Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 8 (15.6.1893)
- Date
- 1893-06-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Nr. 8 Seite 6 SeL'bst-Gmancipation. S ch w c i z. Zürich, den 31. Mai 1893. Am 3. März d. I. wurde hier von Jüdisch-Nationalen der „Verein der jüdischen Studirendcn" gegründet, in welchem die jüdisch-nationale Idee gepflegt werden sollte. Man scheute keine Hindernisse, und in Kurzem sahen wir mit Freude und Stolz, wie der Verein von Tag zu Tag gedieh. So ging cs zwei Monate. Von da begannen verschiedene Jntrigueii seitens einiger Mitglieder, „Rumänen, Russen und Magyaren mosaischer Confession", bis endlich der Verein assimilatorisch-orthodox wurde. Großen Antheil an dieser Wandlung der Dinge hatte ein echt assimilatorischer Rabbiner. Den Nationalgesinnten blieb nun nichts Anderes übrig, als auszutreten und sich nun ein neues Centrum zu schaffen, welches sie „I n d i s ch-N a t i o n a l c r S t u d c n t e n v e r c i n „ K a - d im ah" nannten., —m. England. London, den 9. Juni 1893. Colonel Goldsmid ist hier aus Argentinien cingctroffcn und confcri'rt mit dem hier weilenden Baron Hirsch. Er wird, wie cs scheint, bald nach Argentinien zurnckkehren, jedoch nicht nm längere Zeit dortzublcibcn. Am 18. d. M. wird er in einer Versammlung von Zionsfrcunden im Osten der Stadt sprechen. Colonel Goldsmid soll geneigt sein, in Folge seiner Erfahrungen in Argentinien ein im Allgemeinen günstiges Urthcil über die Eignung der Juden zum Ackerbau abzngebcn. Das; der Obcrleiter der argentinischen Colonien so bald nach seiner Ankunft in London ans der Plattform der Zionisten erscheint, ist zum größten Theilc dem unermüdlichcn Eifer des Herrn Prag zn verdanken und hat den besten Eindruck hcrvorgcrufen. Die „Clioveve Zion Society“ hat sofort nachdem die frohe Botschaft von der Wendung zum Bessern aus der ein Lied von Zion war, da fühlte sich Signor Bcniamino im Geiste von Venedig nach Spanien entrückt, wo einst die großen Scheiterhaufen für seine Ahnen loderten. . . . Signore, mein Vater, der sein Gondoliere war, hat sich nur schwer von diesem guten Manne ans England getrennt, als er unserer Venezia den Rücken kehrte und noch ein lctztcsmal zum Rialto zurückblicktc, wo seine Väter in finsteren Krämerläden Handel getrieben, und noch einmal ein Lebewohl dem Ghetto zuflüstcrte. Er ging von Venedig nach Spanien. Von dem jungen Ruhme seines Namens berauscht, hegte er, der sich schon im Glanze des Londoner Geistes- und Geburtsadcls gesonnt hatte, doch das innige Bedürfniß, mit seinen Gedanken ,in die Dämmerung des Ghetto zurückzutauchcn und in umgekehrter Ordnung die Lcidcnsstationcn zu durchmcffcn, welche die Familie Disraeli in Jahrhunderten und die Kinder Israels in Jahrtausenden zurückgclcgt hatten. Er ging von Spanien — nach Palästina. . .. Signore, er ist nicht wieder nach Venedig gekommen, aber die Vcnctiancr haben von ihm gehört. Er hat einen Roman, „Venctia" geschrieben. Er hat auch unserem Vaterlande Italien wohlgcwollt und ist demselben nützlich gewesen. Signore, ich bin ein Gondoliere und habe nie seine Schriften gelesen, doch sagt man mir, daß etwas von der Poesie unserer Lagunen und der süßen Dämincrung des Ghetto darüber sei. . . . Doch nicht Disracli allein, auch der Nachkomme manches anderen dieser spanischen Juden, die hier am Lido modern, hat Lorbecrn in der Welt gepflückt." Türkei eiiigetrvffcn, einen Aufruf erlassen. Es