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Selbst-Emancipation · 1893-06-15 · Heft 8 (15.6.1893) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 8 (15.6.1893)
Date
1893-06-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Aewst-GmancipaLion. Nr. 8 Wunsche, hier helfend einzugreisen. Er will nun hier eine , Weberei cinrichtcn, nachdem die über ganz Syrien verbreitete Webcrindustrie große Absatzgebiete in Asien und Asi'ika hat. Die Fabrik sammt Maschinen u. s. w. erfordert nach dem Urtheile Sachverständiger ein Capital von 100.000 Francs, und nun will Herr U n g e r dieses Capital durch Antheile von je 100 Francs aufbringen. Er erwartet, daß sich die Zionssreunde Europas und Amerikas lebhaft an diesem Unternehmen bctheiligcn werden, welches mit der Zeit auch ein gewinnreiches zu werden verspricht Auch in Beirut wird jetzt der erste Versuch mit der hebräischen Sprache gemacht. Die dortige jüdische Privatschule will nun auch auf das hebräische Sprechen Gewicht Der Ihnen bereits gemeldete Ehrcnbcleidigungs-Proccs; zwischen den hiesigen „Magyaren" und dem verantwortlichen Redactcnr des „Haor“, Hirs ch ensoh n, endete mit der Freisprechung des letzteren und der Verurtheilung der Kläger in die Gerichtskostcn. Amitlii. verschiedenes. Ueber die Glasfabrik in' Tantura lesen wir in „G’on liaarez“ (1. Thcil) von Iawitz: „ . . . Der Baron Rothschild fand mit Rücksicht ans den großen Bedarf an Weingefäßcn die Sache für gut und beschloß eine große Glasfabrik auf einer seiner Besitzungen zu errichten. Erwählte einen sehr befähigten und fleißigen jungen Mann aus und ließ ihn die Chemie im Allgemeinen und die Glasbereitung spcciell, diese auch in der Praxis, erlernen. Dann beauftragte er ihn, im Lande nach einer geeigneten Stelle für die Fabrik zu forschen. Der junge Chemiker wählte „Ncphet Dor" (Tantura) am Meere. Nephct Dor „aus Dankbarkeit gegen den Gott Jacob's, der sic durch beispiellose Prüfungen und unerhörte Gefahren geleitet hatte". Sie lebten hier bis in unser Jahrhundert. Im Jahre 1748 siedelte ein Benjamin Disraeli nach England über. In Venedig. Signore, ist der Naine Disraeli nun erloschen, doch in Triest soll cs noch heute Verwandte dieses Hauses geben. Auch die Issels, eine jüdische Familie in Genua, sind eigentlich Disraclis, die ihren Namen, ihren schönen Namen, damit er weniger jüdisch klänge, modificirt haben. Signore, mein Vater hat mir erzählt, daß cs in Venedig noch vor Jahrzehnten zwei arme Frauen des Namens Disraeli gab, die von Zeit zu Zeit von London ans von einem Jsaac Disraeli Unterstützungen bekamen. Dieser Jsaac ivar der Sohn jenes Benjamin Disraeli, der von Venedig auswanderte und in England zu Reichthnm kam. Jsaac war aber auch der Vater eines Benjamin Disraeli, der, wie cs wol zu Euren Ohren gekommen sein dürste, der Königin vonEngland die Kaiserkrone vonJndicn auf das Haupt gesetzt haben soll." „Pietro," sagte ich zu dem Gondoliere, „Ihr vcrnnglimpsct das Andenken Lord Beaconssicld's, der mit der Königin von England getäfelt hat, wenn Ihr davon sprechet, daß er ein Enkel des Ghettos und ein Landsmann Shylock's gewesen." Und darauf Pietro : „Signore, Ihr täuschet Euch, wenn Ihr meint, daß er solch ein eitler Dntzend-Convertit war, der sich seiner Vergangenheit schämte. . . . Signore, als Knabe pflegte ich meinen Vater, der Gondoliere, war so wie ich. auf seinen Fahrten durch die Lagunen zu begleiten. Er machte Dienste bei einem hohen Herrn aus England, der in einem marmornen Palaste am Canalazzo rcsidirte. Eines Tages stieg bei diesem ein junger Brite mit blassem Gesichte und schwarzem gelockten Haare und etwas' theatralischem ist eine Besitzung des Barons und gehört zu Sichron Jacob. Der Baron warf nun eine große Summe für den Fabrikbau aus. ... Der Leiter der Glascrzeugung heißt Meir Disingoff und ist ein Stammesgcnosse ans Rußland und zwar aus Äischincff. Er ist in seinem Fache tüchtig und cs ist viel