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Selbst-Emancipation · 1893-06-01 · Heft 7 (1.6.1893) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 7 (1.6.1893)
Date
1893-06-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Kerbst-Gmancipalion. Nr. 7 Candidaten soll aber nur in Lanten, Grevenbroich und noch in einem dritten Nachbarwahlkreise stattsindcn; - es soll also der Aiantener Knabenmord ausgenützt werden. Einzelne antisemitische Candidaten kvmincil übrigens in fast allen deutschen (Staaten und Provinzen vor. Trotz A h l w a r d t s Blamage sind die Aussichten der Antisemiten sehr günstige. — Rumänien. Bukarest, den 17. Mai 1893. In den sanitären Gesetzen, welche nun dem Parlamente vorgelcgt werden, kommt einer der famosen ,, Fremden "-Paragraphc vor, durch welchen die jüdischen Kranken de facto aus den Staatsnnd Dorfspitälcrn ausgeschlossen sein werden. Jüngst ist die Ausweisung mehrerer jüdischer Journalisten erfolgt. Türkei. Constantinopel, 25. Jjar 5653. Es ist kein Zweifel, daß der Sultan selbst den Juden gewogen ist; nur Einflüsse einer leicht zu errathendcn europäischen Macht und des Vat'cans sind es, welche seine Beamtenschaft gegen das palästinensische Colonisationsiverk und die Juden überhaupt einnchmen. Ich weiß das aus sichererQuelle, ebenso den Umstand, das; die Wirksamkeit des bekannten Bevollmächtigten eines um die Colonisationssachc hochverdienten Geldfürsten hier viel geschadet hat. Derselbe gewann die Hilfe eines armenischen höheren Beamten, der jedoch sehr viel verdarb, während andererseits die über Vorstellung des erwähnten Bevollmächtigten erfolgte Intervention des französischen Gesandten ebenfalls die Empfindlichkeit der Pforte reizte. Uebrigens gab mir jüngst ein höherer Beamter die Versicherung, das; die Frage der Zurücknahrne des Bodenkauf- Vcrbotcs bald in günstigem Sinne gelöst sein werde. Wir tvollen hoffen. *) Vor zehn Tagen wurde der Chacham Baschi 3J. Moses Halevy in den kaiserlichen Palast zu einem Ministcrrathe, dem der Sultan präsidirtc, berufen. Den Gegenstand der Verhandlung kennt man nicht, nur soviel weiß man, daß der Oberrabbincr binnen zwanzig Tagen Antwort zu bringen versprach und sofort bei seiner Heimkehr die Rabbiner zu einer Versammlung cinlud, deren Thema ebenfalls geheim blieb. Alan ergeht sich in verschiedenen Verinuthnngcn. Jedenfalls liegt eine Angelegenheit von ganz besonderer Tragweite vor. Hamabbit. Nachbemerkung der Redaktion. Der Correspondanec de l'Est zufolge sei der Rabbiner deshalb in das Sultanpalais beschicken worden, um den Beschluß der Regierung, die israelitischen U n t c r t h a n c n d e r Türkei zum Militärdienste hcranznzichc n, zu vernehmen. Der Sultan, welcher hiedurch den Juden einen ganz besonderen Beweis seines Wohlwollens zu geben beabsichtige, wünsche eine gutachtliche Acußcrung des Rabbinats über die cinzuführcnde Neuerung zu hören. Die Rabbiner hätten nun eine dankbare. Annahme des Vorschlages einstimmig beschlossen und nur eine Bürgschaft für die ungestörte Ausübung der religiösen Pflichten der jüdischen Soldaten für wünschcnswerth erachtet. Von anderer Seite wird diese Mitthrilung demcntirt. Wir wollen ihre allfülligc Bcstütigilng abwarten, um uns darüber auszusprcchcn. Nord-Amerika. Boston, 28. April 1893. Am 14. Mai werden sich die Delegaten aller amerikanischen Colonisationsvereinc in. Ncw-Iork versammeln, um über ein einiges Vorgehen der amerikanischen und europäischen Vereine zu beratücn. Der Antisemit Dr. Böckcl hatte sich in einem europäischen Blatte gerühmt, daß der deutsche Turnverein in Mil- . ..