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Selbst-Emancipation · 1893-08-15 · Heft 12 (15.8.1893) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 12 (15.8.1893)
Date
1893-08-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Sewst-Hmancipation. Seite 5. fische Jünglinge zur Verfügung stehen — zu erwirken; zweitens : Für die Colonisation aus Europa auswanderndcr Juden die Anfmerksanlkeit der Zioicsfreunde auf denjenigen Theil Egyptens und auf die jetzt unter englischer Verwaltung stehende Insel Cypern, welche beide einstmals jüdisches Gebiet waren, zu lenken. Was das erste Project betrifft, so kann es natürlich ohne die werkthätigste Unterstützung der Stammesgenopen außerhalb Palästinas nicht durchgeführt werden. Es muß eine größere Summe hiefür znsammengebracht und gespendet oder auch nur dargeliehen werden. Auch der zweite Plan erfordert die Mithilfe aller Staiiliiresgenosseik, namentlich auch der egyptischen, unter welchen der Chacham Eliahu Bnchar Chasan großen Einfluß besitzt und daher Vieles thun konnte. Mit Bedauern sah ich gelegentlich meiner Anwesenheit in Alexandrien, wie die dortige jüdische Gemeinde sich bemühte 100 Emigranten nach Marseille zu schicken. Wäre es nicht brüderlicher, sie in ihrer Nähe anzusiedeln. Natürlich müßte der Verein „Nemanej crez" in Verbindung mit den Zionisten aller Länder stehen und zu diesem Zwecke, und um die Interessen der palästinensischen Juden vor der hohen Regierung wahren zu können, ein ivohlcingerichtetes Bureau besitzen. Doch, wozu in's Detail gehen? Damit aus der gesunden Idee welche dem Vereine „Nemanej erez‘! zu Grunde liegt, etwas werde, müssen sich die außerpalästinensischen Zionisten des jungen und ivichtigen Vereins annehmen! Ich will hoffen, daß dies geschehen wird. Nachbemerkung der Redaction. Wir können nicht umhin, auch unsererseits den Verein „Nemanej erez- und sein Programm der größten Aufmerksamkeit unserer Gesinnungsgenossen zu empfehlen. Dieses Programm stiiumt mit den Anschauungen des gereiften Zionismus überein, wonach die Palästina-Colonisation nicht dem augenblicklichen Hilfsbedürfniß dienen darf, sondern der ewigen Volkssache gewidmet sein muß. Von diesem Standpunkte aus erscheint die Umwandlung dcS palästinensischen Chalnka-Proletariats in ei,len tüchtigen Bauernstand noch weit wichtiger, als die Zuführung auswärtigen Colouisationsmaterials, welche freilich auch uicht ganz unterbrochen werden darf. Ebenso gibt cs wohl keinen geeigneteren Weg, um momentaner Hilfsnothwendigkeit und zionistischem Interesse gleichmäßig nachzukommen, als jüdische Auswanderer aus Europa auf Palästina benachbartem Gebiete nntcrzubringcn. Die Zukunft der Seideuzucht iu Palästina. Bon Agronom M. Meierowitz. *) Es ist ein Haupterforderuiß richtiger Organisation der Cvlonisation, in einem wirtschaftlichen Organismus verschiedene Beschäftigungsarten zu einem harmonischen Ganzen zu vereinigen. Besonders gilt dies für kleine und mittlere Wirthschaften. Ein natürliches Ereignis; kann die Früchte des einen Gebietes vernichten; so bleiben wenigstens die der übrigen Gebiete unversehrt. Der Sturm z. B., .welcher den blühenden Mandelbäumen schadet, thut den Weinstöcken nichts, deren Blüthezeit um Vieles später ist. Diese Erwägung mar es, welche mich vor vier Jahren veranlaßte, den ersten ° Versuch mit der Seidenzucht zu machen, die eine glänzende Zukunft in Palästina hat. Ich habe der löbl. Administration der Colonie Rischon l'Zion folgenden Bericht über diesen Versuch erstattet: Nachdem sich die Colonie