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Selbst-Emancipation · 1893-08-01 · Heft 11 (1.8.1893) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 11 (1.8.1893)
Date
1893-08-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11 Setösi-Gmcmcipation. Seite 5 Teophrl Lculirtowicz. Wie wir meldeten, wurde die Leiche dieses große» politischen Dichters und Patrioten vor eiilige» W-vchcu aus Florenz, wo er im Februar gestorben war, nach Krakau gebracht und nufer dem Geleite von Tausenden von Polen ans allen Gegenden de« zerstückelten Polenreiches zn Grabe in die Skalkakirche getragen. Dieser selbe Lenartowicz schrieb, wie unser Gesinnungsgenosse, Herr Ostas Schauer, der das betreffende Mannscripl selbst sah, im „Hauingid" mittheilt, einige Woche» vor seinem Tode einem jüdisch-polnischen Schrislsteller in Krakau umcr Anderem Folgendes: „Wie schön wäre es, wen» die Juden sich nnsrafstcn, um sich auch in alten Ahnenlande eine eigene Heimstätte zu gründen, damit sie nicht ewig fremden Völkern dienstbar schien". Der Mann, an welchen diese Worte gerichtet waren, lächelte iiterlegeu über die „Träumereien" des Dichters.- Jüdischer Verein „Morgcnröthe". Dieser nengegriindete gesiuiunigsgeiiöjsische Verein für alle Altersstufen und Bernisstäude in Wie» überreicht in nächster Woche seine Statmeu. Der 8 2 derselben lautet: „Der Bcieiil de;,neckt die Pflege jüdisch wissenschaftlicher und jüdisch -wirihschastlichcr Bestrebungen und die Hebung des jüdischen Bolksbewnßlseins mit Ausschluß jeder politischen Tendenz". Nabbinrwallk. Die Moskauer jüdische Gemeinde hat den erkannten eisrigei: Zionisten, Rechtsanwalt Dr. M a j 6, einen Mann von umsasiendem jüdischen Wisie» und glänzender Rednergabe zum Rabbiner geivählt. und ist diese Wahl auch schon bestätigt worden. — Bekanntlich Kt auch erst jüngst Ingenieur T e :n k i n, der geiveseue Leiter des ExceuliveomitöS in Jaffa, in Elisabclhgrad zum Rabbiner geivählt und benötigt wvrdlii. Dieie Wahlen sind ein erfreuliches Zcnguiß von der natioiialen Reise unserer Brüder in Rußland, möge» auch manche denlschjndische Blätter, über diese llebergehung der „Fachinänner" ganz verdutzt unirenndliche Glossen dam mache». TodcSsciU. In Budapest verstarb am -l. Juli in Folge einer Gehienerschiitlerimg der Redaetenr des „Uugarischeil Israelit", Dr. Jgua, LL. Back im Alter von 71 Jahre». Der Berblichenc ivae emeritirle Rabbiner, und war uns, obivohl wir natürlich seinen uns veraltet und consns ecscheilienden „Resnrm"-Sta»dpunkt nicht billiglei:, durch seine iii seinem Blaite sich offenbarende rücksichtslose Wahrheitsliebe persönlich sympathisch. Friede seiner Asche. Personalnachricht. Unser Gesinnungsgenosse, Herr Dr. G Belkowsky, bisher Benraucnsmann der „S.-E." in Odessa, ist vom bulgarische» Unlerrichtsmiuisier zum Professor des römischen Rechtes an der Hochschule in Sophia ernannt worden. Wecen fronen. TaS Reich Jndäa im Jahre «000 (2211 christlicher Zeit rechnung). Roman von Max 2 st e r b e r g - B e r a k vs f, 1808 Druckerei und Berlagshans Stuttgart, Dr. F o e r st c r n. tfie. Der Titel des Luches lies; uns dasselbe mit begreiflicher Spannung in die Hand nehmen. Welches Zukunstsbild mag da entrollt sein, welche Absichten der in zionistischen Kreisen bisher ganz unbekannte Lersass r mit dem Romane verfolge»? Unsere Neugierde wurde nur in elfterer Hinsicht befriedigt; über die Absichten deS Rvmanschreibers konnten wir uns nicht recht klar werden. Die snbjeetiv recht liebevolle Schilderung deS Reiches Jndäa nach 850 Jahren laßt nicht gut glauben, das; eS Sem Verfasser anders als ernst mit der Frage der Wiederbelebung Israels ist. Und doch kann man zuweilen den Gedenken nicht abivehren, als