Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 9 (1.7.1893)
- Date
- 1893-07-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Setbst-Grnancipakion. Nr. 9 möglich Selbstverwaltung einzuführcn, Allerdings habe er auch hierin mit Schwierigkeiten zu kämpfen ge-. habt, da am Anfang' die gänzliche Unkenntniß der dortigen Verhältnisse und besonders der Bodenverhältnisse seitens der Colonistcn ihrer Selbstverwaltung nicht förderlich war. In einer Colonie, wo er Selbstverwaltung eingesührt, stehe die eine' Hälfte unter einem Capitos der Jude sei, während ' die andere Hälfte einen nichtjüdischen Capitos zum Haupte der Selbstverwaltung habe. Eifersüchteleien aber haben es dahin gebracht, daß während die Hälfte unter dem nichtjüdischen Capitos zufrieden und einträchtiglich leben, die andere halbe Colonie unzufrieden - und ungeordnet sei, weil dem jüdischen Capitos seine Leute den Gehorsam verweigerten. Hätte er tüchtige russische Juden als Mitarbeiter gehabt, so wäre ihm Vieles erspart geblieben und viel mehr zu'thun möglich gewesen. Er habe vor seiner Abreise nach England Herrn Kogan, seinem Stellvertreter, der in Rußland weiteren jüdischen Kreisen bekannt sein dürfte, die Instruction als Hauptpunkt hinterlassen, Ar die Einführung der Selbstverwaltung unablässig thätig zu sein. Col. G o l d smi d gab dann in längerer detaillirter Ausführung eine Beschreibung der Verhältnisse von Land und Leuten in Argentinien, Sein Äufenthalt dortselbst sei eine gute Schule für ihn gewesen. Er habe dort zur Genüge sich überzeugt, daß Juden gute Ackerbauer sein können. Sein Interesse für Zion ist nicht um ein Iota vermindert. Er verglich dann die Kosten der Colonisation in Palästina mit derjenigen Argentiniens im Detail, wobei er zur Vergleichung den Voranschlag des - Herrn D'Av i g do r für die-zu gründende Colonie der hiesigen Choveve Zion'benützte. . Bevor irgend Jemand ausgeschickt werde, müsse ein Haus siir ihn fertig sein. Sodann sollten blos Familien geschickt werden, die wenigsten aus . vier arbeitsfähigen.' Mannspersonen bestehen. 7 . - . j Col. G o l d sm i d . schloß seine nahezu eine Stundewährenden hochinteressanten Ausführungen unter einer. begeisterten Ovation, als er seinen Sitz wieder einnahm. Herr M a e c o b i und Rcv. Isidore M e y c r s, beantragten hierauf, dem Vorsitzenden Herrn' Prag das übliche Dankesvotnm zu bewilligen und unter dem Eindrücke der feurigen Bcredtsamkeit des Herrn M e e r s löste sich die Versammlung auf. M. L e i b o w i tz. Aus WaLästincr. Original-Berichte. Jerusalem, 2 Thamns 5653. Ich kann Ihnen die freudige Mitthcilnng machen, daß Seine Majestät der Sultan dem Baron Edmund 3i o t h s ch i l d gestattet hat, in den Kreisen " Damaskus und Beirut, in Galiläa und Transjordanien Boden zu kaufen. Niiriu Judäa ist es den Juden, verboten, Grundstücke zu erwerben, jedoch, bloß von Nichtjuden. Dagegen hat der Sultan alle bisherigen Besitzungen daselbst vollkommen genehmigt, so daß"jetzt auch überall der Hänser-. bau kein Hinderniß weiter finden wird,' woran bekanntlich die Colonisation besonders laborirte. Bei Chaifa hat der Baron das Dorf Athlit gekauft, welches zur Zeit der Krcuzzüge eine starke Festung war und nahe dem Meere liegt. , ' In Chdera erlaubte der Vali den Häuserbau. ünmiuehlia^or. - Jaffa. (Nissan - Bericht.