heißt darin u. A. „2.000 Pfund ist für 2.4000 Acres Land an Baron Rothschild bezahlt. Man kann darauf 50 Familien ansiedeln. Ein weiterer Fortschritt ist jedoch durch Geld - maiigel gehemmt. Geld ist nöthig, um einige junge Leute als Pionniere auszuschickcn und dieselben mit einem Lehrer des Ackerbaues zu versehen, welch letzterer von der Acker - bauschulc zu Jaffa zu haben ist. Diese Pionnierc Hütten das Land in Stand zu setzen, Sämigen vorzunchincn, für die ersten sechs Familien, welche acht Monate nach der Abreise der Pionnicre hingchen könnten, provisorische Häuser und Bauten zu errichten. Diesen Familien würden mehrere andere jährlich Nachfolgen können, und sobald die Fonds des Vereines cs gestatten, könnte mehr Land angekauft werden. Von der Vicrtcljahrsschrist „Palestina" sind bis jetzt drei Hefte erschienen. Der seincrzeitigc Beschluß, eine Petition an den Sultan zu richten, wurde als nicht thunlich nicht zur Aufführung gebracht. Len Arjch N vrd - A m c r i k a. Boston, 19. Mai 1893. Die amerikanische Genossenschaft „Seliowe Zion Nr. I" harrt schon mehr als ein Jahr sehnsüchtig ans die Erlangung von rcgierungswegcn bestätigten Kaufbriefen (Knschanc) über den Grundcomplex, den sie von Baron Edmund R o th schild erworben hat. Die Mitglieder gaben schon jede Hoffnung ans, — besonders in der letzten Zeit, wo Berichte Jerusalemer Müßiggänger an zionsfcindliche Blätter alle Angelegenheiten der Colonisativn grau in grau malten, nm ihr Ideal, die „Chalnkah", zu heben, und seit dem Eingehen von „Hapisgoh" kein nationales Blatt da ist, um sic Lügen zu strafen. Die Mitglieder verlangten schließlich die geleisteten Einzahlungen zurück und der Vorstand war gcnöthigt, sich zur Rilckzahlnng an jeden Rückzügler bereit zu erklären. So stand die Genossenschaft ans dem Sprunge — sich anfznlöscii, und mit ihr tvärc die ganze zionistische Organisation und Bewegung in Amerika zu Grunde gegangen. Doch cs kam gottlob anders. Gestern. kam eine Kabcldepeschc vom Obcrrabbincr von Frankreich Zadvc K a h n, des Inhaltes, cs solle sofort dem Consnl Fran ck in Beirnth eine Vollmacht eingcsandt werden, worauf dieser unverzüglich die Kaufbriefe cinschicken werde. Diese Nachricht brachte ncncs Leben in die nationaljüdischc Bcwcgnng in Amerika. Die Zionsfcinde werden beschämt zusehen müssen, wie allerorten neue Vereine und Genossenschaften entstehen werden; und hoffentlich werde ich nun auch bald zur Herausgabe von „Hapisgoh" und vielleicht auch eines Jargenblattes znrückkehrcn können. „38. Schur. Nachbemerkung der Redaktion. Die vorstehende Corrcspondcnz belehrt uns, wie Recht wir österreichischen Natioiialjuden damit haben, die zionistische Bewegung nicht bloß ans die praktische Colonisationsthätigkeit, sondern auch und in erster Linienuf die zionistische Gesinnung zu basiren. Und darum sind uns unsere langsamen Fortschritte lieber, als der in irgend einem andern Lande in Folge momciitan günstigen Standes der Colonisatioiissachc erzielte jähe Aufschwung, der oft sich in einem Augenblicke in sein Gcgcnthcil nmkehrt. Uns österreichischen Zionisten haben die nnterschiedlichen Verbote der Pforte keinen einzigen Mann gekostet. Wie denn auch? Ist Israel vielleicht nicht mehr der Erlösung durch Zion bedürftig, wenn ein solches Verbot erfließt? Wozu ist denn eine Partei da,, wenn nicht dazu, um die Widerstände zu beseitigen, welche sich der Realisirung ihrer Ideale entgcgcnstcllcn?