*) Siche Original-Bericht „Jerusalem". waukcc in Amerika ihn zu einem Vorträge cingeladcn habe. Dem widerspricht nun genannter Verein. In Wahrheit sind B ö ck e l' s antisemitische Reden in Amerika überflüssig, da daselbst der Judenhaß ohnehin schon lange verbreitet ist. So wollte z. B. der New-Porker „Union Lcague Club" den Inden S c li g in a n n, einen Sohn des bekannten Millionärs, welcher: letzterer selbst Gründer ist, nicht aufnehmen. W. S ch Woirzen. Eittk Erklärung. Im Briefkasten der „Oest. Wochenschrift" war fofgcnde Stelle zu lesen: „Während czcchische Abgeordnete gegen Nichtjudcn Hetzen und deutsche Abgeordnete im Landtage für die Juden eintrcten, ist der Zeitpunkt schlecht gewählt, die böhmischen Juden zu ermahnen, sich immer mehr zu czechisircn." Diese Stelle veranlaßte einen jüdischen jungczechischen Heißsporn, gegen den „Dcutschlibcralismus" der „Oest. W." in dieser selbst zu polemisiren und dagegen zu protestiren, als ob die Kolincr und anderen Exccssc die Czechisirnng der Inden aufzuhaltcn geeignet wären. Die „Oest. W." constatirt nun, daß sie oft in schroffsten Gegensatz zur dcutschlibcralcn Partei getreten sei. „Dr. Bloch gehört", schreibt das Blatt, „als Abgeordneter dem nationalen Polenclnb an, der auch heute noch in grundsätzlicher Opposition zur deutschliberalen Partei steht. Aber auch der Vorwurf, daß die „Oest. W." die nationale Annäherung der Juden an das böhmische Volk ungüiistig kritisirt, ist ein' durchaus ungerechter und steht mit der Thatsache in grellstem Widerspruch. Gerade unser Blatt war cs, welches j cderszcit dafür ein getreten ist, daß die Juden in Sprache .und Cultur sich jenemVolke mnzuschli ctz cn haben, unter welchem sic leben, Aas ist ein Grundsatz, welcher direct im Programme der „Oest. Wochenschrift" liegt und dessen Verbreitung unzertrennlich ist mit dem Schutz der jüdischen Interessen". Folgen noch einige Sätze, welche ivicdcr das Manifestative der voransgegangencn Erklärung zu mildern geeignet sind. — Es ist gut, sich die citirtc Stelle ans dem Organe des in einem jüdischen Wahlkreise gewählten Rcichsraths-Abgeordnetcn Dr: Bloch zu merken. ' , Ruffisch-jndisch-wissenschaftlicher Verein. Einen solchen nach Berliner und Pariser Muster auch in Wien zu begründen, hat sich unser Gesinnungsgenosse, Herr Chemiker Kreps aus Berlin, während seines mehrtägigen hiesigen Aufenthaltes zur Aufgabe gemacht. In der Tyat ist es ihm gelungen, einen kleinen Kreis von gebildeten russischen Juden für dieses Projcct zu intcressiren; die Statuten sind bereits ausgcarbeitet und sollen demnächst überreicht werden. Es wäre zu wünschen, das; besagter-Verein zu Stande komme, da, sich auch in Berlin und Paris die separate Vereinigung russischer Inden als vortheilhaft für die Verbreitung der Zionsidce unter ihnen selbst, sowie unter den einheimischen Inden, erwiesen hat. ' Aus Rußland. Auf Befehl der höheren, Behörden haben die jüdischen Advokaten nicht mehr das Recht, in den Eivil- und Criminal-Processen vor unseren Gerichten erster Instanz zu plaidiren. Dieser Beschlns; hat einige zwanzig jüdische Advocaten in das größte Elend versetzt. — . Ans Reval in Kurland sind nenestens tviedcr 15 jüdische Familien ansgewicscn worden. ' Safali bevuvaU. Auch in Bukarest hat sich nunmehr dank der Initiative des Herrn K ornfcld, Mitarbeiters des „Hajoetz" ein hebräischer Sprach- und Sprechverein „Safak berurali" geßtlbct.

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