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Selbst-Emancipation · 1893-08-01 · Heft 11 (1.8.1893) · p. Seite 3

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 11 (1.8.1893)
Date
1893-08-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11 Selösi-Gmcmcipation Seite 3 Vcriirlheilung frei. Da es siir viele sienner der Berhältniffe auögeniachl ist, daß er in diesem Angcnblickc wieder eine dominirende Stellung erlangen »nd im Llntisemitismiis das christlich.sociale Princip durch das dculsch-ualioiiale verdrängen ivird, so ficht sich eben S t e i » w e n d e r gezwungen, die „Facultaiivität" anfziigebcii. Wien, den 28. Juli 1893. Die erste Deleairtenversamm- I» n g des „Z i o 11", B e r b a n d c s d c r ö st c rre i ch i s ch e n B c r e i n e s ü r C o l o n i s a t i v n P a I ä st i u a S n n d S n r i c n S, finde! am 1., evenlnell auch am 5. und ü. September d. I. star. Wo noch keine Statinen siir Einzelvereine überreicht sind, beeile man sich, solche einziireichen; Ivo scho, Einzelne! eine vollkoiniwn zu Recht bestehen, wolle man an die Ernennung des Dclegirien schreiten. — Die Hora; dowiber Gesinnungsgenossen überreichen in dieser Woche die Sicitnien des Einzelvercines. — Der Kaleitter „Jordan" des Eiuzelvcrein s Wien erscheint am 3. d. Li. Wien, d-m 18. Juli 1893. Im October d. I. crvffnct das Wiener Rabbiner-Seminar, die sogenannte israelitisch-theolo ische Anstalt, seine Pforten. Wiewohl die Zilsainm.nsetznng des Enratorinms in Beziehung auf fachmännische Bertretung vieles zu wünschen übrig lägt, so hat die Anstalt andererseits erneu Mann an der Spitze, der in wissenschasllichcr Beziehung wohl der Geeignetste ist. Der Rectör Dr. S ch w arz sagt seine Ausgabe kcincgswcg-5 als eine leichte auf, und ist auch bestrebt, diese nenc Anstalt mit allen Gaukele» des Gedeihens aiiszustaüeii. In einer Beziehung ivird er aber wohl sich eines Bessern belehren lassen müsse», wenn er es sich ncmlich zur Ausgabe macht im polyglotten Oesterrc ch den deutschen (?!) Charakter dieser Anstalt zu wahren. Die Frequcntanten aus Galizien und Böhmen sollten, würde man so meinen, Polen und Czcchen sin, und nun sollen sic in der Lehranstalt Deutsche werden, und wenn sie wiederum nach Galizien oder Böhiuc» znriickkchren, dann sollen sic wirke»; als was? Doch nur ivicder als polnische oder ezechische Assimilations-Agitatoren! Credo quia absurdum est. lieber das Profesiorcn-Collegium lassen sich noch keine 'Ansichten anSjprcche», weil eben keines da ist. Bis nun ist nur die Katheder siir die hebraische Sprache m't dem Orienialisten Prof. Dr. H. M n l l c r besetzt. Die Lehrkanzel für jüdische Geschichte und Literatur ist noch srei. — Als vrdei tlielic Hörer können in die Anstalt ausgenommen werden: Abiturienten, die Bibel ad apsrlurarn libri verstehe», »nd auch einen leichteren Absd,nitt auS dem Talmud nach entsprechender Vorbereitung s?) erklären können. Austerdem besteht noch eine Fortbildungsschule, wo nur das Zeugnis; eines linke ghmnasinms vertan t wird, und die den Zweck hat, Aspiranten siir das Seminar heranznbilden. — Anmeldungen sind beim Rektorate der israelitische» theologischen Lehranstalt sWien II. Tempclgasse 3.) einzurcichc». eraes. Prag, den 20. Juli 1893. Die Arbeiten im Stndcnteii- B e r c i » „Al a c c a b a c a" schreiten rüstig vorwärts; im Beginne des nächste» Semesters ivird voraussichtlich desieu Constitnirung crsolgen können. Der mit der llcberrcichnng der Statuten becraute provisorische 'Ausschuß hat an den in Prag befindlichen „C c n t r a l v e r e i u zur Pslcge jüdischer A » g e l e g e n li c i t c n" ein Schreiben gerichtet, worin er denselben bat, der statutarischen Bestimm»: g, das; er die Perwaltnng des Vermögens der „Äaccabaea" bei cvenkucllcr Auflösung derselben übernehme» werde, znznstimme». Der Bille an den Ecmralvercin um Uebernahmc folgte ein kurzer Bericht über die Tendenzen und Bestrebungen der „Ltaccabaca", der mit den Worten schlost: „Hoffend, das; diese