Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 12 (15.8.1893)
- Date
- 1893-08-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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- Lod 1× ep/1045074
- Odesa 1× ep/1000834
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Nr. 12 Kewst-Gmancipalion. Seite 3 Gebäude für die dort befindliche hebräische Volksschule, die vom Vereine jährlich mit 4500 frcs. unterstützt wird, mit dem Namen des Dr. L. Pinskcr zu errichten. Der Punkt „Statutenänderung" wurde mangels Anwesenheit der erforderlichen Mitglicderzahl — es müssen zu diesein Zwecke nicht weniger als % sämmtlicher über ganz Rußland zerstreuter Mitglieder anwesend sein — bis zur nächsten Plenarversammlung, die bei jeder Aiitglicderzahl beschlußfähig ist. aufgcschoben. Das Resultat der vorgenommencn Wahlen war folgendes : Comitemitglieder die Herren 3t. Grinbcrg, Dr. Margulies, E. Fis chcro witsch, S. Pu ritz und S. Barbasch; Ersatzmänner die Herren Ginsberg, Lnbarski, Rabinowitsch u. Lliscnstadt; Cassarevisorcn die Herren: G. W ein st e i n, Dr. M i ch e ls o n, Dr. Pitkis, Dr. Himmelfarb.! Llußer der ordentlichen Plenarversammlung hatten die Delegirten der verschiedenen Städte während ihres Aufeuthaltes in Odessa mehrere private Zusammenkünfte miteinander und mit den Comitemitglicdcrn. Diese Zusamincnkünftc trugen den freundschaftlichsten Charakter. Die Herren, welche einander zum ersten Male sahen, scheinen einander schon lange lange Zeit bis aus den Grund der Seele zu kennen, denn „Palästina" war die Seele 3lller, der Gedanke, der einander ganz unbekannte Leute schon beim ersten Zusammentreffen für immer verbrüoertc. Jeder neu hinznkommcnde Delegirte brachte neue Begeisterung, neue verstärkte Hoffnung, neuen Muth. Die Herren, welche Palästina persönlich besucht hatten, boten das meiste Interesse für die übrigen, denn vieles wußten sie aus eigener 3lnschauung zu erzählen und zu schildern, was die Sehnsucht nach der schonen heiligen Heimath noch hundertfach verstärkte. 3lm meisten gruppirten sich die Delegirten um den Herrn Ingenieur Ussischkin ans Jekatcrinoslaw, dem hübschen lebensftohcn jungen Mann mit seiner sanften und doch hinreißenden Sprache, der sich in dem Colonisationstverk so genau auskennt und seine Reise nach Palästina ausgezeichnet zu verwertheil weiß. Unvergeßlich wird uns auch Herr Maidaus ky bleiben, der schöne Greis mit der schönen Seele und der glühenden Begeisterung für unser großes Ziel, um die ihm so mancher Jüngling des fxn de siede neidisch sein könnte. Die Seele des alten und nengewähltcn Comites bleibt immer der rastlos schaffende Rechtsanwalt Dr. Margulies, der mit bcwnnderuswcrther Umsicht den Verein vor jedem seiner Existenz drohendem Unfälle sorgfältig schützt. Der zum Präsidenten einstimmig gewählte Herr 3l. Grinberg ist durch seinen wohlthätigen Sinn, durch seine Ergebenheit dem Jndcnthume gegenüber in ganz Südrußland genügend bekannt. 