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Selbst-Emancipation · 1893-07-15 · Heft 10 (15.7.1893) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 10 (15.7.1893)
Date
1893-07-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Seite 5 Nr. 10 KeWst-Gmcmcipakion. Engländer, welche die Herren der Bahn sind, mtternehme» . geschieht mit Beschleunigung und mit Sorgfalt. Zwei I Stunden von den Colonien „Bncj Jchndah" und „Mischmar Ha-Jarden" werden sich Stationsgebäude befinden. In den Colonien-Adininistrationen des Barons in Palästina befinden sich bei 100 Beamte, von welchen nur wenige Inden aus den slavischcn Ländern sind, — und auch nur diese legeren verstehen hebräisch. In der Colonic Nechowoth befinden sich fünf Familien in großer Nothlage, weil sie ihr ganzes Geld in die Weinberge gesteckt haben und ein Ertrag erst nach zwei Jahren zu erwarten ist. ' Der Holzhandel wird in Folge der Bahnbauten und der vielen Privatbauten, welche Angehörige anderer Nation aufführen lassen, stets reger. Betli halevy. Jerusalem, 11. Thammus 5653. Es ist jetzt sehr heiß hier. Aber bei Nacht weht ein starker Wind, der die Passanten außerhalb der Stadtthore mit Staub bedeckt. Die Behörde will den Platz vor dem Jasfathore regelmäßig bespritzen lassen, was in sanitärer Beziehung sehr wichtig ist, namentlich sür die Jude», da sich vor der Stadt viele jüdische Ansiedlnngen erheben, von welchen aus täglich Männer. Weiber und Kinder in die innere Stadt gehen, um dort Geschäfte zu machen, den Einkauf der Lebensmittel zu besorgen oder die Schule zu besuchen. Die Behörde hat auch schon mit den ^Aufspritzungen beginnen lassen. Die Halste der Kosten — bei uns ist Wasser sehr theuer — trägt die Behörde, die andere Hälfte wird von den Gewölbe- und Hausbesitzern der Straße getragen. _ Die Theuerung, welche eine Zeit lang in unbegrenztem Maße herrschte, hat jetzt zur Freude aller Freunde des Landes nachgelassen. Der Preis des Mehles ist um ein Viertel gefallen, der Grund ist erstens darin zu suche», das; die Erntezeit begonnen hat und Getreide in Menge gebracht ivird, während bisher altes Getreide nicht mehr; und neues noch nicht vorhanden war; zweitens in der Ziliiahme der Anzahl der Müller, welche sich gegenseitig Concnrrenz machen. ' Nur 21 Tage trennen uns von dem Uebersiedlnngstermine,— ein schwerer Tag für die Einivohner Jerusalems, — weil sie gewöhnlich das Miethgcld nicht haben. Die Miethe ist in Jerusalem, wo sich das Gros derer, Juden und Christen, niederläßt, welche nach de»r heiligen Lande kommen, sehr theuer. Die Leiter der Kollelim haben gut daran gethan, daß sie Anweisungen auf Borausbezug von Chalukageldcrn im Tammus ausgeben. Doch, was sollen die Arme» in den übrigen Monaten thun, tvenn sie das Geld aus einmal für den Miethzins voransnehmen. Viel Verdienst um die Armen in dieser kritischen Zeit erwirbt sich auch der allgemeine WohlthätigkeitSvcrein, an dessen Spitze Herr Salonion Fro s ch steht. Die Lage deS „Deutsch-Israelitischen Hospitales" unserer Stadt verschlimmerte sich in der letzten Zeit, Das Spital hat' sür einen Reseivefonds in besseren Zeiten nicht vorgesorgt und jetzt sind die Einkünste sehr spärlich, während die Kosten die gleichen bleiben. Woher soll dieses Geld kommen, ivenn nicht von den reichen Brüdern tut Auslande'? In ihrer Hand liegt es, ob dieses Krankenhaus fortbejtehen oder zu Grunde gehen soll. Vor drei Wochen kam eine Nachricht aus Eonstantiuopel von sehr trauri.,cn Entscheidungen für das Schicksal der türkischen Juden. Genauls erfuhr mait nicht, doch verbreitete sich unter denr Volke die Nachricht, cs handle sich uut die Hinzuziehung der Jadeit zunt Militärdienst. Wiewohl mau nun für dieses Zeichen des Vertrauens dem Sultan dankbar war, bemächtigte sich doch der Volksschichten eine ängstliche Aufregung und viele fühlten sich sogar zur Auswanderung nach Amerika und Australien veranlaßt. Ihr Eorrespondent, der dem Gerüchte überhaupt noch nicht glaubte, wandte sich an denR e da et eur der spagnolischen Zeitschrift „II tiempo" in Constautiiiopel und erhielt die Antwort, daß an der Meldung von den neuen verhängnißvvllen Beschlüßen (g’seroth) kein Körnlein Wahrheit sei, und daß es der hohen Regierung nicht 'einfalle, unserem Volke speciell oder irgend Jemandeiit ellvas Schlechtes zuzufügen.