Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 9 (1.7.1893)
- Date
- 1893-07-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 9 KeWst-Gmancrpalron. Seite 3 mit den Palästinensern sich einznlasscn, der Boden sei so dürre u. s/ w. — Er habe sich nun überzeugt, wie dürre der Boden sei. Der Boden sei gerade io dürr, wie es für uns nöthig war, damit er von uns fruchtbar gemacht werde. Die Vorzüglichkeit des Weines habe er persönlich auf die Probe gestellt, und der dürre Boden bringt Wein hervor, der nicht hinter den Erzeugnissen anderer berühmter Wein produzierender Länder znrückstehc. Er habe ebenfalls Baron de Roths ch i lds Reden an die Colvnisten gelesen und sei zwar der Ansicht, das; der jüdische Jargon als die Sprache von Millionen unserer Brüder nicht nrit Verachtung behandelt werden solle, was aber seinem Herzen wohlgethan, war in den Schulen in den Colonien das Einmaleins und den geschicbtlichen Unterricht in hebräisch zu hören. Sein Rath an alle Inden, die unabhängig sind, ist nach Palästina zu gehen, wo sie das Land beleben und Beschäftigung für die Mittellvseii und deswegen Beschäftigungslosen schaffen könnten. Er unterstütze die vorgeschlagcne Resolution Col. G o ld sm i d zu bewillkommnen und ihm Dank für seine Arbeiten jenseits des Occans anszusprcchcn. Dank, nicht nur dafür, was crgethan, sondern weil er (Goldsmid) hon demselben Geiste erfüllt ist, der, wie Redner hoffe, alle Anwesenden erfülle, dem Geist der Liebe zu Zion (großer Beifall.) Während sic alle Col. G o lds m i d begrüßen und ihre Erkenntlichkeit Ausdrücken, sollte Niemand in der Versammlung in seinem Herzen des edlen Varons v. Rothschild vergessen, der einer und allein, mehr für Juden und Jndenthnm in der Gegenwart gethan als alle anderen Inden znsammengenommcn. Stürmischer Beifall folgte' den Ausführungen des Redners, der bisher wohl zu den Förderern der Colonisation Canadas und sonstiger amerikanischer Staaten gehörte und als solcher in den Vordergrund trat, während er der Colonisation Palästina's bisher gegenüber sich passiv verhielt. ChiefrabbinerDr.Adler sagte:Goldsmid vereinige in seinem Charakter die Eigenschaft eines biblischen Helden, des Joschna öen Nun mit denen eines General Gordon, eines Charakters unserer ei gen en englischen Geschichtc." Die Verfolgung der Inden mache cs nothwendig, für die Verfolgten mehr als einen Zufluchtsort zu suchen. Gewiß sei Goldsmid diesen Abend froh, zu seiner ersten Liebe zurückzukehren. Indem Sic ihm die Anerkennung zollen, so thun Sie cs auch für seine zukünftige Arbeit für Jiscliub Ercz Israel. (Großer Beifall).Dr. Hirsch sprach noch und darauf wurde die Resolution vom Vorsitzenden Herrn Prag zur Abstimmung vorgclcscn, worauf sic natürlich einstimmig angmmen wurde. Und nun erhob sich Cöl. Goldsmid unter herzlichen Bcgrüßungsrufen und lebhaftem Applaus. Nach dem Danke für den ihm zuteil gewordenen warmen Empfang und dem Willkommcnsgruß „welcome Imme" sagte er: Chovevc Zion! „Was ist ein Heim?" Ein Jeder von Ihnen hat ein Heim, sei cs nun ein Hans oder ein Zimmer, oder auch nur ein gewistcr Platz im Raum, welchen er als Heim betrachtet. Ich habe kein Hans, noch ein Zimmer, noch auch irgend einen anderen Platz in Raum, für nicin Heim, mein Heim ist bloß in dem östlichen Zelte der Chovevc Zion. Ich.habe kein anderes Heim". Die classische Ruhe dieses Redners, die kurze, klare Ausdrnckswcisc und die einfache, aufrichtige, schlichte, von allem Gekünstelten oder Affektirtcn freie Weise im Tone und Vortrag verließ den Colonel hier ebenso wenig, wie während seiner ganzen Rede. Es ist unmöglich, seine Worte nicht, voll und ganz als den Ausdruck seines ganzen Gedankens aufzunchmcn. Und für den, der Zuhörer war, konnte nicht der leiseste Schatten eines Zweifels sein, das dem Redner auch in der obigen Aeußerung nichts