und sich so Brindisi zu nähern, von wo ans er sich nach Palästina cinschiffen wollte. Aber, die Sprache des Landes, in welchem übrigens die schlechtesten wirtschaftlichen Verhältnisse herrschen, nicht kennend, konnte er keine Arbeit erhalten. Unter den nnglaublichstcu Entbehrungen kam er nach Neapel. Die Summe, welche er von Wien ans mitgellvmmcn hatte, war aufgezehrt. Ohne Geld stand er in einem wildfremden Lande da. Er begann zu hungern und wurde krank. Da kam die Hilfe in Gestalt einer kleinen Geldsendung seiner in Palästina lebenden Verwandten, welche ihm schriebeii, daß sie leider nicht mehr schicken könnten und das Gesandte ihnen auch sehr schwer anküme. Herr Eutin konnte nun nach Brindisi fahren. Aber nun stehtcr wicdermittcllos da und läuft Gefahr, neuerlich in die fürchterlichste Nothlage zu verfallen. *) Die Unterstützung i» Wien geschah auf private»! Wege, da der Wüiicr Einzclvercin „Zion" statulengcuiäst keine Unterstützungen gewähren kann. Auf Grund früherer Ersnhiuugcn halten auch die Wiener Zionisten Aussicht, dast Rebbimr Mclli den Ilcinen Betrag dem jungen M aunc verschossen werde.

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