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Selbst-Emancipation · 1893-06-01 · Heft 7 (1.6.1893) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 7 (1.6.1893)
Date
1893-06-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7 §ekbjt-Emancipaüon. Seite 7 Einigkeit. Herr W. S ch u r, Redacteur der „Hapisgoh" in Boston, bemüht sich jetzt viel, nm eine Verbindung zwischen den Zionssrcundcn aller Länder herbcizuführcn. Er hat sich diesbezüglich in einem Artikel sehr klar ausgesprochen und denselben an die hervorragendsten Gesinnungsgenossen eingeschickt. Unter den Antwortschreiben sind folgende sehr bemerkenswerth: I. „Ihren gesch, Brief vorn 23. Februar d. I. hat der Herr Großrabbiner Zadoc Kahn erhalten. Er beauftragt mich nun, Ihnen in meiner Eigenschaft als Secrelär des Comites zur Ikilteeftiitzimg der Paläftina-Colonisation, welches von dein bekannten Wohlthäter hier gegründet lvurde, zu antworten und den Zweck dieses Comites mitzmheilen, damit Sie fürder wissen, daß hier ein Comite, wie Sie cs sich vorstcllen, besieht. Der Ziveck dieses Comites ist, die Erlanbniß der türkischere Regierung für den Bodeneiwerb zn erwirke», damit sich unsere Brüder frei und offen, ansiedcln können, und alle Hindernisse wegsallen, welche bis jel t obwalteten. Wenn diese Bewilligung auch noch nicht erlangt ist, so ist sie zu erreichen doch noch viel Aussicht vorhanden. Dann wird der Baron viele Grundstücke ankaufen, sie dein Comite zur Verfügung stellen, ivelchem sie dann von den verschiedenen Bodenkans-Genossenschasten iverden abgetanst werden können. Es ist selbstverständlich, daß der Baron zniu Selbstkostenpreise verkaufen wird. Ebenso soll das Comite mit seinem Rathe, unter Benützung des Jiathes der in Palästina wohnenden Beamten deS Barons,' Jedermann unterstützen, der nach Palästina kommt, nm sich daselbst niederznlasscn, damit Niemand an der Unkenntnis; der Verhältnisse und der Ungewohntheit mit der Bodenarbeit zu Grunde gehe. Das Comite bcziveckk, Einigkeit hervorzurufen, damit die Freunde, der Colonisation nicht durch Mcinnngsverschiedenheiten Schaden erleiden. Ich hoffe, daß mit Gottes Hilfe und mit Unterstützung aller Freunde unse cs Landes das Comite seinen schvuenZwcckerreichen wird. JndaL u b e tzk y,Paris. (23ir können unsere Meinung nicht verhehlen, welche dahingeht, das; dieses Comite, von welchem wir schon im vorigen Jahre berichteten, nicht so ganz losgelöst von d n Wünschen, Ansichten und «Stimmungen der Zionisten aller Länder sein/ jedenfalls aber seine Einzelthätigkeit, ans welche es ja hauptsächlich ankommt, diesen nicht sosehr verhehlen darf, wie bisher. Die Lösung des Problems einer Organisation unserer Sache lieg! nicht im Monopole, sondem im Znsammenwirken aller Kräfte. Die. Redaction).. II. „Ihren Brief und auch die Nummeru „Hapisgoh" habe ich erhalten. Thatsächlich ist der Gedanke der Colonisation Palästina's ein hoher und erhabener, und ich stimme mit unseren Pariser Freunden überein, daß es sehr nothwendig ist, alle Vereine zu einigen, um den Gedanken zu realisircu. Anstatt Adler, Rabbiner von London und Großbrittanien. Hackel über den Antisemitismus. Die „Deutsche Zeitung" in Wien hat eine Reihe von Interviews über den Antisemitismus veranstaltet, das letzte mit Hackel. Der berühmte Naturforscher sagt unter Anderm: „Jede Bewegung hat eben ihre Verdienste und ihre Gesahren. Ich halte es für ein Verdienst des Antisemitismus, daß in den Deutschen und in den Juden die Ilcberzeugung erivacht: die Juden müssen ihre Sonderart aufgeben und zu vollkommenen Deutschen in Sitten, Gebräuchen und Gefühlen iverden. Das muß unuachgiebig erstrebt und es muß verhindert iverden, daß das Eindringen immer neuer und oft sittlich bedenklicher Elemente aus dem Osten den Proceß ihrer Erziehung zu Deutschen stört. Gerade im Interesse der vielen ausgezeichnelen, rechtschaffenen und ehremverthen Juden, die ivir haben, möchte ich an gewisse Erschwerungen der jüdischen Einwanderung aus dem Osten denken, und ich frage, ob nicht den anständigen und gesitteten Juden selber, die sich ehrlich als Deutsche bekennen, diese erbärmliche Gesellschaft sehr unerwünscht sein muß, die gegen sie nur Mißtrauen erweckt und ihre ganze Aufnahme in unser Volk verzögert Hier kann falsche Humanität nur schaden, und ich denke, daß man sich gegen die russischen Juden energisch schützen