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Selbst-Emancipation · 1893-06-01 · Heft 7 (1.6.1893) · p. Seite 3

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 7 (1.6.1893)
Date
1893-06-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 Sewsi-Gmancipatton. Seite 3 Franzosen in Afrika und Asien, namentlich die neucntdeckten Hinterländer der Westküste Afrikas empfehlen dürsten) werden so lange unter den Schutz der Seemächte oder ihres Mutterlandes gestellt, bis cs denselben gelungen ist, gestützt auf die eigene Kraft und auf die angcleitete productive Thntigkcit der Eingeborenen, sowie einer zu unterhaltenden Cvlonialarmce, Handel und Gewerbe ganz nach ihrem Gefallen gesetzlich und wirthschaftlich zu organisiren. Es würden dieses Seeplätze mit ähnlichen staatlichen Institutionen sein, wie sie z. B. in den italienischen Republiken Venedig und Genua bestanden haben und unter dem Schutze der nordamerikanischen Freistaaten heute in der Republik Liberia, bestehen. Von diesen Punkten aus würden sie ihren Einstuß auf die-Geschäfte der Welt geltend zu machen haben. Ist ihnen dieses gelungen, dann haben sie bewiesen, daß ihre Rasscneigenthümlichkeit nicht nur einen materiellen, sondern auch einen politischen, staatbildcnden Hintergrund hat, und sie werden der Menschheit in dieser handelspolitischen Vermittlerrolle, namentlich auch mit Rücksicht ani die Förderung der Cultnr in barbarischen und halbbarbarischen Ländern, einen sehr großen Dienst erweisen. Denn unsere Colonialbestrcbungcn können in den Ländern der heißen Zone doch nur durch kaufmännische Unternehmungen gefördert werden, in diesem Punkte wird uns der angeborene Geschäftssinn der Israeliten, ja selbst die - materielle Lebenskrüstigkcit ihrer Rasse von großem Nutzen sein?) Ihre Bedeutung wird auf diesem Gebiete den Charakter einer eigenen Nationalität erhalten und durch ' diese Thatsache allein ihren in der ganzen Welt zerstreut - lebenden Angehörigen nicht nur in politischer, sondern auch in gesellschaftlicher Beziehung eine bessere Stellung verschaffen. Eine derartige Lösung der Semitciifrage verträgt sich auch mit der ganzen Würde unseres Zeitalters und gibt denjenigen Juden, welche nicht geneigt sind, ganz in dem Geist des Christenthums aufzugehcn, Gelegenheit, die Eigcnthümlichkcit ihrer Rasse in ihrem specicllen Interesse und zum Segen der Gesammtheit zu vcrwerthen." Ich füge dem hinzu, daß nur auf diesem Wege auch die allgemeine Achtung wieder zu erlangen ist, welche die Juden im Lause .der Jahrhunderte nur wegen Mangels eines eigenen Vaterlandes verloren haben. Die Mittheilungen in der oben angczeigtcn Schrift über den blühenden Zustand der Ackcrbau-Cvlonicn in Palästina liefern hierzu den erfreulichen Beweis, daß auch nach dieser Richtung hin die producircnde Kraft der Juden nicht verloren gegangen ist .: sie berechtigen zu der Hoffnung, daß cs den Staatsmännern Europas iw Folge der persönlichen Initiative eines mächtigen Fürsten (ich möchte sagen der Fürsten des Dreibundes) und mit Hülse der Opferwilligkeit der jüdischen Geldfürsten gelingen wird, den Juden zunächst in Palästina ein eigenes Vaterland zu begründen. Es wird durch diese Thatsache ein großes sociales Problem gelöst werden, zum Heile nicht nur den Juden, sondern auch zum Segen des türkischen Reiches und zur Ehre der gesammten Menschheit. Straßburg. ' . Fr. W. Toussaint. *) Professor