Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 9 (1.7.1893)
- Date
- 1893-07-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Sekbst-GmancipaLion. Nr. 9 unschwer erkennen, das; in den breiteren Schichten des V o l k c s d i c' A n t i p a t h i c gegen dic' Iudcn wächst, denn jeder, der an den nationalen Kämpfen theilnimmt, erkennt und si.eht, das; ein dritter, fern vom Schuf;, mühclvs die Früchte des Kampfes zu ernten bestrebt ist."- Die traurige Angelegenheit die wir besprochen, hat auch nach anderen Seiten Anlas; zu Kundgebungen gegeben, und zwar für die Juden. Unsere Liberalen haben ihre Pflicht gcthan, sie haben im böhmischen Landtage eine Interpellation cingebracht, welche mit den Worten schließt: „ Gedenkt die Negierung in Hinblick auf diesen bedauerlichen. Ausbruch künstlich anfgestachclter Leidenschaften der Ursache solch er Ausschreitungen die größte Aufmerksamkeit zuzuwcnden? Gedenkt die Negierung die ihr zu Gebote stehenden Machtnuttel anzuwenden, um gegen die zu Tage tretende verderbliche Bewegung hinzuarbcitcn? Bcachsichtigt die Negierung insbesondere der in Wort und Schrift, in Versammlungen und Zeitungen betriebenen Hetze und A u f r e i z u n g m i t aller Strenge entgegenzuärbcitcn und überhaupt Vorkehrungen zu treffen, das; sich ähnliche Vorfälle nicht weiter wiederholen?“ Unsere arme Negierung! Was für. Unmöglichkeiten man von ihr nicht verlangt. Vielleicht interpelliert der Herr Statthalter den „deutschen Club" darüber, wie eigentlich die Vorkehrungen zu treffen sind, das; etwaige Vorfälle sich nicht mehr wiederholen können? Herr Richter und mit ihm der „deutsche Club" hat ceincn Dank schon von der liberalen Presse bekommen. An -seinen Erfolg haben die'Hcrrcn wohl selbst nicht gedacht, doch . einen Erfolg haben sic, die Juden sind eitel Freude, die Interpellation ist Balsam auf ihre Wunden, nur ein bischen Geduld, die Schmerzen werden vergehen, man wird sich mit „Dankbarkeit und Verehrung" der Herren gelegentlich erinnern. ' , Noch fraglicher als der Nutzen der erwähnten Interpellation dürfte derjenige einer von Dr. Alexander Kisch, Prager Gcmeinderabbincr und k. k. u. a. Landwehrrabbiner abgegebenen „Erklärung" sein. Dieselbe hat folgenden Wortlaut: . . Es ist also kein Traum! ° In unserem Vaterlands Böhme», dem Lande das keine Analphabeten zählt, dessen' katholische Geistlichkeit wegen ihres liberalen und echt humanen Denkens und Wirkens von allcrshcr berühmt ist, ist eine Revolte ausgcbrvchcn, >veil die Bevölkerung einer der giößten Städte unseres Landes an einen ritualenMord der Iudc» glaubt!- Slm 23 Oct'obe. 1254 veröffentlichte König Prcmysl Ottokar II. zwei Bullen des Papstes Jnnoccnz IV., durch welche den Christen unter der Strafe der Exkonunuuication verboten lvurde, von den Juden die Berläumdung zu wiederholen, daß sic Christenblut zu rituellen Zwecken brauchen. Und heute nach 639 Jahren haben diese von cincin böhmischen Könige veröffentlichten Worte des Oberhauptes der Christenheit in unserem Volke noch nicht Wurzel gesagt! Wo gibt es denn im Wesen der Inden auch nur eine Spur einer Berechtigung für solch schreckliche Beschuldigung, die bekanntlich von der Niedertracht des verendenden römischen .Heidenthums gegen das -junge Christenthum erfunden worden ist. Das Judenthum hat.unter seinen zehn Geboten Gottes, die von dciir Christenthum allen civilisirten Völkern verkündet wurden und von. allen gläubigen Christen als Gottesworte anerkannt ivorden: „Du sollst nicht tödten! . „Du sollst nicht tödten. Ohne jede Einschränkung! Nirgend! Nie!" . Im ersten Buche Moses Cap. 9 Vers 6 wird diesbezüglich gesagt; „Wer das Blut irgend eines Menschen vergtesst. dessen Blut soll wieder vergossen werden; denn im. Ebenbildc GoitcS Hai er den Menschen geschaffen." Dies erlaub-rt eer b rühmte Codifieator des jüdischen Rechtes, dessen Autorität stets entscheidend war, Moses Maimonidcs, im zweiten Abschnitte Cap. 10 der. Gesetze über Mord: „Wer gemordet hat, gleichgiltig wen, sei es einen Israeliten, sei cS selbst einen kanauitischen Sclavc», der must dafür gctödtct werden" Bekanntlich ist ja die