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Selbst-Emancipation · 1893-06-01 · Heft 7 (1.6.1893) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 7 (1.6.1893)
Date
1893-06-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7 Sekbsi-GmancipaLion. Seite 5 in den Einzclvcrein Wien des Verbandes „Zivil" verwandelt hat), erstattete seinen Rcchenschastsbericht. Demselben folgten die Neuwahlen. Herr Dr. Schuir er lehnte es unter Hinweis ans seinen Zeitmangel ab, fernerhin für die Prnsidentenwnrde zn candidircn, und beharrtc trotz aller Vorstellungen auf seinem Entschlüsse. Auf Vorschlag des Herrn Dr. Birnbaum wurde Herr Leopold Paul Lob lznm Präsidenten gewählt. Die übrigen Ausschußwcihlen ergaben die Herren Dr. Diamant und Salomvn Bauer als Vicepräsidenten, Rüben B r a i n i n als Schriftführer für die hebräische Sprache und Dr. Saul Rafael Landau als Schriftführer für die deutsche Sprache, Julius G ö tz l und Carl Bringer als Cassier , zu Revisoren wurden die Herren A. Kohu und Nathan Pineles gewählt. lieber Antrag des letzteren Herrn wurde dem Herrn Dr. Schnirer der Dank des Plenums für seine Thätigkeit als bisheriger Präsident cinstimnlig votirt. Als ein weiteres Zeichen der Anerkennung für den zurückgetrctcnen Präsidenten brachte Herr Dr. G o l d b a u m die Wahl desselben zum Dclegirtcn für den ersten Dclcgirtcntag des Verbandes in Vorschlag. Auch dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Bei dem Punkte „Evcntualia" wurde die Frage der diesjährigen Herausgabe des Kalenders „Jordan" besprochen. Es wurde darauf verwiesen, daß die naturgemäße und daher wünschensiverthe Ucberlnssung dieses Unternehmens an den Verband in diesem Jahre Wohl noch nicht durchführbar sei, und hierauf beschlossen, dem Ausschlisse die Frage der Herausgabe des Kalenders durch den Einzelvercin zu überlassen, Wien, den 29. Mai 1893. Sonntag, den 1. Juni d. I. Vormittags 10 Uhr, findet im Locale des akademischen Vereines „Kadimah", IX., Müllncrgasse 13. die zwei tc ordentliche Generalversammlung des hebräischen Sprach- und Sprcchvercines „8 alast dornrail" statt. Tagesordnung: Rechenschaftsbericht, Statutenänderung, Ergünzilngswahlen, Eventnalia. Wien, 29. Mai 1893. Die Stadtrath-Ergüuzungswahlen haben ein Jedermann — nur uns nicht — überraschendes Ergebnis; gehabt. Die Antisemiten hatten das Anerbieten der Liberalen nicht aeceptirt, sondern entsprechend ihrer Kopfzahl im Plenum fünf von den fünfzehn neu zn besetzenden Stellen verlangt. Darauf waren die Liberalen nicht cingcgnngen, und hatten beschlossen, nur Liberale zn wählen. Nichtsdestoweniger wurde bei der heutigen Wahl Dr.. L u c g c r an Stelle gerade eines jüdischen Gcmeinderathes, des Ritters von G v l d s ch m i d t, gewählt, ja noch mehr, dieser hatte iu einem ersten Wahlgange die relative Majorität erlangt, in einem ziveiten nothwcndig gewordenen befand er sich schon iu der Minderheit; plötzlich waren einige liberale Stimmen von ihm zu Dr.'Lneger abgefallen. Dr. Lueger nahm das Mandat an. Prag, den 18. Mai 1893. Vor wenigen Wochen hatte sich hier eine kleine Schaar von jüdisch-nationalen Studenten zusamnicngcsundcn, die sich durch Sanlinlnng und Werbung neuer Anhänger binnen Kurzem derart verstärkte, daß die Existenz eines Vereines vollkommen gesichert erschien, so daß bereits am Samstag den 13. Mai die c o n st i t n i r ende Vers a m m l u n g desselben stattfinden konnte. Diese Versammlung, zu der nur geladene Gäste Zutritt hatten und deren Vorsitz über einstimmige, stürmische Acclamation der für unsere Sache sehr thätige Herr Dr. Gottfried Grün führte — nahm entsprechend der Wichtigkeit und Bedeutung derselben, einen höchst würdigen und freudigen Verlauf. Nach einer nochmaligen kurzen Besprechung über das Wesen und die Bestrebungen des künftigen Vereines, als dessen Namen, über Vorschlag der „Hasmonaea" in Czernolvitz S t u d e n t e n - V e r e i n „M nccn ba c a" unter allgemeinem Änklang gewählt wurde, wurde an die Berathung der Statuten geschritten, und diese bis auf einige kleinere Aendcrungen in der Form angenommen, in der sic die Commission zur Ausarbeitung derselben vorgcschlagcn hatte. Zum Schluß gelangten mehrere Vorschläge zur Annahme; von besonderer Wichtigkeit der, alle hiesigen und auch auswärtigen größeren jüdischen (nicht nur nationalen) Zeitschriften um Aufnahme