*) Die.Führer der hiesigen Zionsfrcundc haben die Bitte einer Genossenschaft in Transvaal, welche sich unter ähnlichen Bedingungen, wie die *) Im Originale hebräisch. Genossenschaft „menucliah w’naclilali“ in Palästina ansiedeln will, erfüllt, indem sie ihr einen genauen. Voranschlag des Unternehmens einsandte. Da die Kinderaufficht hier sehr im Argen liegt, hat. sich ein Verein zur. Errichtung eines Fröbel'schen Kindergartens gebildet. Das Haüpthinderniß besteht darin, daß keine Lehrerin zu finden ist, welche die Kindererziehung nach Fröbel'schem System ordnungsgemäß erlernt hätte und zugleich gut hebräisch verstehen würde, um. mit den Kindern in hebräischer Sprache spielen zu können. Doch wird sich dieses Haüpthinderniß hoffentlich beseitigen lassen, und der. Kindergarten wird eine geeignete Vorbereitung für die hiesigen Schulen sein. Die Erhaltung eines Kindergartens bcnöthigt 3000 Francs jährlich, wovon ein Drittel der Verein geben will. Das zweite Drittel wird durch Schulgelder eingebracht werden, den Nest bestrebt sich der Verein noch aufzubringen. . _ Dr. A. Mas! a, Arzt, in Nischon l'Zion gedenkt eine neue Zeitschrift herauszugeben, welche ausschließlich der Spracherweiterung gewidmet sein soll. Diese Zeitschrift soll alle die neuen Ausdrücke, welche im heiligen Lande jetzt jeder Tag schafft, aüfnehmen und kritisircn. Herr Dr. Mafia hat sich in dieser Angelegenheit mit den hervorragendsten hebräischen Sprachkennern des-Landes in Verbindung gesetzt und sie um ihre Mithilfe ersucht. Die Colonisten von Chdera wühlten in das mit. der Leitung ihrer Angelegenheiten betraute' Comite den Leiter des Jaffacr Executivcomite, Herrn L. B i e n st o ck, ferner den Verwalter von Rifchon l'Zion Herrn Bloch, den Direktor der Ackcrbauschule von Jaffa, Herrn N i e g o und noch einen Beamten aus den Administrationen der galiläischen Colonien. Dieses Comite hat eine sehr wichtige Aufgabe, da die Colonie'drei Genossenschaften und eine Anzahl von Einzelbesitzern zählt', unter welchen., das.Einvernehmen erhalten werden muß. / Die Administration. von Nischon l'Zion hat in Jerusalem ' auf ihre Kosten ein Weingeschäft eröffnet, welches sehr geschmackvoll eingerichtet ist. Vor dem Peßachfeste wurden in demselben 4000 Francs gelöst, denn sehr viele Inden, — auch die Leiter der Kollelim — schafften sich für den Sedernsch den Nischon l'Zion-Wein an. Aber 'auch die Fremden kaufen ihn gerne und so bedeutet dieses Weingeschäft eine Ehrung des jüdischen Namens. Die Colonisten von Nechowoth arbeiten sich immer mehr in ihren Wirkungskreis ein. Sie werden Landlcute, wie cs sich gebührt. Alle ^Colonisten, auch die reichsten, bearbeiten selbst ihre Weinberge, und auch ihre Weiber und. Kinder bcthciligcn sich stark an der Arbeit. Auch verdingen sich die Kindcrder Colonisten,. auf denGrundstncken anderer Colonistcn oder der. Verwaltung von „menuchah. . w’naclilah“ zur Arbeit. Das hält aber die Mädchen nicht ab, auch alle Häuslichen Arbeiten zu verrichten, sich reinlich zu tragen, Zeit für Spazierengehen und Zeit, für Lectüre zu finden. Wer jetzt nur einige Tage in dieser Colonie verweilt, kann sich überzeugen, daß der Bodenbäu bereits anfängt, uns gründlich von den Schlacken des. Stadtlebcns zu reinigen. Einige Colonisten führen Lebensmittel, namentlich Erzeugnisse der Milchwirthschaft, Butter und Käse auf den Markt nach Jaffa. Ein Hervorragender Zionsfreund, welcher die Seifenbcreitung versteht, hat sic einigen Andern gelehrt und es . ist Aussicht vorhanden, daß diese davon eine Existenz sich schaffen Werdens - . Der hiesige Handwcrkerverein gedenkt im kommenden - Jahre in einerder Colonien eine Ausstellung von Erzeugnissen der jüdischen Handwerker des Landes zu veranstalten. Ebenso beabsichtigen die Handwerker ein gemeinsames