Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 9 (1.7.1893)
- Date
- 1893-07-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ab-nnements-prsife (Zupndunz inbegriffr») FürOesterreich-1Iiil>arn ganzj.' sl. 4 „ Deutschland _ Mk. 8 „ Rußland „ Rbl. 4 „ Ilnierika „ Doll. 2 die übrigen Länder „ Frcs. 10 Halbn. vierteljähriges Abonnement zu den entsprechenden Thcilbeträgen. Das Abonnement kann mit jeder Nummer beginnen. Einzelne Exemplare 18 kr. Hrgan der Monisten. Herausgeber und Lhefredacteur: » Ar. Wcrthan Wirnöamn. Erscheint Anfang und Mitte eines jeden Monates, Redaktion Administration Wie», U/S, Miesüichgirfse 12. (Sprechstunde: Täglich nnrvon V bis 7 Uhr Abends.) Unfrankirte Briese werden nicht angenommen und Mannscripie nicht rctonrnirt. Nr. 9 / Wen. 1. Juli 1893. - - VI. Jahrgang.- 'riirRnTf - Zur Lage in Böhmen IV. — Oberst Goldsmid in London. — Ans Palaestina: Jcrnsalcm, Jaffa; Verschiedenes. — Aus (VH-l/lIU. anderen Säubern: Inland, Deutsches Reich, Rumänien, England,Nord-Amerika. — Notizen. —Dr.MichelRavbinowicz — Corrcspondenz der Administration — Inserate? I» den unseren geehrten Abonnenten zngegangenen Cirnliireu des Fin.-Comitss unseres Blattes ist aus Berschen Name auch Adresse des Hcstrn Löbl nicht ganz richtig angegeben. Die richtige Adresse lautet (während der Sommermonate). Leopold Paul Löbl in Wien, II., Obere Angartenstrahe Nr. 18—20. Zur Kuge in Köhmen. Johannes Scherr, der berühmte deutsche Culturhistorikerden man sicherlich nicht einen Philosemitcn nennen kann, schließt eine „Zum jüdischen Krieg" betitelte, im Jahre 1881 erschienene Skizze mit folgendem Absatz, der mir unwillkürlich in den Sinn kam, als ich von den jüngsten Ereignissen in Böhmen Kcnntniß erhielt. „Es gibt ja keinen noch so alten Wahn, der unter Umständen nicht wieder neu werden könnte. Ich habe in diesen Tagen wieder einmal beim Twinger, beim Wurstisen und in der Limburger Chronik vou dem christlich-germanischen Judenhaß des 14. Jahrhunderts gelesen. Freilich, Ihr meint mit überlegenem Achselzucken: „Wer wird so etwas Heutzutage möglich halten?" Wer? Nun, ich und mit,mir gewiß alle, welche die Ausbrüche von Bolksleidcnschaften schon in der Nähe zu sehen Gelegenheit hatten. „Alles schon da gewesen" ist ein Wahrspruch, aber: Alles schon Dagewcsene kann wieder kommen, obzwar etwas anders angestrichen ist auch ein solcher.— In jedem Menschen schlumniert die Bestie und in jedem Volke liegt das Ungehcuer an der Kette." Als ich vor einem Jahre in der „S.-E." von der Möglichkeit. der Judenhetzen in Oesterreich sprach *) als ich die Lage der Juden in Böhmen schildert, wurde mir von vielen Seiten der Vorwurf gemacht, daß meine Ansichten zu subjectiv gehalten, zu sehr grau in grau gemalte seien. Die Exccsse in Kolin haben die Wahrheit meiner Ansicht bewiesen. Uns Jüdisch-Nationale überraschen derartige Vorkommnisse nicht, sind wir doch nicht so kurzsichtig, und haben wir doch auch.nicht so ein kurzes Gedächtniß wie die Majorität unserer Connationalen oder wie cs „aufgeklärt" heißt, unserer mosaischen Glaubensgenossen, wir sind nicht „wieder einmal getäuscht worden", da wir ganz einfach an die *) Siehe „Unsere Legitimation" in Nr. 5 der „S.-E." des v. I. Gleichberechtigung und an unsere völlige Freiheit nicht geglaubt haben, da wir unsere Lage stets nur so betrachten, wie sie in Wirklichkeit ist, und wenn wir etwas in Rechnung ziehen, so sind .es nicht Hoffnungen auf die „Morgcnröthe einer besseren Zeit", einer Zeit wo die Menschen Engel geworden sein werden, sondern nur die Lehren und Erfahrungcu, die unsere Geschichte klar und deutlich mit tausend Zungen predigt. Den Lesern der „S.-E," werden die Excessc von Kolin theils durch die Tageszeitungen, theils durch die „S.-E." ^dc^annt lein^Drefekben-sind nun vorüber) wir halten cs jedoch für unsere Pflicht, die hiebei zu Tage getretenen Erscheinungen genauer zu crörter», denn dieselben haben größere Bedeutung, als unsere liberalen und jüdischen Zeitungen sie ihnen beimesseu. Sehr iu's Auge fallend ist das Benehmen der von uns sicher oft gekennzeichneten Juugczechen, der alleinig' privilegierten freisinnigen Partei in Böhmen. Wir wollen davon absehen, daß konstatirtermaßen der jungczechischc „Podlaban" die Hetze schürte, wir wollen davon absehen, daß im Moniteur der Jungczcchen, „Narodni Listi", Sammlungen für die verhafteten Kolincr Execdenten beziehungsweise für deren Familien cingelcitct wurden, wir wollen von der bezeichnenden die Notitz in diesem Blatte, daß es ein Glück war, daß an der Leiche keine Verletzungen aufgesunden wurden, denn sonst wäre nicht abzusehen gewesen, wie weit die Excessc sich erstreckt Hütten. — absehen, wir wollen auch von der Bemerkung absehen, die der Abgeordnete Sil zu dem Correspondenten des „Prager Tagblatt" gemacht hat, und von dem Bericht den er an den Statthalter gesendet hat und der ungefähr lautet: Es war eigentlich gar nichts, ein bischen Lärm, ein ganz g cwöhnlicher Straßencxceß, wie er in allen civilistrten Staaten des Ocftercn vorkommt. Wir wollen nur constatieren, daß der Fü hrer der Inn gcze ch cn H e rr Dr. I. Gregr erklärt hat, daß die Jungczechen die meisten Berührungspunkte mit den Antisemiten haben, daß jedoch die Verhältnisse derzeit in Böhmen solche seien, die es den Jungczechen nicht opportun erscheinen lassen, offen an dem Kampf ge gen die Juden t h eilzun eh me n. Allein man darf überzeugt sein, daß bei dem heißblütigen Temperament der Czechen dieser Kampf über kurz oder lang ausbrechen muß und d ann eine viel tiefere Jntensivität und viel größere Dimensionen annehmen wird. Es läßt sich