Dr. Äirchow sprach aus der öS. Lersmmnlunq deutscher Naturforscher und Aerzte zu «strajzburg die Meinung aus, daß die Semiten zur Colonisation in der heißen Zone sich besser eignen als die Germanen. Nachbemerkung der Redactio». Herr Fr. W. Toussaint ist ein in Deutschland und Oesterreich-Ungarn vorthcilhaftest bekannter Volks- und landwirthschaftlicher Schriftsteller, dessen Urthcilc das Gewicht nicht abgesprochen werden kann. Aus 'KnLästina. Original-Berichte. Jerusalem, 12. Mai 1893. Das Hauptcreigniß der Woche ist die Aufhebung des Verbotes des Bodenkaufs. Die Grenzendes neuen Erlasses sind noch nicht genau bekannt. Nur soviel weiß man, daß Kauf und Verkauf von Immobilien den palästinensischen Juden wieder gestaltet ist. Doch soll cs denselben verboten sein, fremde Juden ans diese Güter zu beziehen. Trotz dieser Beschränkung ist die Aufhebung des Verbots geeignet, unsere wirthschastliche Lage im heiligen Lande um ein Bedeutendes zu bessern. Die französisch-katholischen Pilger, — circa 1000 Personen, — zumeist Geistliche, füllen die Stadt. Nächsten Montag werden die Sitzungen des k a t h.o l i s ch e u C o n g r e s s e s beginnen, welche an verschiedenen Orten stattfinden werden. Baron Edmund Rothschild, der Protcctor mehrerer Colonien, ist in Palästina angekommen. Das erstemal war er vor sechs Jahren hier. Diesmal kam er gänzlich unvermnthet. Er landete in Chaifa und besuchte bald hieraus die Colonie Sichron Jacob. Hier that er einen Ausspruch, der angenehmes Aussehen erregte, weil er einen Rückschluß auf seine wahrhaft nationale Gesinnung gestattet. Er frng. die Colonisten, ob sie französisch verstünden. Nein, — lautete die Antwort. Darauf sagte er: „Wenn Ihr nicht französisch versteht, so schadet das nichts; wenn Ihr aber den Jargon sprechet, so ist das sehr sch lccht. Der Jargon ist keine Sprache. Ihr sollet die Sprache sp rech cn, welche Eure Väter re d eten,• — die hebräische Sprache. Ich hoffe, wenn ich wieder komme, Euch hebräisch sprechend zu finden." Ein Colonist antwortete,daß die Kinder der Eolonie sicher hebräisch sprechen werden, für die ältere Generation sei cs aber wegen der vielen Arbeit schwer, dieses Ziel noch zu erreichen. Der Baron ermahnte sodann die Colonisten, den jüdischen Anschauungen und Traditionen gemäß als nützliche Glieder des Menschengeschlechtes und des Staates und treue Unterthanen des Sultans zu leben. Herr D i s i ng o f s diente als Dolmetsch. Auch an die Frauen hielt der Baron, gelegentlich der Aufführung eines hebräischen Theaterstückes „Scrubabel" durch die Schulkinder eine Ansprache, worin er ihnen die Wichtigkeit ihrer Rolle als Erzieherinnen der Kinder ans Herz legte. Amithi. Die Hoffnung der Mühseligen?) Brüder! Sehet Ihr nicht die kräftig gehandhabten Acker - gcräthc in den Händen der Jünglinge Juda's auf den Bergen Jnda's? Hört Ihr nicht den Rythmus des Arbcitgcränschcs? Wißt Ihr)'was diescrTag bedeutet, was er so Großes gebracht hat, daß die schwieligen Hände unserer Jugend gewandter und emsiger sind, als seit Monaten? Ich will es Euch sagcii. Einige Tropfen Eurer an Euren Freuden- und Festtagen zu Gunsten dieser Eurer Brüder geübten Wohlthütigkeit, haben, wenn cs auch nur erst Tropfen waren, die znvcr- *) Diesen Aufruf haben wir in hebräischer Sprache erhalte».

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