ferner lag,' als etwa ein konventionelles Complimcnt auszusprechen. Fortfahrend sagte Redner, Herr Landau habe die Frage des „Jüdischen" berührt. Nun, er sei anderer Meinung darüber als Herr Land an. Beider Abfassung der Statuten des hiesigen „Chovevc Zion" Vereines habe er beantragt, daß die Pflege des Hebräischen und die Förderung desselben mit dem Endziele der Wiedereinführung derselben als einer lebendigen Sprache zur Programmsache erhoben werde. Er wisse nicht, ob in seiner Abwesenheit irgend etwas in dieser Richtung gethan worden sei. In seiner Tasche habe er eine Börse voll argentinischer Banknoten, die wolle er ihnen zeigen, als Antwort auf diese Bemerkung, daß Millionen von Inden „Jüdisch" sprechen. Redner zog daun einige Banknoten ans einer Geldbörse und sagte auf dieselbe hinweisend: „Diese Banknote repräsentirt den Werth von einem half penny (== vier Pfennig), diese Note ist ein Penny (— (acht Pfennig). Die Argentinier Hütten solche Banknoten und solche Papierwährung in Ermangelung einer besseren. Eine solche half penny-Note sei der jüdische Jargon für die Maßen, die besseres nicht haben. Sie müssen zu ihrer eigenen historischen Sprache zurückkehren und er möchte den Mann hören, der da sagen könnte, dies sei das sogenannte „Jüdisch". Was dann den Ausdruck, der gebraucht wurde (Dr. Adler hatte sich so ausgedrückt) daß er nunmehr zu seiner ersten Liebe zurückgekehrt sei, fo müsse er sagen, daß er nicht dem Sprichworte gefolgt, das da lautet, daß man mit der ersten Liebe ein Ende macht, bevor man sich mit einer zweiten einläßt. Er habe nie seine erste Liebe anfgegeben und oft unter seinen Arbeiten in Argentinien habe er auch an die Choveve Zion hier gedacht. Auf die Colonisationsangelegenheiten des Längeren eingehend, gab Redner dann Erläuterungen mit Hilfe einer Karte von Argentinien über die bisher gegründeten Colonien und die Schicksale der Colonisten. Hierbei beklagte er die große Mißwirthschaft, die dort vor seiner Ankunft, eingerissen war, und die Schwierigkeiten, die er infolge dessen zu überwinden hatte. Ein Proceß, in welchen er bald nach seiner Ankunst sich verwickelt fand, verhinderte ihn für drei Monate, den Bau der Häuser zu beginne», was nothwendig war und keinen Aufschub dulden konnte. Infolge dessen wurden viele Familien dazu bewogen, von Argentinien wegzugehen. Er versuchte, sie zum Ausharren zu bewegen, allein durch die großen Leide» und Entbehrungen, ungeduldig geworden, zogen sie es vor, Argentinien zu verlassen. Er habe große Schwierigkeiten gehabt, weil die Leute zur Verzweiflung getrieben waren, wegen Mangels an Häusern und der Entbehrungen, welche sie noch vor seiner Ankunft anszustehen hatten. Oft war aber der größte Grund zur Unzufriedenheit und den Klagen der Colonisten, daß man ihnen kein Land und keine Beschäftigung gab. Sie seien musterhafte und ordnungsliebende Landwirthe geworden, sobald sie sahen, daß ernstlich daran gedacht werde, ihren Beschwerden gerecht zu werden. Viele Colonisten, mit denen er anfangs auf sehr gespanntem Fuße gestanden, stehen jetzt in einem solchen Verhältnis; zu ihm, daß, wenn er seine Frau und Kinder unter Obhut fremder Leute zu lasten Hütte, er sie am liebsten dem Schutze jeder dieser Colonisten anvertranen möchte. Der Mangel ehrlicher und fähiger Mitarbeiter habe sich sehr fühlbar gemacht. Die große Ferne der Colonien von einander, manchmal so weit wie von Wien nach Edinbnrg, fordere gebieterisch die Benützung von Bertrauenspersone». Oft hatte er Personen zu vertrauen, die nicht als vertrauenswürdig sich, erwiesen. Man hätte an diesem Abend viel Gutes über ihn gesagt und so bitte er, den vielen Geschichten, die in Europa über seine Verwaltung verbreitet worden, keinen Glauben zu schenken. Sein Hanptbestreben ging und gehe nun dahin, in den Colonien jo schnell wie