speciell dem Weinbau gc- *) Aus dem lnndwirthschaftlichcn Organ „der Colonist" überi setzt. Siehe,Recensionen und Inserate, \ Widmet hat, ist es Pflicht des^ Vorstandes, für alle Fälle vorznsorgen. Die Colonisten mügen eine zweite Beschäftigung haben, welche ein Nebenerträgniß abzioverfen im Stande ist. Als solche könnte die Seidenzucht dienen, welche sogar mit der Zeit für einige neue Colonien der Haupterwcrb werden könnte. Die Seideuzucht ist allgemein als sehr einträgliche Arbeit bekannt. Millionen Menschen obliegen ihr in China, Japan, Indien, von europäischen Ländern in Frankreich, Italien, Spanien, Türkei u. s. w. Das Ertragniß der Seideuzucht in diesen Ländern gibt die Statistik mit 1200 Millionen Francs an. In Frankreich allein beschäftigten sich 110,860 Menschen mit Seideuzucht; dieselben haben 8,836.249 Kilo Cocons im Werthe von 44 Millionen Francs aufgearbeitet. Da nun unser Klima dem der Länder, in welchen die Seidcnzncht eine große Rolle spielt, sehr ähnlich ist und die Maulbeerbäume, welche den Seidneraupen die Hauptnahrung geben, bei uns sehr gut gedeihen, entschloß ich mich, einen genaueren Besuch zu machen. Der erste Versuch hat, wiewohl ich nicht alle erforderlichen Behelfe hatte, ein sehr schönes Resultat. Damals besuchten mich die Herren Scheid und Hermen s, um meine Arbeitseinrichtung Zusehen und ließen mich eine Reise nach Beirut und dem Libanon machen, damit ich die dortige Seideuzucht kennen lerne. Am 18. Mai kam ich in Beirut an und dank der Hilfe des hochgeehrten Herrn Frank wurde es mir möglich, alle Anstalten für Seidenzucht zu besichtigen: Im Handelsverkehr, den Beirut mit der ganzen Wel unterhält, nimmt die Seide einen der vornehmsten Plätze ein. Hunderte Dörfer beschäftigten sich blos mit Seidenzucht, tausende Ballen fertiger Seide werden nach Europa expedirt. Jährlich werden bis 21/, Millionen Kilogramm Cocons im Werthe von 10 Millionen Francs gewonnen. Dabei ist die Art der Gewinnung sehr primitiv, so daß bei europäischer Prvductionsweise sicher noch weit größere Restrltatc zu erzielen wären. Dies einsehend, beginnen die Italiener und Franzosen schon wie in ihrer Heimat große steinerne Gebäude für die Seidcnraripenzucht zu errichten. . . Diese großen Anstalten enthalten auch Spinnereien, in welchen die Seide der eigenen Cocons und derjenigen, welche von den kleinen Anstalten, den Fellachen u. s. w. gebracht wurden, ausgesponnen werden. Auch ich brachte meine Cocons mit, welche, wie die Beiruter Fachmänner erklären, iu nichts den Beiruter Cocons nachstchen, und arrch für Palästina eine gesicherte und fortschreitende Seidenindustrie versprechen. Nach diesem Urtheile und, da ich mich selbst überzeugte, daß unsere Cocons eben so gut als die Beiruter sind, unsere ausgesponnene Seide der dortigen gleicht, und die syrischen Maulbeerbäume nicht stärker sind, als die unserer Colonien, — bin ich vollständig sicher, daß die Seidenzucln mit der Zeit in Palästina von großer Bedeutung sein wird, besonders wenn wir die Bedingungen unseres Klima-? genauer studiren werden. Schließlich muß ich noch bemerken, daß die Scidenznchl, als Nebenbeschäftigung für unsere Colonisten noch folgende Vortheile hat: 1.) Daß sie nur zwei Monate im Jahre in Anspruch nimmt; 2.) daß sie keine besonderen Körperkräste verlangt, so daß sie auch von Frauen und Kindern, sogar im Alter von sieben, acht Jahre» geleistet werden kann: 3.) daß sie einstweilen keine großen Spesen erfordert, wie der Weinban.

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