iväre es dem Autor um andere Erfolge zu ihn»; als wollte er, namentlich die leitenden Männer Europas, aus die Nützlichkeit der Juden für Staat und Geseiischait verweisen und sie. dahin bringen, eine Entwicklilug der Dinge im zionistischen Sinne unnöthig zu machen. „Wenn ich die Ansicht ausspreche", — schreibt zum Schlüsse deS RomaneSLudwig F ü r sp r c ch, ein deutscher Besucher Palästinas, in seinem Buche über Land und Leute in Judäa, — „daß die Gründung deS jüdischen Reiches für die übrigen Völker, unter denen die Inden vorher lebten, nicht zweckentsprechend war, so gipset diese meine Meinung darin, das; es nicht vvrlheilhast gewesen sein kan», eine große Gruppe vou Menschen, die dem erhaltenden Principe huldigten, zu einer Zeit aus den verschiedenen Staaten scheiden zn sehen, da ein Zerstörungstrieb sich überall geltend machte". Mit diesem Satze stehen wir eigentlich schon mitten drin in dem Jdeenkreise deS Buches; wir wolleic uns auch uun nicht mehr länger mit der übrigens nebensächlichen Frage befasse», waS der Bersnsser mit seinem Romane b e z w c ck t e, sondern benrtheistn, was er s ch rieb. Die Fabel des Buches ist eine sehr einfache. Ein Deutscher, Ludwig F ii r s p r e ch, ist »ach Judäa gekommen und hier bei einem angesehenen Bürger, dem Geschästssrenude seines Baters, zu Gaste. Da macht er nun eine große nationale Festlichkeit mit, wird auch sonst Zeuge des jüdischen Volks-und Familieulebensund was er nicht sieht, schöpft er aus Gesprächen mit seinenc Wirthe, deffei: Angehörigen und mehreren anderen Personen. Dazwischen spielen eine kleine Hof- und Staatsaction und eine Liebesgeschichte zwischen dem Kronprinzen Salomo und der schönen Hohepriesterstochter Tina. Die Erzählungsweise ist eine durchaus glatte und anuiuthende nild so verschafft das Buch auch Demjenigen Genus;, der sich mit de»; Geüankengaug des Leriassers nicht besrcnnden kann, lind wir sind die Ersten, die das nicht im Stanke sind. Die Ideen des Rvmnnes „Das Reich Judäa" sind die vollendelste Reaetio». Man iuis;verstehe „ns nickt! Irgendein Liberaler vom Durchschnitts-Zuschnitte wird das vielleicht nicht sinden. Er wird wohl über die Frömmigkeit der Zukunstejudäer lächeln, aber sich über die Schrulle hinwegseßcn, wenn er bemcikt, wie siltig liberal sich's die Hebräer eingerichtet haben, wie coustitulionell der König und wie tolerant das Boik ist. Vielleicht ei» Liberalisnitis, der etwas zu iveit nach rechts geht, aber doch »och Liberalismus! So etwa wie der des braven Pfarrers, der, ein weißer Rabe, im Abgeordnetenhause aus der linken Seite sitzt. Wer aber heute den Fortschr tt nur in politiicher Belebung Predigt, leiert ein altes, weinerliches Lied inid hat keinen Anspruch, von wirklich sortschrittkichen Menscheil ernst genviniiien zu werden. Die Menschheit schreit nach Erlösung aus den F sjeln sociale» Ilnsngs und wirthschastlichen ilnrechtS,— und wer ihr da den Mund mit einem in süßesten Hnmauitätshonia aelnuchlen Lappen slops:, ist Reaelionär in des WoiteS vollster Bedeutung. Nein! Sollte sich noch eiiimal der jüdische Stamm i» einem eigenen Slaatswesen ansleben dürfe», dann dürste es nicht so aussehen, wie 2 st e rb e r g - B e r a k o ss es schildert. Dazu soll der jüdische Stamm von Natur aus seine großartigen socialen Anlagen erhalt.» haben, dazu soll er zuerst das Bestehen socialer Pflichten geahnt und ausgesprochen haben, dazn soll es das Volk der Liebe und nicht deS Haffes, des Friedens und nicht dcS Krieges, des Geistes und nicht der Gewalt sei», — damit es seine Geschichte mit einer Farce ubschließe? Was anderes ist dieses Judäa, wie es in dem vorliegenden Romane dargestellt wird? Das Jndcnthum sei partriarchalisch. — »icini d>.r