3luch von sämmtlichen anderen in's Cvmite gewühlten Herren wird Vieles für das Gedeihen des Vereines erhofft. Glück aus! tapfere Kämpfer für die Erlösung Eurer unterdrückten Brüder! K. Aus 'MnlMinn. Original-Berichte. Jaffa. (Ssiwan Bericht*). Wir erfahren aus sicherer Quelle, daß die Alliance Israelite Universelle die neue Jasfaer hebräische Volksschule mit Wohlwollen betrachtet und bereit ist, den Gründern zu helfen, sie in ein Gymnasium umzugestalten, wofür sie 50.000 Francs geben will, wenn die Zionssreunde ebensoviel geben. Der Ban der Glasfabrik Tantura ist beendet. Dieselbe ist ein schönes Gebäude von 30 Meter Länge und 20 Meter Breite und trägt zwei Ranchfänge. Zn beiden Seiten befinden sich zwei Steinhäuser, eines für die Leitung, das andere für die 3lrbeiter. Der Leiter dieser Fabrik ist Herr Diesenhof, welcher nach verläßlichen Berichten um das Wohl der 3lrbeiter sehr besorgt ist. So gründete er im Orte eine kleine Bibliothek, welche Abends von den Arbeitern besucht wird. Die Colonie hat auch einen Lehrer und einen Schochet. Herr Diesenhof hat auch eine schätzenswerthe Neuerung getroffen, indem er ein Lastschiff (arab. MerchablO kaufte — so daß man nicht mehr von den Arabern solche zu miethen braucht — und sich bemüht, jüdische Schiffer anszubilden. In Pethach-Thikivah hat ein Colonist 20 Paradiesüpfelbäume (Ethrogbäume) gepflanzt. In der Ackerbauschule Mikweh Israel werden sieben Weinforten producirt, deren Preis zwischen 36 und 50 Frcs. per Hektoliter variirt. Im diesem Jahre pflanzte man ans dem Boden der Schule 5500 Nicht-Frnchtbäume auf 3 Hektar, 10.000 Weinstöcke auf 4 Hektar, 1000 Mandelbänme. 600 Orangenbäume, 500 Maulbeerbäume auf je 1 Hektar. Es sind 20 Schüler hinzugekommen, die Gesammtzahl beträgt 98. In Jerusalem wurden einige „Mazdeke" (Grundkänfe. welche n r beu Verläufer, nicht aber die Regierung verpflichten) ans den Namen von Juden, welche Unierthanen anderer Staaten sind, abgeschlossen, und es besteht kein Zweifel, daß sie die Bestätigung der Regierung erhalten und dieselben die „Knschann" (Kaufbriefe) ansstellen wird. In Jaffa befinden sich bei 50 Seifensiedereien; in den Bezirken Jaffa, Lydda und Sichem zusammen bei 500. Die reicheren Seifensieder exportiren auch die Waare nach denr Auslande. Am 35. d. Al. kamen 25 jüdische Familien in Jaffa an. Die aus dem Westen kommenden ließ inan landen, die bucharischen, weil aus Rußland, mußten zurückkehren. Wie das Hebräische iit den Colonien immer mehr zur Umgangssprache wird, beweist die Thatsache, daß in Rischon l'Zivn eine junge Frau die hebräische Sprache nur durch die Praxis gelernt hat, so daß sie hebräische Briefe mit deutschen Schriftzeichen schreibt. Der Bali von Beirut besuchte die Colonien Rvsch Pinah und Sichron Jacob und wurde von den Colonisten mit großen Ehren empfangen. Der Leiter der Weinerzeugung in der würtembergischen Colonie Sarona erzählte, das die Leitung der Colonie in diesem Jahre den Bauern nur 20 Frcs. für den Kantar Trauben bezahle, während sie früher zirka 35 Francs gezahlt habe. Der Grund sei die Concurrenz der jüdischen Colonien. In Rechobhoth pflanzte man 108.000 Weinstöcke und 4000 Mandelbänme. In Rösch Pina befinden sich gegenwärtig 2.000,000Weinstöcke, 71,000 Maulbeerbäume, 160 Oelbäume, 150 Ethrogbäume und 400 Mandelbänme. In Ekron pflanzte die Verwaltung in diesem Jahr 3000 Maulbeerbäume, 600 Mandelbänme und 400 Orangenbäume. In Wadi Chanin befinden sich gegenwärtig 150,000 Weinstöcke 2000 Orangen und 3000 Mandelbänme. BethHalevy. Jaffa (Thamus-Bericht).*) Einige Consulen verweigern die Herausgabe von Bestätigungen an Juden ihrer resp. Staaten, womit bescheinigt werden soll/ daß dieselben schon 5 Jahre in Palästina wohnen. Die Consulen begründen ihre Weigerung damit, daß die türkische Negierung nicht berechtigt sei, fremden Unierthanen den Bodenkauf zu erschweren. *) Das Original ist hebräisch. *) Das Orgiual ist hebräisch.