Anschauungen vom E »lralvcrein gebilligt und g c t h c i l c werden, har nun die oben erivähine Bcrsamnilnng den Bejchlnst gesagt, denselben mit Annahme jene? Ehrenamtes zu ersuchen." Diese Zuschrift, so cin^ '-Hvt ballou d'essai, beantwortete der Ausschuß des Ccntralvereins — dessen Obmann Herr Sigmund M a n t h n e r und deffen Gejchäitsleiler Herr Dr. Friedrich D n ch e» c S ist — mit der Erklärung, daß er „gerne b c r c i t" fei, „das Vermögen des zu bildenden Bereines für den Fall seiner Auslösung z n übe r n c h m e n." Sollte wirklich der „Ceutralvcrein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten" die Anschauungen der jndisch-nat analen Studenten billigen und theileu? Das würde ja eine» großen Triumph unserer Sache bedeuten. Jedcnjalls werden die nöthigm Schrille nnternömmen werden, um diesbezüglich vollständige Klarheit zu erhalten : und and; das ist gewiß, daß mau die „Maceabaca" unbeugsam auf ihrem Standpunkte finden wird. Bor wenigen Wochen ist hier unter Leitung des ehemaligen Reichsraths-Abgeordncten brofegor Dr. Z u ck e r ein ezcchischer Bcrein von Slndenten mosaiischer Eonsesfion gegründet worden, deffen Ansgare die Pflege des c; c chi scheu N a l i o n a l b e w n ß t s c i n s der Jude n B ö h m e n S und AehnlicheS sein soll. Proseffor Dr. Zucker vertrat bekanntlich die Prager Handelskammer und bildete als solcher mit dem Abgeordneten Polak den Ueberrest der in Böhmen abgelrachten altczechischen Partei. Seine anerkenncnSwcrthe Treue, vermöge welcher er bei der Partei aushiclt, als Andere schon oaS sinkende Schiff verließen, wurde damit gelohnt, daß seinerzeit zu der Bcrsaniinlung. welche er behnss Ablegung des RechcnjchastsbcrichteS über seine Thätigkeir einberief, verabredctermaßen 'Niemand erschien. — Der „verschmitzie Hebräer", wie ihn einer von der „freisinnigen" Jungc;vchen-Partei nannte, mußte selbstverständlich ans sein Mandat verzichten. Und das Alles hat den Ltann noch nicht belehrt; noch immer scheint er es als leine Lebensaufgabe anznsehen, den in Böhntcii lebenden Theil der jüdischen Nation ui daS Himmelreich de? CzechenthnuiS cinznsühreu — mit derselben Selbst verleugn u » g, mit welcher ihn andere analoge Affimilationsheroen dem Eden des Dcutschthnms erhalten wollen. r. ■/.. Lemberg, am 11. Abh 5033. Samstag den 9. d. M. fand im hiesigen große» Sitzniigssaalc des- Geweinderalhes eine jüdische Arbeiter v e r s a „i m l n n g statt. Die Einladungen zu derselben waren von einem Comito ansgegangcu, an dessen Spitze der hicr bekannte Socialdemokrat Karl R a ch e r stand. I» Folge der bedeutenden Bergiößcruug der :'ln;ahl der Experten siir die Gewcrbegesetzändcrnng und in Folge der Aufforderung an die einzelnen gewerblichen Corporc.tiouen, ihre Experten zn delegiceii — Anträge, milche der ReichSrathS-Abgeordnete Peru er stör sc r eingebrachl und dnrchgesetzk hatte —sollte auch die diesige jüdische Corporation einen Delegaten entseudeu. Sie betraute Herrn Racher mit diesem Amte, der nun obige Bcrsaminlnng cinberics, um die Meinung der „Genoffen", welche er m Wien;um Ausdruck zu bring» haben werde, zu hören. Zunächst lief Alles ganz glatt ab, denn Herr R a ch c r ließ Opposition, lle Redner entweder gar nicht zn Worte kommen oder wenigstens ihre Anträge nicht zur Abstimmung bringen. Dock) beim letzten Abschnitte des erste» Punktes der Tagesordnung wandte sich das Glück. Besagter Abschnitt behandelte nämlich die „ssonniagSruhe." Der H rr Experte stellte den Antrag, die heutige Versammlung gebe ihre Meinung dahin ab, daß i» der neue» Gew rbe-Ordnn»g eine Z w n n g s r n h e von n> c n i g st e n S 3 0 Stunde n in der Woche für alle A rb ei l er eingejührt werde. Der Tag der Ruhe war diplomatisch 'lug verschwiegen. Diesem Anträge gegenüber brachte Herr P o r j e S die Meinung der jüdischen Arb-'iler vor, cs möge siir die Jude» ausdrücklich die S a »i st a g sstatt der Sonntagsruhe normirt werden, da sie sonst durch Eiiljnhrniig der gesetzlichen