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Selbst-Emancipation · 1893-08-01 · Heft 11 (1.8.1893) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 11 (1.8.1893)
Date
1893-08-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Sewst-Gmancipation. Nr. 11 und Von der liefen Ehrfurcht der jüdische,I Jugend gegenüber den Alten spreche», — aus diesen Dinge» hat sich der Verfasser seinen Patriarchalismus zusammeiigezimmert. Er macht aus diese» allerdings beglückende» Eigenschaften eine wunderbare Waffe geaen den Fortschritt. Aus dem Rcspccte vor dem Alter schmiedet er ein Schloß, das der ganze» judäischen Jugend an dcnMnnd gelegt wird, indem er ihr den Änthcil an der Entscheidung in öffentlichen Dingen nimmt. Und er hat die Kühnheit, diese ausschließliche Herrschaft der Greise als das jüdische Ideal hinzustcllcu. Die eigene Vernunft könnte ihm sagen, daß der Staat ebenso wie die Erfahrung der Greise und Männer auch die Elasticitä', die Initiative und die Begeisterung der Jugend bei seinen Beschlüssen - braucht. In Hiob aber konnte er lesen : „Nicht bei den Alten lallein) ist die Weisheit und nicht bei den Greisen (allein) die Einsicht, nur der Geist (machl's' ans, der) im Menschen ist." Freilich, Hiob wird dem Autor von „Das Reich Judäa" selbst zuviel Revolutionär sein, als daß er ihn als Autorität acceplire. Natürlich können, wir gegen seine Behandlung des chelichrn Verhältnisses nicht einmal diese Äutoriät ins Treffen sührcn, da ja vor drei Jahrtausenden die 10ir 1 f)fd)aft:iri)eit Verhältnisse noch keine Fraucnfragc geschaffen hatten und sich niemand veranlaßt sah, darüber eine Meinung zn sagen. Wir können daher n'chts anders thunals darauf Hinweisen, daß in der Ausnützung auch der ehelichen Institution für den Patriarchalismns O sterb erg Vcrako ff seine' Argumente aus der Rüstkammer der europäische» Rückschrittler aller EonlenrS genommen und kein wie immer gern tctctcs Recht hat, sich dicsbczügl ch aus jüdische Anschaunng zu benifeu. Er behandelt die Frage der Frauencmancipatio», viel zu oberflächlich und viel zn wenig unter dem Gesichtspunkte der VolkSwirihschaft. Dieser Gesichtspunkt ist aber ausschlaggebend für Volksmoral und Volksgliick. Wäre die wirthschastliwe Lage nicht eine so triste geworden, wie sie heute ist, so würde auch die Familie noch ihren glückspendendcn Eharakter erhalten haben. Die Familie ist nur unter de» Ruthcnstrcichcn des Elends zu der Hölle geworden, ans welcher eine europäische Generation, welche sie als Paradies nicht gekannt hat, den Rettungswcg der „Freien Liebe" sucht; und nur unter neuen socialen iind ökonomischen Verhältnissen, welche sich, wenn nirgends in der Welt, so sicher in einem jüdischen Staat durchringcn müßten, könnte die Familie, wol in mvdisicincr Gestalt wieder zum Segen werden. In Europa ist wohl Beides, Ursache und Wirkung, nicht sobald zu erwarten. DaS iviffcn mir auch und darum käinpscn wir ja dafür, daß sich J,rael ein Heim gründe, da cs ans die allgemeine Welterlösung zu lange tvartcn müßte. Aber, daß cs in drei und einhalb Jahr-, hunderten noch immer so trostlos in Europa ausschen ivird, lvie dies der Verfasser, der naturgemäß auch aus das damalige Europa zu sprechen kommt, auuimmt; daß daselbst nicht der kleinste Forlschri t in socialer Beziehung geschehen und nur die Fraucn-Emancipatiou ohne die unbedingte Voraussetzung veränderter wirthschastlichcr Verhältnisse durchgesührt sein wird/— glauben wir denn doch nicht. Wir rechnen mit allen Rückfällen, wir rechnen mit dem Atavismus der Völker, — aber die Börse im Jahre 2211 ist unannclnnbar. Man müßte blind sein gegenüber dem. lvas vorgeht, um an ein Stchcnblcibcn der wirthschasllichcn Entwicklung in Europa auf ihr.m heutigen Punkte zu glauben. Wer solches glaubt, der glaubt cs nur, tveil er es wünscht. Der Versager aber wünscht es