Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 11 (1.8.1893)
- Date
- 1893-08-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Ziewst-GrnancipaLion. Seite 7 3m Eisenbahnwagen. Hebcäische Skizze von R. ül. Brandes. Jn's Deutsche übersetzt von M. B e r k o >v i c z. (Fortsetzung.) Er scherzte auch diesmal — sagte dieser — dennoch ist seine Bemerkung richtig. Ich weiß, daß cs kein Volk ohne Verbrecher, wie cs keinen Garten ohne Kohl gibt; aber die Statistik gibt uns hinreichend belehrenden Aufschluß über die Verhälmißzahl der Verbrecher unter den Inden und der unter den Nüssen. Wenn aber der Jude mitunter in seiner Handlungsweise schlauer ist, iveuu er hie und da die Landesgesctzc listig zu umgehen weiß — so hat Niemand als die Geschichte selbst dieses Verbrechen in unserer Mitte erzeugt, und nichts sonst als eben diese Einschränkung zwingt uns, gewisse Verordnungen zu ningehcn. Aber noch schlimmer ist es um uns in einer anderen Bezichnng. Wenn sich irgend Jemand eines Vergehens schuldig macht, heißt cs dann: Dieser oder Jener habe verschuldet; cs stillt niemandem ein, das ganze Volk dcs Vergehens zu zeihen. Anders, ganz anders verfährt man mit uns Inden. Bei uns sehlt nicht A noch B, sondern der Jude, oder auch, was verständlicher ist: die Juden. Ein Jude, ein einzelnes meinettvcgen schlechtes Individuum, begeht ein Verbrechen, dann Hort man cs wie einen Donnerschlag in der ganzen Presse: „Da habt Ihr die Juden! Dieses sündhaste unverbesserliche Volk!" Warum aber geschieht uns so? Welche Ausnahme bilden wir nun? Weil schon längst unser Geist für tvdt, unser Gefühl für erstickt gehalten wird, weil man es wohl cinsieht, daß man es hier mit einer leblosen Masse zu thnn hat, daß man iitjä Gesicht eines Volkes spuckt, welches kein nationales Bewußtsein, also kein lebensfähiges Blut, keine fühlende Seele besitzt . . . Dabei werden, als. das Erste und Schicklichste, unsere Rechte verkürzt, immer mehr und mehr beschränkt . . . Deine Eigenliebe, Marcus, übertreibt auch hierin — erwiderte Nicolai sich rechtfertigend — wenn Ihr wirklich so iväret, ganz wie wir, würde auch Euere Gleichberechtigung nicht ansblcibcn. ES dürste mir gar nicht schwer fallen, Dir zu beweisen, daß ich nicht im Mindesten übertreibe; aber wozu so weit greifen? Ware» wir doch beide Studenten, und Du weißt es, daß wir uns in nichls unterschieden, daß ich ein ebenso treuer R u s s e war wie Du. Warum aber werden die jüdischen Studenten, welche die Universität verlassen, hin'- angesetzt? Warum ist ihnen der Genuß aller Güter in dem Lande verboten, für welches sic arbeiten? Wir beide haben gleich studirt, gleich die Studien beendet, kehren gleich und zusammen nach Hanse zurück; aber welcher himmelweite Unterschied! Du begibst Dich nach einer Stelle. Ivo Deiner der verdiente Lehrsessel harrt, wo durch die Negierung für Deine Zukunft gesorgt wurde, und ich reise; wohin? . . . ungewiß jedenfalls, ob ich das tägliche Brod kärglich finde, ob ich überhaupt irgend wo Unterkunft habe . . . Du hast ehrlich Dein Loos verdient — rief Jacob spottend — wozu hast Du die Mathematik gewählt, im Dienste der Wissenschaft just bleiben wollen? Während diese Unterredung der drei Freunde vor sich ging, stieg die Sonne immer höher und höher. Es wurde Heller Tag und eine große Zahl der jüdischen Reisenden hüllte sich in ihre Betgewänder (Talith), legten die Teplulin an und begann das Morgengcbet zu verrichtem Auch ein Greis, der in der Nähe der drei Jünglinge saß ... Entschuldige, lieber Leser, wenn ich zu erzählen vergaß, daß in der Gesellschaft der Jünglinge sich auch ein Greis befand, der zwar kein Wort mit Ihnen wechselte noch überhaupt von ihnen bemerkt wurde. Es war dies ein Mann von mindestens 00 Jahren sein gesenktes Haupt, sein langer wildwachsender Bart, der schon lange nicht mit einem Kamme in Berührung gekommen zu sein schien, seine ebenso langen Stirnlocken, kurz seine ganze Tracht und jede seiner Bewegungen ließen in ihm den jüdischen Bewohner eines kleinen armen Städtchens erkennen. Er setzte sich anfangs in eine Ecke des Wagens; als er später Marens bemerkte, näherte er sich den Jünglingen und betrachtete jenen mit großem Interesse. Wenn er gleich alle drei Freunde für Christen hielt, wenn er auch keine Silbe verstand, von dein was diese mit einander gesprochen — er wich dennoch nicht von ihrer Seite als ob ihn eil» geheime Kraft anziehen würde. So oft Marcus zu sprechen begann, öffnete der Alte begierig den Mund, spitzt.i die Ohren und blinzelte sogar mit seinen Augen — imt nur irgend ein Wort anfzufangcn und gleichsam zn verschlingen — aber cs ging nicht. Unbekannt saß er da, sowohl von den anderen Reisenden als auch von bcu Jünglingen; nicht einmal der von ihm so betrachtete Marens schenkte ihm einen aiisinerksnmen Blick, da er stets in Gedanken vertieft war. auch dann wenn er zu sprechen anshörte. Der Alte suchte lange ihre Gesellschaft, blieb jedoch lange unbemerkt. (Fortsetzung folgt.) E" GUMMI-GALOSCHEN empfiehlt zn Fabriksprcisen bei höchstem Rabatt A. Grünthal’s Wwe, Ksittowitz, Pveussiscli-Schlesion. Billigste Bezugsquelle für Händler. H e f n d) t wirb für eine Fröbel'schc Schule für israelitische Kinder eine tüchtige Lehrerin. Solche, welche gründliche Keiintniß der hebräischen -Sprache answeisen könne», sind bevorzugt. Offerte an Herrn Grasovskh in Jaffa (Palästina). Der (Kolonist Landwirtschaftliches Organ. Enthält: Wissenschaftliche Aussätze und practische Belehrungen in alle» Fächer» der Landwirthschast süc de» jüdischen Ackerbauer. 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