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Selbst-Emancipation · 1893-06-01 · Heft 7 (1.6.1893) · p. Seite 8

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 7 (1.6.1893)
Date
1893-06-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 §elösi-Emancrpatron. Nr. 7 herzigen Gönnern vorsingt, welche sich über ihn, sein Volk, seine Lehre und Gebräuche belustigen — hat man diesem nicht auch Herz und Seele geraubt? Ist er nicht schon um alles gekommen, was er besaß? Was macht denn sonst das Herz, die Seele eines Volkes aus? Was bildet die Adern und Venen, in denen sein Blut und Leben fließt? Welches ist das Mark in den einzelnen Knochen, die, zusammengesetzt, den Körper des Volkes bilden? — Nichts anderes doch, ols der Geist, sein innerer eigenthümlicher, nationaler Geist; nnd, wenn uns die Polen diesen nahmen, was blieb nnS übrig? . . . Die Völker des Mittelalters, jene von der Geschichte verschrieenen Tyrannen ohne Herz, nahmen zwar unser physisches Leben hart her, bedrängten, quälten nnd folterten unfern Körper, doch blieb unser Geist verschont und ging nur noch gestärkter und geläuterter aus den Qualen hervor. Diese neueren haben uns viel größeres Leid zugefügt; indem sie unserem Körper zn athmcn und zu leben gestatteten, nahmen sic uns das geistige Leben; sie tödteten uns geistig, indem sie unseren Geist, unser nationales Bewußtsein, unsere inneren Gefühle zu ersticken suchten . . . Daher unsere scheinbare- Verkommenheit, die Geringschätzung und die Verachtung, der wir täglich und stündlich ausgesetzt sind, deshalb werden wir noch heute durch tägliche Ausnahmsgesetze eingeschränkt ..." „Entschuldige, mein Verchrtcstcr, wenn ich Dir hierin widerspreche — sagte Nicolai. — Ich ergriff bis jetzt nicht das Wort, da ich anfangs Euere Discussion nicht verstand und nicht wußte, worum cs sich handelt; aber gegen Deine Ausführungen muß ich entschieden protestiren, da dieselben grundfalsch sind. Wir wenigstens, wir Russen, haben Euch niemals verachtet, noch je Euren Geist tödtcn wollen . . ." Weil er bereits längst erstorben war; — unterbrach ihn Marcus — Ihr hattet nichts mehr zu tödtcn; dagegen hättet Ihr beleben können, was die Polen einst gedämpft nnd niedergchaltcn haben, Ihr hättet, wenn Ihr uns gut gesinnt wäret, erfrischende Labung den von Euren Vorgängern getödtcten Seelen gewähren sollen. Wollt Ihr uns doch zu „russischen". Juden» oder, wie cs manchen gefüllt, zu „Russen mosaischer Confcssion" machen; aber welcher Mittel glaubt Ihr, Euch dabei bedienen zu müssen? Welcher Weg scheint Euch am sichersten zu diesen Ziele zu führen? Etwa die Einschränkung unserer Rechte und nnserc Ausschließung von jedem Gebiete? . ..." „Aber wie können wir Euch Gleichberechtigung gebe,: — wandte Nicolai ein — solange Ihr bereit nicht werth seid? Solange die Presse voll ist von den gräulichsten und schimpflichsten Thatcn unter den Juden? Wie könnt Ihr Bürgerrechte fordern, solange Ihr—nicht wahre Russen seid?" Das will heißen: solange es noch Juden gibt, die nicht russische/kleider tragen und anders als russisch sprechen! — bemerkte Jacob mit bitterem Spotte — Nicht wahr? aber ich habe oft sagen gehört, daß in moderner Kleidung und Sprache beiweitem größere Verbrechen geschehen als der ~ Jude in seiner langen Tracht nnd Jargon sprechend zu begehen imstande ist... Nicolai wollte ihm erwidern, wurde aber von Marcus unterbrochen. (Fortsetzung folgt.) Die geehrten Herren Mitarbeiter werde» aufmerksam gemacht, daß größere Beiträge spätestens am Abende des fünften, kleinere Beiträge spätestens am Morgen des dritten Tages vor dem Datum des Erscheinens im Besitze der Redaction sein müssen, damit ihre Aufnahme möglich sei. » In Wien finden ein oder zwei Knabe» ans anständiger Familie im Alter von 10 bis 16 Jahren in einem feingebil'deken jüdischen Kaufe volle Verpflegung, eventuell auch Unterricht in den verschiedensten Disciplinen, so in den Gegenständen des Gymnasiums, der Realschule, der Normal- und Handelsschule, in Stenografie, in modernen Sprachen nnd in den hebräischen Fächern. Spccicll können ausländische Knaben, da der Herr des Hauses ein anerkannter Schriftsteller deutscher Sprache ist, dieses Idiom gründlich und bis zur vollkommenen Beherrschung in Wort und Schrift erlernen. Angemessenes Honarar nach Vereinbarung. Ansknnst in der Redaction. I Soeben erschienen: Die nnfinnnle lUiekrjeluirt MW« |olte in feinem fnuk als Mittel zur Lösung der Judenfrage. Ein Appell an die Guten und Edlen aller Nationen. Von Dr. Nathan Jtirnbaum. Im Verlage des Verfassers "ME Hörers: 60 Kreuzer Per Post 65 kr., nach Deutschland i M. 15 Psg., nach Rußland 60 Kopeken, »ach dem übrigen Ausland 1 Francs 40 Gent. ' ü Zur Agitation sehr^geeignet!! Die Zeitschrift sucht iu allc» Liiudcru A i! 0 I11 <* II für "" und für Jilseniit ltub bittet die bestell Bedingungen. Offerte an die Adunnistration. Für die Redaction verantwortlich: Dr. Nathan Birnbaum. — Druckerei „Wiener Allgemeine Zeitung" (I. Dux), IX., Hahngasse 12. 0201000001300101

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