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Selbst-Emancipation · 1893-06-15 · Heft 8 (15.6.1893) · p. Seite 2

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 8 (15.6.1893)
Date
1893-06-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 SeWst-Gmancipatwn. Nr. 8 besseren Gcmcinderäthe, d. h. die kampffrvhcrcn, kriegslustigeren, wiesicsich die „Sonn- und Akontagszeitung" vorstellt,werden sich abnützen, und das neue System der,, Repräsentanten desJudenthums" ist nichts anderes als der letzte und verzeihlichste Fehlschritt vor der endlichen Erkentuniß des richtigen Weges. Wir sagen: das neue System. Es läßt sich nämlich seit einiger Zeit innerhalb der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs, sowie Deutschlands, ganz deutlich eine neue Tendenz in Bezug auf politisches Verhalten erkennen. Diese Tendenz - wird von Vielen oft ganz unbewußt verfolgt, von Vielen, die sich ihrer bewußt sind, verleugnet. Diese Tendenz ist eine unvermeidliche Folge des Antisemitismus und Anti- Antisemitismus; sie arbeitet in Deutschland zu Gunsten der Militürvorlagc und in Oesterreich für „Repräsentanten des Judenthums". Es ist die Tendenz nach einer eigenen jüdischen Politik. Ja, eine eigene jüdische Politik ist die richtigste und aufrichtigste Bezeichnung für den neuen Cours, mögen auch die Steuermänner, die ihn cinschlagen, gegen so üble Nachrede noch so sehr Verwahrung cinlegcn. Es kann sich ja auch z. B. die bekannte geistliche Persönlichkeit, welche hinter der „Neuzeit" steht, eine solche Zumuthung nicht ruhig gefallen lassen, als anerkenne sic specicllc jüdische Interessen. Und doch ist auch dieser Mann nicht frei von solcher Sünde, er, der ausrcchnct, daß die jüdische Bevölkerung Wiens vermöge ihres numerischen Verhältnisses doch auf eine I Stadtrathstclle Anspruch habe. Diese Tendenz nach eigener jüdischer Politik ist, wiewohl an sich verfehlt, doch nichts anderes als der Sieg der Logik der Thatsachcn über die Sophisterei der Doctrin. Die innere Unwahrheit der Assimilation rächt sich in denkbar grausamster..Weise an ihren Predigern, indem sie dieselben zur Verneinung des von ihnen sonst so sehr in den Himmel gehobenen „modernen Staates" zwingt. Ist cs doch bekanntlich nicht. mit dem Begriffe des modernen Staates vereinbar, daß eine „Conscssion", im Verhältnis; der Zahl Das Land Gilead mit Ausflügen in den Libanon von Lorenz O l i p h an t.*) Au? dem Englischen übersetzt von Siegfried Glaser in Jungbunzlau, and mit Anmerkungen von Dr. Moriz G r L n w a l d, Oberrabbincr von Bulgarien. (5. F o r t s c tz n » g.) Ich traf Niemand in Bcyront, der im östlichen Lande, das wir bereisen wollten, persönlich bekannt gewesen wäre, und deshalb war es nicht leicht — außer von Dragomanen, auf die. man sich aber nicht verlassen konnte —. über die herrschenden Sitten der Araber, die cs durchstreifen and die Möglichkeit, es in Sicherheit bereisen zu können, Auskunft zu erhalten. Dies letztere konnte der allgemeinen Meinung nach nur durch bedeutende Zahlungen in Form von Löscgeld erreicht werden, eine Ausgabe, aus die cinzugchcn wir keineswegs gewillt waren. Die beste Möglichkeit, dem zu entgehen, schien ein höchst bescheidenes, unauffälliges Reisen zu gewähren, fast kein Geld mitzunchmen, sich auf die Gastfreiheit der Völker zu vcrlaffcn, möglichen Zufällen und unserem armseligen Aussehen zu vertrauen, daß sie uns gefahrlos durchbringen. Deshalb beschlossen wir, nur einige Pfund zu uns zu stecken, keine Zelte, und statt eines Dragomancn einen Diener des Capitän P h i b b s — der sich als ein lvahrer Schatz von Koch und Gehilfe erwies — mitzunehmcn, sowie einen Maulesel und einen Maulthiertreibcr für unser gemeinsames Gepäck, Bettzeug, Kochgeschirr und Speiscvorräthc, die wir für den Nothfall