*) Der neue Erlaß des Sultans, tvomil den Juden wieder der Bodenkauf freigestellt wird, hat auch in moralischer Beziehung großen Nutzen gebracht. Ein Missionär erzählte Jhreul Correspvndenteii, daß seit dem Erlasse sich keine nothleidenden Juden mehr cm die Mission um Unterstützung ivandtcn. Da jetzt die Bauten wieder beginnen, wird jeder Arbeitsuchende Arbeit sinden. Die Mission geht übrigens auch sonst zurück, da auch ihre Zuflüsse spärlicher werden, und vielleicht ivird sie über kurz oder laug ganz aus Jerusalem verschwunden sein. Drei Dinge, sagen unsere Weisen, werden den Menschen unter Schmerzen zu Ttzeil. Eines davon ist das Land Israel. Das sehe» wir *) Wir haben schon in voriger Nummer unseren Standpunkt in dieser Angelegenheit klargelegt, welcheiit obige Ausführungen nicht entsprechen. Die Redaction. jetzt bei der Landung Neuaukommeuder. Die Hafenbeamten sind sehr genail in der Erklärung des Wortes „Masse" — in M affe n oürfeit bekanntlich die Juden nicht in Palästina einwandern Wenn zehn Leute zusammen ankommen, nenneil sie dieselben schon „Masse" und lassen sie nicht landen. Gewöhnlich gelingt es den Armen nun doch, ans Land zu kommen, manchmal aber inügeii sie wieder zurück, woher sie gekommen. Solche Vorkommnisse sollten für die Zionssreuude ein Fingerzeig sein, daß sie die Auswanderung nach Palästina beaufsichtigen, damit sie nicht in Massen geschehe. Ein Jude kaufte eineu Grund in der Vorstadt Babchota, um sich daselbst ein Wohnhans zu bauen. Bei den Erdausglabuiiaen stieß er aus ettt sehr altes Gebäude mit vier Zimmern. An den Thüreu waren Mesiisoth angebracht, was beweist, daß die einstigen Beivohiter dieses Hanfes Judeit gewesen sind. In einem der Zimmer fand man ein todtes Mädchen in einem Kasten. Ihr Gesicht war vom Tode gar nicht entstellt. Acußerlich sah man nichts, was verrieth, daß die Gebeine bereits Staub waren. Aber berühue man den Leichnam, so drang der Finger immer tiefer ein. Würden sich hier Alterihumsfvrscher besindeu, so hätte ihnen dieser Fund einen Gegenstand sür die interessantesten Forschungen abgegeben. Samuel E. Tiktin. V e.r schiedenes. Ein schönes Bild. Aus Jerusalem schreibt man uns nnterm 19. Nißau: „Nach einem leichten und warmen Ziegen heiterte sich der Himmel ilm die Mittagsstunde aus lind die Sonne strahlte in ih er ganzen Herrlichkeit. Die Bewohner Zions eilten hinaus aus der Stadt, zu Fuß. zu Wagen, zu Roß. Das Thal Rephaim, die Hebronstraße, das Jaffa-Thor waren voll von unseren Brüdern; sie waren in allen Färbungen und Kategorien erschienen. Aschkenasim, Sephardim, Theinaniten, Moghrebiner, kurdische nnd grusinische Juden. Der einzige Trost ist, baß es noch eineSprache gibt,welche sieeinigt und die heute manchmal in der Unt.rhaltung zwischen Angehörige» derverschiedenen Schichten gehört wurde. Wohl ist es ein fürchterliches Hebräisch, aber es ist doch hebräisch, — die Kette, welche die ganze Nation znsammenhält. Ein schönes Bild bot sich in einem der.Höse dar, woselbst im Garten unte Oelbäumen eine Familie saß und Thee trank, vor sich den dantpsenden Samovar und alle Geräthe nach nordischer Sitte geordnet. Ettern und Kinder nach der letzten Pariser Mode gekleidet, aber i» unserer alten Sprache eonversirend; die Kinder über einen Gespielen spottend, der erst ein halbes Jahr hier ist und »och in die hebräische Rede slavische Worte mischt. Die Umstehendeit erfüllte der Anblick dieser Kleinen mit Freude und Hoffnung. Aus anderen Ländern. Original-Corrcfpondenze«. I li l a n d. Lemberg, 0. Juli 1893. Die Luge der Juden in dem von „dein specifisch Wiener Gewächs" freien (!) Galizien verschlimmert sich voil Tag zu Tag. Ohne Schneideriaiia, Lucgeriana :c. in dein einen oder andern autonomen Körper vor aller Welt auszuposanncn, vereinigen sich die polnischen Schlachzizen mit dem Bürger- und Bauernstände — ein Fall, der bei ihnen äußerst selten ist —. um auf jede mögliche Weise den Schwächen! und Uuconsolidirten Alles ans öconvmischei» Gebiete ivegznrcißen. Den Ansang machte man mit den Vereinen zur „Unterstützung der Ackerleute", welche, man kann es mit Bestimmtheit behaupten, eine über alle Städtchen weitverzweigte Institution wurden. Ebenso zahlreich sind die Eonsumvereine, ferner die Gesellschaften für Hebung der Industrie, des Kailfmannstandes. Einen großen Einfluß hat der seit 2 Jahren von den polnischen „Großen" begründete „Handelsvercin", der seine Agenturen fast in ganz Galizien hat. Eine Sache muß aber hervorgchoben werden, daß die Polen, treu ihrem a ltcn Principe, sich überall, d. h. in allen Gesellschaften zur Anssührung ihrer Pläne der Inden bedienen, da sie sich doch nicht zu solch' niedrigen Dingen, wie es die Industrie, der Handel und das Gewerbe ist, herablassen wollen. Den Culminationspunkt erreichte dieses „Neißsystem" bei dem in diesem Monate von dein Lanoesansschnsse übernomineiien Salzmvnopvle. Dieser Umstand hat uns umso herber getroffen, da auf diese Art «nsern ärmsten Brüdern vielleicht der einzige Erwerb aus den Händen gerissen wurde. Man

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