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Selbst-Emancipation · 1893-08-01 · Heft 11 (1.8.1893) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 11 (1.8.1893)
Date
1893-08-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Kewst-Hmcmcrpakron. Nr. 11 Schwei z. Zürich, den 6. Juli 1893. Bekanntlich wird überall die sehr relative Schweizer Freiheil gepriesen und einen weltbekannten Ruf hat das eidgenössische Pvlylcchnikum in Zürich. Es wird daher Rieiiiaiidcn wundern, daß in den hiesigen Hochschulen fast alle Nationen der W.-lt repräscntirt sind. In der Rubrik „Ausländer" der hiesigen Hochschulprograinine »chmen nach Zahl den ersten Plast die russischen Staatsangehörigen ein. Ja, wie kommt denn das? Sollte wirklich bl iß der begreifliche Wunsch nach einer freieren Atmosphäre so viel Russen aus Rußland vertreiben, wo cs ja am Ende ausgezeichnete Hochschulen giebt? Oder wird den R n s s e n das Studiren an den r u s s i s ch c n Schulen nicht gestattet? Werden die Russen in Rnß l an d von jeder Thätigkcit zurückgcwiesen? Oder werden die R n s s e n aus R u ßl a n d ohne jede Rücksicht forlgejagt? Nein, da sind sehr wenige „Iwan Jwanowitsch's" und desto melir, Jtzig Abramowitsch's" otcr „Jankil Jstkowiisch's". Die energischesten umer ihnen nennen sich „Russen mosaischer Eonsession" und die wankenden „Russen jüdischer Raffe". Ein beträchtlicher Thcil derselben repräscntirt die russische Fortschrittspartei im Auslände und gibt sich, um jede Discnssion zu vermeide», kurz als „Internationale", wobei sie so nebeusächl ch sich als Vollblut-Russen fühlen. Ich hatte Gelegenheit, vor einigen Wochen an einem Discussionsabcnde zu hören, daß in den 70er Jahren, die svgeunnntcn rirssischen Socialdcmokraten nichts anderes als die reinsten russischen Chauvinisten waren. Man könnte, denke ich, mit vollster Sicherheit von den meisten jcstigen dasselbe behaupten. Sie alle, (namentlich russische Svcialdcmvkratcn jüdischer Rasse oder Confejsion) wetteifern mit dem Rufe: „Es gibt keine Nation", wenn man von der jüdischen spricht, gilt's aber mit dem Rnssenthum zu chauvinisiren, da wird erklärt, daß inan nur nebensächlich an der internationalen Bewegung als Russen sich belhciligt. Wir lassen uns von einem solchen Internationalismus nicht Sand in die Angen streuen. Ich möchte auch gerne das Gesicht des russischen „Mnschik" — das Ideal der russischen Fortschrittler — sehen, wenn so ein Russe mit Adler-Nase, der „mr" spricht, ihn über die Lage der Dinge ausklären wollte. Der Mann müßte, trotz der Predigt über Gle chberechligung ohne Unterschied der Nalivnali'tät, gar sehr für seine jüdische» Merkmale büßen. Nicht nnr ' die russische Regierung, auch das russische Volk mag uns nicht leiden. UnS Nationaljuden sind Gegner dieser Art gleichgültig, wir wollen diesen Antagonismus auf die vernünstigste Art beseitigen. Len Israel N o r d - A m erik a. Ncw-L)ork» dcu 19. Juni 1893. *) Die angesehenste deutsche Zeitung der Bereinigten Staaten ist die „Neiv-I)orker Siaatszeilang". Dieselbe ist, obwohl sie mehrere jüdische Redacteure hat, voll Haffes wider die Juden. Diesen Haß nuterdrückl sie gegenüber den dciilschcn Juden, weil diese zumeist ihre Abouncnlen sind, hi» ihn umso iiuocrhüllt-r gegenüber dcu russischen und »olnischen Inden zn zeigen und zu beihäligcn. Als Senator C h a n d I c r den Antrag cinbrachte, überhaupt die Einwanderung zu verbieten, sprach sich die „New-Vorkcr Staatszeituug" im entggcng, setzten Sinne aus, verlangte aber ein spcciclles Eiuwandcrungsvcrboi gegen russische und volniiche Inden, welche gänzlich nncnliivirt dem Lande nnr Schaden bringen. Auch sonst bemühie sich die „Ncw-Ljorker Slaalszcitnug" beständig, die Regierung gegen d e Inden aus Nnßland und Polen