sollte, nicht weil sie Juden, sondern weil sie mit unserer Gesittung unverträglich sind — wie man sich in Califoriiien gegen die Chinesen schützt; mit der idealen Liebe für ,„Alles, was Menschenantlitz trägt", kommt man eben leider praktisch nicht aus. Ich habe voriges Jahr auf dem Schisse, das mich nach England führte, solche russische Auswanderer gesehen: von ihrem Schmutze und ihrer G.meinheit macht man sich ja gar keinen Begriff, und die Engländer hatten ganz Recht, sie einfach nicht in ihr Land zu lassen. Gerade iin Interesse der gebildeten Juden, gegen die solche unsaubere Elemente nur den Hatz und die Erbitterung schüren — ich betone das ausdrücklich, iveil ich diese geläuterten und'vornehmen Juden für Wichtige Factoren der deutschen Cultur halte: dcun das soll ihnen nicht vergepen werde», daß sie immer für die Aufklärung und Freiheit tapfer gegen die Reaction gestanden sind, verläßliche Streiter, so oft cs gegen die Dunkelmänner gilt, und gerade in den Gefahren dieser schlimmen Zeit, wo überall wieder der Papismus sich mächtig regt, können wir ihren bewährten Mnth nicht missen". Man könnte es nicht glauben, daß ein Hackel so etwas ausgesprochen, wüßte man nicht, daß große Gelehrte in Bezug auf Politik oft die confusestcn und verbohrtesten Ansichten . haben und höchst unwissenschaftlich Vorgehen. Denn, daß es nicht wissenschaftlich ist, einmal auf einem Schiffe ein paar russisch-jüdischen Flüchtlingen zu begegnen und sich sofort ein Urtheil über alle russische Juden zu bilden, ist klar. Was den Schmutz dieser Leute betrifft, so können freilich diese Unglücklichen ohne Heim und Obdach, ohne Gegenwart und Zukunft nicht so tadellos saubere Toilette machen als der gestrenge Herr Professor. Das begreift natürlich dessen wohl gepflegter Bourgeois-Magen nicht — von „halbem Freidenkerthum"würdcda ein ziemlich bekannter social-demokratischer Schriftsteller jüdischen Stammes in Hinsicht auf diese Begriffstutzigkeit sprechen. In punato Nicht-Gemeinheit ist uns aberHerr Hackel nicht competent, der es für „anständig und gesittet" hält, wenn die „geläuterten und vornehmen" Juden, welche „wichtige Factoren der deutschen Kultur" sind, sich schnöde von der „erbärmlichen Gesellschaft", ihrer Stanimesgenossen zurückziehen, diese im Stiche lassen, um die deutschen Antisemiten, welche übrigens den „wichtigen Factor" gar nicht anerkennen, nicht zu reizen. Hat auch der Herr Professor die behauptete „Erbärmlichkeit" etwas gründlicher geprüft'? Gewiß nicht, sonst hätte er finden müssen, daß aus der „erbärmlichen Gesellschaft" die großartigsten Pionniere menschhcitlicher Civilisation hervorgehcn, daß in ihr die herrlichsten bei seiner beschränkten Teutomanie freilich nicht sichtbaren Exemplare jüdischen Edelmuthes und jüdischer Geistesgröße gedeihen. Die russischen Juden „tragen eben nicht bloß Menschenantlitz", sondern, wir sind dessen sicher, sie haben ein mindestens ebenso empfindsames menschliches Herz, mindestens ebenso geläuterte sittliche Begriffe wie ihre glücklicheren (ob um vieles?) Stammcsgenossen in Deutschland; sicherlich aber überragen sie in diesen Beziehungen den reinlichen, feinen, germanischen Naturforscher, der sich um den Antisemitismus, der ihm inncwohnt wie keinem Zweiten, hcrumdrückt. Eisenbahnwagen. Hebräische Skizze von R. A. Brandes. Jn's Deutsche übersetzt von M. B e r k o w i c j. (Fortsetzung.) Nicht als ob „Lln-soplus" die Seele und das Herz des Jndenthums wäre, ich meine nur, daß ihm mit diesem zugleich auch Geist und Seele genomnieu wurden. Und wahrlich, ein Mensch, der genöthigt ist. des Brodes und einiger Kreuzer wegen vor Andersgläubigen seine heiligsten Lieder zn singen und zu dulden, daß diese verspottet werden; ein Mensch, der allerorts verhöhnt und verfolgt, in sein Lehrhaus zurückgezogen, seinem Studium hingegeben ist und nur in diesem Trost für die erlittene Schmach findet; wenn ein solcher, in der Absicht trockenes Brod zu verdienen, gezwungen ist, sein Heiligstes um einen schnöden Erbsenbrei preis zn bieten, wenn man einem solchen zuruft: „Da hast Du Brod, aber singe uns dafür Deine heiligen Lieder, singe „Aln-svpln's"; wenn nun dieser Unglückliche, hungrig und vom Leide seiner nächsten Angehörigen gedrängt, auch gehorcht, sich verstellt und seine heiligen Lieder den hart-

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