ogcnbar, er geht in diesem Wunsche aris und zimmert sich diesem Wunsche gemäß ei» Judäa, das er mit einige» salbungsvollen und sentimenlalcn Bcithaten schmückt. Dadwch soll cs wohl jüdische Orginalität erhalten. Die Zionisten würden den ihnen von vielen Seilen zugcschleudcrtcn Vorwurf, daß sie Rückschrittler seien, verdienen, wenn sie nicht gegen solche Aiiffsassung der jüdischen BotkScigenart prolcstirlcn. Der jüdisch- Geist wird sich treu bleiben, und so den alten Faden jüdischer Civilsatiou wrlspimicn, wenn er ges llschajtlichc Gleichheit und Gerechtigkeit immerdar und überall als seine Ideale, die noch lange nicht ganz durchgesührt sind, erkennen wird. Non der Grundaussassnug abgesehen, ist nicht zu leugne», daß O st e rb c rg-N e r a k o ss in manche» Details, richtiges und fcharscS Denken vcrräth. Die All, wie er die verschiedenen aus der völkerrechtlichen Veränderung der Lage der Inden rcsultirendcn Situationen — er nimmt bic Anbahnung des neuen Zustandes durch Cvngrcffc an — entwickelt und Schutzmittel gegen Katastrophen angibt, kann eine bcachtcnswcrlh-- Leistung genannt werden. Sebr richtig hat er auch erkannt, daß die jüdische. Religion erst mit der Erlösung des jüdischen Stammes die organische Fähigkeit und da§ Recht erhält, sich zu refonnircn, und ebenso weiß er die Bedeutung der hebräischen Sprache als Einigungsmittels der Nation zu schätzen. Aber der Bcrsaffer verdirbt oft seibst durch Jnconsequenz, was er Gutes geleistet. Die hebräische Staats- und Umgangssprache, und der Gebrauch, daß in jeder Familie auch die Sprache des S«a»imlandcs anrcwendct wird, — wie reimt sich das zuzamnien? Und da doch seit Gründung des Reiches und Einführung des Heb'äischen, die Juden verschiedener Zunge unter einander geheiratet haben, was läßt sich d.nn.als Familiensprache im einzelnen Falle ansch.n? Oder wozu behalten die Söhne der geeinigten jüdischen Nation ihre europäischen Familiennamen, so daß der Gastsreund des Herrn Fürsprech den schönen Namen Wolf Franksnrter führt? Wahrscheinlich. damit sich die Trägedeutscher und spanischer Namen weiter Haffen könne». Ferner ruft man nie und Niemande» „Wolf bcnMoschch" zur Thora, denn Woks ist kein hebräischer, sondern ein deutscher Solusnamcn, welcher officiell nie gebraucht wird. Auch ist es gelviß nicht geschmackvoll, das hebräische Wort für Priester, Cohen, in seiner Jnscngapen-Schreibweise Lohn zu schreiben. Hohepriester Rabbi Aaron K o h u klingt etwas schnurrig, und so etwas sollte vermieden ivcrdcn. Noch eines von Belang hätten wir zu erwähnen. Herr O st erb erg Vera kofs leitet die ganze Bewegung, welche nach vielen Jahrzehnten zur Gründung des jüdischen Staat s führte, von einer Anregung her, welche ein Amerikaner Blake st o ue gab, der im Jahre 1891 im Beisein des Staatssc-rctärs B l a i n e dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Harrisou eine von vielen amerikanischen Bürgern unterfertigte Petition wegen Ncugründung des jüdischen Staates in Palästina überreichte — einem Vorkommnis;, über daS wir auch in der „S.-E." seinerzeit berichteten. Ohne die den genannten Männern gebührende Dankespflicht zu leugnen, müssen wir cs doch als höchst sonderbar bezeichnen, daß der Verfasser alle die Männer todtschweigt, welche sich in diesem Jahrhundert um den Gedanken der Evlonisation Palästinas und um die hebräische Sprache verdient machten, und die ganze zionistische Bewegung der Gegenwart mit Stillschweigen übergeht. Und wenn er schon nicht Bhron, B e a c ons sie ld, O li p h an t und Elliot; Heß, Kalischer, Smolensky und Dr. Pinsler; Mapu, Gordvn, Ben-Jehuda und Jawitz erwähnte, so hätte er doch, seiner Sinnesart getreu, tvenigstcns Baron Ed»,und R o t lisch ild, den Gönner der Colonieu, ansiihren sollen. Das wäre um so mehr seine Pflicht gewesen, als er ja andererseits au einer Stelle seines Romancs die nicht genug wohlihätigcFamilie Rothschild mit Recht angreift und den Baron Hirsch verherrlicht. Oder sollte Osterbcrg-Vcrakosf alle einschlägige» Verhältnisse nicht kennen?