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Selbst-Emancipation · 1893-07-01 · Heft 9 (1.7.1893) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 9 (1.7.1893)
Date
1893-07-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 §ewst-GmancrpaLion. Seite 5 Magazin der von ihnen erzeugten Maaren in Jaffa zu | eröffnen. Doch walten noch Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen. . Beth halevy Aus anderen Ländern. Original-Correfpondenzen. Oesterreich-Ungarn. Wien. Außer dem bis zum Neberdrusse forterörtertcn Fall Deckert-Meyer gibt es in Wien selbst in der letzten Zeit nichts, was im Punkte der Judenfrage besonderen Staub aufgewirbelt hätte- Nur das bezeichnende Nachspiel zu den Holleschauer Judennnrnhen vor dein Kreisgerichte Ungarisch-Hradisch in Mähren hat die Zeitungen zu trüben Betrachtungen veranlaßt. Zwei Dienstmädchen werden wegen Verleumdung des Holleschauer Juden David Tandler, er habe sie rituell abschlachten wollen, zu längeren Kerkerstrafen vernrtheilt. Es liegen klare Beweise vor, daß sie lügen, sie kommen aus den handgreiflichsten Widersprüchen nicht heraus, und dennoch halten sie ihre Aussagen vor Gericht aufrecht. Das veranlaßt den Staatsanwalt, in seinem Plaidoyer die Vermuthung auszusprechen, daß „eine mächtige Persönlichkeit" hinter den beiden verführten Berleumderinnen stehen muffen. Er wird wohl Recht haben. Krakau, de» 19. Juni 1893. Am 12. d. M. fand hierorts die feierliche Bestattung des in Florenz verstorbenen Dichters, Teophil Lenartowicz auf Nationalkvsten statt. Es braucht wohl'nicht erst hervorgehoben zu werden, daß ein beträchtlicher Theil der Nationalkosten, wie üblich, aus Judeiigeldern bestand. Sämmtliche S-raßen, durch welche sich der Condnct bewegte, Prangten imFlaggenschmnck und waren es besonders'„Polen mosaischer Confession", welche in der Decorirnng ihrer Häuser wetteiferte». Auch \ an der Leichenfeier betheiligten sich mehrere jüdische Delegirle. Als" nach den Delegationen von' nationalen Vereinen re. die Geistlichkclit die Straßen passirte, lüstete das christliche Publicum die Hüte; diesem' Beispiele folgte alsogleich die Mehrheit der „Polen mosaischer Confession". Die Minderheit, bestehend größtcntheils aus den so - genannten . „polnischen Juden" (Orthodore) mochte jedoch wider ihre, religiöse Anschauungen nicht handeln uno behielt die Kopfbedeckung auf. Dies scheint aber bei einer Nationalseier unstatthaft, denn wie anf Commando flogen nun, infolge arisch-slavischcn Entgegenkommei.s, Hüte verschiedener Gattung der semitischen Compatrioten nach allen. Richtungen hin. Auch Püffe und Stöße wurden Letzteren in größerer Menge gnädig verabreicht. Dies Alles nahmen die würdigen Sprößlinge des servilen Jaukiels willig en'gegeu. Dies sühit ja zur vollständigen Verbrüderung! Was sich liebt, das rreckt sich! Dieses Vorgehen wurde während des Zuges aus der ganzen Strecke cvnseqnent beobachtet. Im jüdischen Stadtviertel, wo sich Muthigere der Jnsultirten zur Wehre setzten, kam es zu Zusammenstößen. Es dauerte ziemlich lange, bis die Sicherheitsorgane zwischen den handgemein gewordenen Polen beider Konfessionen, die Ruhe wieder Herstellen koiiiilen. Verhaftet wurden nur zwei — Juden, weil sie die Schläge nicht ruhig Hinnahmen! Unlängst coustituirte sich in unserer Stadt ein „Polnischer Schachclub", der erste auf polnischem Boden gegründete Schachverein, wie die hiesigen Journale hervorhoben. Zwei angesehene „polnische" Bürger ersuchten um Aufnahme. Die Gesuche wurden beiden znrückgewiesen, weil die betreffenden Patente» — Juden sind! Hierzulande scheint die Judenheit besonders Gewicht darauf zu legen, bei einer jeden Gelegenheit ihre polnisch-nationalen Gesinnungen zu documentiren, während die christlichen Polen sich stets befleißigen, ihnen das Lächerliche und Nutzlose,ihrer diesfälligcn Bemühungen za zeigen. Facta loquunlur! ' Sfas. Rzeszow, 13. Juni 1893. Der hiesige Colonisationsverein „Choveve Zion" feiert nun nach langem Winterschlaf sein Erwachen. Dieses ist dem belebenden Einfluß junger Kräfte zuzuschreiben, welche ich der Zionssache gewann/für die sic sich jetzt mit großem Eifer entsetzen. Bei deram 1. d. M. stattgefiindenen Ansschußwahl wurden denn auch mehrere der jungen Männer gewählt. Die Wahlen hatten folgendes Ergebniß. Der Unterzeichnete Präsident, Herr stnä. jur. Edmund Holzer Bicepräsident, Herr stnü.z'nv. | Schaufel, Secretär für die Landessprache, Herr Aba A p f