Benasser, — aber wir iehcii in Sem Gebilde seiiter Phantasie, welches ein eben wenig phanlasievollcr Abklatsch eines Staates, wie er recht und schlecht heme zn Dutzenden besteht, ist, keinen Patriarchulismiis. ES wimmelt in dem Buche von allem dem kleinen und kleinlichen Beiwerk der modernen europäischen Gesellschaji. Nichts in vergessen,— nicht das Protectoiat der Königin über das Waisenhaus, dessen Berichte die Prinzessin Ruth der Mutter vorlesen muß, damit das Herz des Mädchens weich und mitleidig wird; nicht die „kleine Schloßjynagoge" und nicht die „begeisterten Hochrufe". Die sociale Frage ist aber zn mächtig und der Verfasser weiß wohl auch, daß sie immer im jüdischen Hirn gelebt und gewebt hat, als daß er davon abstrahiren könnte, too ist auch das ganze Buch nichts Anderes als die Schildernng eines soeialen Eldorados, freilich ohne daß der Lcser weiß, woher denn eigentlich der viele Segen kommt. Denn, was der Romaneier als heilbringende Jnsti utionen ansüh t, ist so herzlich wenig, und das Wenige ist zumeist so herzlich armselig, daß es demjeiiigeu nicht genügen kann, der für gesellschaftliche und wirthschaslUche Gebrechen eine gründliche Hilfe wünscht. Dankend mag zwar gicittirt iverden, daß der Bersnsser dem Mil tarismus abhold ist, und dafür die Wehrhaslmachnng des Volkes in der Schule im ivueit Jndäa eingesührt hat. Auch sein obl'gatvrcscher Zehent, welcher wenigstens eine Art gerechter Stenerresorm vorstellt, ist etwas, wenn auch nicht viel, was direct wirtyschastlcch günstige Wirktlilaen hervor,znbrinnen berufen ist. Ebenso ist wohl auch sein zeitgemäß modisicirteS Ruhejahr, während welches alle Erträgnisse den Armen und Bedrängten zn Gute kommen solle», theoretisch teiir üble Ide, aber wir wären begierig, dieses Gesetz in Hebung zn sehen. Welche Snmine von unübersteiglicheu Hindernissen welche Menge von Berwicklungeit würde sich schon dann ergebe», wenn man nur vorerst zic bestimmen hätte, iver zn geben und iver zn ein:- piaugeu hat. Und welche Schwierigkeiten würden sich erst bei der Fatirung der Erträgnisse ergeben! Das Angesüörte ist aber das Um und Ans von wirlhschastlicken Reformen, „ausgebant aus den Lehren der Bo fahren", ivelche 2 st erbe rg - Be ra k o s s in Jndäa einsührt. Und das allein soll das jüdische Volk zum socialen Mustervolk machen? Doch nein, er führt noch Manches an, was freilich nicht direct wirthschasiliche Einrichtung ist, »ach seiner Ansicht aber das wirthsch stliche Gedeihen mittelbar hervorruscn wird. Zunächst das Erbkönigthnm, das er „im Einklang mit der Geschichte t es Judciithums" findet, wovon wir nach Durchlejung des Buches der Richter und sogar des Buches der Könige nicht sonderlich übeczengt sein köniien. Hat der Geschichtsschreiber ilud Köiiigsmacher von Nea-Jndäa die bestimmte Gewähr, daß dieses Land immer und ewig so gute und stacke Monarchen haben wird, wie David II., Salomon II., und David III., welche er auseinander folgen läßt? 2der erwartet er thaisüchlicki von dcr Gleichbeil des jüdischen Eeremoniells für König und Knecht in der Synagoge und im Grabe irgendwelchen essecliven Nutzen snr die sociale Gleichheit? Ja, will er denn diese überhaupt, — er, der ganz richtig ei »sieht, daß die Natur ll»r Ungl ichheit könnt, aber wie alle Rückschrittler übersieht, daß mau eben deshalb llmsoweniger künstliche, gesellschaftliche Ungleichheiten züchten soll? Doch, das Alles ist vou uiilergeordneier Bedeutung. Den größten Staat macht 2 sterb erg-B era koss mit seinem Patriarch.rlismns deS jüdischen Volkes, der Wunder wirken wirs n»d muß. Man hört so oft von dem zärtlichen Verhältnisse jüdischer Eheleute, von jüdischer Elternliebe

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