der späteren Vereinsberichte zn ersuchen, ferner auch die Anregung, es mögen alle Vereine gleicher Tendenz aufgefordert werden, gleiche Statuten oder wenigstens gemeinsame Bezeichnungen zu wählen. Nach mehr als dreistündiger Berathung schloß die, wie schon erwähnte sehr eindrucksvolle Versamnilung, in deren Folge ein S a m m e l p u n k t a l l e r j ü d i s ch-n a t i v n a l c n Stuben teil Prags und ein neuer (! c n t r a l p u n k t entstehen soll jener Bewegung, die von Osten her immer weiter und weiter unaufhaltsam vorwärts dringt, und darum wünschen wir der künftigen „Maeeabaea" und ihren Mitgliedern. sie mögen auf all ihren Wegen und in all ihren Bestrebungen von Glück und Sieg begleitet sein! zzz Neutra, 22. Mai 1893. Es ist noch nickt lange her seit dein Tode des gewesenen Vorstehers der Budapeslcr neologen Eilttnsgcmeinde, Moritz Wah rman ». Dem Verstorbenen, der eine lange Zeit hindurch Priisident der Finanzseclion im ungariscken Reichstage war, wurde in allen ungarischen Blättern die ehrendsten Nekrologe gewidmet, in welchem derselbe als Muster eines II n g a r n mosaischer C o n - f c s s i o n dargestellt wurde. Diese Blätter, Iv.lche, wenn auch zumeist von Inden redigirt, cs doch nicht nöthig haben, sich jüdisch zn gebcrden, haben den richtigen Ausdruck getrogen; MoritzWahrmannwar . ein bedeutender Mann, snr den Ungarn nur schwer Ersatz finden dürste, aber als Jude war er eine, wenn auch eine sehr ansehnliche, Null. ' Dies scheinen auch die speciell jüdischen Blätter gesuhlt zn haben, die ihn wegen seiner angeblichen Verdienste um oas Judenthnin in der überschwänglichsten Weise loblen, aber ihre glänzendste» Metaphern nicht durch die magerste Thatsachc belegen konnten. Wie triebfähig das Assiinilations- Judenthiiin ist, hat dieser, sein hervorragendster Vertreter, an seiner Nachkommenschaft gezeigt. Sein Sohn Ernü ist noch bei Lebzeiten seines Vaters zum Christcnthuin übergetreten. Sein anderer Sohn Richard, der kurz nach dein Tod deS Vaters in Szegedin seine Strafe für ein Duellvergehen absaß, hat, wie ein hiesiges clcricales Blatt meldet, „seine Strafzeit zn Gutem verwendet, die Lehren des Catholicisinns angenommen und seine Sünden bereut". Am. 14. M. wurde er in aller Stille in der Franciscancrkirche getauft, worauf er sogleich nach Wien reiste. Einem sehr verläßlichen on-ciit zusolge soll W ah rma nn's einzige Tochter Reine verehlichte Krau 3 diesem Beispiele folgen, und sich von ihrem Manne scheiden lassen, mit den oppositionellen Parteiführer Grasen Apponhi heiraten zu können. Zu bemerken ist, das; Wahrmann's Kinder seit jeher bloS in den Kreisen der Magnaten und Anderer von den „oberen Zehntausend" verkehrten. Z’ivi Deutsches Reich. Frciburg, im Breisgan, 17. Mai 1893. In beiden Hessen und nächster Umgebniig stellt die „antisemitische Bolksparlei" Böckels 18, im Königreich Sachsen außerdem t> Eandidaten aus. Deutschsociale antisemitische Eandidatureii sind ausgestellt: im Großherzogthnin Baden, in den Provinzen Brandenburg und Pommern, außerdem gleichfalls iiii Königreich Sachsen; dazu Lieb er mann von S o n n e n be r g, der sicher gewählt wird, in Hegen. Auch Evniproniiß- Eandidaten der Aiitisemiten und des „Bundes der Landwirthe" sind vorhanden. Auch andere neu entstehende Wirthschastsparteien suchen Anlehiiiing bei den Antiseinitcn. Die Eonservativen nehmen bei der Auswahl ihrer Eandidaten sehr viel Rücksicht aus die besreundelc Aiitiseiiiitcnpartei. Die „Krcuzzeitung", das Hauptorgan der Eonservativen, gibt die Jndenfrage als Wahlparole, obwohl der Reichstag wegen Nichtbeivilliguug der Militärvorlage aufgelöst worden ist. Im Königreich Sachsen,, loo der Antiseinitisnnls besonders stark ist, wollen die Notivnallibcraleii mit den Eonservativen und den deutschsocialen Aiitijcniiteii bei den Wahlen zusainniengehen. Dabei sind die Führer der sächsischen Nationalliberalen Prof. B i e s e r m a n n und der sächsische srüheie nationalliberale Abg. H o s f m an n Mitglieder des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus". Besonders rassinirt gehen die Aniiseiniten in der Rheiuprovinz vor. Da dort bisher die iiliramoiitane (katholische) Partei durchaus geherrscht hat, so ivollen sie nur katholische Antisciniten dort ausstellen. Die Ausstellung solcher

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