mitzunehmcn für *) London und Gtzinburgh 1888. ihrer Angehörigen, „repräscntirt" werde. Aus dem Dilemma heraus zu kommen, indem sie die jüdische Nation anerkennen, dazu zeigen die Vertreter und Vortreter der jüdischen Bevölkerung vorläufig noch keine Lust. Doch -vir haben Geduld. Wir sehen die Dinge sich sozusagen programmmäßig entwickeln, so daß wir sicher sind, die Juden in ihrem Denken und Fühlen am Ende dort zu haben, wo wir sie haben wollen. Dann lverden sie wohl auch eine eigene jüdische Politik verfolgen, aber das Wort wird dann einen ganz anderen Sinn haben. Während die eigene jüdische Politik von jetzt, trotzdem sic sich nicht als solche gibt, die gegen die Juden voller Vorurthcile steckenden Völker erst recht in eine zu Verdächtigungen geneigte Stimmung versetzt, bei der numerischen Winzigkeit der Inden nur als Wichtigthucrci erscheint, endlich nur kleinlichen Eintagszwecken dient — ist die jüdische Politik der Jüdischnatiopalcn dazu angcthan, die Mißverständnisse zu beseitigen, Achtung einzuflößen und ein großes Ziel zu ersiegcn. Die Zurückweisung des Antisemitismus mag einen gewissen bescheidenen Raum eiunchmcn, aber daß sic unser ganzes Volksleben ansfülle, ist mehr als vom Nebel. Sic macht uns oft lächerlich einseitig. Oder wie soll mau cs denn nennen, wenn z. V. die „Wiener Sonn- und Montagszcitung" in derselben Nummer, in welcher sic die Eingangs citirtcn freimüthigen Worte schreibt, die Socialdemokratc» angrcift, weil sic sich angeblich mit den Antisemiten und Jungczcchcn behufs Durchsetzung des allgemeinen Wahlrechtes verbündet haben. Warum sollten die Socialdcmokraten, die den Inden nicht mehr und nicht weniger gewogen sind als die Liberalen, die Hilfe von F ei n d c s sc i t c nicht annchmen, um eines ihrer wichtigsten vorläufigen Ziele zu erreichen? Ist das allgemeine Wahlrecht deshalb weniger werth, weil cs auch die Antisemiten und Jungczcchcn wünschen? Solche und ähnliche Blüten treibt die a u ss ch l i c ß l i ch e Antiscmiten-Bekämpfung. Die Lächerlichkeit gut erachteten. Diese bestanden in einigen Büchsen Conserven-etwas Licbig's Extract, Thcc, Kaffee, Zucker, einem Schinken, etwas Käse, Tafclchvcoladc, einem Bund Oliven, Datteln ». s. w. Wir nahmen auch eine Flasche Spirituosen und Wein nebst einer Spirituslampc mit, die uns die größtmögliche Behaglichkeit verschaffte. Eine Tasse heißen Thecs, zur rechten Zeit genommen, schützt vor Kopfschmerz, wenn man überhaupt für Sonnenhitze empfänglich ist. Ihrer Majestät Gcneralconsul,Mr.Eldridge,versah uns frenndlichst mit einem Rnndschrcibcn an türkische Vornehme und Gemeindeämter, das uns Aufmerksamkeit und Entgegenkommen, sicherte, wenn wir mit ihnen zufammentrafen. und uns bedeutende Dienste leistete. Nach dem üblichen Feilschen kamen wir über den Preis des Maulesels und eines starken, rührigen Pony für mich überein. — Capitän Phib b's Stall lieferte die zwei übrigen Thiere — und mir reisten Anfangs Mürz nach Sidon ab. Am Ende unserer ersten Tagrcisc bat der Maulthicrtreiber uns dringend um ein drittes Lastthicr und einen Burschen, der ihm bcistündc und Gesellschaft leistete, wenn wir zu weit voraus gingen, so daß wir unser Gefolge vermehrten und unser Aussehen vornehmer und imponirender wurde, als wir anfangs beabsichtigt hatten. Wir wurden zu Sidon, von Herrn Ab ela gastlich bcwirthct, von dem wir einen großen Theil interessanter Anweisungen erhielten, die alle darauf hinausgingcn, uns von Belad Beschäm wenig erwarten zu lassen, da das .Land nicht reich genug und zu sehr bevölkert sei, als daß cs ein wünschenswcrthcs Feld für Colonisation bieten könnte. Deshalb gaben wir den Gedanken auf, südlich bis . nach Tibein, der Hauptstadt des Bezirkes zu gehen und beschlossen

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