- Doch sei dem wie immer, und mögen wir auch »och so in Ausmalung unseres Zion von dem Versager des Romancs „Das Reich Judäa im Jahre 6000" abweichen, das neue Buch ist jcdcnsalls cme bcmerkenswerthe Erscheinung, und wird auch in dem Gegner, d. h. im zionistischen Gegner eine angenehme Empfindung wecken. Die Zionisten hänge» mit solcher Jubruust an dem Gedanken der Wiedcranfrichtnng des jüdischen Volkes in s.incm Lande, daß sie gerne ein Buch, welches ihren dirsbezllglicheu Wünschen voranscilt, lese», und manche Sande desjelbcu gegen ihre etwaigen wirthschasllichcn und gesellschaftlichen Anschauungen verzeihen iverd.'ii. Es ist ja nur ein Buch und trägt als solches auch viel zur Publik,nachnng der zionistischen Gruadidcc — territoriales Ccnirum für Israel — bei. Schon darum, und nicht minder wegen seiner gesälligen und aazichcudcn Schreibweise, sowie schließlich, um den Versager an das Dasein von Zionisten zu erinnern, sollte jeder gute Zionist sich beeilen, das Rvmanwerk sich auzuschaffen. Dr. N. B. „Hasarou". Wissenschaftlich - literarische Monatshefte, heransgcgcbcn von G. Bader und M MailcS. Der Erstgenaniite, ein eifriger, ftüher in Krakau, jetzt in Lemberg wohnhastcr GcstnnungSgcnoffe, ist als tüchtiger hebräischer Schriitstellcr bekamt', so daß von ihm nur Gutes zu erwarten ist. Ü brigens zeigt das uns vorliegende I. Heft schon, daß solche Erwartungen nur berechtigt stad. Qualitativ wie gnanlitativ wird da ganz Vorzügliches geleistet. Fast hundert große Ocravsciieu stark enthält dieses Heft folgende Artikel: lla.-u-hdtith (Die Einigkeit) von R. A. Brandes; „Zijun lam’schorer" („Ein Denkmal dem Dichter I. L. Gordon") von I. G. K l a n s n e r; ,,'t"pI>iIIot lia.jamim hanoraim" („Die Gebete an den hoben Feiertagen") von I. Reif manu; „B’er srhebha" („lieberdie Sicbenzahl") vonA. B e r; b'sel>akl,a8>-ak,»tll" („Bibliographie"); „Scfi1 losdiali s’farim niftachiui") („Drei erschlossene Bücher) von Schamgar b c n Anath; „L’jom huledeth olhi" iZn meinem Geburtstage). Gedicht von Ab. G.; „Schire Dolitzkv" (Lieder Dolitzkh's); „Massalh nafsclii" (Meine Sehnsucht) von S. T s ch c r n ich o w S k h; „Bimkom batli“ (An TochierS Statt), Erzählung von 8t. A. Brandes; „Haisclia wiladeha" (Das Weib und ihre Kinder) Ski ze von 3k. A. Bande s: „Sfa.ll, Eblier — salaü cliaja" (Die hebräische eine lebende Sprache) von I. G. Klausner; „'/.er Zaliabh" Geschichte des Amoräcrs 3t. Sera) von L. Lande S b e r g; „Scli’chenej erez Israel. (Die Bewohner des Landes Israel) von S. M Laser; „Masseli One»" (Die Onanie) von M. Mailes. In der nächste» Jtuurincr folgen die 3tecenfionen nachstehender wichtiger Ersckieinnngcn: „Dibhre j’m e ha am im" von W. Fall, i tz; „Wie soll sich daS Verhältnis; der Inden zu den Polen gestalten?" von Dr. A..Salz; „Der Colonist" von M. Mcicrowitz und A. M L u n c z; — und anderer. Correspondenx der Administration. Unseren Odefsaer Abonnenten diene zur Kenutniß, daß an Stelle des bisherigen dortigen VcrtraucnSmanucS, Herr» Dr. G. B e lkoivsky, wclck>cr Odessa verläßt, Herr Marc Etting er, Lehrer, Ecke T r o t tz k a j a und Ä a t e r i n st r a ß e . Hans Gogol!, die Güte hatte, die VertrauenSmannschast für Odessa zn übernehmen. * Aus Wunsch wird der Emvsang solgcnder Gelder bestätigt: Spende: Herr A. LubarSky, Odessa, 2 Rubel. — Abonnements; Die Herren A. Grünberg, Grnber, Exc. Dr. G. v. Jtoscn, sämnitliche Odessa, je 4 3tubel; die He.reu A. Snssman», Friedland, Linlkimacher, A. Lubarsky, DaichewSky und lobt. Palästina-Eomite, jämmtliche Odessa je 2 3kubel; Fran Agnes Gabinskaja, Odessa, 1 Rubel. ■

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