von ihm für das Land zu hoffen. Neben der Glasfabrik ist ein Platz für eine Pctroleumlampenfabrik bestimmt. Zuerst werden alle metallischen Bcstandtheile der Lampen fertig aus Europa bezogen werden, nach einiger Zeit wird dann auch die Fabrik zur Herstellung der Metallbestandtheilc geballt -werden. Dann wird erst das Arbeitshaus vollendet sein". W. Jawitz beklagtes in dem im „G’on kaarez“ veröffentlichten Artikel „Leck b’ckockaclio“ unter Andernn.sdaß in dem Palästinensischen, (sowie argentinischen) Calvinen die Beamten ans dem westeuropäischjüdischen Volkseleinente genommen sind, welches, voller Vo>nrtheilc gegen die russischen Juden, auch diese nicht richtig zu behandeln weist. Er empfiehlt russisch jüdische Beamte, am liebsten aber Autonomie, wie sie in der würtembergischen Templer-Colvnie Saroua besteht. Nur so könnte volles Selbstbelvusttsei» und die Würde freier Männer entstehen. Die Führer der Bewegung sollten dem Baron Rothschild nahclege», nach Gründung der vstjordanischen Colonicn diesem Principe Nechnung zu tragen. Uebrigens sollte mau endlich aufhören sich auf die Grosten zu verlassen (lidktoack bin’diwim), das Volk solle sich selbst Helsen. (Genossenschasten, Agrarbank). In einem anderen Artikel „Haijun w’liainaasseh" geistelt I am i tz diesen blinden Glauben der Juden an die Grosten. „Trotzdem (nämlich trotz ihrer nnleugbaren Verdienste) sind sie ja auch nur Menschen, nicht Götter, und es steht jedem armen Schriftsteller frei, wenn er ein wenig in den Gegenstand eingeweiht ist, über den er urtheilt, und ein ehrlicher Mann 'ist, auch seine Meinung zu anstern . . . Ja, es ist Pflicht, unsere Wohlthäter zu ehren. Aber es ist eine sehr häßliche Eigenschaft, uns bis in den Staub herabzuwürdigen und zu sagen: „wer nicht über Schätze verfügt, gebe Staub in seinen Mund und schweige". Er nennt die Eigenschaft der „Selbstentwürdignng vor den Reichen" eine „Eigenschaft, die uns im Exile angehängt wurde" — wir sagen: eine Gvlusblüthe. — Ja witz ist bekanntlich einer der geachtetsten hebräischen Schriftsteller der Jetztzeit und einer — der Eonservativen unter den Zionisten. Anzüge ab. Es fehlte nicht die venetianische Halskrause. Er sprach etwas Spanisch, auch, obztvar gebrochen, Italienisch, liebte sehr unser Vaterland und mehr als alle Städte Italiens, unsere Venezia, die er seine adriatische Braut nannte. Er besah sich alle Merkwürdigkeiten von Venedig, doch mehr als anderswo trieb sich Signor Beniamino im Ghetto herum, und auch ans dem Rialto blieb er gern stehen. Es war der Enkel jenes alten Beniamino, der einst bei uns gewohnt und als Jude, neunzigjährig, drüben in England gestorben. Signor Beniamino, der Enkel, der noch als Knabe getauft worden, machte, wenn er auch in seinem brennenden Ehrgeize große weltliche Pläne hegte, kein Hehl aus seiner Liebe zu seinen Ahnen im Ghetto. Er sagte sich, daß man sich solcher Väter, die verfolgt wurden und gelitten haben, auch wenn sie einen durch das Vorurtheil der Großen und des Pöbels, die so oft Verbündete sind, verachteten Namen führten, eher rühmen dürfe als solcher Ahnen, die unter der Maske eines glänzenden Namens straflos unterdrückt, verfolgt und beleidigt haben. Mein Vater pflegte den Signor Beniamino einfach durch den Canalazzo unter dem Bogen des Rialto zum Ghetto zu gondeln. Hier schleuderte der vornehme junge Mann aus England stundenlang herum und blickte träumerisch zil den hohen verwitterten Häusern auf, in welchen die Hebräer nisten. Signore, noch heute sehet Ihr gleich beim Eingänge des alten. Ghetto solch ein achtstöckiges Hans, das von unten bis oben von Menschen bewohnt ist. Signor Beniamino hat es nicht gescheut, über die dunklen, feuchten, hölzernen Treppen, ans welchen die Ratten tanzen, zu den armen Insassen, unter denen noch sein Großvater gelebt hatte, emporzusteigen, sie aufzusuchen und sich mit ihnen zu unter-

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