ansznhetzen, aber ohne Erfolg. Nun hat anläßlich der vor Kurzem statlgehabteu Präsidcntschastswahlen die „New-Iorker Slaalszcitnug" mit aller Macht die demokratisch: Partei unterstützt, wofür sich der neugcwähltc deniokralische Präsident C l e v e l a » d c.kcnntlich erivicS, indem er einen der Chefrcdactenre des Blaues, Dr. Senner, zum EinwailüernngS-Commiffär ernannte. D.. Senner ein gelauster Jude und ein nmso größerer Jndenseind, gibt sich nun alle Mühe, die rnssischnnd polnisch-jüdischen Einwanderer znrückzuweisen nnd den deutschen und andersuaiioualen Eiuwaude cru E leichtcrnngen bezüglich der Landung zn schaffen. Die Letzteren nennt er die gute» Elemente; die ersteren schädlichen, welche init jeincm Wiffeu nicht in's Land Dürfen. Gegen diesen Renegaten hat auch Dr. W i s e, der bekannte Vorstand der Rabbinersabrik i» Cincinnati nnd Redaclenr eines englisch- und eines dculsch-jUdischcn Blattes, Siellnng gcuomme», wiewohl er sonst selbst die polnischen und russischen Inden mit seinem Grimme verfolgt. In seiner gewolmtcn rüden Wei'c tänzelte er in seinem „Americain Israelito" den Dr. Senner ücrniitcr, von dem er erzählte, daß er ei» gctaniter galizischer Jude sei, früher Samuel y geheißen, seine Fra» verlaffen und auch sonst viele Schändtichlciien verübt habe. Die „New Jorkcr Slaalszeitnug" läßt nun die Grobheiten Dr. Äi sc's alle Inden emgelleu, indem sie sie alle, auch die jreisinnigsteu, Fanatiker nennt und die Meinung ausspricht, Wise sei nicht durch die Feindschaft deS Commiffärs gegen die polnischrussische Jndeuhcit, welche er ja selbst auch Haffe, ausgebrachl. sondern wolle einsach sein Rküthchen an dem vom Jndenthuni Abgefallenen kühlen. Die hiesige englisch-jüdische Zeitung meint, Dr. Wise habe durch seine Schimpferei niirDr. Senner znni Märtyrer seinerUeberzengung gemacht. Dieser selbst ist natürlich jetzt nmso rücksichtsloser gegen die volnischrussischcil Inden; doch nnsere Juden finden gottlob beim Chef der Regierung gewöhnlich ausreichende Förderung. W. Schur. *) Unliebsam verspätet. Ncw-Zjork, 14. Juli 1893. Herr Dr. M i n tz, Obmann der „Shove Zion" II ist ans Palästina, wohin er von der Genoff.nschast gesandt worden tvar, znrückgekehrl. Es ist ihm gelnugcu, derselben eine sichere Grundlage zu verschaffen. Die Genoffcnschast hat bereits 25.000 Dollar als Angabe iiir 30,000 Dulam Bodens, an Baron Edmund Rothschild i» Paris gesandt. Der Boden befindet sich zwischen Jaffa und Tiberias. In wenigen Tagen wird die Genoffenfchast „Shov: Zion" I die Kaufbriefe über ihr Grundstück erhalten. Jetzt wird hier hoffentlich die Anwerbung neuer Freunde der Zlonssach: leicht werden. W. Schur. W o t i Z o n. Der galizische Katholikentag hatte in Bezug aus die Judenfrage eine beuicrkcuswcrthe Rede anszuwciscn. Der Gras Stanislaus Ta» nowski, P.äsidcnt der Krakauer Akademie der Wiffenschaflen, sagte unter Anderein: „Argeschen von den inneren Gefahre», droht bei nnS dem KalholicismnS eine äußere, nämlich eine nicht ans unserem Blute nnd unserer Natur entstammende Gefahr. Wir sind dasjenige Land ans dem Erdboden, welches die stärkste jüdische Bevölkerung zählt. In nnscreni Jahrhundert nnd in »nserem Staate, woselbst der GlanbenSiiuterschicd keinen Unlerschied in den bürgerlichen Rechten begründet, wächst dieser Brnchtheil der Bevölkerung augenscheinlich an Wohlstand, Einfluß und Uebergewicht. Es verhilst ihm dazu die angeborene mehrsache Bcsähignng, Rührigkeit nnd Sparsamkeit. Allein in diesem unserem Jahrhundert, zn deffeu Merkmalen ein allseitiger Kampf wider das Christen hum gehört, ist das einst anserwähltc und zur Bersöhnnug berufene Volk schon der Natur der Sache nach, schon durch die Logik, durch seinen Glaubet, nolhwendig auf den Kamps angewiesen. Bei nns können die Inden