von rnsercr Heiligen Schrift gelehrte Sch.ii vor Blut so groß, daß selbst der Genuß des Thierblutes im Pentateuch iviedcrholt und aus das Nachdrücklichste verboten iviro. Dieses Berboi wird von den Juden so minutiös befolgt, daß sie jedes Fleisch vor der Zubereituug einer Wässerung und Salzung unterwerfen, damit kein Blut damit genossen werde. Der berühmte Amsterdamer Rabbiner Mcnasse ben Israel, der behufs Wiedcrznlassung der Inden in England 1610 eine Dentschiist über das jüdische Volk und seine Religion veröffentlichte und an den 'Protectvr der englischen Republik Cromwell überreichte, widerlegt in dieser Schrift auch das schaucrhasteste Märchen, das gegen die Juden gedichtet wurde, die Bln tlüge und.sagt zum-Schluffe wörtlich: „Wenn alles bisher.Gesagte noch nicht hinwicht, diese Beschuldigung zu vereiteln, bin ich gezwungen, mich des Beweises eines Eides zu b.-diene». Ich schwöre ohne irgend Betrug oder List bei dem höchsten Gotte, dem Schöpfer des Himmelsund der Erde, daß ich nie e in en so l ch en Gebrauch unter dem Volke IsracIs gcsehen, nie so etwas für eine gesetzmäßige Vorschrift, noch für eine Verordnung oder Stiftung sein er Weisen g ehalten, uud d aß das Vo lk Jsrae l nie eine solch e Ru ch lvstgkcit aus g eübt o der v erfnch t hat." Diesem Eide schließe ich, der Geringsten Geringster uuter meinen Genoffen, mich ebenso wie jeder in Israel lebende und lehrende Rabbiner, Schr!stgelehrt:r. und Talmndkuudigcr ohne jeden Vorbehalt an! Gott erlöse uns und die gcsammte Menschheit von jeglichem Nebel, insbesondere aber von der Nebel — der Ve rlcnmd nng! Ob der Gewinn so großem Einsatz an Selbstachtung entsprechen wird? ... . Gustav ©eibemann. Oberst Goldsmid in London» London, Juni 5653. Die von uns in der jüngst erschienenen '-Nummer angekündigtc Versammlung zur Begrüßung des Col. Goldsmid im östlichen Zwcigvcrcinc der hiesigen Choveve Zion hat am Sonntag den 18. d. M. stattgefunden und kann als eines der glänzendsten Meetings, diese hier cinberufcn und abgchaltcn worden, bezeichnet werden. Der große Saal des Clnbhauscs der jüdischen Arbeiter war in allen Theilen gefüllt, als Herr Prag, der Commander des östlichen „Zeltes" die Reden des Abends in einer kurzen, aber vorzüglichen kernigen Ansprache einlcitetc. Bald eingangs erwähnte er, daß der Gast des Abends, (der zu seiner Rechten saß, während Dr. Adler, Chiefrabbi, links Platz nahm) als derselbe Zionist aus Argentinien znrückgckchrt sei, als welcher er dahin abging. Während dessen Abwesenheit habe die Zionsbcwcgung an Breite und Tiefe zugcnommeii. Ucberall im vereinigten Königreich, wo cs eine jüdische Gemeinde gäbe, da haben auch die Zionsfrcnndc ein Zelt aufgeschlagcn. An die noch abseits Stehenden appelliere er bloß, mit Unvorcingcnommcnhcit und Unparteilichkeit, der Bewegung sich zu nähern und derselben ehrlich freien Ellbogenraum zu gewähren. Herr P r a g verlas auch einiges bezüglich des Besuches des Baron Edmund v. Ro th sch i l d und SichronJakob aus cincm kurzen Berichte in einer hiesigen jüdisch-englischen Zeitung, und die Worte des Barons riefen den größten Jubel bei der ganzen Versammlung hervor, welcher in 'tosendem Beifall und begeisterten Bravos für den „Nadib" seinen Ausdruck fand. Sie würden — schloß Herr Prag seine Rede — am schönsten ihr Willkommen G. zeigen, indem sie sich als aktive Mitglieder dem Zionsvereine anschließen. Herr D' A v i g d v r war der nächste Redner, der die formelle Begrüßungsrcsolution vorschlug. Er gab dem Gedanken Ausdruck, daß Col. Goldmid dem für heute Abend ein so herzliches Willkommen bereitet, sowie er der erste >var der für Zion den Kampf aufnahm, so auch bestimmt sei, ihre Sache zum krönenden Abschlüsse zu bringen. ■ - - ° Es folgte hierauf Herr Herrman Landau, ein hervorragendes Mitglied der hiesigen jüdischen Gemeinde und einer derPvpnlärstennnterdenFührerndcrselben.dervor cinigenTagen von seiner Palästinafahrt znrückkchrte und zwar als eifriger Palästinenser. Er' erzählte in einer, gelungenen Rede, wie'er nach Palästina vorurtheilsvoll gegangen, wie im Geheimen ihm immer zugeflüstert worden sei, doch nichts