Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 8 (15.6.1893)
- Date
- 1893-06-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Zewjt-Gmancipaiion. Seite 3 wäre jedoch noch der geringste Schade: der Mangel positiven Wirkens ist der eigentliche, der große Schade. Eine wahrhaft jüdische Politik muß darauf bedacht sein, dein jüdischen Volke wirkliche Vortheile zu bereiten; soweit dies möglich ist, durch Bildungs- und wirthschaftlichc Maßregeln im Lande, hauptsächlich aber durch eine Aendcrung der völkerrechtlichen Stellung der Juden im zionistischen Sinne, in Folge welcher erst die materielle und moralische Noth unseres Volkes zum größten Theile behebbar wäre. Wenn und insofcrne für diese großen Zwecke jüdische Gemcinoeräthe und sonstige „Repräsentanten" einen Werth haben, so sind sie uns willkommen. Sollen solche Vertreter aber nur zum Rollcspiclen da sein, dann ist uns das Vertrctentvcrden recht glcichgiltig. Solange die jüdische Politik s o ansschaut, glauben wir unter abermaliger Variirung einer von der „Wiener Sonn- und Montags-Zeitung" gebrauchte witzigen Variante eines bekannten Sprichwortes sagen zu dürfen: „Der Wiener Gemcindcrath hat noch ärgere Inden, als er verdient." ^otabono, „Wiener Gemeindcrath" kann ausdchnend interprctirt werden. B. Aus Palästina. Original-Berichte. Jerusalem, den 26. Mai 1893. Der Erlaß, durch welchen das Bodcnkauf-Verbot aufgehoben wurde, ist den hiesigen Behörden bereits zngcgangcn. Es sind aber noch nicht alle Formalitäten erfüllt, so daß in der That noch kein Kauf vorgekommen ist. Der Ankauf ist jedem in Palästina ansässigen Juden, er sei türkis ch e r U n t c r t h a n oder n i ch t, fortab gestattet; nur muß er sich über seine Ansässigkeit durch ein beglaubigtes Zeugnis; answeisen und sich verpflichten, einwandernde Juden weder als Miether und Pächter, noch als Arbeiter anfzunchmcn. Nabatijeh zum Endpunkt unserer ersten Tagrcise von Sidon aus zu machen, und von da in östlicher Richtung vorzudringcn. Durch fruchtbare Orangen-, Bananen-, Aprikosen- und Olivcngärtcn, die die Stadt umgeben, schreitend, schmausten wir auf einer reichen und weiten Ebene, die sich vom Meeresufer bis au den Fuß der nächsten Hügelkette erstreckte, wo junge Frühlingssaat wallte und Reihen von Metawaly- Weibern mit Jäten beschäftigt waren; während die Ruinen von Sidon, die sich vor Zeiten meilenweit von den Wällen der gegenwärtigen Stadt erstreckten, von der ungeheueren Bevölkerung, die der große phvnizische Markt in seine Nachbarschaft gelockt, Zeugnis; ablcgtcn. Jetzt wurden die Ucberrcste der Säulen, die vordem Tempel und Paläste gestützt hatten, entweder als mohammedanische Grabsteine oder Unterlagen zu den flachen Hansgicbclu verwendet, oder langen über die Felder an der Straße nach Tyrus, die das Ufer säumt, zerstreut. Wir wandten uns von da ab zur Linken nach etwa cinstündiger Abreise von Sidon, durch Weizen- und Bohnenfelder bis zum Fuße der Anhöhen, wo der Feldbau aufhört, reitend, und erstiegen die unfruchtbaren und ziemlich felsigen Abhänge, die mit kleinen, grauen Stachelbüschcn von Poterium bedeckt waren, bis lvir den Gipfel erreichten, wo man eine schöne Küstenschan erlangt, mit Sidon, von Gärten umschattet, und am auslausendcn Vorgebirge gelagert, in der Ferne. Diesen Rauin durchkreuzend, der zur Kalkformation gehört, stiegen wir herab in's Thal des Zaherani, oder blumige Thal, und überschritten den Strom bei einer Furt. Dieses Thal war