durch ihre große Zahl, durch ihre stete und unvermcidliaie Lerührniig mit allen Schichten der Gesellschaft diese Angelegenheit drohender nnd schwerer gestalten als anderwärts. Wie sie lösen? Vielleicht wird dies die Zeit zu Stande bringen! Heute sehen und iviffen wir mir, wie die Lösung nicht erfolgen soll. In Frankreich, Dentschland, zum Theile sogar in Oesterreich, beginnt die Bevölkerung, erschreckt durch den Reichthum und den zunehmende» Einfluß der Inden, diese zu hassen. Meckwiirdig! Dieselben Länder und Gesellschaften, welche als die ersten glaubten und verkündeten, daß die Aussaffnng der Beziehungen des Menschen zu Gott keinen Unterschied zwischen den Mensche» bilden könne, dieselben, welche zuerst in das Leben den Grundsatz cinstthrten, daß das Recht nnd der Staat mit Gott nichts zn thun haben nnd dieser nichts mit ihnen, dieselben mnßlcti, kamii daß sie den ans der Confessio», ans dem Glauben an Christus den Herrn beruhenden Unterschied zwischen Juden nnd Christen anshoben, lebhaft den Untelschied des Blutes empsinden und zugleich ben Inden als einen Menschen anderen Stammes hassen. Es hat dies eine abgenützte Bezeichnung: Man hört nnd liest überall vom A n t i f c m it i s in n s. Dieser ist grundsätzlich schlecht nnd praktisch gefährlich, schlecht, weil er »nchristlich, ungerecht und unbarmherzig ilt. Es geht nicht an, den Nächsten deswegen zn Haffen, weil ihn Gott als denjeiiigeii erschaffen hat, der er ist, und nicht so, ivie mich. Sehr gefährlich könnte dieser sogenannte Anlisemilismns in der Folge werden, da Niemand weiß nnd vorhersehen kann, wo er Halt machen, nnd wohin die ansgehetzien »nd eiitflammte» Gehässigkeiten eines Bruchthciles der Bevölkerung gegen die anderen gelangen tverdcn; bei nns namentlich, wo die Inden, im ganzen Lande verbreitet, mit der Landbevölkerung vermischt sind nnd ihr jetzt schon zur Last fallen, könnte diese Gefahr größer sein als anderwärts. Gott bewahre »ns vor dem AntiseniitismuS! Was aber sollen'wir machen? Sollen wir nns ve> schlingen, materiell depvjscdircn, moralisch »nd gesellschaftlich beherrschen laffc»? Es ist dies eine jener Angclegenheitcii, in welchen die Gesellschasr sich selbst Helsen muß und Helsen kann. Auswelche Weise? Mit dcuselbcn, ehrlichen, rechtlichen und würdigen Mitteln, mit welchen sie sich zu helfen begann. Die Beschränkung der Trunksucht nnd deS Wuchers hat schon sichtliche nnd hangrcijlich gute Folgen. Die christlichen Läden und HandelSgcsellschastcn, obwohl so jung, zeigen ebenfalls bereits gute Folgen. Wenn der Jude, geschickter als ivir, früher zu nnserem Schaden jene Erleichterungen, welche er in unseren heutigen Gesetzen findet,' anSgeniitzt har, so stehen diese Rechte auch nns zur Verfügung. Auch wir können diesen Weg betreten. Wir schlagen diesen »im ein, indem wir Läden errichten, Haudelsgesellschastcn und Handwerkervereiiie gründen. Ans diesem Wege ist zwar langsam aber sicher jenes Gleichgewicht der sinanziellen Mittel zu erzielen, an welchem eS uns Heine mangelt. Industrie und Handel, die wir vor Jahre» ans nnsercr Hand gaben, können wir nun wieder gewinncu. UeberdieS muß man sorgfältig darauf Bedacht nchmeu. daß der moralische Einfluß und der heimische Boden nicht verloren gehen; beide sind mit einander enge verbnuden. Es ist dies eine Pflicht des katholischen nnd polnischen Gewissens. Leider ist es eine häufige Sünde, daß Güter an Nichtchristcn verkauft oder auch nur verpachtet tverdcn. Man macht manchmal dadurch ein gutes Geschäft. Was aber erscheint dadurch gefährdet? Nichts Geringeres als die Grundlage der nationalen nnd religiösen Zukunft des Volke«." — Die Polen kommen ohne „Autiscinitismus" ans, ivcil sie den Judenhaß haben.

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