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Selbst-Emancipation · 1893-07-15 · Heft 10 (15.7.1893) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 10 (15.7.1893)
Date
1893-07-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 §ewst-Gmancipakion. Nr. 10 wenn er ihn für möglich hielte. Unsere gewaltsame Ausrottung kann bei unserer Vertheilthcit gar nicht gelingen, und eine Selbstaufgebung ist, von allen anderen inneren Gründen abgesehen, so lange nicht denkbar, als es Antisemiten gibt, welche uns znrückwciscn, und Antisemiten wird cs — auch nach Lombroso — kraft Atavismus und psychischer Epidemie immer geben. Will man daher nicht, daß der jetzige schmähliche Zustand für alle Ewigkeit dauere, so -weiß nur der Zionismus den „einzigen noch denkbaren Ausweg", und ihn zu bcschrciten sollten die Juden sich beeilen, Männer aber von der Bedeutung eines L v m b r o s o sollten, nachdem sic von der peinlichen Verlegenheit, trotz bester Diagnose keine geeignete Therapie zu wissen, befreit sind, es für ihre Pflicht halten, die Juden zur Betretung dieses Weges zu ermuthigcn. Die Nealisirung der zionistischen Pläne bedeutet eine Erledigung der Judensrage, indem sic ein nationales Ccntrnm, einen Zufluchtsort und einen Rückhalt zugleich, für die Juden schafft, indem sie den Juden wieder Selbstachtung cinflößt und Achtung für sic wirbt, indem sie ihre Mängel dauernd beseitigt. Wie konnte das unangenehme Schauspiel eines säst ausschließlich handeltreibenden Volkes besser beseitigt, wie die Auswüchse conservativer Lebensweise und conservativer Neligionsanschauung beffer behoben, wie zur Ausnützung lange brach gelegener Fähigkeiten ein Volk besser angetrieben werden/ — als durch nationale Wiedergeburt auf landwirthschaftlichcr Grundlage, als durch ein nationales Leben, das auf allen Gebieten o r g an i s ch c n Fortschritt bedingt, als bei nationaler Selbstachtung? Was bedeuten im Vergleiche damit die Versuche, die Juden in einer Umgebung, welche sie auf den Handel anwcist, zum Ackerbau und Handwerk zu erziehen; was die religiösen Reformen, welche dem gläubigen Inden lächerlich erscheinen, für den ungläubigen. eine seelenlose Spielerei sind; was die angeblich, in der Thal verschwindend geringe Abnahme der kaufmännischen Bcrufs-Einf.'irinigkcit in den Ländern „vollkommener" Gleichberechtigung? Ja, nur der Zionismus kann die Shylocks zu den Todtcn werfen; Shylocks sind aber nicht die echte n, alten Hebräer, wie sich Lvmbro so sehr unrichtig ausdrückt, sondern cs sind Ghettojuden von einst und jetzt, welche zuweilen, übrigens auch sehr selten, den häßlichen Namen verdienen. Der Typus des wahren Hebräers aber ist heute leider sehr selten anzutresfcn. Nur der Zionismus kann dafür sorgen, daß er nicht ganz verschwinde, "sich vielmehr verallgemeinere. Der Typus des Ghettojuden jedoch wird nur durch den Zionismus in Vergessenheit sinken, — sammt dem ganzen Wüste trauriger Mißverständnisse und Vorurthcilc, welche man heute die Judenfrage nennt. Sollte aber unsere Annahme nicht richtig sein, daß nämlich eine Umgestaltung der Wirthschaftsordnung nicht auch gleichzeitig die Judensrage lösen würde, so bleibt doch wenigstens das Eine sicher, daß die Ziele der socialistischen Sehnsucht nicht morgen werden erreicht werden, wie manche kurzsichtige und ungeduldige Schwärmer glauben; erst nach vielen Kämpfen und Rückschlägen könnten sie zu völligem Durchbruch kommen.. Noch nicht einmal die allerersten Anzeichen sind sichtbar — um mit Lvmbro so zu reden. Oder, um einen andern Naturforscher, den berühmten französischen Botaniker Alphonsc de Candolle (in seinem Buche „Histoire des Sciences et des savants depuis deux siecles“. Genf 1873) zu citircn: „Die Gcwaltthätigkcit unserer Ahnen muß nach den Gesetzen des Atavismus von Zeit zu Zeit wieder auftauchen, diese Gcwaltthätigkcit war in