wenig bebaut, doch dankt cs seinen Namen den Blumen, unter denen die häufigsten und schönsten die Cyclamen Baron Edmund Roth s ch i l d aus Paris, über dessen unerwartete Ankunft in Sichrou Jacob und seine Ansprachen daselbst ich Ihnen bereits in voriger Nummer berichtete, besuchte bloß diese Colonie. Er weilte daselbst vier Tage, während welcher er nur eine kurze Zeit abwesend war. indem er seine ans Beirut kommende Gemalin aus Tantura abholtc. Noch mehrmals ergriff er die Gelegenheit, um den Colonistcn seine Ansichten mitzutheilen. So verwies er sie noch einmal auf die Wichtigkeit der hebräischen Sprache mit den Worten: „Es thut mir sehr leid, daß Ihr als Männer, welche auf den Wegen unserer heiligen Lehre wandeln und das heilige Land bewohnen, während der ganzen acht Jahre Eures hiesigen Aufenthaltes noch nicht gut die Sprache erlernet habt, welche man die heilige nennt". Außerdem ermahnte er die Colonistcn, sich der jüdischen Lohnarbeiter hilfreich anzunehmcn und nicht nichtjüdische Arbeit vorzuziehen, weil sie vielleicht billiger sei. Endlich nahm er öfters Gelegenheit, sie zur Einfachheit, Reinlichkeit und Anpassung an die morgenländischen Verhältnisse zu ermahnen. In Bezug auf letztere rügte er namentlich, daß die Colonistcn immer noch eine, nur dem europäischen, nicht aber dem palästinensischen Klima entsprechende Kleidung tragen. Sie sollten statt der engen, weite Gewänder anlegen und sich überhaupt in ihrem eigensten Interesse in Bezug auf Lebensweise nach dem Beispiele der umwohnenden Araber richten. — Der Baron, der sich, ohne sonst eine Colonie zu besuchen, wieder nach Frankreich cinschiffte, hat im Kreise der Nationalgesinnten durch seine Acußerungen freudige Erregung hervorgcrufeu. In Lydda begann ein Jude Käse zu bereiten. Derselbe soll wie dem „Hazewi“ — so heißt jetzt wieder der „Haor“ — berichtet wird, fett und sehr schmackhaft sein. Vor zwei Jahren kam der Berliner Banquier, Herr Louis U nger sammt Familie hicher, geleitet von dem verschiedener Arten, dann Iris, Asphodels und Anemonen sind. Hier begann der steilere Aufstieg zur zweiten Reihe, und als wir deren Gipfel erreichten, kehrten wir beim Khan Mohammed Ali zum Gabelfrühstück ein. Von diesem Punkte aus erlangten wir die letzte Aussicht auf die See und die erste auf den Berg Hermvn. während unmittelbar über uns, zu unserer Linken, der Jebel Nichan seine höchste Spitze über 6.000 Fuß emporstreckte. Wir betraten nun einen sehr traurigen, unbewohnten und ungepflegten Landstrich — in der That, es schien uns, als Hütten wir die Menschheit verlassen, indem wir das Ufer verließen, und vom landwirthschastlichen Standpunkt betrachtet, gab es in der Gegend, die wir durchreisten, nichts Verlockendes. (Fortsetzung folgt.) Disraeli. Ueber Benjamin Disraeli ist in einem Feuilleton von S. Münz in der „Neuen freien Presse" vom 1. März d.J. sehr Interessantes zu lesen. Der Feuilletvnist läßt sich in Venedig von einem Gondoliere umherführen und kommt auf den jüdischen Friedhof. Der Gondoliere glaubt auf einem Grabsteine den Namen „Disraeli" zu lesen und beginnt nun die Geschichte der Disraelis und eine Episode aus dem Leben Benjamin Disraelis zu erzählen. Hören wir, was er zu berichten weiß: „Dieses Haus hat durch mehr als ein Viertcljahrtausend in Venedig bestanden. Auch sie vertrieb die Inquisition von Spanien. Sie legten, als sie in Venedig anlangten, ihren spanischen Namen ab und wollten fortan Disraeli heißen,