Ulistüiidigen Sonntagsruhe thalsöchtich zu 8 0 st ii n d i g e in Feie r u in der Woche gezwungen und somit die stc ohnehin erdrückende christliche Coiicnrreiiz nicht ailsznhnltcn im Stande wäre» Diese von selbst ciiilcilchteuden Alissühruiigeii vrachteu Herr» Telz, ebensalls Socialisteusührer, aus dem Häuschen. Er meinte, da die Sccialseniokratic i n l e r n a l i o n a l n»d i » l c r c o n - s e j s i o ii e 11 sei» müsse, sei es unsere heilige Pslicht, den Samstag ans Sonntag zn veclegen, „was übrigens schon ein Eoucil einmal beschlagen habe." Die „io.tgeschritteneii Arbeiter" hätten mit den „frommen Juden" nicht mehr zn rechnen. Da sich alles im Fortschritte ändert, so werde sich auch bald die „nnnsttzc" Religion seinem Anlcige acioniodireii. lind bis dahin sollen also ans lanler Jntcreoiijcffiovaliiäl die strenggläubigen Inden verhungern °? Herr Dr. Feld betrat die Tribüne und vanille das Ding beim rechten 'Rainen, — einen förmlichen Mord an unseren circa790,090 Brüdern sroinmeu Schlages in Galizien. Ec appellirle in zu Herze» gehenden Worten a» das vielle cht noch in kleiner Menge bei den Genossen derHerrcn R a ch c r und Telz vorhandene jüdische Beivnßijein. Wider Erwarten ivnrdcii die Ausführungen des Redners mit stürmischem Bc'sallc ansgcnoniinen. Herr N a ch e r gerieih Uber den ihm von den Zivilisten, die sich in alle Angelegenh.iieii, wo cs sich nm jüdische Interessen handelt, e.iimeiigcn iniiffe», gespielt u Streich außer sich. Er übernahm selbst den Vorsitz. erklärte, daß er in dieser Angel.'grnheit Niemandem mehr zu spreche n, höchstens n u r A n l r!i g e o h » c M o t i v i r n n g z» stellen erlaub c. An dem Manne ist offenbar ein Banrg oiS-Pröffdent verloren gegangen, — oder vielleicht noch etwas höheres. Sic volo, sic jubeo! jchcinl auch fein selbstherrlicher Grundsatz z„ sein, 'Natürlich erhob sich nach diesem Staatsstreiche ein aiigemeiiier Tinunlt und dir Herr Borfftzcndc ließ es gnädig zn, daß Herr Jacob Ko r k i S solgcnde Resolntion stellte: „Im Falle, daß der Antrag des Herrn Nacher betreffs des 3>!stündlgen Rnheiages aiigeiioniinen wird, habe der Experte bei seiner Expertise die Meiunug der liciitigen Bersammlung wegen der LonulagSruhe znm Ansdrucke zu bringen." Der Antrag des Ref renlen 'R nchcr wurde mm mit einet kleinen, vom Vorsitzenden c o n sta t i r l eu Aiajorltät angenommen; an die Korkis'sche Resolution machte man am Präsioenteniiich- Miene, zn vergeffen. Doch die bösen Zionisten li.ßen das nicht zu, und die :>t e j o l n l i o n wurde Du» alle» A n w e j e n d e n, mit Ausnahine der Herren R ach e r und T e l z, eines anwes.nden „imernat onaien" Christen und des — Polizei-Conimiffärs angeno m m c n. Herr R a ch e r wollte in n die erlittene 'Niederlage durch Anslösnng der Bersammlniig rächen. Aber er halte an dem Tage cmschiedencS Pech mit den „vcrstnchlen" Zionisten. Herr Gerson Zipper ries, mcin möge sich nicht von dem Borsitzeude» terrorisiien lassen, und beantragte die Fm tietzung der Be-aihnngen. Auch dieser Antrag wurde angenoninicn und die weitere Berjaninilung verlies ganz ruhig .7. K. Nachbemerkung der Redaction. Wir gralnlircn den Lembcrger Gesinnungsgenossen;» diesem Siege, der ihnen beweisen kann, daß -sie ans die jüdischen Maffcn Eindruck machen können, sobald sie nur wollen. Nur vorivärtS anj diesem Wege! Der Wiener iocialdeniokratischen Parteileitung aber, ivelche in Wien jede den Grnndjätzcn ihrer Partei zuwiderlaiiseude Einichränknug der Redcjr.iheit jast immer zn vermeiden weiß, einsfehlen mir, den Lembcrger Führern wegen ihres ganz und gar nicht socialistischen PeäsidirenS die Leviten zu lesen. Auch könnte sie ihrer in jüngster Zeit immer diuchgreisender befolgten Tiknk entiprechend de» Genoffen in Leinberg mehr Toleranz in ReligionSjacheii anrathe». Es ist mis auch ganz unerfindlich, imoiejerne die Samstagsrnhe für Inden de» sociaUstifchen Grundsätze» widerspreche» sollle.

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