Folge einer langen Gewohnheit ein Jnstinct geworden; cs brau ch t Zeit, um andere Jnstinct'c zu schaffen". — Und was soll nun, im besten Falle, diese Zeit über mit uns Juden geschehen? Sollen wir nicht von diesen Jnstincten Anderer uns unabhängig zu machen suchen? B. Aus 'Palästina. Original-Berichte. Jerusalem, de» 20. Juni 1893. Im neueste» Erlasse der Pforte hcisit es ausdrücklich, da» den jüdischen E i niv a n d ere r n der Erwerb von Grund und Boden verl: v len bleibt. Dagegen steht derselbe fortab den ansäsiigen Inden frei, wenn sie diese, ihre Ansäsiigkeit durch beglaubigte Zeugnisse Nachweisen Die fremden Unterthancn müssen einen Revers unterschreiben, das; sie sich, wenn sie ihren Unbeweglichen Besitz an jüdische Einwanderer vermiethcn oder verpachten, was nicht gestaltet ist, für diesen Fall der türkischen Gerichtsbarkeit linterwerfen. Ans allen diesen Gründen sollte beim Bodenkanf und bei der Ansiedlnng nur mit allergrößter Borsicht vorgegangen lverden. Äus den Eolvuien wird dem „llaz’wi“ berichtet, dasi, als dort die Nachrichtvon der Hinzuziehung der Juden zum Militärdienste einlras, sich die Schulkinder überaus srcnlcn; ein jedes von ihnen sagte, dasi es gern in den Kamps des Sultans gegen seine Feinde ziehen wolle.*) Die Nealisirung des MilitärprvjccleS ist, wiewohl der Sultan diesbezüglich seine Meinung äußerte, noch weit entfernt. Lniitlii. Jaffa, (Jjar-Bcricht**). In der Schule der Cvlonie Rischvn l'Zion rvnrdeii an die ausgezeichneten Schüler Preise verth eilt. Die Araber feiern das Bairam-Fcst. Die Art des Feicrns, der Gesänge und Tänze erinnert sehr lebhaft an die Art und Weise der Begehung von Freudenfestcu durch unsere Brüder in kleinen slavischen Städten. Die Zahl der Schülerinnen in der hiesigen hebräischen Mädchenschule beträgt 78. Die Mädchen stehen im Alter von 7 bis 14 Jahren. Ein vornehmer Araber sagte einem hervorragenden Juden, der zufällig hier weilte, daß der Baron keinen Erfolg haben werde, weil er nicht die geeigneten Mittelspersonen kenne; er (der Sprecher) sei sicher, daß Ulan alle zur Colvnisation nothwcndigcn Rechte erlangen^könne, wenn man nur den richtigen Weg cinschlüge. Die Lust des Landes Israels macht weise — sagen unsere Weisen. Viele Gegner der Colonisation, welche ein oder zwei Jahre hier weilen, kaufen sich in einer der Colvnien an und lassen sich daselbst nieder. Das erlebten wir spccicll bei einem jungen westeuropäischen Juden, welcher zu den größten Gegnern der Colonisation gehörte. Die hiesige hebräische Knabenschule wird von 132 Schülern im Alter zwischen sechs und fünfzehii Jahren besucht. In Pethach Thikwah pflanzie die Administration 25.000 Weinstvcke auf einer Flüche von 1100 Dnnam, 2000 Maulbeerbäume auf 60 Dnnam, andere Pflanzungen ans 25 Dnnam. Das Exccutivcomite pflanzte sür 6 Colonisten 2700 Maulbeerbäume auf 25 Dnlam. Die Colonistcn selbst pflanzten 2000 Maulbeerbäume auf 50 Dnnam, 25000 Weinstöckc auf 120 Dnlam. Alle Anpflanzungen sind schön gcrathcn; 90 Pcrccnt geben Ernte. Die Zahl aller Weinstöcke in der Colonic beträgt gegen eine halbe .Million. Einige Häuser sind zugckommcn. Der Bodenprcis steigt bis 40 Francs der Dnnam. Ans Tantura berichtet man, daß in der dortigen Glasfabrik gegenwärtig 30 bis 40 Arbeiter und Handwerker arbeiten, welche von 40 bis 100 Mark im Monate erhalten. Die Arbeiter sind durchwegs intelligente Leute und leben in Eintracht. Die H'agclschläge vor Peßach haben den Südfrüchten sehr geschadet. Die Eisenbahn Ehaifa-Damaskns wird mit großer Raschheit gebaut. Schon sind 8 Kilometer fertig; was *) Man vergleiche diese Meldung mit der analogen Meldung in der zweiten Correspondenz aus Jerusalem. Welcher Unterschied zwischen Alt-Palästina in.. Jerusalem und Jung-Palästina in den . Eolonieu! **) Im Originale hebräisch. ....

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