e l b a u m, Secretär fürdie hebräische Sprache, Herr HermannS il b er, Cassier, die Herren Josef S ch ö n b l um und S. F i s ch b e i n, Revisoren. Namentlich die academischen Mitglieder des Vereines entfalten eine lobenswerthe Thütigkeit bei Anwerbung von Bereinsmitgliedern. Auch der Zweck des Vereines wurde erweitert. Außer Unterstützung der Colonisation sind jetzt auch Hebung des jüdisch - nationalen Selbstbewiißtseins und Pflege und Verbreitung der hebräischen Sprache und jüdischen Wissenschaften Vereiuszwecke. . Gott gebe, daß unser Bemühen vonr bestem Erfolg gekrönt werde. Sigmund Kämmerling. Nachbemerkung der Redaktion. Wir möchten die geehrten Nzeszower Gesipnungsgeuossen darauf aufmerksam machen, daß sich der Verein „Choveve Zion" schwer in den Verband „Zion" wird einfügen laffen, wenn er nebst dem Colonisationsnoch andere Zwecke verfolgt. Es wäre thunlicher, den anderen zionistischen Zwecken eine eigene Pflegestütte zu errichten, nnd die „Choveve Zion" als Einzelvecein des Verbandes „Zion" fortbestchcn zu lassen. Tarnow, 20. Juni 1893. Die k. k. Statthalterei in Lemberg hat mit Erlaß vom 16. Mai 1893, Z. 37897 die geänderten Statuten des hiesigen Colonisatiönsvereines „Ahavas 2ion", wonach derselbe nunmehr „E i n z e l v e re in (grupa raiejscowa) Tarno iu" des „Z i o n" „Verbandes der österreichischen Vereine für Colonisation Palästinas und Syriens" ist, genehmigt?) Budapest, den 26. Juni 1693. In den Sälen der Bndapester isr. Religionsg.sellschast sana jüngst eine Versammlung leitender jüdischer Persönlichkeiten behuss Gründung einer Ungarischen jüdischen Literaturgesellschaft statt. Der Vorsitzende betonte in seiner Ansprache die nationale und religiöse Bedeutung der zu gründenden Gesellschaft.- Aber glauben Sic etwa, daß er jüdisch-national meinte'? Weit gefehlt! Der Mann hatte den magyarische» Nationalismus im ..Sinne. Denn sonst hätte er nicht gleich darauf sagen können: „Die geistigen Schätze unserer vieltausendjährigen Literatur sollen das nationale Schriftthum um einen edlen Zweig bereichern". Die jüdischen Literaturschätze können doch nicht bas jüdisch-nationale Schristthuin um einen edlen Zweig bereichern. Nein, die Literatur des jüdischen Volkes soll ein edler Zweig an dem Baume der magyarischen Literatur werden. Wie sie es ferligbringen soll, die arme jüdische Literatur, zugleich an so vielen Bäumen Zweig zu sein, ist freilich ein Räthsel. Unsere ungarischen Juden gehen überhaupt mit einer Blende umher. Sie wollen sich und andere glauben machen, als seien die Zustände in Ungarn die rosigsten. Der Eingeweihte nnd sich nicht selbst Foppende weiß aber, daß die gesellschaftliche Gleichberechtigung der Inden hier, ebenso im Argen liegt, als anderswo nnd daß namentlich in den großen Volksmassen die alte Antipathie gegen die Juden fortbestehr. Es wäre zu wün'chen, daß die ungarischen Inden nicht einmal recht unsanft ans ihren Träumen geriffen werden. Vorläufig beginnt sich wieder die antisemitische Agitation zu regen. So hat der Kecskemeter Buchhändler F e ke t e eine Verleumdungsschrist drucken lassen, worin die unsinnige Lüge erzählt wird, daß die Inden den angeblich verstorbenen Kronprinzen Rudolf gefangen halten. Das Märchen wird geglaubt, sogar recht innig. Ein Kecskemeter Bauer gab ans einen jüdischen Händler, den er zu sich gelockt hatte, mehrere Schüsse ab, ohne glücklicherweise den Juden zu beschädigen. Verhaftet, erklärte er ganz offen: „Da die Juden den Kronprinzen gefangen hielten, habe ich mir vorgenommen, mindestens einen Juden zu erschießen".- Kol köre bamidbar. Deutsches Reich. Berlin, 22. Juni 1893. Die Signatur der deutschen Rcichstagswahlen ist neben dem Anwachsen der Social- *) Ebenso sind bereits die Statuten des nengebildeten Einzelvereines Krakau als genehmigt zu betrachten, weil die gesetzliche Frist, während welcher noch eine abweisliche Entscheidung der Behörde koinmeii kann, verstrichen ist. Die Statuten des EinzelvercineS Lemberg sind überreicht. — Unklar ist uns, warum die GesinnnngSgenoffeu in Horazdomitz mit der Überreichung von Statuten zögern. Auch in Prag, wo die Statinen des StudeutenvereineS „Maccabäa" edeusall» als genehmigt betrachtet werden können, sollten die Gesiinningsgenoffen nicht säumen, eine Ortsgruppe des Verbandes „Zion" ins Leben zu rufen. — Der erste Delegirtentag des Verbandes dürfte Ende September stattsinde».'

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